Sieben Wochen ohne

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Faste dich frei

Am 1. März startet wieder die Fastenzeit. Fasten heißt verzichten. Das klingt nach Verlust, nach einer anstrengenden Diät. Warum also das Ganze? Kann weniger wirklich mehr sein?

Hey du,
schon schwierig, sich mit dem Gedanken anzufreunden, sieben Wochen auf etwas zu verzichten. Sieben lange, zähe Wochen, die sich hinziehen. So einengend, so freiheitsraubend. Sieben Wochen ohne Social Media? Sieben Wochen ohne Fleisch?Wer will das schon? Und dennoch gibt es Menschen, die dieses Verzichten als Gewinn wahrnehmen. Was machen sie anders?

Jesus als Vorbild
Die Bibel hält mehrere Geschichten bereit, in denen gefastet wird. Mose verzichtet 40 Tage lang auf Essen und Trinken, als er Gott auf dem Berg Sinai begegnete (2. Mose 34,28). So machte es auch Elia (1. Könige 19,8). Und selbst Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um Verzicht zu üben (Matthäus 4,2). In der Bibel bedeutete Fasten meistens ein Essensentzug, um sich zum Beispiel stärker dem Gebet zu widmen. Aber auch, wenn Tote zu betrauern, oder größere Entscheidungen zu treffen waren, wurde gefastet.

Fasten heute
Heute nutzen immer noch viele Menschen die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern um an die Leidenszeit von Jesus zu erinnern. Und auch, um bekannte Gewohntheiten mal sein zu lassen und ein Stück weit aus dem Alltag auszusteigen. Was heißt fasten für dich? Verzicht auf Süßigkeiten, mehr frische Luft oder gleich ein radikaler WhatsApp-Stopp?
Es geht nicht darum, auf Dinge zu verzichten, die sowieso unwichtig sind. Es geht darum, einmal diese Stille zu erleben, wenn du zu Hause nicht sofort den Laptop anmachst - wie jeden Tag sonst. Es geht darum, wie viel Zeit dir zur Verfügung steht, wenn du mal nicht deine Lieblingsserie weiterschaust - wie jeden Tag sonst.

Hier wartet Freiheit
Spannden ist, dass Fasten auf freiwilliger Basis geschieht. Es geht nicht darum, Gesetzte oder Vorschriften einzuhalten. Es geht um dich. Und um Gott. Klar, es ist anstrengender als einfach wie gewohnt weiterzuleben. "Es klingt paradox, aber die Einschränkung bringt immer mehr Freiheit"(Susanne Breit-Keßler). Wie das denn? Indem du dich von etwas befreist hast du wieder mehr Zeit, mehr Freiheit in deinem Leben gewonnen. Wenn du zum Beispiel 7 Wochen ohne Zocken oder Serien leben würdest, hast du auf einmal so viel neue freie Zeit. Und diese gewonnene Freiheit gilt es zu nutzen. Für dich. Und für Gott. Es geht darum, dich mal wieder neu zu sortieren, neu zu orientieren und mal aus dem Alltag auszusteigen. Und es geht darum, in deiner Beziehung zu Gott wieder so richtig durchzustarten. Nutze die freie Zeit um mehr Zeit mit Gott zu verbringen. Lass ihn wissen, wie es in dir aussieht, und richte dein Leben neu nach ihm aus. Das wird dich und deinen Glauben unglaublich stärken. Wisst du´s wagen? Hier sind meine drei besten Tipps für dir Fastenzeit:

#Gemeinsam - Suche dir Menschen, die mit dir an einem Strang ziehen, die dich unterstützen, die vielleicht sogar das gleiche fasten - denn es erfordert richtig viel Ausdauer, wenn wirklich etwas weglässt, was sonst zu deinem Alltag gehört hat. Da ist es gut, wenn man Leute hat, die dich immer wieder ermutigen.
#Klares Ziel - Mach dir klar warum du fastest. Setzte dir ein Ziel das du erreichen willst. Stecke dir aber auch Etappenzeile, die dich motivieren, denn sieben Wochen können ganz schön lang sein.
#Gott im Fokus - Nutze die neu frei gewordene Zeit um mit Gott ins Gespräch zu kommen und wieder mehr Zeit mit ihm zu verbringen.
#Freiheit feiern - Feiere deine erreichten Zwischenetappen: Lade deine Freude zum Filmeabend ein oder geht zusammen zu eurer Jugendgruppe! Die neu gewordene Zeit darf doch gefüllt werden.

Mal nicht nur Schokolade oder Facebook. Einige Tipps, worauf du verzichten könntst:
Enges Zuhause: Lade mit deiner Familie oder deinen Freunden jemanden ein, der allein ist oder kein Zuhause hat. Vielleicht die alte Dame von gegenüber oder einen Menschen aus dem Flüchtlingsheim. Heißt euren Gast bei euch willkommen - ohne Vorbehalte. Teilt, was da ist und erlebt, dass es für alle reicht, dass da immer noch Platz ist, wenn jemand hinzukommt.
Das Engsehen: Ein blöder Kommentar von einen Freund tut weh und belastet mitunter dauerhaft die Freundschaft. Ofr reicht dafür schon ein doofes Missverständnis. Es nicht so eng zu sehen und dem Anderen und seinen Macken großmütig zu begegnen, kann viel Stress verhindern.
Enge im Kopf: Eng, das kann auch heißen: kleinlich. Immer aufrechnen, wann du was und für wen getan hast... Dabei sind wir doch so reich beschenkt! Warum sollten wir da nicht selbst großzügig sein? "Er wird euch großzügig mit allem versorgen, was ihr braucht. Ihr werden haben was ihr braucht und ihr werdet sogar noch etwas übrig behalten, das ihr mit anderen teilen könnt." (2. Korinther 9,8)
Enge im Blick: Okay, ganz ehrlich, wer will schon sieben Wochen auf´s Smartphone verzichten? Schon ein eingeschränkter Gebrauch kann uns sensibler machen für das, was uns durch den ständigen Blick auf´s Display entgeht. Wie wäre die Regel, das Smartphone beiseite zu legen, sobald du "reale" Gemeinschaft hast? So kannst du deinem Gegenüber zeigen, dass er oder sie dir in diesem Moment wichtiger ist als die Online-Welt.
Enge im Portemonai: In der Fastenzeit einfach mal auf dem Geiz verzichten und den Blick öffnen für deine Umwelt: Zum Beispiel kannst du während dieser Zeit mal bewusst nur fair gehandelte Schoki essen - und deine Eltern fragen, ob sie bereit wären, sieben Wochen lang Obst und Gemüse auf dem Markt oder im Bioladen statt im Discounter einzukaufen.
Enge im Schrank: Befreie dich von dem, was dir Platz im Kleiderschrank oder im Bücherregal raubt: alte CDs, Kleider, die du nicht mehr trägst und so weiter. Es gibt bestimmt Leute in deiner Nähe, die es gebrauchen könnten.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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