Die größten Bibelfails - Teil 2

Lesedauer: 4min

#3 - "Muss man die Bibel wörtlich nehmen?

In letzter Zeit habe ich viele Diskussionen darüber geführt in denen es um die Frage ging: "Manuel, nimmst du die Bibel eigentlich wörtlich?" Meine Antwort: "Wenn ich das machen würde, dann müsste ich mir Jesus sehr komisch vorstellen, nämlich wie eine Tür. Dann wäre die Klinke vielleicht seine Nase, das Schlüsselloch der Mund und die Augen die Schrauben, oder so ungefähr."

Hey du,
meistens habe ich den anderen damit sichtlich verwirrt, also erklärte ich weiter: "Jesus sagt ja genau das von sich selbst: Ich bin die Tür (Johannes 10,9). Ich denke allerdings, es müsste damals schwer gewesen sein, so als Tür durch die Lande zu pilgern. Aber gut, wenn es jemand gekonnt hätte, dass ja Jesus oder?"
Meine Auffassung dazu lautet also: Man sollte die Bibel nicht immer wörtlich nehmen, aber ernst.
Was meine ich damit? Ich glaube, dass die Bibel keinen Klamauk enthält oder Gott sich einen Scherz erlaubt, um uns maximal zu verwirren. Sondern er ringt darum, uns Dinge begreiflich zu machen, die jenseits dessen liegen, was wir verstehen können. Deswegen verwendet er oft Bilder und Beispiele. Und es ist unser Job, sie ernsthaft zu erforschen und zu begreifen.

Schnitzeljagd zu Gott
Es ist - positiv gemeint - ein bisschen wie bei einer Schnitzeljagd: Man entdeckt einen Hinweis, der zum nächsten führt, bleibt auf der Fährte oder verliert auch mal die Spur. Dabei sammelt man gute Erkenntnisse über den richtigen Weg, aber vor allem auch eine Menge Spaß. Und je weiter man kommt, desto mehr gewinnt man an Erfahrung und entwickelt ein Gespür für den Fährtenleger. Man lernt ihn einzuschätzen und ahnt vielleicht schon, wohin die nächste Wegetappe führen könnte, obwohl man sie noch gar nicht sehen kann.
Lass mich dir ein Beispiel geben: Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung gib es ein echt fettes Bild, in welchem die zukünftige Stadt im Himmel aus purem Gold dargestellt ist (Offenbarung 21, 16-21). Bei dieser prophetischen Bildersprache geht es meiner Meinung nach nicht darum, dass wir irgendwann einmal in goldenen Wohnzimmern von goldenen Sofas aus fernsehen werden, sondern darum, dass Gold auf unserer Erde besonders wertvoll ist und es deswegen besonders begehrt, aber nur schwer oder für teures Geld zu bekommen ist; in der Ewigkeit dagegen wird dieses Material anscheinend geradezu im Überfluss vorhanden sein. Das drückt aus, wie unbegrenzt und großzügig Gott ist und wie besonders es sein wird, in seiner himmlischen Stadt leben zu dürfen.

Gottes Power in uns
Das ist jetzt nicht die Interpretation dieser Bibelstelle im Sinne von "einzig richtige und wahre", sondern nur eine mögliche Auslegung die zu all dem passt, was ich bereits in meiner Schnitzeljagd über Gott und die Ewigkeit herausgefunden habe. Vielleicht kommst du zu ähnlichen Schlüssen, vielleicht verstricken wir uns aber auch in eine kontroverse Diskussion?
Ich denke, genau das ist das Ziel, wenn man die Bibel ernst nehmen möchte: dass man gemeinsam darum ringt, zusammen mit dem Heiligen Geist, Gottes Power in uns, die einzelnen persönlichen Sichtweisen zusammenzubringen. Und am Ende ein großes Bild zu erhalten.
Klar, es ist nicht immer einfach auf so ein gemeinsames Bild zu kommen, oft sind die Meinungen auch sehr verscheiden, aber ich möchte euch dazu ermutigen: Traum euch über den Text zu diskutieren, ruhig auch mal etwas heftiger. Denn so erlangt man meist die tiefsten Erkenntnisse!

Bilder, Prophetien...
Zum Beispiel ist der Gedanke weit verbreitet, dass man bestimmte Dinge wie Theologie und Naturwissenschaften nicht miteinander vereinen kann - weil sie so extrem unterschiedliche Thesen aufstellen. Doch ist genau das Gegenteil der Fall: Nur wenn wir all das Spezielwissen miteinander kombinieren, kommen wir zu wirklich schlüssigen Ergebnissen. Oft werden in diesem Zusammenhang Schöpfungsbericht und Evolutionstheorie gegenübergestellt. Ohne darauf jetzt im Detail eingehen zu können denke ich, dass es sich bei den ersten Kapiteln der Bibel, ähnlich wie bei der Offenbarung um eine Prophetie handelt, nur nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit betreffend. Warum? Keiner von uns oder denen, die den Bericht verfasst haben, war selbst dabei. Es handelt sich nicht um einen Augenzeugenbericht, also sollte man ihn auch nicht so behandeln. Ich glaube, dass der Streit um diese Texte weder uns persönlich noch das Christentum an sich weiterbringen wird: Ist die Bibelstelle wörtlich zu nehmen oder eher nicht? Hat Gott wirklich in genau sieben Tagen die Erde erschaffen? Oder ist ein Tag für ihn wie tausend Jahre und das alles passiere also in 7000 Jahren? Und so weiter...
Theologisch betrachtet denke ich, der Schöpfungsbericht möchte uns zeigen, dass Gott die Grundlage, unser Erfinder ist und dass er einen gewaltigen Plan hat. Er ist der Urheber der Welt und der sinnstiftende Grund, warum alles existiert. Und er beweist dabei, dass er ein unlimitierter, genialer Schöpfergott mit krass viel Kreativität ist.

... und Augenzeugenberichte
Andere Bibeltexte sind wiederum Erzählungen im Stil von Augenzeugenberichten: Jemand beschreibt beispielsweise, wie Jesus  einen Blinden geheilt hat (z.B. in Johannes 9). Das glaube ich eins zu eins und nehme es - wenn du so willst - "wörtlich". Für mich ist es zwar ein total abgefahrenes Wunder, das weder ich, noch der Blinde selbst erklären können, aber ich gehe davon aus, dass Jesus als Sohn Gottes dazu auf jeden Fall in der Lage ist (immerhin ist er auch von den Toten auferstanden, da dürfte ein kaputter Sehnerv nun nicht das Problem sein).
Und übringens ist auch der Tod und die Auferstehung von Jesus mit Augenzeigenberichten belegt und so für mich hundertprozent, Wort für Wort glaubwürdig. Es gibt so viele Beweise für die Auferstehung von Jesus, dass es bei genauerem Betrachten und Auseinandersetzen mit den Berichten auch Nicht-biblischer Quellen leichter fällt daran zu glauben, als das Gegenteil zu behaupten.

Die Bibel hat das Potential mein leben auf den Kopf zu stellen
Das ist allerdings noch nicht unbedingt weltbewegend. Einen Unterschied macht mein Glaube erst, wenn ich eine solche Begebenheit auch auf mich übertrage. Das Ergebnis wäre dann, dass Jesus mich genauso von meiner Blindheit heilen und mich von den Toten auferwecken kann. Und wenn ich es ernst nehme, dass er mich zu den gleichen und sogar noch größeren Dingen befähigt, wie er sie getan hat (Johannes 14,12), und sogar noch viel mehr, dass nämlich durch mein Gebet und meinen Einsatz Blinde - körperlich und auch geistlich - wieder gesund und sehend werden, dann wird das mein Leben komplett auf den Kopf stellen. Es wird mich verändern, herausfordern und mich einen Gott erleben lassen, der mich unglaublich liebt und der einen richtig steilen Plan für mein Leben hat.
Am Ende ist die Bibel eine gute Nachricht. Besonders solche Stellen, an denen ich mich am Anfang sehr gestoßen habe, haben mein Leben am meisten bereichert. Aber eben deshalb, weil ich im Dialog mit dem Heiligen Geist drangeblieben bin.

Was ich dir heute mitgeben will: Man muss die Bibel nicht immer wörtlich nehmen, aber auf jeden Fall ernst!

Be blessed
Manuel

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Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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