Der Instant-Gott

Lesedauer: 6min

Die Sache mit den Gebetserhörungen

Hey du,
gerade wieder dran gedacht, zu beten, und seit dem Amen sitzt du ungeduldig rum und wartest darauf, dass Gott antwortet. Dass er sich sofort meldet, wie er es ja auch schon in der Bibel getan hat. Doch schon seit drei Minuten tut sich nichts ...
Wie reagierst du darauf? Bist du stinksauer auf Gott und drauf und dran, ihm die Freundschaft zu kündigen? Oder erklärst du ihn sogar für tot? Ich fände es mega cool, wenn Gott immer sofort auf meine Gebete antworten würde und zwar in einer Form, in der ich es eindeutig wahrnehmen kann. Denn, so habe ich inzwischen gelernt, gibt es nichts Besseres, als zu checken, wie Gottüber mich, andere oder bestimmte Situationen denkt, was er gerade tun will und vor allem, wann er es tun will.

Wenn nichts passiert
Aber leider sieht die Realität oft anders aus. Gott reagiert nicht immer so schnell und wie bei einem Instant-Kaffee, dessen Körner schon bei Berührung mit Wasser zu Kaffee werden. Wir bitten Gott um sein Eingreifen und warten und haben oft das Gefühl, dass Gott uns damals bei unserem Gebet nicht wirklich zugehört hat oder uns einfach vergessen hat. Es passiert einfach nichts. Zumindest nicht in den nächsten Tagen. Manche fangen dann an, wild entschlossen, das Ruder rumzureißen, weil sie denken, sie müssten die Gebetserhörung selbst in die Hand nehmen. Andere lassen sich so entspannt in Gottes vertrauensvolle Hände fallen, denken "Ach, er wird´s schon irgendwie regeln", legen die Hände in den Schoß und machen gar nichts. Wieder andere verlieren bei der ganzen Warterei das Vertrauen in Gott, hören auf zu glauben, dass Gott wirklich das Beste für sie will oder gar, dass er existiert. Aber was ist denn nun richtig? Will Gott unser Bestes und wenn ja, wann bekommen wir es? Hält sich Gott an seine Versprechen und Zusagen und falls ja, wann erfüllt er sie?

Eines Tages Herrscher
Schauen wir mal in die Bibel. Schließlich ist sie voll von Gebetserhörungen und dem Eingreifen Gottes. Joseph z.B. bekam als Teenie durch Träume klar die Vision, dass er eines Tages ein Herrscher über seine Familie sein würde. Einige Kapitel später lesen wir, dass es tatsächlich so eintrat. Das Problem dabei: Dazwischen lagen Prügel, der Verkauf als Sklave, Verleumdung und Gefängnis - über Jahre hinweg! Wie verhielt sich Joseph? Begann er, wild an seiner Herrscherkarriere zu arbeiten? Legte er die Hände in den Schoß und wartete er auf das Handeln Gottes? Verlor es seinen Glauben an Gott? Nichts davon! Er vertraute in allem Gott und lebte so, wie es einem Leben nach Gottes Maßstäben entspricht, während Gott für ihn völlig unsichtbar handelte.

Dreißig Jahre
Oder Maria, die Mutter von Jesus. Als Teenie bekommt sie die Verheißung, einen Sohn zu gebären, der der Messias sein soll. Die Geburt lässt auch nicht lange auf sich warten. Doch dann? Passiert nichts. Dreißig Jahre lang muss Maria darauf vertrauen und warten, dass sich Gottes Verheißung als Realität herausstellt. Nach zwölf Jahren gab es einen etwas schwer zu verstehende Situation mit dem jungen Jesus im Tempel. Für Maria vielleicht eine kleine Erinnerung, denn sie "behielt all diese Worte in ihrem Herzen", wie wir es in Lukas 2, 51 lesen, aber es dauerte von da an immer noch 18 Jahre, bis Jesus zeigte, wer er wirklich ist. Wie hat Maria diese Zeit überstanden? Hat sie in den Jahren versucht, Jesus immer wieder einzureden, er sei der Messias und er müsse jetzt anfangen, die Welt zu retten? Hat sie die Hände in den Schoß´gelegt und Gott gebeten, wenn er den Messias schickt, dann müsse er ihn bitteschön auch als Messias entsprechend erziehen? Oder verlor sie ihren Glauben, weil scheinbar nichts passierte? Weder noch! Maria tat ihr Bestes als Mama und als die Zeit reif war, wusste sie, welche Verheißung auf ihrem Sohn lag und ermutigte ihn, aktiv zu werden. Sie glaubte bis zum Schluss.

Manchmal gar nicht, manchmal sofort
Es wird klar: Auch Menschen in der Bibel beten, bitten, erleben Gottes reden und dann ist erstmal Sendepause. Und das nicht selten. Zwischen den Zeilen überlesen wir oft, dass häufig viel Zeit vergeht, bis endlich das für uns Sichtbare passiert, das Gott verheißen hat. Viele haben die Erfüllung ihrer Gebete und die Realisation der Verheißung an sch gar nicht mehr persönlich erlebt. Denk da nur mal an Abraham oder Mose. Auf der anderen Seite lesen wir aber auch von Ratzfatz-Gebetserhörungen: Petrus und Johannes treffen einen Gelähmten und befehlen ihm, im Namen von Jesus aufzustehen und zack: Er steht auf. (Apostelgeschichte 3,6) Mose streckt seinen Arm über das Meer und es kommt ein Wind, der das Wasserbett austrocknet. (2.Mose 14,1-31) Und wie peinlich wäre es, wenn er vor Baalspriestern um Feuer vom Himmel bittet, um zu beweisen, dass er ein Mann Gottes ist, und nichts passiert wäre? (2. Könige 1,10)

Leben in der Spannung
Die Personen, über die die Bibel berichtet, lebten wie wir heute auch, in einer Spannung zwischen "sofort" und "noch nicht". Es gibt im Leben dieser Personen Zeiten des Wartens und des sofortigen Eingreifens Gottes. Bei beiden Aspekten ist eines der Schlüssel: Treue. Treue, im Jetzt und Heute, aber auch auf lange Distanz. Der Gelähmte im Tempel wäre nie geheilt worden, wären Petrus und Johannes nicht treu gewesen und hätten mutig das getan, was Jesus ihnen aufgetragen hatte - nämlich kranke zu heilen. Und auch Elia hätte kein Feuer vom Himmel erlebt, wenn er nicht mutig und treu all die Vorbereitungen dafür ausgeführt hätte.
Und Mose hätte nie die Grenze Kanaans erreicht, wäre er nicht zuvor in allen Entscheidungen als Leiter des Volkes Israel Gott treu geblieben. Und hätte Joseph sich nicht treu Gott als Diener zur Verfügung gestellt und zwar egal, ob im Gefängnis oder in der Luxusvilla, er wäre am Ende nicht Herrscher geworden und hätte sein Volk nicht retten können.

Warten und treu sein
Es ist also klar: Wir haben Gott und sein Wirken nicht in der Hand. Er verwirklicht Dinge in uns oft unbekannten Zeiträumen. Und diese Zeiträume auszufüllen und sie auszuhalten erfordert von und Treue und die Fähigkeit, zu warten. Nicht untätig, sondern wir warten, indem wir die ganze Zeit über treu dem folgen, was wir bisher von Gottes Willen erkannt haben. Und dann, wenn die Zeit gekommen ist, werden wir bereit sein. Warten und treu sein sind zwei Dinge, die nur selten gelehrt werden und die kaum einen Stellenwert besittzen. Sie sind aber die Basis für eine lebendige Gottesbeziehung! Deine Fähigkeiten, treu etwas auszuhalten und zu warten, geben Auskunft darüber, wie wichtig dir das Thema ist, mit dem du vor Gott kommst. Und sie zeigen dir, wie wichtig dir Gottes Reden und Handeln ist.

Harren auf den Herrn
Ich weiß nicht, warum Gott manchmal binnen Sekunden durch Eindrücke und Bilder zu uns spricht und ein anderes Mal stumm bleibt oder uns erst im Nachhinein sein Reden und Handeln entdecken lässt. Aber in all dem will ich darauf vertrauen, dass es Gott gut mit mir meint. Im Reden und im Schweigen. Und ich will lernen, auf sein Reden und sein Eingreifen treu zu warten, denn: "Doch die, die auf den Herrn warten, gewinnen neue Kraft. Sie schwingen sich nach oben wie die Adler. Sie laufen schnell, ohne zu ermüden. Sie werden gehen und werden nicht matt." (Jesaja 40,31) Warten oder ausharren ist also keine Zeitverschwendung, sondern im Warten auf Gott und sein Handeln liegt diese großartige Zusage - und die möchte ich erleben!

Be blessed
Manuel

Bildquelle: http://praise-poster.de/

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