#Gerecht

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Wenn jeder kriegt, was er verdient - ist Gott dann wirklich ein gerechter Gott?

Hey du,
ist Gott gerecht? "Na klar", höre ich mich reden. Er muss doch gerecht sein: Die Bibel spricht davon und wenn Gott nicht gerecht wäre, dann wäre es nicht Gott. Aber beim zweiten Nachdenken werde ich schon etwas zurückhaltender: Ein Blick auf die Nachrichten und ich höre mich sagen: "Das ist nicht gerecht!" Warum sterben Kinder an Hunger und Durst? Warum werden im Irak und in Syrien gerade Christen nur wegen ihres Glaubens umgebracht? Kann da ein gerechter Gott dahinterstecken? Wenn ja, dann scheint er seine Geschöpfe und seine Nachfolger aber mächtig im Stich zu lassen. Und das empfinde ich als ungerecht. Bei genauem Hinsehen, zeigt dieses Verhalten aber nur, wie egoistisch ich bin: Ich genieße meine Annehmlichkeiten in vollen Zügen, und dass es anderen schlecht geht, dafür mache ich Gott verantwortlich. Er soll sich darum kümmern.

Jeder kriegt, was er braucht
stell dir mal folgende Situation vor: Du liegst mit einer schönen kühlen Cola und deinem Smartphone im Garten, denkst an die Menschen, die jetzt verdursten müssen und denen es schlecht geht und bittest Gott, dass er doch diesen Menschen das geben soll, was sie brauchen. Schwupp, auf einmal sind Cola und das Smartphone weg und du erkennst in einem Traumbild, wie sich verdurstende Kinder an einem Getränk freuen und das Smartphone Menschen hilft, lebensnotwendige Kommunikation voranzubringen. Mal ehrlich: Wenn das so gehen würde, wie oft würdest du ein solches Gebet sprechen? Wie sehr würdest du dich noch über die scheinbare Ungerechtigkeit Gottes auslassen?

Jeder kriegt, was er verdient
Wenn wir für eine Klassenarbeit viel gelernt haben, dann empfinden wir eine gute Note als gerecht. Wenn wir einen Job haben und Geld verdienen, dann meinen wir, dass wir uns das schöne Essen oder das neue Auto auch reichlich verdient haben. Dieses Gerechtigkeitsempfinden wenden wir dann auch auf Gott an: Wenn ich ein ganz guter Mensch bin, dann habe ich es auch verdient, dass Gott es mir gut gehen lässt. Oder andersherum: Wenn es mir gut geht, dann muss ich auch ein anständiger Mensch sein. So nehmen wir dann Gott als gerecht wahr: Er gibt jedem das, was er verdient.

Gleiches Recht für alle
Durch die Bibel macht uns Gott von Anfang an deutlich, dass dieses menschliche Denken sehr begrenzt ist. Dann müsste auch ein armer Mensch oder ein leidender Mensch grundsätzlich immer selbst schuld sein an seiner Situation. In der Bibel lesen wir, dass es früher tatsächlich so ein Denken gab. In Johannes 9,1-7 heilt Jesus einen Blinden, der schon blind geboren wurde. Die Jünger fragen Jesus, ob es an der Schuld der Eltern liegt, dass dieser Mann nicht sehen kann, doch Jesus verneint. Auch im Buddhismus und Hinduismus gibt es bis heute diese Vorstellung von "jeder kriegt, was er verdient". Doch wirklich gerecht ist dieses Denken irgendwie nicht oder? Das sieht man zum Beispiel an dem Versuch, in der Rechtsprechung und auch in der Gesetzgebung eine etwas andere Gerechtigkeit herzustellen. Natürlich kennt die Rechtsprechung eine Verhältnismäßigkeit: Schwere Verbrechen werden härter bestraft als leichte Übertretungen. Und dennoch gilt der Grundsatz: Gleiches Recht für alle. Beides gehört zusammen: Die so genannte "zuteilende Gerechtigkeit", nach der jeder das bekommt, was ihm zusteht und die unserem Empfinden auch näher ist als auch die "ausgleichende Gerechtigkeit", nach der jeder gleich behandelt wird.

Die Gerechtigkeit, die wir brauchen
Wenn wir in die Bibel schauen, dann erleben wir einen Gott, der vor allem die ausgleichende Gerechtigkeit verkörpert. In seiner ersten Predigt, die Jesus hält (Lukas 4,18-21) macht er deutlich, dass er nicht gekommen ist um jedem zu geben, was er verdient hat, sondern um besonders für die Armen und Unterdrückten da zu sein. Er will durch seine Gerechtigkeit denen Recht verschaffen, denen Unrecht getan wird. (Matthäus 5,10-12) Jesus stellt sich aber auch auf die Seite derer, die im Unrecht sind: Da ist eine Frau, die wurde beim fremdgehen erwischt. (Johannes 8,1-11) Eigentlich hatte sie nach der Rechtsprechung damals den Tod durch Steinigung verdient. Jesus sollte jetzt über sie das Urteil sprechen. Und was macht er? Er sagt den Satz: "Wer ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen." Nach und nach gingen die Leute weg, weil sie alle wissen: Ich bin nicht besser und habe kein Recht über Unrecht zu richten. Jesus verurteilt die Frau nicht, sondern begnadigt sie. Da erkennen wir das Wesen Gottes: Gott ist gerecht. Aber nicht nach unseren Maßstäben von Gerechtigkeit. Seine Gerechtigkeit zeigt sich vor allem in seiner Gnade! Gott schenkt uns die Gerechtigkeit, die wir brauchen - seine Gnade, seine Liebe und auch seinen Tod.

"Schiebt alle Schuld auf mich."
Die Welt ist ungerecht, keine Frage. Aber das Problem ist dabei nicht Gott. In unserer Ungerechtigkeit schieben wir schnell alle Schuld auf ihn. Und damit liegen wir gar nicht so falsch. Denn genau das zeigt, wie Gott sich das vorgestellt hat: Wenn wir alle Schuld auf ihn schieben, dann erleben wir keinen überforderten Gott, sondern einen der sagt: Ja, ich habe die Schuld und die Ungerechtigkeit der ganzen Welt getragen. Am Kreuz. Dafür habe ich gelitten. Da habe ich mitgelitten. Du kannst alle Schuld und Ungerechtigkeit auf mich schieben, aber du brauchst das nicht: Ich habe sie mir schon lange freiwillig genommen. Und ich habe auch deine Schuld auf mich genommen, weil ich dich liebe. Gott ist also vor allem ein gerechter Gott, weil er uns gerecht macht.
Ganz praktisch stelle ich mir das so vor: Wenn wir vor dem Richterstuhl Gottes stehen würden und die Anklage von Gott hören würden, wie egoistisch und ungerecht wir sind, dann steht unser Anwalt Jesus auf und sagt: Ja, das stimmt alles. Aber ich habe die Strafe schon auf mich genommen, weil ich dich, mein Kind so sehr liebe. Daher freue ich mich, dass er mit mir im Himmel sein wird. Für alle Zeit.

Die ganze Welt in seiner Hand
Das klingt für manchen jetzt vielleicht wie eine Ewigkeitsvertröstung. Nach dem Motto: Später wird mal alles gut. Aber das ist es nicht. Denn wer hier und jetzt schon weiß, dass Gott ein gnädiger Gott ist, der kann befreit leben. Der muss nicht mehr für sein eigenes Recht kämpfen. Wir müssen uns nicht mehr um unsere Gerechtigkeit kümmern und sorgen. Gott wird uns - wenn wir das wollen - Gerecht machen (Römer 3,23-24). Wir dürfen uns dann für die Gerechtigkeit in dieser Welt einsetzen. Und dass ist kein unnützer Einsatz. Wir brauchen nicht an der Ungerechtigkeit dieser Welt zu zerbrechen, weil wir wissen: "He´s got the whole world in his hands ..." Gott ist gnädig mit uns. Er liebt uns so sehr, dass Jesus alle Schuld der Welt auf sich genommen hat und für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist. Völlig unverdient, völlig ungerecht, da das eigentlich unsere Strafe gewesen wäre. Aber Jesus hat sie uns abgenommen. Weil er dich liebt.
Wenn wir das wissen, können wir den Menschen helfen, die im Unrecht sind und ihnen Trost zusprechen, dass Gott diese Welt noch immer in seinen Händen hält und er besonders bei denen ist, die z.B. unter Ungerechtigkeit leiden (1. Petrus 3,14)

Be blessed
Manuel


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Bildquelle: http://praise-poster.de/

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