Befreit

Lesedauer: 7min

Wie die enge Verbindung zu Jesus mein Herz verändert

"Was mache ich bloß falsch?" Voller Schmerz und Verbitterung werfe ich Gott diese Worte immer wieder ins Gesicht. Kennst du das auch? Wenn mal wieder gar nichts läuft? Ja wenn mal wieder alles um einen herum den Bach runter geht? Wenn Träume zerplatzen, Pläne nicht aufgehen? Wenn man Gott um etwas gebeten hat und überhaupt nicht passiert? 

Hey du,
Vor einigen Monaten habe ich ein Gebetstagebuch angefangen. Ich wollte meine Beziehung zu Gott stärken. Ich wollte näher zu ihm hinkommen. Ich wollte geistlich neu Gas geben und möglichst viel für Gott erreichen. Während den ersten Wochen war ich noch total motiviert, aber mit der Zeit wurden die Einträge immer weniger und der Druck immer höher. Der Kampf wurde zum Krampf und nach kurzer Zeit brach ich geistlich zusammen. Eigentlich weiß ich doch wie Nachfolge "funktioniert". Aber wieso krieg ich das nicht hin? Ich verzweifelte und betete: "Sag mir doch einfach was ich falsch mache, Gott!"

Von Gott lieben lassen
Als ich am Abend noch schnell auf Instagram vorbeischaute stolperte ich über ein Bild auf dem stand: Lass dich einfach von Gott lieben. Ich glaube, das es kein Zufall war, das ich dieses Bild gesehen habe, also sah ich es als eine Antwort Gottes auf meine Frage an. Gott sagt: "Lass dich einfach von mir lieben!" Das war ja ein guter Rat, aber "einfach" war das für mich nicht. Ich hatte Nachfolge so sehr über Leistung definiert, dass ich keine Liebe annehmen konnte, die ich nicht selbst verdient hatte. Wenn mich damals jemand gefragt hätte, wer ich bin, dann hätte ich wohl geantwortet: "Ich bin ein Versager, der es einfach nicht schafft, ein guter Christ zu sein!"
Dem Jünger Johannes ging es völlig anders. Wenn du ihn gefragt hättest, wer er ist, dann wäre seine Antwort gewesen: "Ich bin der Jünger, den Jesus liebt." Johannes nennt sich im Evangelium selbst nie beim Namen. Stattdessen beschreibt er sich mit diesem Worten. "Der Jünger, den Jesus liebt" - das war seine Identität!
Wie hat er das gemacht? Wie kam er zu so einem Selbstverständnis? Die Antwort ist: Er hat seine Identität von Jesus übernommen!

Bedingungslos angenommen und überreich geliebt
Johannes durfte Jesus mehrere Jahre lang hautnah erleben. Dabei hat er einen starken Eindruck von der Beziehung bekommen, die Jesus als Sohn Gottes mit seinem Vater führte. Johannes betont diese göttliche Vater-Sohn-Beziehung in seinem Evangelium wie kein anderer. Allein 120 Mal wird Gott im Johannesevangelium "Vater" genannt - doppelt so oft, wie in den übrigen Evangelien zusammen. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von großer Nähe und Vertrautheit sowie gegenseitiger Liebe und Wertschätzung geprägt. Jesus ist Gott, seinem Vater, ganz nah, weiß sich zutiefst von ihm geliebt.
In diese Liebe taucht auch Johannes ein. Er weiß sich ganz eng mit Jesus verbunden, bedingungslos von ihm angenommen und unendlich geliebt. Hier findet er seine Identität.

Durch Liebe verändert
Diese Identität verändert für Johannes alles! Es veränderte seine Sicht auf die Dinge und sein Handeln, denn er wurde mit dem Heiligen Geist, Gottes Geist, erfüllt. Genauso wie Johannes dürfen auch wir uns über das Geliebtsein durch Jesus definieren. Nachfolge wird oft als bedingungslose Hingabe und als aufopfernder Dienst voller Verzicht und Leiden beschrieben. Dabei wird manchmal die Grundlage all dessen völlig vergessen. Über die Berufung der zwölf Jünger heißt es in Markus 3,14: "Sie sollten ständig bei ihm sein, und er wollte sie aussenden, damit sie seine Botschaft verkündeten." Es geht Jesus nicht in erster Linie darum, was wir für ihn tun oder das wir bestimmte Regeln befolgen. Zuallererst wollte er uns bei sich haben! Er will uns nah sein! Er will uns mit seiner Liebe überschütten!

"Tun kommt aus dem Sein und nicht das Sein aus dem Tun"
Nachfolge hat aber auch mit Hingabe und Dienst zu tun. Aber bevor wir auf Jesus richtig nachfolgen können, müssen wir erst fest in unserer Identität verwurzelt sein. Das Tun kommt aus dem Sein und nicht das Sein aus dem Tun! Nachfolge fängt damit an, dass wir uns von Gott lieben lassen! Erst wenn wir Nachfolge auch als "Bei-Jesus-Sein" und "Von-Ihm-geliebt-sein" verstehen, haben wir  das richtige Fundament für hingebenden Dienst.
Es ehrt Gott zutiefst, wenn wir die Liebe, die wir brauchen, bei ihm suchen. Denn nur er kann sie uns geben! Also richte dich gemütlich auf dem Schoß des Vaters ein! Dann hast du die perfekte Startposition für echte Nachfolge!
Diese Identität wird auch bei uns alles verändern: Aus der Pflicht wird Freude! Nachfolge besteht dann nicht mehr aus lästigen Regeln und Geboten. Es geht dann auch nicht mehr darum, Gottes Segen und seine Zuwendung zu verdienen. Stattdessen sind wir frei, selbstlos zu lieben! Das ist die Motivation für Nachfolge die so viele Christen antreibt. Erst die Liebe gibt dem, was wir tun einen Wert (1. Korinther 13,1-3)! Jesus keinen zähneknirschenden Gehorsam aus Liebe und Vertrauen. Unsere Liebe kann aber immer nur ein Echo seiner Liebe sein! "Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat" (1. Johannes 4,19). Deshalb müssen wir uns zuerst Gottes Liebe bewusst sein. Unsere Beziehung zu Gott wird dann auch nicht mehr von Angst geprägt sein: Angst davor, Fehler zu machen. Angst vor Strafe. Angst davor, für Gott nicht zu genügen. Sattdessen können wir uns ganz in Ruhe und entspannt von Gott geliebt wissen. "Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst" (1. Johannes 4,18).

Befreite Nachfolge
Auch ich durfte diese Veränderung erleben. Ich hatte gedacht, ich müsste mir durch Leistung und Disziplin Gottes Annahme und seine Liebe verdienen. Aber dann hat Gott mir klargemacht: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich immer lieben. Egal was passieren wird, ich werde mich niemals von dir abwenden!" Und wenn man das verstanden hat, dann geht es nicht mehr darum, sich Anerkennung und Liebe verdienen zu müssen, sondern dann kann man im Gewissen leben, dass Gott dir seine Liebe schenkt. Und er schenkt sie jedem Menschen.
Ich lade dich ein, Geliebtsein als Identität zu begreifen!Dann geht es nicht mehr darum, etwas leisten zu müssen, um damit Anerkennung bei anderen zu bekommen, sondern dann geht es einem nur noch darum, was Gott von dir denkt. Und er denkt voller Liebe und Sehnsucht an dich! Und er will die vergeben! Weil er dich so sehr liebt, dass er das Größte für dich gegeben hat, um dich zu befreien!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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