Wer bist du?

Lesedauer: 6min

Das Wesen ist das Wesentliche

Gott stellt sich ziemlich am Anfang der Bibel einem Mann namens Mose persönlich vor. Ob ihr es glaubt oder nicht, aber Mose war zu diesem Zeitpunkt noch ein Hirte. Ein völlig gewöhnlicher Typ. Er befand sich in einer alltäglichen Situation - er hütete seine Schafe. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Tag in Moses Leben. Aber plötzlich siehr er einen brennenden Busch an dem etwas sehr merkwürdig ist. Er verbrennt nicht. Das interessiert Mose und er geht näher hin. Und auf einmal hört er eine Stimme, die zu ihm sagt: "Ich bin der Gott deiner Vorfahren - der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." (2. Mose 3,6)

Hey du,
ein sprechender Dornbusch? Das soll Gott sein? Hmmm ... vielleicht wendem wir uns erst mal dem zu, was nicht ganz so schwer verständlich ist. Dafür aber extrem faszinierend. Gott spricht im Alltag zu Mose. Mitten hinein in sein Leben. Er ist nicht irgendwo im Himmel oder in anderen, weit entfernten Sphären. Er ist im Hier und Jetzt. In unserem Leben. Und dazu gehörte damals auch das Phänomen der brennenden Büsche, denn dazu kam es aufgrund der Trockenheit öfter. Gott ist also kein brennender Busch, aber er benutzt dieses ganz gewöhnliche Phänomen, um sich mitzuteilen. Doch auf außergewöhnliche Weise - denn der Busch brennt ohne zu verbrennen. Das ist sein Hinweis: Hier bin ich. Hier passiert etwas wirklich Übernatürliches.

Befreie mein Volk!
Gehört hat Mose schon von diesem Gott, denn die Geschichten über ihn hat er von seinen Vätern und Vorvätern erzählt bekommen. Aber er kennt ihn, seine Persönlichkeit und sein Wesen nicht wirklich. Er hat ihn noch nie erlebt.
Mose findet die Situation sicher seltsam, wahrscheinlich hatte er auch Angst, will aber vielleicht nicht unhöflich sein und hört weiter zu. Er bekommt von der Stimme den Auftrag: "Führe mein versklavtes Volk aus Ägypten heraus und befreie es aus der Gefangenschaft." Was für ein unglaublicher Auftrag! Ägypten war eines der mächtigsten Länder zu dieser Zeit, mit einem starken und kriegerischen Pharao. Und Mose war Schafhirte.
Lass mich mal ein paar Jahrhunderte vorspulen, direkt in unsere Gegenwart. Wie würde sich diese Geschichte heute abspielen? In deinem Alltag, in deinem Graten brennt auf einmal der Komposthaufen und eine Stimme spricht zu dir: "Beende alle Kriege auf der Welt!"

Wer? Ich?
Was würdest du tun? Ich glaube ich würde wie Mose reagieren. Ich finde es auf jeden Fall schlüssig was er tut. "Bitte was? Das geht nicht!", würde ich vermutlich erwidern und mich irgendwie versuchen aus der Sache herauszureden. Und so ähnlich war auch erstmal Moses Antwort: "Ich soll zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen? Wer bin ich schon?" (2. Mose 3,11). Warum ich? Wer bin ich schon? Ich kann das nicht!

Ehjeh ascher ehjeh
Mose fragt den Dornbusch, der behauptet Gott zu sein: "Wie heißt du eigentlich?" Er hat natürlich ein berechtigtes Interesse daran zu wissen, wer ihm da so einen großen Auftrag erteilt. Und er erhält eine überraschende Antwort (in 2. Mose 3,14): "Ehjeh ascher ehjeh." Das ist hebräisch und bedeutet so viel wie: "Ich bin, der ich bin", "Ich bin, der ich immer bin" oder auch einfach "Ich bin da".
Wie jetzt? Gott heißt gar nicht Gott? Jetzt reden wir die ganze Zeit über ihn und es ist gar nicht sein Name? Das wäre als würde man mich ständig mit "Mensch" ansprechen, statt Manuel zu mir zu sagen. Nicht ganz falsch, aber trotzdem komisch und unpersönlich. Gott ist lediglich eine Worthülle, die wir Menschen für ihn erfunden haben.

Woher kommt der Name Gott?
Das Wort ist sehr alt und kommt aus dem germanischen. Es leitet sich von dem Wort "gub" ab, das stellvertretend für alle Gottheiten der germanischen Glaubenswelt verwendet wurde. Es bedeutet soviel wie "der Angerufene". Im Zuge der Ausbreitung des Christentums wurde das Wort dann zur Bezeichnung des einen christliche Gottes übernommen.
Paulus benutzt in der Apostelgeschichte das griechische Wort "theos", was man heute wohl auch mit Gott übersetzten würde. Er hatte stets das Ziel, den Menschen in ihrer Kultur und in ihrem Wortschatz zu begegnen. Er wollte ihnen auf diese Weise helfen, schneller den ersten Schritt auf diesen unfassbaren "Gott" zuzugehen - weil sie direkt verstanden, was Paulus schrieb. Als Paulus auf den Marktplätzen von diesem "Ich bin, der Ich bin" predigte, benutzte er den bekannten Begriff "theos" und füllte ihn neu. Das war einfacher und verständlicher für seine Zuhörer, als eine komplett neue Begrifflichkeit einzuführen. Auch wenn Gott also gar nicht "Gott" heißt, haben Christen entschieden, diesen vertrauten Namen weiter zu verwenden.

Gott ist unbegreiflich
Er selbst nennt sich also Ehjeh ascher ehjeh, was so viel bedeutet wie: Ich werde in deinem Leben wirken. Aber wie, das musst du mir überlassen. Wenn es passiert, wirst du tief in dir wissen, dass ich es bin. Du kannst mich erleben! Nur stecke mich nicht in eine Box auf der "Vorurteile über Gott" steht - denn dann wirst du mich nie wirklich kennenlernen können.
Gott stellt sich Mose also nicht mit einem gewöhnlichen Namen wie "Georg" oder "Karl-Gustav" vor. Stattdessen beschreibt er ihm ein Stück seines Wesens. Es ist unbegrenzt und unfassbar - man kann ihn nicht in irgendwelche Vorstellungen pressen. Er ist so faszinierend und unergründlich, dass man ihn mit dem menschlichen Verstand nicht begreifen kann.

Und doch sind wir dafür gemacht, ihn zu erkennen und erleben zu können. Vielleicht gab es Situationen in deinem Leben, in denen du Gott schon begegnet bist. Vielleicht wusstest du damals bereits, dass Gott am Werk ist. Oder du kannst solche Erfahrungen noch nicht. Ganz egal wie es bei dir aussieht: Gott möchte in deinem Leben wirken. Er will sich dir zeigen, er will, dass du ihn erlebst. Er hat einen Plan für dein Leben, er will deinem Leben einen Sinn und eine Bestimmung geben. Und auch wenn du dich wie Mose vielleicht noch nicht bereit fühlst, für deine Mission, dann darfst du wissen, dass Gott bei dir ist, dir Kraft und Ratschläge gibt und dich ermutigt. Worauf wartest du also noch? Bildschirm aus und los geht´s! Gott hat Großes mit vor!

Be blessed
Manuel


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