Helden aus der zweiten Reihe

Lesedauer: 7min

Wenn Gott mit No-Names Geschichte schreibt

Was wäre Sherlock Holmes ohne Dr. Watson, Batman ohne Robin und Tarzan ohne Jane? Jeder Held hat seinen Co-Star, der für ihn wichtig ist und ihm mindestens einmal pro Folge das Leben rettet. Was das mit unserem Leben zu tun hat? 

Hey du,
in den Kinofilmen sind sie auf einmal da, haben einen kurzen und eindrucksvollen Auftritt und verschwinden dann aber auch schon wieder. Genauso geheimnisvoll wie sie gekommen sind: Schauspieler oder Gaststars im Kurzeinsatz, doch durch ihren Auftritt bleiben sie im Gedächtnis und erlangen so nicht selten Kultcharakter. Außerdem geben sie der Filmhandlung oftmals eine besondere und entschlossene Wendung.
In der Bibel gibt es auch jede Menge solcher Co-Stars und um die soll es heute gehen.

1. Nathan - Bote Gottes
Eine sehr interessante Gastrolle in der Bibel hat zum Beispiel Nathan. Er hat 15 Verse lang die Aufgabe, einem König mal ordentlich seine Meinung zu sagen. Im Auftrag Gottes. Denn dieser König von Israel, David, hat einem seiner Soldaten die Frau ausgespannt. Doch damit nicht genug. Er hat den Soldaten zu einem Himmelfahrtskommando geschickt, wo er dann auch prompt getötet wurde. Das fand Gott nicht gut. Und Nathan soll das nun ausrichten.
Das gestaltet sich jedoch gar nicht so leicht - denn den König darf man doch nicht so einfach auf seine Fehler hinweisen! Deshalb trickst Nathan David aus. Er erzählt ihm einfach eine Geschichte: "Ein reicher und ein armer Mann lebten in derselben Stadt. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder, der Arme aber besaß nichts außer einem kleinen Lamm, das er erworben hatte. Er versorgte es liebevoll und zog es zusammen mit seinen Kindern groß. Es durfte sogar aus seinem Teller essen und aus seinem Becher trinken, und nachts schlief es in seinen Armen. Es war für ihn wie eine Tochter. Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte seinem Gast, der einen weiten Weg hinter sich hatte, etwas zu essen anbieten. Aber er brachte es nicht über sich, eines seiner eigenen Schafe oder Rinder zu schlachten. Darum nahm er dem Armen sein einziges Lamm weg und bereitete es für seinen Besucher zu." (2. Samuel 12, 1-4)

Job erfüllt!
Eigentlich genau die Story von David und der Frau, nur eben so verpackt, das David nicht check, dass es um ihn geht. Und tatsächlich kapiert er erstmal gar nichts und ist so wütend auf den Verbrecher aus der Geschichte, dass er fragt: "Wer ist dieser Mann? Der soll das büßen!" Ziel erreicht. Da braucht Nathan nur noch zu sagen: "Du bist dieser Mann!"
David hat sich selbst überführt und bekennt: "Ich habe gesündigt!" Zack! Nathan hat seinen Job erfüllt.
Auch ich rege mich schnell über Ungerechtigkeiten auf. Wenn ich mitbekomme, dass zwei Menschen über einen Dritten lästern, dann nervt mich das tierisch. Komischerweise habe ich aber kein Problem damit, mich bei anderen über die vergebenen Torchancen eines Klassenkameraden beim Fußball zu beklagen. Ohne, dass der anwesend ist. Sehr häufig sind es meine eigenen Fehler in einem anderen Zusammenhang. Oft fällt mir das aber zu spät auf. Dann schäme ich mich, wie David. Aber auch für mich gilt der Satz, den Nathan David noch sagt: "Der Herr hat dir vergeben!"

2. Aaron - Der kleine Bruder
Im Radsport heißen sie Wasserträger - die eher unauffälligen Fahrer, die bei der Tour de France dafür sorgen, dass ihr Teamkapitän schön im Windschatten fahren kann. Und sie sind dafür zuständig, dass er immer genügend Wasser hat. Deshalb führen sie bis zu 18 Flaschen mit. Unheimlich wichtig, aber dennoch eher im Hintergrund sorgen sie dafür, dass der Star glänzt.
In der Bibel wird von Mose, dem großen Befreier des Volkes Israel erzählt. Aber auch von seinem Bruder Aaron, dem Wasserträger. Die beiden haben sich wunderbar ergänzt. Aaron konnte organisieren. Mose war eher ein Mann der Tat. Sie haben das Volk Israel aus der Sklaverei befreit. Aber von Anfang an war klar: Mose ist der Star. Er wird in der Bibel immer zuerst genannt. Gott redete mit Mose, Aaron durfte zuhören. Irgendwie blieb er immer der kleine Bruder, der Wasserträger von großen Mose. Einmal war jedoch Aaron derjenige, der die Befehle gab. Als Mose auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln bekam, schlug Aarons vermeintliche große Stunde. Die Gelegenheit wollte er nicht verpassen. Endlich konnte er mal glänzen. Allein. Ohne den großen Schatten seines Bruders.
Doch das ging gründlich schief: Weil die Menschen es satt hatten einem Gott nachzufolgen, den sie noch nicht einmal sahen, gab Aaron den Befehl, den gesamten Schmuck einzuschmelzen und daraus ein goldenes Kalb zu gießen. Das wurde daraufhin als Gott verehrt. Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Volkes Israel. Als Mose wiederkam und die Israeliten ordentlich zusammenpfiff, trat Aaron mit gesenktem Haupt wieder in den Hintergrund.

Das Ziel vor Augen
Ich bewundere diesen Aaron trotzdem. Weil er einerseits unglaublich treu und andererseits so unglaublich menschlich ist. Ich glaube, dass es für ihn nicht immer leicht war, dass Mose der Auserwählte war und immer vorne stand. Trotzdem stellte er sich zu seinem Bruder. Weil er wusste: "Ich bin wichtig! Gott braucht mich auch! Nur eben anders als Mose! Aaron hatte das große Ziel vor Augen: die Befreiung seines Volkes aus Ägypten.
Ich glaube, dass es für Gott okay ist, wenn wir auch mal ins Rampenlicht wollen. Vielleicht klappt´s ja sogar. Von Aaron lerne ich aber, dass es manchmal aber wichtiger ist, etwas Höherem zu dienen als dem eigenen Ego.

3. Josua - Ein starker Assistent
Wenn der Chef in Rente geht, wittern sie ihre große Chance und bekommen sie oft auch - die Assistenten, zweiten Vorsitzenden oder Co-Trainer. Und dann zeigt sich relativ schnell, ob sie die Rolle ausführen können, die der ehemalige Vorgesetzte hinterlassen hat.
Nehmen wir doch mal eine Kultfigur der damaligen Zeit: Mose! Befreier des Volkes Israel. Was hat er alles geleistet! Er hat das ganze Volk vom Pharao losgeeist, dann dafür gesorgt, dass die Israeliten mit Mann und Maus durch die Wüste kamen, er hat oft zwischen Gott und den Menschen vermittelt und so weiter...
Doch irgendwann hat er gemerkt: Mensch, so langsam werde ich zu alt für diesen Job. Und jetzt kommt sein Assistent ins Spiel: Josua. Der war nicht besonders auffällig, wahrscheinlich kein zweiter Mose, aber hatte sich als Assistent bewährt. Solide, würde ich sagen. Ob das gut geht?
Josua wurde also neuer Chef und das vor einer besonders heiklen Situation. Das Volk Israel hatte seine Wüstenwanderung beendet und wollte sesshaft werden. Blöd nur, dass das Land noch von anderen Völkern bewohnt wurde. Da wartete eine konfliktreiche  Zeit auf Josua. Doch er hat ich der Verantwortung gestellt. Und hat sich sicher oft gefragt: "Ob das gut geht?" Gott aber spricht ihm sein Vertrauen voll und ganz aus und ermutigt ihn auf verschiedene Weisen:
1. "Dein Leben lang wird niemand dir standhalten können. Denn ich bin bei dir, so wie ich bei Mose gewesen bin. Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich mich von dir ab. Sei mutig und stark!" (Josua 1, 5)
2. "Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst." (Josua 1, 9)

Gott geht mit
Das war für Josua kein Freifahrschein zum Zurücklehnen. Auch bei ihm lief nicht immer alles glatt. Auch er musste Rückschläge und Niederlagen einstecken, aber diese Zusagen Gottes haben Josua sicher eine Menge Selbstbewusstsein verpasst.
Auch vor mir liegen Aufgaben, die herausfordernd sind. Zum Glück nicht als Chef eines ganzen Volkes. Aber für meinen Alltag reicht es. Und deshalb darf ich Gottes Aussage auch auf mich beziehen: "Ich bin bei dir! Immer!" Das macht mir Hoffnung.

Wie kann Gott mich gebrauchen?
Ich will dir heute eines mit in den Tag geben: Jesus braucht keine Superchristen, die alles können und überall die Besten sind. Das sehen wir auch in der Bibel. Unser Gott ist in den Schwachen mächtig. Das bedeutet, dass Gott auch schwache und unperfekte Menschen unbedingt in seinem Team haben will. Denn dort, wo wir am wenigsten etwas selbst leisten können, da kann Gott durch uns am meisten bewirken. Wo wir etwas nicht können, kommt Gott auf die Bühne. Meine Unvollkommenheit ist nämlich die größte Chance für Gott, zu zeigen, wie er an uns wirken kann. So will er uns in diese Welt senden. Nicht als christliche Überflieger, sondern als gottgesegnete Normalos mit Ecken und Kanten, Fehlern und Schwächen. Aber Normalos, die von Gott dazu befähigt sind mehr zu sein.
Also: Du musst kein Superstar sein, um Gott zu dienen. Sondern du kannst darauf vertrauen, dass Gott dich benutzen will - und dass er dich gut ausrüstet für die Aufgaben, die er für dich hat. Gott beruft nicht die Begabten, sondern er begabt die Berufenen.

Be blessed
Manuel

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Bildquelle:https://instaliga.com/youversion

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