Ab durch die Hecke?

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Was dir die Angst vor dem Risiko beibringen kann

Sich hinter einer Hecke oder dem sicheren Gartenzaun zu verstecken hilft, sich keinem Risiko auszusetzen. Doch ist das wirklich immer gut? Ab wann ist Angst vor Risiken gut, und wann braucht man einfach ein bisschen Mut, um gegen die lähmende Angst vorzugehen?

Hey du,
Thomas, Michael und ich lauern hinter der Hecke des uralten Süßigkeitenladens neben der Schule und beobachten Simon dabei, wie sie im Geschäft verschwindet um ihnen Schokolade zu besorgen - natürlich ohne dafür zu bezahlen. Aber Simon versagte. Er bekam Schiss. "Boah, wie lahme. Voll feige!", blökten die anderen. Als eine Woche später ein älterer Schüler dort beim Klauen erwischt wird und die Polizei anrückt, war Feigheit auf einmal kein Thema mehr.

Die Vorsicht, die hat recht
Simons Angst hatte ihm vor Augen gemalt, dass die möglichen Folgen diese Mutprobe nicht wert sein würden: als entlarvter Täter Auge in Auge mit der Polizei, handfesten Stress mit den eigenen Eltern und einen Ruf als Dieb, mit dem er als stolzer Fünftklässler seinen glänzenden Aufstieg zum Schülersprecher vergessen könnte! Und das alles für ein bisschen Schoki und einen kurzen Adrenalinkick riskieren? Äh ... nee, danke. Lieber nicht entscheidet er. Und das war gar nicht "voll feige", sondern sogar ganz schön schlau. Genau wie die Entscheidung von Lena, als Ski-Anfänger doch nicht den Sprung von der Schanze zu machen, aber dafür mit heilem Genick nach Hause zu kommen.

Lohnt sich nicht
Denn es gibt Risiken, die lohnen sich einfach nicht. Da sind die Kosten zu hoch und die Angst, die dir plötzlich den Rücken hochkriecht, sehr sinnvoll. Die Angst erinnert dich daran, Grenzen einzuhalten, die gut für dich sind, anstatt sie zu durchbrechen und die Chance dein Leben und deine Zukunft bestmöglich zu nutzen auf´s Spiel zu setzen. Sie hält dich davon ab, gedankenlos in den schnellen Nervenkitzel zu stürzen und hält dich dazu an, kurz durchzuchecken, ob das ganze nach dem ganzen Kick immer noch gut für dich ist. Wenn also deine Freunde finden, es wäre an der Zeit, mit Drogen und Alkohol zu experimentieren, und du hast Schiss - Dann folge lieber deinem Impuls und lass den Mist. Das Risiko als uncool zu gelten ist es wert. Lieber dumme Ideen auf Abstand halten, als sein eigenes Glück in Gefahr zu bringen, oder? Da kann die Angst vor dem Risiko ein richtig guter Freund sein. Weil dich ihre Warnung schützen will.

Zu gefährlich
Aber nicht immer. Manchmal ist die Angst vor dem Risiko sogar riskanter als das Risiko, um das es gerade geht. Dann schüchtert sie ein und hindert dich daran, über dich hinauszuwachsen und zu erleben, dass du mehr schaffen kannst, als du denkst. Sie hält einen in der eigenen Komfortzone gefangen und blockiert alles, was den Charakter wachsen lässt. Sie will nicht, dass man mutig für das Gute einsteht, Farbe (oder Glauben) bekennt, Verantwortung übernimmt, unabhängig von der Meinung anderer wird und an innerer Stärke gewinnt.

Nicht kleinkriegen lassen
Dieser schlechten Angst bin ich in die Falle gegangen, als ich hinter der Hecke saß. Ich wusste: Eigentlich war ich die richtig feige Sau. Denn ich hatte meinen Mund nicht aufgekriegt, um sowohl aus dieser dämlichen Mutprobe, als auch aus der fragwürdigen Pausengesellschaft auszusteigen. Das Risiko lautete: "Wenn du den anderen sagst, dass du klauen richtig daneben findest und bei sowas nicht mitmachst, werden sie dich wahrscheinlich auslachen." Und davor hatte ich Angst - und bleib an diesem Tag der kleine feige, eingeschüchterte Manuel, der sich ärgerte, weil er nicht so mutig und selbstbewusst seine Meinung gesagt hatte.

Was darf es kosten?
Als ich mit schämen fertig war, guckte ich nochmal auf meine Feigheit. Und dann fiel mir auf, wie unsinnig sie eigentlich waren. Zugegeben, ausgelacht zu werden hätte sich nicht gut angefühlt. Aber war es denn wirklich wichtig, was die anderen von mir hielten? Nein! Sie waren keine Freunde. Wer klaut, klaut ja vielleicht auch mal meine Sachen, und wer hinter einer Hecke schlecht über Freunde redet, der ... genau: Nein danke. Mit dieser Erkenntnis wuchs mein Mut enorm, bei der nächsten Gelegenheit anders zu reagieren. Denn was hatte ich schlimmstenfalls zu verlieren? Die Symphatie der beiden. Und was ich bereit, das in Kauf zu nehmen? Oh ja!

Einmal durchchecken
Seitdem gehe ich mit meiner Angst vor einem Risiko anders um. Ich hocke nicht mehr gelähmt und stumm hinter Hecken, sondern stelle mitselbst ein paar Fragen, um herauszufinden, was zu tun ist - und tue das dann:
  1. Wovon will mich meine Angst abhalten? (Ist es die gute oder die schlechte Angst?)
  2. Was passiert, wenn ich das Risiko eingehe, und es richtig schiefgeht?
  3. Bin ich bereit, das in Kauf zu nehmen?
  4. Was kann ich dabei langfristig gewinnen?
  5. Wenn ich gegen die Falsche Angst nicht ankomme: Was brauche ich noch, um startklar zu werden? Was oder wer kann mir dabei helfen? 

Über den Schatten springen
Vielleicht wirst du feststellen, dass du öfter auf die falsche Angst triffst. Willkommen im Club! Ich glaube, deswegen steht in der Bibel so oft, dass wir keine Angst haben sollen. Gott bittet uns, der schlechten Angst keinen Raum zu geben, weil sie uns einengt und das Vertrauen zu ihm verschrecken kann. Dagegen macht uns seine Nähe und Hilfe fähig, über unsere Schatten zu springen. Was ist dein Risiko in den nächsten Tagen? Das Eingeständnis gegenüber deinen Eltern, dass du ihnen Lügen aufgetischt hast? Der Mobbingstopp, zu dem du deine Sportkumpels bewegen willst? Die Anmeldung zum Hilfseinsatz - ganz allein in einem fremden Land?

Reif für´s Wagnis
Nur Mut, es gibt viel zu gewinnen! Wenn du allerdings merkst, dass du einfach noch nicht bereit bist, die Folgen im "schlimmsten Fall" auszuhalten, dann geh bloß nicht alleine drauf zu. Bitte Gott einfach, in dir das wachsen zu lassen, was du noch brauchst. Wenn du dich dennoch zwingst, dann sitzt der Schemerz oder Schreck vielleicht so tief, dass du dich nie wieder vorwagen willst - und das wäre schade! Denn dann verpasst du und deine Umgebung den wunderbaren, weltverändernden Menschen, der du sein kannst ... Aber wenn deine Zeit für´s gewollte Wagnis gekommen ist, dann gibt es Überwinderkraft in deinem Herzen, Staunen und anerkennende Blicke und du wirst wissen, dass es sich absolut lohnt, die falsche Angst hinter sich zu lassen.

Be blessed
Manuel

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