Bitte hier warten

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Dein Gebet - Keine Einbahnstraße 

Wie betest du? Betest du überhaupt? Jeder von uns kennt wohl die Klassiker wie: "Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm." Aber ernsthaft betet wahrscheinlich von uns mehr so, oder? Aber wie dann? und was ist, wenn mal nicht alles sofort fluppt. Wenn man mal tage- monate- manchmal sogar jahrelang auf eine Antwort warten muss?

Hey du,
wenn Gebet mehr sein soll, als ein paar aneinandergereihte, möglichst heilig klingende Worte und mehr als ein hilfloser Versuch, Bitten an Gott zu formulieren, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen, dann ist es wahrscheinlich nötig, die ein oder andere Kruste abzukratzen und sich dem Kern des Gebets anzunähern als ein wunderbares Kommunikationsmittel für den Dialog mit Gott. Er hört unsere Gebete - aber erhört er sie auch?
Auch Jesus hat sich mit seinem Vater unterhalten. Seinen Jüngern gegenüber haut er dazu eine ziemlich steile These raus: "Wenn ihr glaubt, werdet ihr alles bekommen, worum ihr im Gebet bittet." (Matthäus 21,22)

Moment, alles?
Tut mir leid Jesus, aber das erlebe ich anders. Ich bekomme eben nicht alles, worum ich bitte. Klar, manchmal schon, ich hatte schon faszinierende Gebetserhörungen: Menschen wurden gesund, sie überwunden auswegslose Situationen, es geschahen eigentlich unmögliche Dinge, die bezeugen, wie groß Gott ist. Aber manche Wünsche bleiben offen. Warum ist das so? Der Zusatz von Jesus - "wenn ihr glaubt" - bringt mich da manchmal ans Limit: Liegt es an mir? Weil mein Glaube zu klein ist? Hm ... Ein Gott, der von meinen Möglichkeiten abhängig ist, der ist für mich als Gott nicht wirklich attraktiv. Und wenn ich mir sein Wesen so anschaue und dafür all das heranziehe, was ich bisher in der Bibel über ihn erfahren habe, passt das auch nicht so richtig zusammen. Was ist also der Deal?

Mir ist dazu eine ganz passende Geschichte aus meiner Kindheit eingefallen, die mir hilft, zu verstehen, warum Gott nicht alle Bitten erfüllt. Irgendwann mal kamen meine Eltern auf die Idee, ich solle ab jetzt jede Woche zwei Euro Taschengeld bekommen, damit ich langsam lerne, mit Geld umzugehen. Ich hatte die freie Wahl, was ich mir davon kaufe - eben alles, was für mich damals so Luxus war. Am nächsten Morgen habe ich also meine zwei Euro bekommen. Und was habe ich damit gemacht? Ich habe sie keine Minute später für Schokolade ausgegeben. Es dauerte keine fünf Minuten später und wir kamen an einer Eisdiele vorbei. Was glaubst du, was passiert ist? Natürlich nicht schwer zu erraten! Ich bettelte direkt los: "Papa! Lieber Papa! Biiittteeeee kauf mir ein Eis, es ist mein größter Wunsch! Bitte! Ich habe sooo einen Hunger! Mir ist heiß, ich brauche ein Eis! Bitte, bitte! Wenn du mir das kaufst, geht es mir wieder gut!"
Mein Vater steckte also in einem Dilemma: Sollte er mir diesen Wunsch erfüllen, dafür aber in Zukunft in Hinblick auf seine Aussagen und Absichten nicht mehr ernstgenommen werden? Oder sollte er konsequent bleiben, mir kein Eis kaufen und mich damit etwas fürs Leben lernen lassen? Etwas, das später mehr Wert hat, als das schnell aufgeschleckte Eis? Natürlich verstand ich damals noch nicht, in was für einer Zwickmühle mein Vater da steckte. Den Preis den er aber zahlte, war, dass ich ihn mit großen traurigen Kinderaugen anschaute, als er zum Eis Nein sagte.

Ähnlich muss es Gott oft mit uns gehen. Er meint es gut, aber kann uns nicht jeden Wunsch erfüllen -, weil er den Überblick hat. Er weiß genau, warum er manches tut, manches aber auch lässt. Nur wir können es oft nicht verstehen, denn wir kennen Gottes umfassende und detaillierte Pläne für unser Leben nicht so wie er. Ich weiß, es kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn Gott Gebete scheinbar nicht erhört. Vielleicht hat er aber gar nicht "Nein" gesagt, sondern "Warte ab"?

Bitte warten!
"Ihr Gebet kann noch nicht sofort erhört werden!" - so würde sich das wahrscheinlich in einer Telefonhotline anhören, vielleicht noch mit dem Zusatz: "Bleiben sie dran!" Manchmal ist nämlich nicht das Ob, sondern das Wann entscheidend. Wenn ein fünfjähriger seinen Vater bitten würde, ihm das Autofahren beizubringen, dann würde der Vater das wahrscheinlich prinzipiell gerne tun, aber erst in einigen Jahren, wenn der Sohn alt genug ist. Das heißt, der Vater müsste die Bitte vorerst leider verneinen. Denn der Sohn darf momentan einfach noch nicht Auto fahren.
Genauso hat Gott den Überblick über unser Leben. Er weiß, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, dass bestimmte Dinge passieren. Manchmal müssen wir eben noch warten. In der Zwischenzeit ist jedoch kein Däumchendrehen angesagt, sondern wir können die Wartezeit aktiv nutzen, um wichtige Erfahrungen zu sammeln, die wir später brauchen, wenn sich unser Wunsch erfüllt.

"Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns." (1 Johannes 5,1)

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://www.365worshipproject.com/

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