Gebet bewegt

Hey ihr,
manchmal komme ich mir echt komisch vor. Ich rede und bitte und bete und fühle mich dabei so klein und bedeutungslos. Hört Gott meine Gebete überhaupt? Ist es wahr, dass sich ein so großer Gott für mich kleinen Menschen interessiert? Ja! Genau das ist das einmalige an unserem Gott, dass er sich persönlich für uns interessiert. Auch wenn es uns manchmal unwahrscheinlich vorkommt. Nur weil Gottes Liebe und sein Interesse für uns viel größer ist, als wir uns das vorstellen können, sind sie nicht erfunden. Ich sage mir das immer wieder, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Gebet kraftlos ist. Und das passiert oft.

Mit Gott gefeilscht
Wenn ich mal wieder denke, beten hilft doch eh nichts, lese ich in der Bibel über die Gebete, die unglaublich viel bewirkt haben und staune immer wieder aufs Neue über Gott. Da war zum Beispiel Abraham. Als Gott bei ihm vorbeikam, erfuhr er, das dieser die zwei Städte Sodom und Gomorra zerstören möchte (1. Mose 18). Abraham muss ganz schön geschockt gewesen sein. So viele Menschen sollen sterben? Er fing an, mit Gott um Leben zu feilschen und sagte: Herr, wenn du fünfzig Menschen in der Stadt findest, die ein gutes Leben führen, kannst du deine Meinung dann nicht ändern? Und jetzt kommt das Erstaunliche: Gott geht auf den Handel ein! Er sagt: Okay, wenn ich fünfzig finde, verschone ich die Stadt. Abraham gibt sich damit jedoch nicht zufrieden und bohrt nach: Was ist, wenn du nur vierzig findest? Oder dreißig? Oder auch nur zehn? Und Gott willigte wieder ein: Wenn ich auch nur einen finde, der ein gutes Leben führt, so will ich die Stadt verschonen.

Deine Meinung zählt
Ein anderes Beispiel war Mose. Er war gerade auf dem Berg Sinai und verbrachte herrliche Tage in der Gegenwart Gottes (2.Mose 32). Da wird Gott plötzlich sauwütend. Er hat gesehen, dass sein Volk am Fuße des Berges angefangen hat, einen anderen Gott anzubeten. Er sagt zu Mose: Jetzt schau dir das mal an! Vor wenigen Wochen habe ich das Volk aus Ägypten gerettet und schon hat es mich vergessen! Ich vernichte dieses ganze Volk! Was macht Mose? Er tritt Gott mutig entgegen und erinnert ihn andas Versprechen, das er dem Volk gegeben hat. Er wollte sie sicher ins geheiligte Land führen und für sie sorgen. Und wieder ändert Gott seine Meinung und verschont die Menschen! Unsere Gebete bewegen den Himmel! Hast du das gewusst? Das ist doch unglaublich! Gott bezieht uns in solche Entscheidungen mit ein. Natürlich ist er der König, der entscheidet, aber er interessiert sich für unsere Meinung, unsere Sorgen, und hört sich alles an, was wir zu sagen haben. Und unser Zugang, wie wir ihm das alles mitteilen können ist nun mal das Gebet.

Du bist wichtig
Vielleicht denkst du dir jetzt: Das waren ja auch Abraham und Mose, klar hat Gott auf sie gehört. Die waren ja auch so "Heilige". In der Bibel steht aber mehrmals, dass Gott nicht auf die Person schaut (Römer 2,11; Epheser 6,9; Kolosser 3,25; Jakobus 2,1; und 1. Petrus 1,17).
Das heißt, dass er nicht darauf schaut ob Abraham oder ich oder Mose oder du ihn um etwas bitten. Er hört es sich einfach an. So hat er sich bestimmt auch das Gebet von Jesus angehört, als dieser ihn in der Nacht seiner Festnahme gebeten hat: Vater, wenn es irgendwie möglich ist, ändere mein Schicksal! Lass mich nicht sterben! (Lukas 22,42) Bestimmt hat Gott dieses Gebet gehört - immerhin war es von Jesus. Aber offenbar fand er, dass es keine andere Möglichkeit gab, als den gewaltsamen Tod für Jesus. Das Gott Jesus´ Gebet nicht in dem Sinne erhört hat, dass er eine andere Möglichkeit geschenkt hat, heißt aber noch lange nicht, dass er es nicht gehört hat. So oft denken wir, dass unser Gebet nicht bei Gott angekommen ist, er es nicht gehört hat, warten verzweifelt auf eine Antwort und vergessen dabei völlig einfach mal hinzuhören. Und auch wenn sich gar nichts tut, heißt das noch nicht, das unser Gebet verloren gegangen ist. Gott antwortet uns auf so viele verschiedene Arten. Manchmal passiert auch etwas ganz anderes als das, was wir und gewünscht haben, das sich später aber als viel besser herausstellt. Ich habe einmal einen Spruch gehört, den ich gerade sehr passend finde: "Gott zerstört unsere Pläne, bevor sie uns zerstören." Gott hat einen viel weitreichenderen Überblick über die Folgen der Dinge, die in unserem Leben passieren. Deshalb bewahrt er uns vor schlimmen Erfahrungen indem er vielleicht etwas nicht so geschehen lässt, wie wir uns das gewünscht hätten. Aber Gott ist nun mal kein Gebetsautomat. Man kann nicht ein Gebet reingeben und Zeichen und Wunder kommen raus. Gott lässt sich nicht einfach benutzen. Er wünscht sich viel mehr eine Beziehung mit uns. Um diese Beziehung geht es auch beim Beten.

Eine echte Freundschaft
Was ich als Junge lange Zeit echt witzig fande, ist die Tatsache, dass beste Freundinnen, obwohl sie schon den ganzen Tag zusammen waren, sich in der Schule sogar während dem Unterricht Briefe hin und her geschoben haben, abends stundenlang telefonieren und den ganzen Tag nochmal durchbesprechen müssen. Wieso? (Sorry Mädchen ; ).Vor kurzem habe ich mich mit einer guten Freundin auch darüber unterhalten und sie sagte mir, das Mädchen das nun mal so machen. Es ist ihnen wichtig, alles Erlebte bis ins letzte Detail durchzusprechen, dieselben Ansichten zu haben und alles voneinander zu wissen. Vielen Mädchen ist das Telefonat auch echt wichtig, denn hier können sie so richtig vertraut mit ihrer Freundin reden. Den ganzen Tag waren sie ja von Mitschülern umgeben. Jetzt können sie sagen, was sie wirklich fühlen. Das finde ich klingt ja gar nicht mal so blöd und hat irgendwie auch einige Gemeinsamkeiten mit dem Gebet. Auch wenn Gott und ich den ganzen Tag gemeinsam verbringen, so interessiert es ihn, wenn ich ihm nochmals erzähle, wie ich es erlebt habe. Gott möchte von dir hören, wie es dir wirklich geht. Er wünscht sich vertraute Momente mit dir.

Keine Einbahnstraße
Beim Beten geht es nicht bloß darum, Gott ein Ohr abzukauen. Er möchte mit dir reden, dir deine Fragen beantworten. Gottes Reden ist das, was Gebet erst richtig interessant macht. Natürlich müssen wir uns auch Zeit nehmen um ihm aufmerksam zuzuhören. Wenn wir einfach eine Bitte nach der anderen runterleiern und dann mit den Gedanken gleich wieder wo anders sind oder einfach wegpennen, dann ist es schwierig, Gott zu hören. Fang doch einfach mal mit fünf Minuten an. Ich bin immer wieder total überrascht, was Gott in wenigen Minuten alles sagen kann, wenn ich im zuhöre.

Auf´s Herz hören
Sei aber geduldig mit dir, wenn es nicht jedes Mal auf Anhieb klappt. Wenn ich von Gott auf etwas unbedingt eine Antwort möchte, aber seine Stimme einfach nicht höre, dann spreche ich das einfach an: Gott, warum höre ich keine Antwort von dir? Es wäre mir so wichtig. Dann bin ich still und warte. Meistens geht unser Gespräch dann weiter und Gott sagt etwas wie: Aber auf diese Frage habe ich dir doch schon lange eine Antwort gegeben. Sie hat sich nicht verändert. Oder: Weil du die Antwort eigentlich ganz genau kennst. Höre nur in dein Herz, dann weißt du, was richtig ist.

Das Herz auffüllen
Manchmal antwortet Gott auch gar nicht auf meine Frage und gibt mir einfach zu verstehen: Ich liebe dich. Ich bin bei dir. Mach dir keine Sorgen. Ich habe alles im Griff. Auch wenn es meine Probleme im Moment vielleicht nicht löst, beruhigt es mich immer wieder, das von Gott zu hören. Auch das ist ein wichtiger Aspekt des Gebets: Immer wieder unser Herz mit Gottes Liebe auffüllen zu lassen. Einfach mal mit ihm zusammen sein, weil es gut tut, mit ihm zusammen zu sein. Vielleicht braucht es gar keine Worte. Es braucht nur dein Herz, das bereit ist, sich für Gott zu öffnen und sich von seiner Liebe und Göttlichkeit erfüllen zu lassen.

Be blessed
Manuel

Bildquelle: http://praise-poster.de/post/145793082178/alle-die-mein-vater-mir-gibt-werden-zu-mir

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