Und trotzdem glaube ich!

Lesedauer: 5min

Von biblischen Vorbildern lernen

"Gib Gott dein Leben und alle deine Probleme lösen sich in Luft auf", "Wenn du an ihn glaubst wird alles gut."

Hey du,
kennst du solche Aussagen? Ich selbst habe lange Zeit so gedacht. Nicht, weil ich eine bestimmte Bibelstelle im Kopf hatte, sondern einfach, weil die Dinge alle gut liefen. Ich hatte gute Noten in der Schule, hatte viele Freunde, war aktiv in der Gemeinde und lebte in einer glücklichen Familie. Klar gab es auch mal Schwierigkeiten, aber im Großen und ganzen war mein Leben wunderbar - Aber das war nicht immer so und das wird auch nie immer so sein. Ich kenne keinen Menschen, dessen Leben nur aus Freude besteht.Irgendwann kommt immer der Punkt an dem mal etwas richtig daneben geht, an dem ein geliebter Mensch auf einmal nichtmehr da ist, an dem man plötzlich arbeitslos ist oder eine schlimme Krankheit diagnostiziert bekommt.

Grenzenloses Vertrauen
Eine Geschichte die mich schon lange zuvor fasziniert hatte, ist die von Abrahm und Isaak (1.Mose 22). Gott gibt Abraham den Auftrag seinen Sohn auf einen Berg zu bringen und ihn dort zu opfern. Er wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Gott ihn nur auf die Probe stellen wollte und dass er am Ende Isaak gar nicht opfern muss. Doch bevor die beiden auf den Berg Morija gehen, sagt Abraham zu seinen Knechten: "Ich und der Knabe wollen dorthingehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen." (Vers 5). Steht da wirklich "angebetet"? Holt Abraham etwa gleich seine Gitarre und singt drei nette Lieder oder was? Was hat also Abraham, was ich nicht habe? Und kann ich lernen so vertrauen wie er?

Anderen geht es genauso
Ein Lied, das mich in dieser Frage sehr geprägt hat, ist "Though you slay me" von Shane & Shane. Das Lied ist von einer heftigen Aussage von Hiob inspiriert (Hiob 13,15): "Though he slay me, yet will I trust in him" oder auf Deutsch "Obwohl Gott mich töten wird, vertraue ich auf ihn". In dem Lied geht es darum, dass ich Gott vertraue und ihm die Ehre gebe, auch, wenn er mir alles nimmt. Das ist nur möglich, wenn ich verstehe,dass Gott alles ist, was ich brauche. So war es auch bei Hiob. Gott hatte ihm alles im Leben genommen: Reichtum, Kinder und Gesundheit. Nichts ist ihm übrig geblieben, und dennoch vertraute er allein auf Gott und sagte: "Der Herr hat mir alles gegeben und der Herr hat mir alles weggenommen. Gepriesen sei der Name des Herrn!" (Hiob 1,21). Ernsthaft? Gott loben, auch wenn er mir alles wegnimmt? Was ist denn bei Hiob und Abraham los, dass selbst so krasse Erfahrungen nicht dafür sorgen, dass sie an Gott zweifeln und alles in Frage stellen? Es geht darum, Gott vollkommen zu vertrauen. Ihm mein Leben geben und mir damit mein Leben nehmen. Es geht darum, die Führung abzugeben. An den der mich geschaffen hat und mich besser kennt als jeder andere. Im Vertrauen darauf, dass er es gut machen wird, weil er mich unendlich, unabdingbar und unverdient liebt.

Was bleibt?
Es scheint so zu sein, dass Abraham und Hiob eine andere Vorstellung hatten als ich. Anstatt zu denken "mit Gott an meiner Seite wird es mir gut gehen" scheinen sie viel eher die Einstellung zu haben "mit Gott an meiner Seite kann ich Teil seiner Geschichte sein". Bis heute fällt mir dieses Thema nicht leicht. Mit Naturkatastrophen, schweren Krankheiten oder dem Tod von geliebten Menschen umgehen, ist und bleibt eine schwere Sache. Aber es tröstet mich zu sehen, dass es den Menschen in der Bibel ähnlich ging. Auch sie haben vieles durchgemacht und Gott oft nicht verstanden. Wenn ich mir ihre Gesichter anschaue, dann entdecke ich mich in vielen Lebenssituationen wieder und kann von ihnen lernen. Noah war allein, Josef hatte Stress mit seiner Familie, Ruth hatte alles verloren, Kaleb war zu alt und Daniel zu jung. All das kenne ich nur zu gut. Und trotzdem haben sie alle am Glauben festgehalten.
"History is his story": Gott schreibt Geschichte - aber nicht so, dass man sich an mich erinnert und ich selbst bis in den Himmel hoch gelobt werde für meine "Ach-so-tollen Taten", sondern so, dass Gott die Ehre bekommt, die nur er allein verdient. Wenn ich mit Jesus unterwegs bin werde nicht nur Gutes erleben. Es wird immer Zeiten geben, in denen es auch mal beschissen läuft. Aber ich darf eins wissen: Gott bleibt bei mir und lässt mich nicht allen, komme was wolle. 

Be blessed
Manuel


Bildquelle:  http://www.365worshipproject.com/

Kommentare

  1. Vieles an dem, was Du schreibst, ist so wahr! Allerdings sehe ich den Fall Hiob etwas anders - Hiob wusste nicht, was wir wissen, er wusste nicht, wer hinter den schweren Verlusten, die er erlitt, stand. Gott hat diese zwar zugelassen (so wie er auch in unserem Leben vieles zulässt), aber es war nicht sein Wille, Hiob alles zu nehmen. Gott ist nicht der, der tötet, sondern der, der lebendig macht! Deshalb sehe ich auch diese Zitate "Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen ... " kritisch, wenn sie aus dem Kontext genommen werden. Ich erlebe Gott als den, der mich reich beschenkt - in allem und trotz allem, was hier einfach überhaupt gar nicht gut ist - und wofür wir Gott nicht verantwortlich machen dürfen.

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    1. Da hast du recht, es war nicht Gottes Absicht, Hiob alles zu nehmen. Er hat jedoch Satan erlaubt dies zu tun, um zu beweisen, wie tief Hiobs Vertrauen in Gott ist.

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