Bedingungslos Jesus hinterher

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Was es heißt, sein Kreuz auf sich zu nehmen

Als Jesus sich eine wilde Truppe aus unperfekten Persönlichkeiten zusammenstellte, um eine Weltrevolution mit einem Ausmaß zu starten, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte, forderte er diese Menschen nicht bloß auf, an ihn zu glauben. Er forderte sie dazu auf ihm nachzufolgen. Bedingungslos.

Hey du,
Jesus lief nicht an Petrus und Andreas vorbei und rief ihnen zu: "Hey Jungs, glaubt an mich!" Worauf sie ihre Köpfe zu ihm drehten und zurückriefen: "Aber klar doch, das tun wir! Wir müssen allerdings noch rasch `ne Abwesenheitsnotiz bei Outlook einrichten, `ne Abschiedsparty feiern, einen Nachmieter für die Wohnung suchen..." Und dann winkten die Brüder Jesus nach, während dieser fröhlich einen Christlichen Superschlager pfeifend seines Weges zog. Nein. Er forderte sie auf, ihm nachzufolgen. Das bedeutete einen radikalen Lebenseinschnitt, er würde alles bis ins Detail durchdringen, sie aus ihren Jobs reißen, von den meisten ihrer Freunde und Familienmitglieder trennen...

Gottes Liebe fordert Entscheidungen
Kann ich mir, hier an meinem Schreibtisch in meinem warmen Zimmer auch nur annähernd vorstellen, was dieses "Nachfolgen" für eine Bedeutung hat? Für das Leben von Petrus? Aber auch für mein eigenes Leben? Denn dieses "Folge mir nach!" klingt heute noch genauso bestimmt wie damals und verhallt leider viel zu oft unbeantwortet. Es ist eine Aufforderung, die nicht bloß einen friedlichen Sicherheitsglauben fordert, sondern sie fordert zur konsequente Nachfolge heraus. Sie fordert Entscheidungen. Gott hat uns seine Liebe in derartigen Ausmaßen über uns ausgegossen, als er in Jesus am Kreuz starb, dass die einzig angemessene Reaktion eine Entscheidung ist. Man kann dieser Liebe nicht passiv neutral gegenüberstehen. Sie fordert ein Ja oder ein Nein.

Nachfolge kann dein Leben ruinieren
Richtig. Nachfolge kann dein Leben ruinieren. Zumindest dein egoistisch geplantes Leben. Aber geht es nicht genau darum? Jesus sagt: "Wem sein eigenes Leben über alles geht, der verliert es. Wer aber in dieser Welt sein Leben loslässt, der wird es für das ewige Leben gewinnen." (Johannes 12, 25).
Ein bewusstes Ja zur Nachfolge, verändert unser Leben, prägt es zutiefst. Es durchdringt das Leben bis auf die Knochen. Und das kann manchmal auch ganz schön unangenehm sein. Die Entscheidung Jesus nachzufolgen, ist nicht einfach bloß eine Entscheidung die liebevolle göttliche Umarmung zu akzeptieren, sondern auch dazu, sein Kreuz auf sich zu nehmen. (Matthäus 16, 25) Und eine Entscheidung, sich von Gott zurechtschleifen zu lassen.
Aber was heißt das: "Sein Kreuz auf sich nehmen?" Wenn ich in den Nachrichten sehe, wie in anderen Ländern Anschläge auf Kirchen und christliche Gemeinden passieren, wie Menschen verfolgt, geschlagen und sogar getötet werden, weil sie Jesus nachfolgen, dann fällt mir schnell auf, dass mein Kreuz sehr viel weniger zu wiegen scheint, als das von anderen. Ich investiere jeden Tag gut 2 Stunden darin, für meinen Blog zu texten, nehme ab und an mal peinliche Momente in Kauf, wenn ich der einzige bin, der an Jesus glaubt und von seiner Liebe erzählt und nehme dafür sogar manchmal Widerstand in der Öffentlichkeit oder vielleicht sogar von nahestehenden Menschen hin. Trotzdem leide ich weder Hunger noch Verfolgung. Und oft weiche ich in den Momenten, die für mich "leiden" bedeuten würden (wie zum Beispiel Freunde oder Menschen, denen ich begegne mit der Wahrheit von Jesus zu konfrontieren oder aus Nächstenliebe irgendwo eine Extrameile zu gehen), sogar noch aus! Leiden beginnt für mich schon da, wo ich zwar nicht Gefahr laufe, mein Leben zu verlieren, aber vielleicht mein Gesicht. Oder wo ich meinen Willen, dem von Gott unterordnen muss.

Jesus kniete sich in die Not der Menschen
Genau dieser Punkt wird in unsere Zeit so oft übersehen oder sogar bewusst ignoriert. So viele Gemeinden wollen mit den ganz kaputten Menschen nichts zu tun haben. Aber Jesus ging gerade zu diesen Menschen, von denen sich die geistlichen Leiter seiner Zeit fernhielten. Er war bei den Leprakranken, bei den Prostituierten und bei den Betrügern. Sein Auftrag war ja gerade, Sünder zu retten, deshalb ging er keinem von ihnen aus dem Weg. Denn wer besonders tief in der Sünde steckte, brauchte ihn besonders dringend.
Eine meiner Lieblingsgeschichten in der Bibel ist die eines Aussätzigen (Matthäus 8, 1-4). Der Mann lebte völlig von der Gesellschaft isoliert, da man ihn aus der menschlichen Gemeinschaft ausgestoßen hatte. Er musste außerhalb der Stadtmauer leben. Aussatz war die schlimmste, in der Antike bekannte Krankheit, da die Menschen über Jahre Stück für Stück abstarben. Muskelschwund, starre Augen, heißere Stimme, keuchender Atem, geistiger Verfall und abfaulende Körperteile. Man brachte ihm Essen an einen Platz, wo er es später abholen konnte - und wenn er den Menschen zu nahe kam, durfte man ihn zu Tode steinigen. Und dieser einsame Mann, der wahrscheinlich schon monate- oder jahrelang nicht mehr von jemandem angesprochen oder berührt worden war, hörte von Jesus überwand in der Not  seiner Krankheit und Isolation alle Richtlinien und Ängste und näherte sich Jesus. Er wollte aber nicht einfach nur geheilt, sondern "rein" werden. Denn da er als geistlich unrein galt, durfte er weder Kontakt mit anderen Menschen, noch mit Gott haben. Es ging ihm also nicht einfach nur um seine Krankheit, sondern um seinen geistlichen Zustand und das Getrenntsein von seinen Mitmenschen und Gott.


Der Jesus vom Bahnhofsvorplatz
"Von tiefem Mitleid ergriffen, streckte Jesus die Hand aus und berührte ihn. »Ich will es«, sagte er, »sei rein!« Im selben Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war geheilt." (Markus 1,41-4) Jesus berührte einen Leprakranken! Das war ja wohl das Letzte was man machen könnte. Man könnte sich doch anstecken. Aber die Liebe von Jesus ist größer und überwindet alles. Jesus erkannte genau die Not dieses Mannes, der wahrscheinlich schon seit Jahren von niemandem mehr umarmt worden war und er berührte ihn, umarmte ihn. Er gab ihm zum ersten Mal nach Jahren wieder das Gefühl, dass er geliebt ist und er heilte ihn von seiner Krankheit! Jesus kniete sich in die Not dieses Mannes hinein.
Stell dir vor, was das für eine Explosion im Herzen dieses Mannes ausgelöst haben muss! Er wird von Jesus in die Arme genommen, an seine Brust gezogen und spürt die unendliche Dimension dieser überfließenden Liebe, die ihn aus der größten Not herauszieht. Und auch bei mir hat diese Geschichte eine Menge ausgelöst. Ich habe Jesus mit neuen Augen gesehen, als hätte sich ein hartnäckiger Morgennebel schlagartig verzogen. Und da stand er, wobei nein: Da kniete er. Jesus kniete sich in die tiefsten Nöte der Menschen hinein, um sie zu lieben, zu heilen und zu trösten. Er begegnete mit dieser Umarmung, dieser Berührung der tiefsten Not dieses Mannes - der Isolation von seinen Mitmenschen und Gott.
Ich glaube, dass Jesus nicht Sonntag für Sonntag in der ersten Reihe einer Kirche fröhlich seine Worship-Lieder schmettern würde. Ich schätze, Jesus würde im Zweifelsfall die Sonntagmorgensgottesdienste schon nach der Begrüßung verlassen. Er würde zum Bahnhofsvorplatz gehen. Bestimmt würde er sich in der Kirchentür noch umdrehen und sagen: „Kommt mit und unterstützt mich! Ihr wisst schon, wovon ich rede." Viele der Leute vermutlich noch nicht.

Point of no return
Diese simpel-wuchtige Erkenntnis war so ein Point of no return für mich. Mir wunde klar: Wenn ich mich "Christ" nennen will und diesem Jesus nachfolge, dass muss ich seinem Beispiel nacheifern und mich neben ihn in die Schwierigkeiten er Menschen knien. Und ich verwende hier bewusst das anstößige Wort "muss". Jesus selbst hat es verwendet, als er Zachäus auf seinem Baum sitzen sah: "Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein" (Lukas 19,5). Jesus wusste genau, dass der Zöllner sich mit seinem Lebensstil mehr Feinde als Freunde gemacht hatte, und genau deshalb musste er bei ihm essen. Jesus erkannte die Not dieses Mannes und bot ihm Freundschaft an, ihm, der gerade in diesem Bereich den größten Mangel hatte. Und die Begegnug mit Jesus krempelte sein Herz völlig um. Jesus musste Zeit mit Zachäus verbringen, weil diese Begegnung z einem Point of no return für Zachäus werden sollte. Und wie Jesus mit Zachäus essen musste gibt es auch Dinge, die wir einfach tun müssen. Aber vor allem müssen wir die Begegnung mit Gott suchen. Dem Gott, der von sich selbst gesagt hat, dass er sich von uns finden lässt. Nur die Begegnung mit ihm kann uns so verändern, dass wir gar nicht mehr anders können, als das zu tun, was er von uns will.

Es geht nicht um glauben, sondern darum, was du daraus machst
Was sind die Nöte, der Menschen in deinem Umfeld? Wo ist jemand überfordert mit seiner Lebenslage, wo ist jemand in finanzieller Not, wo fehlt es jemandem ganz praktisch an Erfahrung oder Weisheit, um eine Situation zu meistern? Es ist Zeit uns die Knie dreckig zu machen. Und dass ist keine Option, sondern ein Muss. Damit diese Handlungen aber nicht zu einem Krampf werden brachst du immer wieder eine Zachäus-Begegnung mit Jesus, in der er durch seine Nähe dein Herz verändern darf.
Jesus hat nach Menschen gesucht, die ihm nachfolgen. Gott bracht keine Gläubigen, sondern Nachfolger, keine Fans, sondern Follower. Gott hat seinen Weltbestseller darauf ausgerichtet, dein Leben zu inspirieren, zu infiltrieren, zu durchdringen, auf den Kopf zu stellen und was weiß ich noch nicht alles - um dich genau zu dieser Nachfolge herauszufordern. Jesus hat sein Leben für dich und mich hingegeben. Er hat alles gegeben, um die Mauer zwischen uns und Gott einzureißen. Weil du ihm alles bedeutest. Wie weit geht dein Einsatz? Einfach nur fromm ein bisschen glauben ist noch kein Big-Deal. In Jakobus 2,19 heißt es: "Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön gut, aber auch die Dämonen glauben das- und zittern!" Wenn selbst die Dämonen das mit dem Glauben hinkriegen, wird der Glauben an sich wohl nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es ist vielmehr die Frage, was dieser Glaube mit dir macht, wohin er dich bewegt. Glaube allein ist nicht das, wozu Jesus die Menschen berufen hat. Seine Forderung war: "Folgt mir nach!" (Matthäus 9,9). Und das geht nicht im Sitzen, dazu muss man aufstehen, sich in Bewegung setzten, vielleicht Dinge zurücklassen, die einem lieb geworden sind. Leider ist das heute nicht mehr populär - heute will jeder nur noch ein bisschen was vom lieben Gott, eine Portion Gnade und Segen, und damit hat´s sich.

Es geht darum, Jesus bedingungslos nachzufolgen
Jesus ging zu den Armen, den Aussätzigen, Prostituierten, all den Sündern ... und wir gehen brav in die Kirche. Wohin geht dein Jesus?
Ich darf meine Nachfolge nicht mit der anderer vergleichen. Ich trage mein persönliches Kreuz, egal, wie groß, klein, schwer, breit, wuchtig oder unbedeutend es sein mag. Bedingungslose Nachfolge setzt für mich genau am selben Ort an, wie für Menschen, die unter Verfolgung leiden oder ausgestoßen im Slum leben. Egal wie es in deinem Leben gerade aussieht: Wir übernehmen alle die Verantwortung über unser Leben und sagen Ja dazu, diesem Jesus nachzufolgen, wo auch immer er hingeht. Wir halten uns an ihn, wenn er uns in unserer Unperfektheit begegnet, uns verändert und bewegt. Das ist bedingungslose Nachfolge. Hast du dazu "Ja" gesagt?

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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