Mutmacher mit Currywurst

Lesedauer: 5min

Anderen beistehen ist manchmal ganz leicht

Samstagnachmittag, irgendwo in Deutschland: ein Junge spielt mit seinen Kumpels Fußball. Die anderen sind meistens besser als er. Aber ergibt sich Mühe und ist auch gar nicht so schlecht. Da taucht sein Vater am Spielfeldrand auf. Es dauert nicht lange, da schallt seine Stimme über den Platz: "Schneller, du Schnecke!" "Soll das Fußball sein? Hör auf zu trödeln, mach schon!"
Man kann sehen, wie der Junge den Kopf einzieht und sich kaum noch auf sein Spiel konzentrieren kann. Schließlich verschwindet der Vater wieder. Erleichtert atmet der Junge auf. Endlich lässt ihn der Alte in Ruhe!

Hey du,
ich glaube, dass der Vater seinem Sohn helfen wollte. Ich verstehe zwar nicht, wie er auf die Idee kommen konnte, dass es hilfreich ist, wenn man jemanden anbrüllt, aber er schien das zu glauben. Ganz offensichtlich sah der Sohn das anders.
Natürlich geht das viel besser. Und wie, das verrate ich dir jetzt. Dabei soll es gleich um die harten Fälle gehen. Wenn jemand beim Tischtennis verloren hat oder keine Lust hat, sein Zimmer aufzuräumen, dann reicht es aus, wenn man sagt: "Kopf hoch, beim nächsten Mal klappt es besser." oder "Pack´s halt an, dann hast du´s hinter dir." Das ist leicht. Aber was tust du, wenn du jemanden ermutigen wisst, der etwas wirklich Schlimmes durchleidet - eine Krankheit, einen Todesfall, den Zerbruch einer Freundschaft? Das meine ich mit "die harten Fälle". Also, was tust du?

Erster Tipp: Halte den Mund
Viele Menschen denken, dass sie etwas sagen müssten, wenn sie andere ermutigen möchten. Das ist aber nicht wahr. Besser ist es einfach zuzuhören. Wenn jemand ein wirklich großes Problem hat, zum Beispiel eine schwere Krankheit, dann gibt es keine einfachen Lösungen. Und wenn es sie nicht gibt, dann sollte man auch nicht so tun, als gäbe es sie.
Viele Menschen halten diesen Gedanken nicht aus. Es ist ihnen unerträglich mit einem Problem konfrontiert zu sein, für das es keine Lösung gibt - selbst wenn es nicht ihr eigenes ist. Deshalb reden und reden sie. Denn Reden hilft. Weil das aber so ist, sollte lieber derjenige reden, der das Problem hat. Nicht der, der es nicht hat. Deshalb: Halte besser den Mund und hör einfach zu. Und wenn das nicht geht, dann stell Fragen. Und höre dann zu.

Zweiter Tipp: Leide mit
Mitleiden ist etwas anderes als Mitleid haben. Wer Mitleid hat, bleibt immer noch außen vor, er beobachtet den anderen, fühlt mit ihm mit - und geht dann weiter. Wenn du mit jemandem mitleidest, machst du sein Leid zu deinem. Du spielst das Leid nicht herunter. Du versuchst dem anderen nicht einzureden, dass alles gar nicht so schlimm ist. Im Gegenteil, du nimmst ihn in seinem Leid ernst und leistest ihm darin Gemeinschaft. Das ist nicht schwer. Nur unangenehm. Für dich jedenfalls. Dem anderen tut es gut, weil er nicht mehr alleine ist.

Dritter Tipp: Denkt über das Schöne nach
Irgendwann kommt der Punkt, an dem du doch etwas sagen solltest, spätestens dann, wenn der andere dich darum bittet. Dann lob ihn! Sag der Person, was sie gut macht, oder gut gemacht hat. Und denkt gemeinsam an etwas Schönes. Ich meine damit nicht unbedingt den Himmel und die Ewigkeit oder so. Ich meine Currywurst mit Pommes rot-weiß. Oder das nächste Fußballspiel. Vielleicht die kommende Folge eure Lieblingsserie. Also etwas, auf das ihr euch gemeinsam freuen könnt, etwas stinknormales, Alltägliches. Das gehört nämlich auch zum Leben dazu, genauso wie das Leid. Und glaub bloß nicht, dass das nicht christlich wäre. In der Bibel steht eine Geschichte, in der die Menschen in Israel zu Tode betrübt sind.  Sie wissen, dass sie Gott enttäuscht haben. Sie haben nicht auf ihn gehört und haben selbst den Allmächtigen gespielt und sind über sich selbst entsetzt. Da ermutigt sie der Prieser und sagt: "Weint also nicht und trauert auch nicht! [...] Geht und feiert ein Fest mit köstlichem Essen und süßen Geträndekn [...]" (Nehemia 8,9-10)
Das ist schlau, finde ich. Beides gehört nämlich zu Leben dazu, das Gute und das Schlechte. Wenn man sich genug den schlimmen Dingen des Lebens gewidmet hat, dann sollte man sich auch wieder um die Schönen Dinge kümmern. Oft braucht man dafür jemanden, der einem dabei hilft. Und das könntest zum Beispiel du sein.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

Kommentare

DU KRIEGST NICHT GENUG? KEIN DING, ES GIBT VIEL ZU ENTDECKEN!

All I want for Christmas... (TDW 49/2018)

Das größte Geschenk (TDW 48/2018)

W A C H S T U M (TDW 46/2018)