In Bearbeitung

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Warum du nicht perfekt sein musst

In uns allen steckt die Sehnsucht nach Perfektion, Fehlerlosigkeit. Der Druck, keinen Fehler machen zu dürfen. Die Angst, zu versagen. Außen täuschen. Innen zerbrechen. Den Suchverlauf löschen. Eine Maske aufsetzen. Das sind wir. Jung und Frei? Eher nicht.

Hey du,
wir nennen uns Christen. Christen, weil uns Christus vereint. Auf dem Papier. Verstanden haben wir jedoch wenig. Wir nennen unseren Weg Heiligung. Klingt geistlich. Wobei - vielleicht sollten wir es doch lieber Selbstdisziplin nennen. Die einen sind besser. Die anderen eben nicht. So ist es halt.
Wir Christen lieben Perfektion. Bloß keinen Fehler machen. Nur nicht zugeben, dass man das gerade nicht verstanden hat. Nur nicht offenlegen, dass man gerade zweifelt. Immer schön die Fassade aufrechterhalten - perfekt sein. Oder wenigstens perfekt scheinen. Ein Fehltritt und man ist raus. Ausgespielt. Ausgebrannt. Ausgewechselt. Weiter geht’s. Sonntag das Schauspiel. Am Montag das Bewusstwerden einer Illusion. Einer Illusion von Perfektion.

Das Streben nach Perfektion
So viele Christen haben permanent Angst, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können, sind gefangen in Zweifeln, Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen. Und irgendwie sind wir alle im gleichen Boot. Wir sind alle unqualifiziert. Vielleicht ist aber gerade die Erkenntnis darüber, dass wir unqualifiziert sind, der Grund für das Streben nach Perfektion. Wir versuchen es selbst perfekt zu werden, scheitern und setzen uns die Maske scheinheiliger Perfektion auf. Dabei ist Perfektion gerade das Ziel, welches Jesus Christus für uns erreichen musste, weil wir es selbst niemals erreichen werden.
Wir nennen es oft Heiligung. Die Bibel nennt es Sünde. Zielverfehlung. Wir versuchen mit eigenen Leistungen das zu erreichen, was Jesus vor 2000 Jahren schon erreicht hat. Vor Gott gerecht und versöhnt dazustehen. Obwohl wir im Innern wissen, dass wir es aus eigener Kraft niemals sein werden. Wir rennen gegen die Wand

Die "Ich genüge nicht"-Gedanken
Die Folge ist, dass nicht wenige der Kirche den Rücken zugewandt haben. Enttäuscht von sich selbst und enttäuscht von der Kirche. Gleichzeitig habe ich Menschen getroffen, die keine persönliche Beziehung zu Jesus haben, aber es auch auf gar keinen Fall ausprobieren möchten, da sie glauben, sich dann einem bestimmten Lebensstil verpflichten zu müssen - dem sie nicht entsprechen wollen, von dem sie aber auch ahnen, dass sie ihm nie entsprechen können. Viele drehen gleich wieder um, anstatt es wenigstens zu versuchen. Die "Ich genüge nicht"-Gedanken sind einfach zu blockierend.
Geht´s auch anders?
Zum Glück gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma. Denn Gott ist anders! Auch er findet es cool, wenn du nett zu deinen Großeltern bist und in der Schule gute Noten schreibst. Auch er freut sich, wenn du dich in deiner Haut wohl fühlst und deinen Freunden deine Schuhe gefallen. Er macht seine Liebe zu dir nicht von diesen Dingen abhängig. Er liebt dich. Punkt. Einfach nur, weil du da bist. Egal, was du leistest. Gott findet dich großartig. Er hat dich wunderbar gemacht und ist stolz auf dich. Er weiß, was du kannst, und was in dir steckt. Auch wenn du selbst vielleicht manchmal große Zweifel an dir hast. Klar findet er es nicht grundsätzlich falsch, wenn du ehrgeizig bist und dein Bestes gibst. Aber er wünscht sich, dass es dir dabei gut geht und du dich nicht selbst kaputtmachst. 

Ich bin ein Lügner 
Ja, du hast richtig gelesen, ich bin ein Lügner. Das Schokierende daran ist allerdings, dass ich nicht vorhabe, mich zu ändern. Ich lüge, weil es alle tun. Ich weiß nicht, ob dich mehr entsetzt, dass ich lüge, oder dass ich nicht vorhabe mich zu ändern. Natürlich lüge ich nicht offensichtlich und ich lüge den Leuten auch nicht ins Gesicht. Ich bin sogar vielmehr ein leidenschaftlicher Verfechter von Ehrlichkeit. Eine Eigenschaft, die man vermutlich bei jedem Christen erwarten würde. Aber trotzdem lügen wir. Immer wieder.
Vielleicht sagst du mir jetzt, dass du nicht lügst. Sehr gut. Aber ich glaube dir nicht. Was ist zum Beispiel mit der gängigsten Lüge unserer modernen Gesellschaft? Bei jedem Einkauf im Internet und bei allen möglichen Programmen, bei denen man sich anmelden muss, muss man mit einem Klick bestätigen: "Ja, ich habe die Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiere sie." Ich habe jedes Mal ohne nur den Hauch eines schlechten Gewissens auf den virtuellen Knopf gedrückt, obwohl ich noch nie in meinem Leben je eine dieser Geschäftsbedingungen vollständig gelesen habe. Ich hatte mal angefangen, bin aber nicht weit gekommen. Also gehe ich jedes mal das Risiko ein, dass etwas drinsteht, was ich eigentlich gar nicht will. Und ich lüge. Ohne einen Funken von einem schlechten Gewissen und ohne die Absicht, etwas daran zu ändern.

Ich bin Normal
Ich bin Normal. Nicht trotzdem, sondern deshalb. Auch du bist Normal. Du kriegst zwar nicht alles so gut auf die Reihe, wie du willst, hast Eigenschaften, die es nicht unbedingt bräuchte - vor allem nicht nach Meinung der Menschen um dich herum -,bist ausgestattet mit ein paar Ecken und Kanten ... aber du bist normal. Vielmehr: Genau deshalb bist du normal. Dass du nicht alles sauber hinkriegst hat schlicht und einfach damit zu tun, dass du unperfekt bist.
Wenn du mit dieser Unperfektheit zu knabbern hast, weil du den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wirst und deshalb immer wieder mit dem eigenen Versagen konfrontiert wirst, darfst du dich entspannen! Es ist alles okay mit dir! Gott kann mit deiner Unperfektheit ganz gut umgehen. Ich will dir heute dabei helfen, alle "Ich bin zu schlecht für die Jesus-Nachfolge"-Blockaden zu entfernen. 

Wir sind in Bearbeitung
Du bist normal. Unperfekt und deswegen normal. Und für mich ist es eine der wunderbarsten Geheimnisse des Glaubens, dass ich Jesus als Unperfekter nachfolgen darf. Als ganz Normaler. Ich muss nicht perfekt, muss nicht vollendet sein, besser, schöner, frommer, weiser und was nicht noch alles. An mir Hängt ein Schild: "In Bearbeitung". Jesus ist an mir dran, aber mein Jetzt-Zustand genügt schon! Er hat nicht erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten Freude an mir - dann, wenn er mich ans Ziel gebracht hat. Nein, er wird nie mehr Freunde an mir haben als genau jetzt in diesem Augenblick. In Jesus finde ich meinen größten Fan. Er freut sich, wenn ich mein Leben verantwortungsvoll gestalten will, statt alles nur auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber ihm ist  auch wichtig, dass meine Prioritäten richtig geordnet sind. Er möchte in deinem Herzen an erster Stelle stehen. Und er will mir den Druck nehmen, alles allein schaffen zu müssen, alles perfekt auf die Reihe zu bekommen und Anerkennung an den falschen Stellen zu suchen. Ich darf ihm als Unperfekter nachfolgen. Und es ist manchmal ganz unspektakulär, nicht selten aber auch atemberaubend diesem Jesus als Normaler nachzufolgen. Diese Erkenntnis ist absolut heilsam und befreiend.

Mut zur Lücke!
Wenn man es an dieser Stelle nochmal recht bedenkt, ist es ganz schön anmaßend perfekt sein zu wollen. Und vor allem völlig unrealistisch. Denn perfekt ist nur Gott. Wir Menschen sind dafür geschaffen, unperfekt zu sein! Wir können unser Leben gar nicht selbst auf die Reihe kriegen. Und wir müssen es auch nicht. Gott hat sich uns so ausgedacht, dass wir in der Abhängigkeit zu ihm gut funktionieren. Er kann gerade dann beweisen, wie genial und mächtig er ist, wenn wir uns auf seine Hilfe verlassen (2. Korinther 12,9). Genau so hat es auch Jesus gemacht. Und an ihm können wir uns - ganz entspannt - ein Beispiel nehmen! Wenn wir verstehen, dass wir geliebt sind, wie wir sind - mit unseren Schokoladenseiten und mit unseren Schwachstellen - dann können wir relaxen und die Dinge gelassen angehen. Und auch mal mit nicht perfekten Ergebnissen zufrieden sein. Ich glaube fest, dass Gott es gut mit mir meint, dass Jesus real ist und sein Heiliger Geist mir zur Seite steht. Ich will lieber Gott vertrauen, statt allein auf meine Fähigkeiten zu bauen. Das nimmt mir den Druck, in allen Bereichen meines Lebens glänzen zu müssen. Lass dich nicht blenden! Niemand ist perfekt. Du darfst dich gut so finden, wie du bist. Denn Gott tut das auch.

Wir sind nicht am Ziel. Aber auf dem Weg!
"Ich verlasse mich nicht mehr auf mich selbst oder auf meine Fähigkeit, Gottes Gesetz zu befolgen, sondern ich vertraue auf Christus, der mich rettet. Denn nur durch den Glauben werden wir vor Gott gerecht gesprochen." (Philipper 3:9)
Lass uns gemeinsam als on4u-Community authentisch leben. Perfektion ablegen. Schwächen offenlegen und Gottes Stärke annehmen. Den Kampf aufgeben. Uns selbst hinlegen. Und dann mit Jesus aufstehen.
Denn genau dann wird die Richtung wichtiger sein als die Geschwindigkeit. Allein durch die Kraft Gottes Geistes werden wir transformiert. Immer mehr. Immer weiter. Wir sind nicht am Ziel, aber definitiv auf dem Weg.

"Wenn wir bei der Bekehrung den Geist empfangen, ist das Ergebnis keineswegs sofortige göttliche Perfektion, sondern eine göttliche Infektion." (Gordon D. Fee)
 
Be blessed 
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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