Wenn Gott sagt: Geh los!


Manchmal öffnet sich im Leben eine Tür und man fragt sich ob man hindurchgehen soll. Hat Gott diese Tür aufgemacht? Oder hat jemand anderes sie einfach offen gelassen? Auch Ben hat sich diese Frage gestellt und von Gott eine ziemlich eindeutige Antwort bekommen.

Klarer als in diesem Moment hatte Gott zuvor noch nie in mein Leben gesprochen. Es war kurz nach meinem Abitur. Ich saß im Zug, hörte Musik. An mir vorbei zog die beeindruckende Landschaft des Rheintals: Wein, Wein, Wein, kleine, hübsche Dörfer, dann wieder Wein, Wein, Wein. Der breite Fluss ständig in Sichtweite. Zwischendrin Schiffe, die irgendwo zwischen den Niederlanden und der Schweiz ihre Ziele ansteuerten.

Weg von Mama
Meine Gedanken kreisten. In wenigen Monaten würde ich nach Ecuador in Südamerika aufbrechen und für knapp ein Jahr alles zurücklassen. Das erste Mal richtig lange, richtig weit weg sein von Zuhause, von meiner Familie, von meinen Freunden, von meiner Gemeinde. Etwas Grundsätzliches würde sich von nun an ändern in meinem Leben, ich spürte das. Manche nennen es Erwachsenwerden. Für mich hieß es, dass mir Mama nicht mehr die Klamotten hinterherwaschen würde. Dass ich selbst dafür sorgen musste, wenn ich Nudeln al dente haben wollte. Dass ich das erste Mal im Leben ein Badezimmer mit Putzlappen bearbeiten musste. Entspannt fühlte sich anders an, doch das nahm ich in Kauf. Jung bin ich heute zwar immer noch, doch damals war ich noch jünger. Und voller Ideale.

Geh mit Gottes Segen?
Ecuador schien ein vielversprechender Ausgangsort zu sein, um die Welt zu verändern. Ich stellte mir vor, dass Gott ganz viele große Dinge durch mich tun würde. Nur war ich mir nicht so ganz sicher, ob er sich das auch vorstellte. Das war die entscheidende Frage: Was hat sich Gott eigentlich vorgestellt für mich? Am Zugfenster zog die Landschaft weiter vorbei: Wein, Wein, Wein, Fluss, GO! Ich riss die Augen auf. Mitten auf dem Rhein fuhr ein Schiff, darauf ein Schild mit der Aufschrift „GO!“. Im selben Augenblick brüllte es der Sänger aus den Kopfhörern meines MP3-Players: GO! Ich bin schließlich nach Südamerika gegangen. Für mich ein wahnsinnig großer Schritt damals. Doch als ich zurückkam, wusste und konnte ich weit mehr, als Nudeln in Al-dente-Zustand zu versetzen.

Leben ohne Reue
Einfach mal losgehen. Ohne 100-prozentige Sicherheit, ohne Plan B. Das ist mein Thema. Nicht, weil ich ein perfektes Erfolgs-Exempel statuiere – im Gegenteil. Ich glänze eher durch Zaudern, gerade wenn es um die großen Entscheidungen im Leben geht. Schließlich will ich nachher keine Fehltritte bereuen. Irgendwo schnappte ich dann mal folgenden Satz auf: „Man bereut im Leben nicht das, was man gemacht hat, sondern immer nur das, was man nicht gemacht hat.“ Dumme Weisheit, war meine erste Reaktion. Man sieht ja, wie Menschen enden können, die etwas wagen: wenn junge Unternehmer scheitern. Wenn die Ehen nach wenigen Jahren wieder zerbrechen. Wenn das gekaufte Haus sich als Baupfusch entpuppt. Menschen scheitern, weil sie an das Unmögliche geglaubt haben. Sind Sie deshalb dumm? Oder bin ich es letzten Endes? Dumm, weil ich mein Zögern als frommen Vorwand nutze, um meine Angst vor dem Losgehen zu verstecken?

Kein Weg an Jesus vorbei
„Ich bin das Tor“, sagt Jesus im Johannes-Evangelium, „Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. Wo er auch hinkommt, wird er grüne Weiden finden.“ Also kein „Ben, bleib mal stehen und warte ab, bis irgendwann mal etwas passiert“. Ganz im Gegenteil, ich sehe hier für mich etwas anderes: „Ben, leg los! Gehe, wohin es dein Herz verschlägt – nur geh vorher durch mich hindurch!“ Eine wahnsinnig tolle Einladung. Eine Einladung, den Hintern zu bewegen, sich aus dem eigenen Dreck zu erheben und durch Jesus an Orte zu kommen, die ich vorher nie gesehen habe. Ich werde neue, ungeahnte Möglichkeiten ergreifen, Menschen treffen, Länder sehen können. Alles ohne die Angst vorm Scheitern, vor den Fehlern – weil ich das Wesentliche passiert habe: Jesus. Das Einzige, was ich brauche, ist der Glaube, dass Unmögliches möglich werden kann. Einfach losgehen. Wenn Jesus doch selbst einem Gelähmten sagt „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“, was wäre in meinem Leben möglich, wenn ich anfangen würde zu glauben?

Heilige Momente
Vor ungefähr zehn Jahren erhielt ich eine Karte von einem Menschen, der mich gut kannte. „Ich glaube daran, dass sich in deinem Leben vieles durchs Losgehen ergeben wird!“, schrieb er mir darauf. Mich haben diese Zeilen getroffen. Weil ich einiges noch nicht gewagt habe. Oft genug bin ich vor offenen Türen wieder umgekehrt. In manchen Situationen war das gar nicht so blöd, oft genug hätte ich aber auch mal durchschauen können. Manchmal habe ich mich aber doch aufgemacht. Nach Afrika wollte ich nie. Zu viele Kriege, zu viele Krankheiten, zu viel Kriminalität. Zu viele Vorbehalte. Und dann hat sich vor Kurzem doch etwas ergeben. Ich habe keine Minute bereut, das Flughafen-Gate in Richtung Kenia zu verlassen. Denn dahinter liegt ein wunderbares Land mit tollen Menschen, einer beeindruckenden Kultur und vielen spannenden Geschichten, die ich nie vergessen werde. Irgendwo im kenianischen Niemandsland fand ich ihn wieder: diesen heiligen Moment, in dem Gott spricht. Dieses Mal saß ich nicht im Zug, sondern unter einem Savannenbaum. Mitten in der brüllenden Hitze bot er idealen Schutz. In seinem Schatten sang eine Gruppe von Kenianern und Deutschen Lieder in allen Sprachen, während ein warmer Wind die Melodien forttrug. In diesem Moment wusste ich: Das hätte ich auf keinen Fallmissen wollen!



Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Nicht von dieser Welt. Das WortProjekt: Zwischen Himmel und Erde“, in dem sich verschiedene junge Autoren, anhand ihnen wichtig gewordener Bibeltexte Gott und dem Himmel nähern. Erschienen ist das Buch bei SCM Collection und kostet € (D) 12,95 / € (A) 13,40 / SCF 19,50.

Weitere schick gestaltete Bibelverse im WortProjekt-Stil gibt es inzwischen auf Tassen, Postkarten, Leinwänden oder Blechschildern (alles SCM Collection).



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