Eingeschränkt im Alltag (WDLD)

 

Krank in der modernen Gesellschaft

Hey du,
wann hast du zuletzt jemanden mit Rollstuhl gesehen? Oder mit Gipsarm, Krücken, Rollstuhl?
Menschen mit körperlichen Einschränkungen fallen auf. Wer körperlich krank ist wird aus Umsicht seiner Umwelt besonders behandelt. Wer mit Fieber im Bett liegt (so wie ich gerade) wird umsorgt, den Kleinwüchsigen bringt man einen Stuhl und den Fußlahmen öffnet man die Tür.
Aber wie sieht es mit geistigen Krankheiten aus? Beachten wir die Probleme und Einschränkungen von geistig/seelisch Kranken genau so oft und mit gleicher Wichtigkeit?
Meine persönliche Erfahrung ist da leider so, dass man Menschen mit geistigen Einschränkungen die Probleme nicht ansieht. Natürlich gibt es die voll geistig Behinderten bei denen man das dann auch sieht, aber ihr begegnet im Alltag vielen Menschen mit psychischen und psychosomatischen Problemen, Depression und Suizidgedanken oder mit Krankheiten wie Autismus, Borderline, AD(H)S, Hypersensibilität… All diese Menschen haben im Alltag ihren ganz eigenen Kampf, oft mit Tätigkeiten die einem „normalen“ Menschen keine Probleme machen. Diese Menschen brauchen viel Kraft und Energie um nur ihren Normalalltag zu bewältigen und haben dann häufig ein Problem wenn sie noch zusätzlich belastet werden. Wichtig ist vor allem dass man die geistigen Probleme / Hindernisse im Gegensatz zu den körperlichen Einschränkungen nicht sieht.
Da ich selbst geistig meine „Problemzonen“ habe, welche durch meinen mittlerweile sehr schwachen Autismus zustanden kommen, habe ich im Alltag immer mal wieder das Gefühl, ich würde mich darüber freuen wenn mich die Anderen anders behandeln würden. Zum Beispiel mich in einer Menschenmasse weniger zu bedrängen, strukturierte Sätze zu bilden und auf Smalltalk zu verzichten. Ich habe in den letzten 10 Jahren gelernt meine Alltag zu meistern und mich so zu verhalten dass die Menschen in meinem Umfeld mir den Autismus nicht mehr anmerken, sich aber gleichzeitig so verhalten wie es für mich am wenigsten stressig ist. Und falls auch ihr mit einer oder mehreren geistigen Behinderungen zu kämpfen habt: Macht weiter, reflektiert euer Verhalten objektiv und denkt immer wieder an eure Stärken!
Nur wie man solche Menschen erkennt und im Tag darauf reagiert habe ich noch nicht erklärt. Grundlegend besteht ja das Problem dass man geistig kranken Menschen das nicht ansieht. Aber wenn man sich bemüht und im Alltag immer wieder versucht in der Menschenmenge mit der man konfrontiert wird die Personen zu finden denen es am schlechtesten geht, dann hat man einen Anhaltspunkt wer besondere Beachtung braucht. Das heißt nicht dass diese Personen umsorgt werden müssen, aber ein freundliches „Wie geht’s dir?“ oder ein „Schön dass du da bist“ können viel bewirken und manchmal in einem guten Gespräch enden. Wenn du wirklich wissen willst was dein Gegenüber braucht und was nicht, hilft nur reden!
Denn egal ob die Leute geistig ihre Probleme haben oder kern gesund sind, ein Gespräch wie man helfen kann, ist immer gut. Daher lautet meine Bitte an euch nicht, euch um die geistig kranken voll zu kümmern, denn dafür gibt es Menschen mit Ausbildung oder Erfahrung. Meine Bitte an euch lautet ganz klar: „Behandelt jeden in eurem Umfeld freundlich, zuvorkommend, höflich und friedlich! Akzeptiert euer Gegenüber und fragt häufiger nach ob ihr helfen könnt!“
Wobei ich mir an für Sich gar nicht so sicher bin, ob wir nicht alle irgendwo einen kleinen Dachschaden haben, denn jeder tut sich im Alltag mit irgendwas besonders schwer…
Und so bleibt mir nur noch zu sagen, dass es als geistig kranker doch irgendwie schön ist, mal körperlich krank zu sein, und sich bedienen zu lassen.

Bleibt so wie ihr euch wohl fühlt, denn so seid ihr gesund! (Auch mit Dachschaden)
Stay Blessed, stay family!

Markus

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Der Autor des Textes: Markus ist 20 Jahre alt und packt Erlebnisse mit anderen Menschen oder aus seinem eigenen Leben in berührende und zum Nachdenken anregende Kurzgeschichten und Lieder die er hier veröffentlicht.
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