Raus aus dem Boot

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Wenn Gott dich herausfordert

In der Bibel entdecken wir viele Geschichten von Menschen, die von Gott herausgefordert werden. Auch sie hatten Schiss, haben Ausreden gesucht, sind weggelaufen. Doch dann trauten sie sich und wagten den einen mutigen Schritt...

"Hab ich das gerade wirklich gesagt? Zu spät. Jesus ruft mich zu sich. Ich soll tatsächlich dasselbe tun wie er - auf dem Wasser gehen! Mose, Josua, Elia - unsere größten Propheten haben und hätten das Wasser teilen können. Aber auf dem Wasser gehen, das steht nur Gott zu, das kann nur er! (Hiob 9,8) Und ich frag ihn, ob ich ihm nicht auch schnell mal auf dem Wasser entgegen spazieren soll. Wie dumm und dreist ist das denn? Die Wellen sind so heftig, sie ziehen fast das ganze Boot in die Tiefe. Jesus wartet und sieht mich an. Wow, er scheint mir das zuzutrauen! Er glaubt an mich."
Und dann läuft Petrus wirklich los! Gebannt, fasziniert, angezogen von Jesus, der ihn freundlich ansieht, überwindet er die Grenze zwischen Boot und Wasser. Er läuft wirklich auf dem Wasser. Was für ein Wagnis! Was für ein Vertrauen! Was für ein mutiger Schritt! (Matthäus 14,22-23)

Aufforderung zur Grenzüberschreitung
Ich glaube, dass das ein kleines Trainingscamp für Petrus war. Denn ein paar Jahre später wartet auf ihn eine noch heftigere Grenzüberschreitung. Er wird von Gott aufgefordert, unreine Tiere zu essen. Sein Leben lang hat er die niemals angefasst. Nicht im Traum würde er daran denken, diese Tiere zu essen - das ist eine klare Ekelgrenze für ihn. Aber Gott bleibt hartnäckig und fordert ihn heraus.Er bereitet ihn so auf die größte Herausforderung seines Lebens vor: Petrus soll das Haus eines Heiden betreten. Für einen Juden wie Petrus ein absolutes No-Go. Damit wird er selbst unrein, darf nicht mehr an Gottesdiensten teilnehmen, ist isoliert. Trotzdem fordert Gott ihn heraus, diese Grenze zu überschreiten.

Gott überwindet Grenzen
Es soll erstmals und ein für alle Mal klar werden: Auch Nichtjuden können ohne Bedingungen zu Gott kommen; Gott selbst beendet die Trennung von Juden und Heiden. Petrus ist inzwischen in Grenzüberschreitungen ein bisschen geübt. Er wagt es tatsächlich - auch auf die Gefahr hin, dass er als unrein gilt und aus der Gemeinde ausgestoßen wird. (Apostelgeschichte 10) Petrus geht ein großes Risiko ein. Wenn er es nicht gewagt hätte, hätten wir Nichtjuden keine Chance, zu Gott zu kommen.

Ausreden und Ausflüchte
Mose war ein Mörder, ein Asylant, ein Hilfsarbeiter. Und er konnte kaum einen Satz ohne Schweißausbruch zu Ende sprechen. Er stotterte. Nicht gerade glänzende Vorraussetzungen für knallharte Verhandlungen auf höchster politischer Ebene. Und Gott fordert von ihm diese heftige Grenzüberschreitung. "Überschreite die Schwelle in den Palast des Pharao. Verlange von ihm, dass er meinem Volk die Freiheit schenkt." Wenn Mose die Story von Petrus schon gekannt hätte, wäre er vermutlich lieber auf dem Wasser gegangen, aber so bleibt ihm nur die Möglichkeit, sich mit Ausreden aus der Sache herauszuwinden. Gott gegen Mose in der Diskussionsrunde. Und wer hätte es gedacht - Gott scheint die besseren Argumente zu haben: Ich gehe mit. Ich unterstütze dich. Ich werde das Volk befreien. Ich weiß, wie es ausgeht und, und, und. Am Ende geht Mose tatsächlich.

Schritt für Schritt
Der kleine, stotternde Asylant vor dem großen Pharao. Das nenne ich mal Mut! Das nenne ich echtes Risiko. (2. Mose 3-4) Schritt für Schritt lernt Mose: Mit Gott an meiner Seite ist alles möglich. Da kann ich weitere Risiken eingehen. Und so führt er das ganze Volk Israel aus Ägypten. Hinter ihm jagen ihn zigtausend ägyptische Soldaten. Vor ihm das Meer. Aber er hat gelernt, mutige Schritte zu gehen. Also läuft er los. Das Meer teilt sich und er führt ein ganzes Volk in die Freiheit. (2. Mose 14) Wäre er das Risiko nicht eingegangen, wäre ein ganzes Volk in der Sklaverei geblieben.

Gottes Geschichte
So ähnlich könnten wir noch von Abraham, Josua, David, Daniel, Paulus und vielen anderen reden. Sie sind mutige Schritte gegangen und haben so Geschichte geschrieben. Gottes Geschichte. Es gibt aber auch die, die sich gegen die mutigen Schritte, gegen das Risiko entschieden haben. Die Bibel erzählt von einem Mann, der eine große Sehnsucht nach Leben hat. Ewigen, erfüllendem Leben. Diese Sehnsucht treibt ihn zu Jesus. Jesus will ihm gerne dieses ewige erfüllende Leben geben. Darum fordert er ihn zu einem heftigen, mutigen Schritt heraus: "Verkaufe, was du hast, und folge mir nach." Autsch! Das hat gesessen. Wie wird er sich entscheiden? Schweigen. Hin- und Hergerissen schwirrt ihm alles Mögliche durch den Kopf. Meine Absicherungen, meine Kleider, mein Haus - alles aufgeben? Und wie geht´s dann weiter? Am Ende heißt es: "Der Mann ging traurig weg." Die ungestillte Sehnsucht blieb. Er war nicht bereit, ein großes Risiko einzugehen. (Markus 10,17-23)

Wenn Gott beruft...
Wenn Gott mit Menschen etwas vorhat, läuft das meistens nach einem ganz ähnlichen Muster ab. Am Anfang steht immer die Berufung Gottes: Komm. Vertrau mir. Gehe einen mutigen Schritt. Ich habe eine außergewöhnliche Herausforderung für dich. Steig aus dem Boot. Dann bekommen die, die von Gott berufen wurden, fast immer Angst. Das scheint bei einem Risiko dazuzugehören. Und so werden Ausreden gesucht: Ich bin zu jung. Ich stottere. Ich habe nichts. Ich kann nichts. Ich bin nicht mutig genug. Einen Bootsausstieg macht man mal nicht so nebenher. Der kann einem echt Angst einjagen. Auf die Angst folgt ein Versprechen Gottes. Gott spricht den Berufenen zu: Ich bin mit dir. Ich bin deine Kraft. Alleine musst du gar nichts tun außer den ersten Schritt über die Reling. Hinaus aus dem sicheren Boot. Ab da werde ich dich tragen.

... muss man sich entscheiden
Nach dem Versprechen gibt es immer eine Entscheidung. Manche sagen Ja zu der Herausforderung (wie Petrus, Mose und viele andere). Andere sagen Nein (wie der reiche Jüngling und manche andere). Jeder muss, jeder wird eine Entscheidung treffen. Und nach der Entscheidung gibt es immer Veränderung. Die, die Ja sagen, werden vielleicht stolpern, machen Fehler und fallen auch mal hin. Aber in all dem wachsen sie, verändern sich zu dem Menschen, den Gott sich gedacht hat. Und sie werden ein Teil von Gottes Plan, die Welt zu erneuern. Ja, sie schreiben Geschichte, Gottes Geschichte. Die, die Nein sagen, verändern sich auch. Sie werden etwas härter. Die Stimme Gottes hören sie etwas schlechter, und in Zukunft wird es ihnen noch leichter fallen, zur Berufung Gottes wieder Nein zu sagen.

Wasserläufer gesucht
Wir stehen heute vor einer ganz ähnlichen Herausforderung wie Petrus, Mose oder der reiche Mann. Jesus hat einen Wunsch, einen Plan für unser Leben. Er ruft nach wie vor: "Komm. Komm raus aus deinem Boot. Verlass deine bequeme Komfortzone und gehe ein Risiko ein. Ich habe etwas Großes vor mit dir." Klar, wer aus dem Boot steigt, geht das Risiko ein, nasse Füße zu kriegen. Er geht das Risiko ein, unterzugehen. Aber wer nicht aus dem Boot steigt, wird niemals auf dem Wasser gehen. Wer auf dem Wasser gehen will, muss aus dem Boot steigen. Solche Leute sucht Jesus. Leute, die bereit sind, für ihn etwas zu riskieren. Leute die den Mut und das Vertrauen haben, um den ersten Schritt zu tun. Bist du bereit mit Gott Geschichte zu schreiben?

Be blessed
Manuel

Bildquelle: http://www.365worshipproject.com/


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