Mutter Natur und Vater Gott

Lesedauer: 6min

Der ewige Kampf zwischen Glauben und Wissenschaft

Es gibt Momente in unserem Leben, die etwas Besonderes in uns auslösen, die unsere Seele ergreifen. Das Neugeborene, das der Mutter auf die Brust gelegt wird, der Atemberaubende Sonnenuntergang, das große Krabbeln, das wir unter dem Mikroskop entdecken und bei dem uns die Komplexität des Lebens bewusst wird. Zwei Menschen, die sich ewige Liebe versprechen und die beiden alten Herrschaften Hand in Hand auf der Parkbank, die diese Liebe immer noch leben.

Hey du, 
in solchen Augenblicken merken wir, dass da irgendwie "mehr" ist als das, was wir sehen und begreifen. Doch um dieses "Mehr" zu beschreiben, reicht unser Wortschatz meist nicht aus. Oft klingt es einfach zu banal, trivial oder schlicht abgedroschen. Denn dahinter steckt irgendetwas Unsichtbares, Ursprüngliches, die Wahrheit. Etwas Übernatürliches. Gerne benutzen wir als "Erklärung" für solche Momente eine alte Freundin: Mutter Natur. Das hat sie gut eingerichtet. Ein Wunder der Natur! Oder wir argumentieren mit Liebe, Perfektion oder Reinheit - nur ein ganz bestimmtes Wort kommt uns nicht in den Sinn: Gott. Gott steckt in unserer Vorstellung eher im Gewand des Vaters fest, als dem der Natur, Liebe oder sonst etwas Großen. Aber sind solche wunderbaren, berührenden Momente nicht eigentlich göttliche Momente?

Welcher Wiederspruch?
"Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können. Sie haben also keine Entscheidung." (Römer 1,20)
Gerade in der Natur erlebt der Verfasser dieses Bibelverses Dinge, die seiner Ansicht nach göttlich sein müssen. Er spürt etwas vom Himmel, wenn er sich in der Welt umsieht. Vielleicht war er auch wie ich begeistert von der Komplexität eines Blattes oder vom Wunder des Lebens und des Menschen als solches. Vielen dieser Phänomene möchten die Naturwissenschaften auf den Grund gehen, indem sie in Form von Beweisen und Gesetzen Erklärungen dafür zu liefern versuchen.
Als wir auf einer Freizeit mal eine Fragerunde zum Glauben gemacht haben, kann auch die Frage auf, wie denn das mit dem Widerspruch zwischen Theologie und Wissenschaft sei. Die Antwort eines Mitarbeiters lautete: "Welcher Widerspruch? Ich sehe da keinen." Diese Aussage hat mich echt beeindruckt und brannte sich in mein Gedächtnis ein.
Da ich grundsätzlich nichts gegen die Naturwissenschaften habe und mir Fächer wie Chemie oder NWT auch echt Spaß machen, will ich die Grundsätze der Naturwissenschaften auch nicht direkt in Frage stellen. Im Gegensatz: Ich bewundere die Forscher eher für ihre Arbeit - was sie alles über die Natur und das Weltall herausgefunden haben, das ist einfach erstaunlich!

Zwei Herangehensweisen an dieselbe Sache
Aber die Antwort des Mitarbeiters ging noch weiter: "Wenn Theologie ihren Job macht, besonderen Phänomenen auf den Grund zu gehen, nach dem Sinn und Ursprung zu fragen, und die Wissenschaft auf der anderen Seite die Gesetzmäßigkeiten hinter diesen Dingen erforscht und sie in ihrem logischen Zusammenhang zu erklären versucht, sind das ja lediglich zwei verschiedene Herangehensweisen an ein und dieselbe Sache. Beide führen am Ende zum gleichen Ergebnis." Der Junge der die Frage gestellt hatte machte zu diesem Zeitpunkt relativ große Augen. "Nimm zum Beispiel die Quantenphysik. Sie hat herausgefunden, dass ein Teilchen zur gleichen Zeit an zwei verschiedenen Orten sein kann. Als ich das zum ersten mal gehört hatte, fand ich das total abgefahren. Die Theologie behauptet dasselbe: Gott kann zur gleichen Zeit an zwei verschiedenen Orten sein. Aber man kennt das ja: Trifft ein Quantenphysiker diese Aussage, sind alle völlig aus dem Häuschen über dieses verblüffende Ergebnis. Behauptet dasselbe ein Theologe, schütteln zumindest die Atheisten milde lächelnd den Kopf und finden den Spinner ganz niedlich: ´Was manche Leute glauben...´ "

Am Anfang war ... die Ursuppe?
Lass  uns mal tiefer in die Perspektive der Wissenschaft eintauchen. Wie beschreibt sie den Ursprung der Welt?
Das Leben auf der Erde begann bekanntlich in der Ursuppe. Darin gab es sehr, sehr viele kleine Teilchen, die durch Zufall eines Tages lebendig wurden - das Universum wurde geboren ("Urknall"). Die unterschiedlichsten Formen von Leben entwickelten sich ("Evolution"), bis hin zu einem unfassbaren Artenreichtum. Aber was war denn das für ein Zufall? Ein weiser Mann hat einmal gesagt: "Die Entstehung der Welt mit dem Zufall zu erklären käme der Entstehugn eines Lexikons bei der Explosion einer Bücheri zugleich."
Das ist der Punkt, an dem es schwierig für die Wissenschaften wird, denn auch sie kommen immer wieder an ihre Grenzen, an denen sie Dinge nicht mehr weiter erklären können. Wer hat den Urknall verursacht? Und warum? Wessen Idee war es, dass sich Leben entwickeln sollte?
Diese Fragen bleiben aus wissenschaftlicher Sicht offen. Und genau hier setzt die Theologie an, sie befasst sich mit genau der gleichen Sache - der Welt, den Menschen, aber stellt eine andere Frage: Warum?

Muss da nicht ein Plan dahinterstecken?
Als ich noch jünger war habe ich unglaublich gerne mit Lego gespielt. Die Idee der Ursuppe und des Urknalls kann man ein bisschen damit vergleichen. Tausend kleine Teilchen liegen komplett durcheinandergeschmissen in der Plastikbox. Wie kann man nun aus den vielen Steinen ein Flugzeug oder ein Auto bauen? Vielleicht durch Schütteln? Sicher nicht! Ich brauche eine Anleitung und meine Intelligenz. So ungefähr stelle ich mir die Ausgangssituation der Ursuppe vor. Einfach so, indem sie sich zufällig hin und her bewegt, kann sich aus ihr doch kein Leben entwickelt haben?! Oder muss ich mein Legoset doch nur kräftig genug schütteln? Selbst wenn das funktionieren würde stellt sich die Frage: Wer hätte das Ganze geschüttelt? Und wie würde mein Auto oder mein Flugzeug dann zum Leben erwachen? Muss da nicht doch ein Plan dahinterstecken? Eine gewisse Intelligenz?

Gott Vater und Mutter Natur
Wer glaubt, dass das der Zufall oder Mutter Natur war, der braucht mindestens genauso viel Glauben wie ich, wenn ich sage: Dahinter steckt Gott! Er hat die Prinzipien der Wissenschaft genutzt und sie bei seinem Wirken eingesetzt. Doch der Anfang, also der Teil, den wir nicht wissenschaftlich beweisen oder erklären können, oder Zufall nennen, den hat er ausgelöst. Damit ist er sowohl "Gott Vater" als auch "Mutter Natur".
 Egal ob Naturwissenschaftler, Theologe, Atheist oder gläubiger Mensch, eines haben wir irgendwie alle gemeinsam: Wir versuchen, Gott zu definieren. Die Lexika sind voll von Definitionen über alles und jeden. Auch über Gott. Wusstest du, das "definieren" aus dem Lateinischen kommt und wörtlich "eingrenzen" bedeutet? Wenn wir Gott also zu definieren versuchen, schränken wir ihn ein. Wir versuchen ihn auf bestimmte Eigenschaften zu begrenzen, die ihn absolut gar nicht ausmachen, vielleicht nur einen Ausschnitt seines Wesens darstellen. Uns gefällt das trotzdem, denn auf diese Weise bekommen wir das Gefühl, endlich zu wissen, wer Gott ist. Ich weiß ja nicht, wie du so drauf bist, aber wenn ich merke, dass sich jemand bereits ein fertiges Bild von mir gemacht hat, bevor er mich überhaupt persönlich kennengelernt hat, kann ich ziemlich sauer werden. Dementsprechend glube ich, dass es Gott nicht wirklich lustig findet, wenn wir mit ihm dasselbe machen. Aber wenn wir Gott nicht definieren können, was bleibt dann noch?

Ich schreibe diesen Blog, weil ich mit dir auf eine Reise gehen will. Eine Reise ins Leben, in die Freiheit, auf der wir zusammen Gott immer besser kennenlernen. Und vielleicht solltest du an dieser Stelle Gott einfach mal selber fragen: "Wer bist du?"
Ich wünsche dir, dass du erkennst, dass Glauben und Wissenschaft kein Wiederspruch in sich sind, sondern dass es einfach zwei Herangehensweisen an ein und dieselbe Sache sind und dass du erkennst dass er sowohl "Gott Vater" als auch "Mutter Natur" ist.

Be blessed
Manuel


"Wissenschaft und Glauben sind kein Widerspruch. Die Wissenschaft ist nur viel zu jung um zu begreifen." - Dan Brown

"Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller seiner Überlegungen." - Max Planck


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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