Kehrtwende

Lesedauer: 6min

Warum ein Mörder im Gefängnis bleiben will

Kann es wirklich passieren, dass jemand sein Leben von Grund auf ändert? Dass jemand, der vorher mega böse war, auf einmal nur noch Gutes tut? Klingt ziemlich unwahrscheinlich. Doch manchmal gibt es Geschichten, in denen solche krassen Wandlungen wirklich passieren. Die wahre Story des David Berkowitz.

Hey du,
am 1. Juni 1953 kommt ein Baby zur Welt, das eigentlich niemand haben will. Richard David Falco. Er ist das Ergebnis einer Affäre seiner Mutter Betty Broder mit einem anderen Mann. Der eigentliche Ehemann von Betty will dieses Kind nicht haben. Und so wird Richard David Falco kurz nach seiner Geburt von dem jüdischen Pärchen Nathan und Pearl Berkowitz adoptiert. Auch wenn die beiden sich viel Mühe geben, David, wie er von nun an genannt wird, macht von Anfang an Probleme. David selber sagt über diese Zeit: "Bereits sein meiner jüngsten Kindheit schien mein Leben mit Qualen gefüllt zu sein. Ich hatte oft Krämpfe, in denen ich mich auf dem Boden hin und her wälzte. Manchmal fielen dabei Möbel über mich." In der Schule hat er Probleme mit dem Lernen und mit seinen Mitschülern. Ständig rastet er aus und prügelt sich. Die Schulleitung greift ein und verordnet ihm eine Psychotherapie. Zwei Jahre lang besucht er einmal wöchentlich die Therapie - doch sie hilft nicht. David wird von heftigen Depressionen geplagt und schafft es nur schwer, mit seiner Wut umzugehen. Er schließt sich stundenlang in der dunklen Toilette ein, aus Angst vor den Menschen und vor sich selbst. Seine Eltern können ihm nicht helfen - er lässt niemanden an sich ran: "Meine Eltern waren ständig besorgt und ängstlich, weil ich mich so seltsam benahm. Manchmal sprach ich einen ganzen Tag lang nicht mit ihnen. Ich blieb dann in meinem Zimmer und sprach mit mir selber. Meine Eltern konnten mich nicht erreichen, nicht einmal mit all ihrer Liebe. Sehr oft sah ich sie zusammenbrechen und weinen, denn sie sahen, dass ich eine gequälte Person war."

Neue Tiefpunkte
Als David 14 Jahre alt ist, stirbt seine Adoptivmutter an Krebs. Dieses Ereignis wirft ihn vollends aus der Bahn. Selbstmordgedanken verfolgen ihn. Er verspürt unbändige Wut in sich, verfällt erneut in tiefe Depressionen, schwänzt immer häufiger die Schule und treibt sich auf den Straßen rum. Sein Vater bekommt davon nicht viel mit, da er den ganzen Tag arbeiten muss und David die meiste Zeit auf sich selbst gestellt ist. Irgendwie schafft er aber doch seinen High-School Abschluss und geht zum Militär. Eingebunden in Drill, will er seine Probleme hinter sich lassen und als bedeutender, durch Orden ausgezeichneter Mann zurückkommen. Doch diese Träume zerplatzen - auch in der Armee fällt es ihm schwer, Kontakt zu anderen aufzubauen und Orden anzuhäufen. Er muss im Koreakrieg dienen und kehrt nach seiner dreijährigen Dienstzeit enttäuscht nach Hause zurück. Er weiß nicht, was er genau mit seinem Leben anfangen soll, hat weder Ziel, noch soziale Kontakte. Außerdem hat sein Vater wieder geheiratet, mit der neuen Frau kommt David nicht klar und so lebt er einsam in New York.

Hinwendung zu okkulten Praktiken
1975 lernt er auf einer Party neue Leute kennen, die ihn faszinieren. Sie tun Dinge, von denen er bislang noch nicht viel gehört hat. Diese neuen Freunde weisen ihn in okkulte Praktiken ein, gemeinsam schauen sie sich satanistische Horrowvideos an, die David nicht mehr loslassen. Immer mehr lässt er sich in diesen dunklen Sog hineinziehen. "Überall wo ich hinkam, schien ein Zeichen oder ein Symbol zu sein, das auf Satan hinwies. Ich fühlte mich, als ob etwas versuchte, die Kontrolle über mein Leben zu erringen. Ich fing an, die satanistische Bibel zu lesen, ein Spätwerk von Anton LaVey, der 1966 die Kirche Satans in San Francisco gründete. Ich begann ganz unschuldig verschiedene okkulte Rituale und Beschwörungen zu praktizieren." Zur gleichen Zeit findet er auch seine Mutter - jahrelang glaubte er, sie sei bei seiner Geburt gestorben. Doch nun erfährt er von seiner Schwester die Wahrheit. Er ist wütend und enttäuscht. Und die ganze Sache eskaliert.

Das Leben als "Son of Sam"
Am Weihnachtsabend 1975 greift er im New Yorker Stadtteil Bronx zwei Frauen mit einem Messer an und tötet eine, die andere überlebt schwerverletzt. Von nun an sind alle Dämme gebrochen und David Berkowitz beginnt sein Leben als Serienmörder, als "Son of Sam". Diesen Namen gibt er sich selber, in Anlehnung an den schwarzen Hund Sam seines Nachbarn, der für ihn der personifizierte Teufel ist. Zwischen dem Sommer 1976 und August 1977 erschießt Berkowitz fünf Menschen und verletzt sieben weitere schwer. Bei seiner Festnahme stellen die Beamten fest, dass er auch für über 1000 Feuer in New York verantwortlich ist. Berkowitz erklärt, all diese Tatan habe er im Auftrag Satans erfüllt.

365 Jahre Haft
David Berkowitz wird für seine Taten 1978 zu 365 Jahren Haft verurteilt. Zehn Jahre lang lebt er den normalen Gefängnisaufenthalt in dem berüchtigten "Attica State Prison" im Bundesstaat New York. Er stellt viele Anträge auf Begnadigung, die jedoch alle abgelehnt werden. David Berkowitz verliert seine ganze Hoffnung und Mut auf ein normales Leben in Freiheit.
Eines Tages begegnet er auf dem Hofgang einem Mithäftling, der ihm von Gott erzählt. "Obwohl ich wusste, dass er es gut mit mir meinte, fing ich an, über ihn zu spotten, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott mir jemals vergeben würde oder dass er irgendetwas mit mir zu tun haben wollte. Aaber dieser Mann ließ nicht locker und so wurden wir Freunde." Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und so lernt David immer mehr über Gott, Jesus, Vergebung und Errettung. David beginnt in der Bibel zu lesen. "Eines Abends las ich gerade Psalm 34. Ich kam bis Vers 7, wo es heißt: 'Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.' In diesem Moment, es war 1987, begann ich Gott mein Herz auszuschütten. Alles schien mich gleichzeitig zu treffen. Die Schuld für das, was ich getan hatte, der Ekel für das, was ich geworden war. Spät in dieser Nacht ging ich in meiner kalten Gefängniszelle auf die Knie und begann zu Jesus zu rufen. Ich sagte ihm, dass ich angewidert von den üblen Taten war. Ich bat Jesus um Vergebung für all meine Schuld. Ich verbrachte eine ganze Zeit auf meinen Knien, um zu ihm zu beten. Als ich aufstand fühlte ich mich, als wäre eine schwere, unsichtbare Kette, die mich so viele Jahre gefesselt hatte, von mir abgefallen. Frieden durchflutete mich. Ich verstand nicht, was vor sich ging. Aber in meinem Herzen wusste ich, dass mein Leben irgendwie anders werden würde.

Neue Freiheit
Seit diesem Ereignis engagiert sich David Berkowitz bei Bibelstunden und Gottesdiensten und begleitet andere Mitgefangene seelsorgerlich. Schnell macht seine Bekehrung die Runde, und er darf in verschiedenen amerikanischen Fernsehsendungen Interviews geben. Und auf einmal wird seinem Gnadengesuch stattgegeben - er darf das Gefängnis verlassen. Doch Berkowitz entscheidet sich dagegen. Er will seine Starfe absitzen, er will seinen Mitgefangenen von Gottes Liebe und seiner Gnade und Vergebung erzählen. Seine Freiheit hat er gefunden - die braucht er nun nicht mehr durch den Wegfall der Gefängnismauern. Bis heute sitzt Berkowitz im "Attica State Prison".


Der heutige Text ist nach ausführlichen Recherchen auf David Berkowitzs Website www.ariseandshine.org entstanden. Von dort habe ich auch sämtliche in diesem Text erwähnte Zitate entnommen.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://www.365worshipproject.com/

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