Ich bin frei!

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Oder ferngesteuert, weil Gott alles vorherbestimmt?

"Deine Augen sahen mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand. Alle Tage, die noch kommen sollten, waren in deinem Buch bereits aufgeschrieben, bevor noch einer von ihnen eintraf." (Psalm 139,16). Moment mal! Heißt das, Gott hat ein Buch, in dem er schon alles aufgeschrieben hat, was passieren wird? Es ist also alles schon festgelegt? Es gibt also keinen Zufall oder Schicksal? Ist alles "göttliche Fügung"? Bin ich ein Roboter und die Fernbedienung liegt in den Händen Gottes? Bedeutet das, ich habe gar keinen freien Willen und kann gar nicht frei entscheiden?

Hätte, hätte - Fahrradkette
Hast du dich jemals gefragt, was wohl passiert wäre, wenn du dich damals anders entschieden hättest? Was wäre wohl passiert, wenn du dich entschieden hättest die Klasse zu wiederholen, anstatt dich jahrelang mit schlechten Noten durch die Schule zu quälen? Was wäre heute anders, wenn sich deine Eltern damals nicht hätten scheiden lassen oder wenn du deine Beziehung nicht beendet hättest? Hättest du den Verlauf der Geschichte ändern können oder war sowieso alles bereits festgelegt? Eine spannende Frage. Jemand hat einmal gesagt: "Zukunft ist die Zeit, in der du bereust, dass du das, was du heute tun kannst, nicht getan hast."

Frei oder fernbestimmt?
Haben wir diese Freiheit oder können wir eigentlich aufhören uns Mühe zu geben, weil ja doch schon alles vorherbestimmt ist? Die Bibel sagt an einigen Stellen sehr eindeutig, dass Gott tut und lässt, was er will und scheinbar vorherbestimmt. Zum Beispiel in Römer 9,11-13: "Die beiden Kinder waren noch nicht geboren und keines von beiden hatte irgendetwas Gutes oder Böses getan. Da sagte Gott zu ihrer Mutter Rebekka: "Der Ältere muss dem Jüngeren dienen". Damit stellte er klar, dass es allein von seinem Entschluss abhängt, wenn er einen Menschen erwählt. Es kommt dabei nicht auf die menschliche Leistungen, sondern auf den göttlichen Ruf an." Gott erwählte also Jakob schon vor der Geburt der Zwillinge und hatte dementsprechend schon einen fertigen Plan für sein Leben (1.Mose 25, 19-26). Können wir also überhaupt etwas dafür, wie unser Leben verläuft?

Ohne Raum und Zeit
Jetzt aber genug der Fragen. Hier für alle Wenig-Leser die kurze, bündige und vereinfachte Antwort auf diese komplexen Fragen: Gott hat dich als einen absolut freien Menschen geschaffen und du allein bist verantwortlich für die Entscheidungen, die du in aller Freiheit treffen darfst. Es ist dein Leben und es ist deine Zukunft und du selbst bestimmst, wo es langgeht. Das verrückte an Gott ist allerdings, dass er nicht an Raum und Zeit gebunden ist. Das heißt: Gott weiß schon heute, was in einer Million Jahren passieren wird. Er ist allwissend. Deshalb weiß er auch jetzt schon von allen deinen Entscheidungen, die du bis zu deinem Lebensende getroffen haben wirst. Deshalb weiß er logischerweise auch schon, wer sich bis zum Lebensende für ein Leben mit Gott entschieden hat und er hat all deine Tage in sein Buch geschrieben, weil er schon das Ende der Geschichte kennt. Das bedeutet aber nicht, dass du keinen freien Willen hast, sondern dass Gott in seiner Allwissenheit schon weiß, wie du dich in deinem freien Willen entscheiden wirst. Du bist keine Marionette. Du bist frei und du schreibst deine eigene Geschichte.

Mach was draus!
Näher betrachtet ist das alles ganz schön krass. Das bedeutet nämlich, dass Gott uns ganz schön viel zutraut und dass am Ende aller Tage niemand anderes für unser Leben verantwortlich ist, als nur wir selbst. Nicht unsere Eltern sind schuld, nicht unsere Lehrer, nicht die schlechte finanzielle Lage, in der wir stecken und nicht der Krieg in Syrien. Am Ende der Zeit wird Gott wissen wollen, was wir mit unserem Leben angestellt haben. Er wird uns fragen uns nicht unseren Nachbarn. Wir selbst sind verantwortlich für die Entscheidungen, die wir treffen. Und Gott wünscht sich, dass wir etwas aus dem machen, was er uns anvertraut hat. Schreib einen Bestseller mit dem, was Gott dir gegeben hat!

Verrückte Geschichte
So betrachtet klingt das ja alles recht einleuchtend, oder? Und trotzdem kann man diese Spannung zwischen unserem freien Willen und Gottes vorherbestimmten Plan für mein Leben, nicht ganz auflösen. Phillipper 2,13 bringt diese Spannung wohl am besten zum Ausdruck: Arbeitet an euch selbst mit Furcht und Zittern, damit ihr gerettet werdet! Ihr könnt es, denn Gott selbst bewirkt in euch nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen, so wie es ihm gefällt." Es bleibt also immer beides: Mein Einsatz und gleichzeitig Gottes Handeln. Entscheidungen sind wie Türen, durch die wir hindurchgehen. Wenn wir vor vielen Türen stehen, wissen wir oft nicht, welche nun die Richtige ist. Wenn wir dann aber eine Zukunftsentscheidung getroffen haben und durch die Tür hindurchgegangen sind, dann sehen wir, dass auf der Rückseite der Tür steht: "Gottes Plan für dein Leben". Irgendwie kennt Gott schon die Türen, die wir wählen werden und trotzdem müssen wir sie selbst wählen. Verrückt!

Mein Schicksal in seinen Händen
Und trotzdem liegt auf eine verrückte Art und Weise unser Leben wiederum doch nicht in unserer Hand. Es bleibt eine Spannung. Gott beschreibt sich an einer Stelle in der Bibel selbst als einen Töpfer, der auf seiner Töpferscheibe ein Gefäß bildet. Wir sind der Ton auf der Scheibe, aus dem er etwas formt, wie es ihm gefällt. Trotz unserem freien Willens liegt unser Leben nicht in unserer, sondern in seiner Hand. Und Gottes Wunsch ist es, dass wir diesen Prozess zulassen und unser Leben von ihm formen lassen. Letztendlich ist es ja nicht unser Leben. Es gehört nicht uns. Es wurde uns von Gott geschenkt. Und er wünscht sich, dass wir unser Leben ihm zurück schenken und unsere Zukunft in seine Hand legen und an Weggabelungen ihn fragen, wo wir hingehen sollen. Und das Schöne ist: Wenn wir im Gebet und im Vertrauen auf Gott Zukunftsentscheidungen in unserem Leben treffen, dann dürfen wir wissen, dass Gott den Weg mitgehen wird, für den wir uns entscheiden. Denn er hat gesagt: "Ich bin bei euch, bis an das Ende der Zeit!" (Matthäus 28,20)

Mit Gott in die Zukunft
Was heißt das jetzt alles für deinen Alltag? Prediger 11,9 bringt es auf den Punkt: "Freu dich, junger Mensch! Sei glücklich, solange du noch jung bist! Tu, was dir Spaß macht, wozu deine Augen dich locken! Aber vergiss nicht, dass Gott für alles von dir Rechenschaft fordern wird."

Be blessed
Manuel

Bildquelle: http://praise-poster.de/

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