Die Billig-Gnade

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Wenn Nachfolge keine Folgen mehr hat - Ein Appell an unsere Generation

Viele Christen, gerade in meiner Genreration, haben sich in den letzten Jahren berechtigterweise von der Umklammerung gelöst, die noch die Generation vor uns geprägt hat. Die hatte beispielsweise ein schlechtes Gewissen, wenn sie am Sonntag ausnahmsweise mal nicht in den Gottesdienst ging, und war sich sicher, dass der Tag ein bisschen schlechter werden würde, wenn man morgens nicht in der Bibel gelesen hatte. Wobei vieles damals nicht einfach negativ war, sondern auch einem gesunden Gehorsam entsprang, der heute einfach dünner geworden ist.

Hey du,
ich zähle mich zu einer Generation, die Gnade in einer neuen Dimension wiederentdeckt hat und mit ihr einen himmlischen Vater, der liebevoller ist, als oft angenommen. Die Schattenseite dabei ist, dass Hingabe nichts mehr damit zu tun hat, dass man sich Gott hingibt, sondern damit, dass man einen Gott hat, der sich hingebungsvoll um einen selbst kümmert. Man fragt sich gar nicht mehr, was man für Gott tun soll, sondern primär, wie er die eigenen Bedürfnisse stillen kann.
Durch die wiederentdeckte Gnade muss man gar nichts mehr: weder in die Kirche gehen, noch in der Bibel lesen noch liebevoll reagieren, noch Menschen von Jesus erzählen und sie einladen, diesen wunderbaren himmlischen Vater kennenzulernen ... Man muss nichts mehr, außer das bereits angebrochenen himmlische Reich zu genießen. In gewisser Weise muss ich sagen: Das stimmt. Gott zwingt uns zu nichts. Aber schauen wir mal weiter.

Wir haben uns verrannt
Für unsere Generation hat Hingabe an Gott hat keine wirklichen Folgen mehr - Gott meint es ja so gut, dass er uns niemals aus unserem Job mit sicherem Gehalt herausrufen oder uns aus unser netten Nachbarschaft herauslösen würde. Er würde nie etwas verlangen, das uns wiederstrebt. Gott meint mit Nachfolge doch sicher nicht, dass wir uns bewegen müssen.
Bereits Bonnhoeffer hat zu solchem Denken bemerkt: "Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus."
Wir haben uns verrannt, haben uns mit einer Billig-Gnaden-Decke wohlig zugedeckt. Aber auch im 21. Jahrhundert sind wir Teil von Gottes großem Traum und er weitet sein Reich aus, indem er uns dafür einspannt. Nur sind wir sehr gekonnt darin, die unbequemen Rufe zu ignorieren und haben uns eingeredet, dass alles okay ist, unser Gewissen in den Schlaf gelullt.

Umweg im Fisch
In der Bibel gibt es eine sehr passende Geschichte dazu: Vor 2000 Jahren lebte ein Follower Gottes, mit dem Namen Jona. Und eines Tages gab Gott ihm den Auftrag in die Stadt Ninive zu gehen um den Menschen dort von Gottes Willen zu erzählen. Jona hat aber mal so gar keinen Bock darauf. Er hat Angst und fühlt sich nicht stark genug das zu tun. Außerdem hat er mit seinem Alltag doch schon genug zu tun. Er hat doch gar keine Zeit für so was. Also fährt er mit dem Boot in genau die entgegengesetzte Richtung von Ninive. Und er für direkt in einen riesigen Sturm hinein. Der Sturm wurde so schlimm, dass Jona über Bord ging und von einem riesigen Fisch verschluckt wurde. Aber er starb nicht, sondern er überlebte drei Tage in diesem Fisch eher er ihn wieder an Land ausspuckt. Nach diesem Ereignis war Jona überzeugt und ging nach Ninive. Und Gott war mit ihm.

Auf Grund zu laufen ist auch eine Chance
Oft geht es mir auch so, dass ich wie Jona Gottes Reden in meinem Alltag einfach ignoriere. Umso mehr sollten wir gut hinhören, wenn Paulus Timotheus schreibt: "Halte am Glauben fest und bewahre ein reines Gewissen. Denn einige haben ihr Gewissen zum Schweigen gebracht und haben dadurch in ihrem Glauben Schiffbruch erlitten." (1. Timotheus 1,19). Vielleicht hast du dein Gewissen schon lange zum Schweigen gebracht und bist als Folge davon mit deinem Glauben auf eine Sandbank aufgelaufen - du sitzt glaubensmäßig auf dem Trockenen. Unser Glaubensschiff mag wohl manchmal auf Grund laufen - dennoch werden wir erfahren, dass dieser Grund uns trägt. Denn wir können nie tiefer Fallen als in die Hände Gottes. Immer wenn wir ganz unten aufschlagen, finden wir uns bei Jesus wieder. "Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus." (1. Korinther 3,11). Schiffbruch zu erleiden und mit dem Glauben am Boden ist wohl unangenehm, aber auch immer eine Chance. Denn wenn wir ehrlich hinschauen, werden wir feststellen, dass sich dieser Grund, der auf den ersten Blick nach Scheitern und Zerbrechen aussah, bestens als Fundament für einen Neuanfang eignet.
Der Schlüssel dazu ist, einzugestehen, dass wir unten angekommen sind. Denn solange wir uns und allen anderen weismachen wollen, dass unser Glaubensschiff noch flott fährt, ignorieren wir die Tatsache, dass Jesus als Fundament unsersetzbar ist.

Wir wollen alles, aber nichts opfern
Übrigens: Falls dir ihm zwar deine kompromisslose Nachfolge versprochen hast, aber gleichzeitig schon länger sein Reden in deinem Leben ignorierst, dann nimm dich vor dem großen Fisch in acht ; ) Denn Gott kommt -ganz nach dem Motto "Der Mensch denkt, Gott lenkt" - mit dir und mir dorthin, wo er mit uns hinwill. Die Frage ist nur: Mit oder ohne Umweg im Fisch. Und da wir in unseren Breitengraden häufig der netten Theologie eines kuschligen Christseins anhängen, bei der eine bedingungslose Nachfolge etwa so viel zu suchen hat, wie ein Wüstenfuchs im Tiefkühlfach, muss Gott wohl öfter den großen Fisch auspacken, als ihm lieb ist. Diesen Umweg über einen großen, muffeligen Fischmagen würde ich mir aber gerne ersparen, wenn irgendwie möglich.
Momentan wächst in Europa eine Gesellschaft heran, die nicht mehr bereit ist, für irgendetwas einen Preis zu zahlen, oder etwas zu opfern. Wir wollen umweltbewusst leben, aber nicht auf das Auto verzichten. Wir wollen Erfolg in der Schule oder der Ausbildung haben, aber nicht die Freizeit dafür opfern. Wir wollen Karriere machen und möglichst große Unabhängigkeit haben, aber irgendwie doch auch Familie. Wir sind keine Generation, die die Welt retten will. Oder wie mein Opa vielleicht sagen würde: Mit euch kann man keinen Krieg gewinnen.

Wir leben nicht mehr als Follower
Genauso verhält es sich mit dem Glauben - man will zwar Gottes Stimme klar und deutlich hören, ist aber nicht bereit, sich hinzusetzen und die Bibel zu lesen, um mit Gott Zeit zu verbringen. Man will Wunder sehen, ist aber nicht bereit, dafür immer wieder mit Menschen zu beten. Man will Jesus nachfolgen, ist aber nicht bereit, die eigene Familie, Dinge, die einem liebgeworden sind, sowie die Annehmlichkeiten eines westlichen Lebensstils hinter sich zu lassen, falls das von Jesus gefordert werden sollte. In erster Linie ist es wichtig, dass es einem selber gut geht. Dann erst hat man die Kapazität weiter zu denken... Man will Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Auch im Glauben. Denn als Konsequez von echter Nachfolge das eigene Kreuz tragen zu müssen, ist irgendwie nicht wirklich sexy. Man könnte sich ja Rückenschmerzen dabei holen. Oder zumindest einen Splitter im Finger. Anstatt Jesus nachzufolgen, wohin er geht, laufen wir viel lieber einfach mal fröhlich drauflos und beten dann hinterher, dass Jesus unseren Weg doch rasch segnen möge. Im Endeffekt leben wir, als ob er uns nachfolgen würde und nicht wir ihm.

Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer
So ein Glaube ist zwar zeitgemäß, bequem und angenehm, aber auch billig, unattraktiv und leblos. Kein Wunder, dass viele mit diesem Jesus, den wir da zeigen, nichts anfangen können. "Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten", hat Bonnhoeffer dazu gesagt.
Im 2. Timotheus 1,9 steht: "Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn noch ehe diese Welt bestand, war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine barmherzige Liebe zu schenken."
Das sagt doch eigentlich alles aus. Wenn du dich einmal für Jesus entschieden hast und "Ja" zu Jesus gesagt hast, dann bist du gerettet. Komme was wolle. Auch wenn du dir mal einen Fehltritt leistest. Du bist trotzdem gerettet und von Gott geliebt. Durch seine Gnade. Du brauchst nichts mehr zu tun, um vor Gott gerecht zu werden und kannst dich zurücklehnen. Denn das hat Jesus bereits für dich gemacht.

Freifahrtschein zum Mistbauen
Aber ist das nicht ein Freifahrtschein zum Mistbauen? Wenn Gott sowieso alles vergibt? Wenn man genau darüber nachdenkt, dann würde man sogar sagen, dass das stimmt. Aber ich habe dazu ein super Beispiel warum, wenn du das denkst, du etwas nicht richtig verstanden hast.
Stell dir vor, du bist verheiratetet. Und sie oder er nimmt dein Gesicht in seine Hände und sagt dir aus voller Liebe: "Hey Schatz, ich liebe dich über alles. Ich geh mit dir durch gute und durch schlechte Zeiten. Ich will immer bei dir bleiben. Komme was wolle." Was ist denn dann dein erster Gedanke? Da denkst du dir dann doch nicht: Ja super, wenn sie sowieso bei mir bleibt, dann kann ich ja machen was ich will, dann kann ich ja fremdgehen und sonstwas machen. Nein, das ist doch dein erster Gedanke. Du denkst dir in dem Moment: Wow, Wahnsinn, das mochte ich ihr zurückgeben.
Und das ist genau das, worum es geht: Du bist von Gott gerettet. Aber wenn du verstanden hast, was er für dich getan hat, dann kannst du gar nicht anders, als als ihm was zurückzugeben zu wollen. Nicht weil du das musst, sondern weil du es möchtest.

Jeder kann ein bisschen glauben - und Gott liebt und vergibt, weil Gnade und Vergebung in Hülle und Fülle vorhanden sind. Doch wer so denkt, steht mit einem Fuß im Schilf. Denn Glaube ist untrennbar mit Nachfolge verknüpft. Bedingungsloser Nachfolge. Unbequem schön.

Be blessed
Manuel


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