(Un)glaublich!

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Wie ich meinen Zweifeln konstruktiv begegne

Hey du,
ist die Bibel wirklich Gottes Wort? Wie kann ich Gott noch vertrauen, wenn er mir zumutet, dass... Will ich wirklich noch glauben, wenn...
Kennst du diese Zweifel? Hand aufs Herz. Aber wie kann ich mit solchen Zweifeln umgehen? Hier kommt mein Vier-Punkte-Plan der mir immer wieder hilft mit meinen Zweifeln zurechtzukommen und sie zu überwinden.

#1 Sei ehrlich mit dir: Gott kennt dein Herz
Zweifel nisten sich oft unbemerkt in unserem Denken ein. Vielleicht ahnen die anderen gar nicht, welche Kämpfe in dir gerade abgehen. Vielleicht willst du es selbst gar nicht so richtig wahrhaben. Und trotzdem sind sie da, diese angstmachenden Gedanken.
Ist es da nicht tröstlich zu wissen: Jesus ist der "Herzenskenner". Er kennt deine Zweifel schon, bevor du sie selbst erkennst. Bei ihm dürfen wir hemmungslos ehrlich sein. Gott freut sich, "wenn ein Mensch von Herzen aufrichtig und ehrlich ist!" (Psalm 51,8) Du brauchst dir und Gott nichts vorzumachen.

#2 Entspann dich: Zweifel sind normal
Zweifel gehören zum Glauben wie die Kehrseite der Medaille. Solange Gott größer als mein Denken ist, wird es immer Dinge im Glauben geben, die mein Verstand nicht versteht! Das ist einerseits geheimnisvoll schön, andererseits bringt das aber auch Unsicherheit mit sich. Aber deswegen sind Zweifel nicht beängstigend, sondern notwendig! Denn sie halten unseren Glauben am Leben. Sie sorgen, dass er in Bewegung bleibt und nicht einschläft. Der Theologe Helmut Thielicke sagte es so: "Zweifel sind wie ein Briefumschlag, der eine Botschaft enthält." Oft lernen wir gerade durch Zeiten des Zweifelns neue Aspekte von uns selbst oder von Gott kennen.
Auch in der Bibel finden wir immer wieder Menschen die zweifelten und die Gott nicht verurteilte: Da ist zum Beispiel Abraham, der mit Gott über dessen Pläne diskutiert. Da sind die Psalmschreiber, die ihre Klagen und Zweifel mutig und offen formulieren. Oder Maria, die genau wissen will, wie das mit der Jungfrauengeburt funktionieren soll. Und dann sind da noch die Jünger direkt vor der Himmelfahrt: Sie waren Augenzeugen der Auferstehung - und doch stellt Matthäus lapidar fest: "Einige aber zweifelten" (Matthäus 28,17).

#3 Diagnostiziere deine Zweifel: Kenne deinen Feind
Es ist auffällig, dass die Bibel sehr unterschiedlich mit Zweifeln umgeht. Mal haben die Schreiber viel Mitleid mit den Zweiflern, ein andermal wird der Zweifler scharf zurechtgewiesen. Das liegt wohl daran, dass es sehr unterschiedliche Zweifel gibt. Ich habe bei mir drei unterschiedliche Arten entdeckt.

a. Zweifel des Verstandes
So wie Gold kein Feuer fürchtet, so fürchtet die Wahrheit keine Fragen. Du darfst hinterfragen! Wenn Jesus die Wahrheit ist, dann wird auch immer die Wahrheit ans Licht kommen, wenn du fragst. Daher lädt Jesus ein, nach der Wahrheit zu suchen: "Suchet mich und ich werde mich von euch finden lassen" (Matthäus 7,7)! Paulus fordert uns auf: "Prüft alles, das Gute aber haltet fest" (1. Thessalonicher 5,21). Wenn du intellektuelle Zweifel hast, dann mach dich auf die Suche. Schon viele kluge Leute haben vor dir die Glaubensfragen durchdacht und überraschende Antworten gefunden. Frag doch einfach reifere Christen, wie sie deine Fragen für sich beantwortet haben.
Vergesse nicht: "Das Herz kann sich nicht an Dingen freuen, die der Verstand ablehnt!" Glauben heißt gerade nicht, den Verstand an der Garderobe abzugeben, sondern vernünftig mit Gottes Gegenwart und seinem Eingreifen zu rechnen. Glaube schließt den Verstand ein, geht aber auch über den Verstand hinaus.

b. Zweifel der Gefühle
Manchmal braucht es etwas Zeit, bis unser Herz das fassen kann, was unser Kopf ihm sagt. "... aber Manuel, ich fühle gar nichts!" ist ein häufiger Satz von emotional Zweifelnden. Kannst du es fühlen, ob gerade jemand 600€ auf dein Konto überwiesen hat? Nein! Vielleicht glaubst du es erst, wenn du die Zahlen schwarz auf weiß auf deinen Kontoauszügen siehst! So muss auch unser Herz es lernen, sich auf das zu verlassen, was schwarz auf weiß in der Bibel steht! Gottes Verheißungen gelten auch dann, wenn ich nichts fühle.
Die Bibel ist erstaunlich barmherzig mit denen, die emotionale Zweifel haben. Judas schreibt zum Beispiel: "Seid auch selbst barmherzig mit denen, die ins Zweifeln gekommen sind!" oder Asaf erzählt offen die Geschichte eines Zweiflers in Psalm 73.
In der Eisenbahn des Glaubens sind die Gefühle ein schöner Anhänger, aber können nie die Lokomotive sein. Ein Verzweifelter Vater rief einmal zu Jesus: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" Das ist der Beste Weg. Lauf mit deinen Zweifeln nicht von Jesus weg, sondern zu Jesus hin. Er wird dir helfen, deinen Unglauben zu überwinden.

c. Zweifel des Willens
Eigentlich weißt du genau, was richtig ist, aber du möchtest nicht aktiv werden. Puh, hier ist die Bibel richtig scharf: Elia nennt solche Leute "Menschen die auf beiden Seiten hinken"! Und Jesus macht klar: "Du kannst nicht Gott dienen und den Götzen!"
Der Theologe Dietrich Bonnhoefer kommentierte diese Lebenshaltung ironisch mit den Satz: "Bleib im Fragen - dann bist du frei von Gehorchen!"
So alt diese Zweifel sind, so modern sind sie immer noch: "Leg dich nicht fest, sei nicht so extrem, ..." Die Bibel fordert uns heraus: Triff eine Entscheidung, ob du mit Gott leben willst - und dann stehe dazu. Heiß oder kalt - lauwarm ist ekelig!

#4 Werde aktiv
Wenn du herausgefunden hast, um welche Zweifel es sich bei dir handelt, dass "get into action"!
Bei intellektuellen Zweifeln: Hol dir Hilfe von erfahrenen Christen.
Bei emotionalen Problemen: Lauf nicht von Jesus weg, sondern zu Jesus hin. Suche seine Nähe im Gebet und schütte Gott dein Herz aus.
Bei Zweifeln des Willens: Triff eine Entscheidung und mach sie fest. Erzähle einer Vertrauensperson davon und dann "Sei stark und mutig!"

Mein Jugendleiter hat mir immer einfach zugehört. Und dann hat er (neben ein paar guten Gedanken) mit das Gefühl gegeben, dass meine zweifelnden Fragen völlig normal sind. Zum Schluss haben wir die Fragen im Gebet vor Gott gebracht und ich erinnere mich noch, wie die Last leichter wurde, auch wenn längst noch nicht alle Fragen geklärt waren.
Und bisheute kenne ich offene Fragen und Zweifel, so wie du ... Ich bete für dich, das Gott dir hilft, damit umzugehen. Sei mutig und stark!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://the-worship-project.tumblr.com/

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