Ganz ungezwungen?

Lesedauer: 7min

Auf der Suche nach Freiheit

Der Traum von Freiheit. Wer kennt ihn nicht. Viele Menschen träumen von Freiheit und verbinden damit die unterschiedlichsten Dinge. Aber was genau ist Freiheit und wo findet man wirkliche Freiheit?

Hey du,
eine der krassesten Filmszenen ist für mich schon seit vielen Jahren der Tod von „William Wallace“ (Mel Gibson) in Braveheart. Noch im Sterben brüllt der Gefolterte mit aller Kraft ein letztes Mal „Freiheit!“, bevor er die Augen schließt. Ich habe den Film oft gesehen, aber hier habe ich immer eine Träne im Augenwinkel. Freiheit…! Was ist diese Freiheit, dass Menschen bereit sind für sie zu kämpfen und zu sterben? Habe ich – der ich doch eigentlich frei lebe - überhaupt ein Gespür für ihren Wert? Oder ist es wie mit der Atemluft - so lange selbstverständlich, bis sie plötzlich knapp wird…?!

Sehnsuchtnach Freiheit
Wir alle sehnen uns nach Freiheit. Egal, wo, egal wann. In uns allen steckt der Wunsch nach Freiheit. Und dafür kämpfen wir. Auf Sklavenplantagen, in Kriegen, Gerichtssälen, auf Demonstrationen. Es scheint, als seien wir Menschen dazu gemacht, in Freiheit zu leben. Und tatsächlich erzählt uns die Bibel genau davon: Von einem Gott, der den Menschen als Krönung der Schöpfung erschafft. Und der ihn als Verwalter und Pfleger über alles einsetzt, was er gemacht hat. Der Mensch darf frei entscheiden, was er damit machen will. Es ist seine Berufung, kreativ zu gestalten, zu benennen, zu bewahren und selbst Neues zu erschaffen. Absolute Freiheit! Bis auf eine klitzekleine Sicherheitsgrenze (welche das ist, kannst du in 1. Mose 2 nachlesen), die wir Menschen auch gleich mal überschritten haben. Und uns in unserer Freiheit dadurch selbst unserer Freiheit beraubt haben ...
Die Bibel sagt, dass wir Menschen zur Freiheit berufen sind (Galater 5,13). Das erklärt auch, weshalb wir uns so nach ihr sehnen. Freisein bedeutet Menschsein. Es ist Teil unseres Wesens. Aber was bedeutet es überhaupt, frei zu sein? Oder eben nicht?

Freedom and Liberty
Der Duden definiert Freiheit folgendermaßen: „Freiheit, die. Substantiv, feminin. Zustand in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen […] Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen nicht […] eingeschränkt fühlt."
Und im Englischen gibt es für das deutsche Wort Freiheitgleich zwei Worte: „Freedom“ bedeutet, dass ich tun und lassen kann, was ich will. Niemand hat mir etwas vorzuschreiben. „Liberty“ bedeutet dagegen frei im juristischen Sinne. Diese beiden Worte müssen wir bedenken, wenn wir über Freiheit reden. Grundsätzlich gilt: Wir sind als freie Menschen geschaffen. Wir haben so ein überaus krasses Maß an Freiheit, das ist eigentlich kaum zu begreifen. Wir sind Gottes Ebenbilder und Gott ist frei! Wir sind so frei, dass wir sogar zu unserem Schöpfer "Nein" sagen dürfen. Er hält uns nicht fest. Er zwingt uns nichts auf. Wir sind frei Gutes und Böses zu tun. Selbst Paulus schreibt: „Alles ist erlaubt…“ (nachzulesen in 1. Korinther 10, 23-24). Festhalten können wir uns auf jeden Fall: In vielen Bereichen unseres Lebens sind wir enorm frei und unabhängig. Gerade als deutsche Bürger! Wir können wählen, wen wir wollen, was wir wollen, wohin wir wollen oder wie. All diese Freiheiten, von Politik über Konsum bis hin zur Liebe gibt es nur in sehr wenigen Ländern der Welt. Und deshalb kommen so viele Menschen aus anderen Nationen zu uns. Weil das etwas sehr Besonderes ist!

Vor lauter Freiheit abhängig
Allerdings schreibt Paulus auch weiter: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.“ Gesunde Freiheit hat zwei Grenzen. Eine Grenze für „Freedom“, eine Grenze für „Liberty“. Die Grenze für „Freedom“ hat Kant sehr gut formuliert: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“. Ich kann vielleicht tun und lassen was ich will, aber nicht auf Kosten meines Nächsten. Das klingt erst einmal logisch, wird aber tausendfach missachtet. Oft wollen wir unsere Freiheit erweitern – und rauben damit anderen Menschen ihre Freiheit. Durch unseren Konsum, unsere Gier, unsere Eigensucht und Arroganz, unsere Grenzen und Zäune, unsere Ansprüche, unseren „Schutz“… Wir rauben ihnen damit aber das was Gott ihnen geschenkt hat! Einen Teil ihrer Ebenbildlichkeit Gottes! Das ist keine Kleinigkeit…! (übrigens auch nicht, wenn wir es zwar nicht selber tun, aber nur schweigend zu- und dann wieder wegschauen…!)
Die Grenze für „Liberty“ betrifft viel mehr uns selbst. Denn oft führt gerade meine „Freedom“-Freiheit mich in Gefangenschaft. Ich verliere dadurch meine „Liberty“-Freiheit. Die Folgen meines zügellosen Lebens sind dann plötzlich Abhängigkeiten, Sucht und Krankheit. Und wenn ich Geldstrafen bezahle oder gar ins Gefängnis muss, dann wird besonders deutlich sichtbar, wie meine „Liberty“ zerstört wird…
Beim schreiben dieses Beitrages merke ich, wie sehr wir in jeglicher Hinsicht in unserer Freiheit eingeschränkt sind. Alleine das Nachdenken über den Idealzustand, schränkt uns in unserem Handeln im Hier und Jetzt ein. Im Sinne der Romantik ist Freiheit vielleicht etwas, was nie wirklich erreicht werden kann - das „Dazwischen“. Die Menschlichkeit im Mittelpunkt zwischen dem „Alles“ und dem „Nichts“.

Unfreiheit erkennen
Irgendwie sind wir also auch enorm abhängig. Oft sind wir aber auch selbst daran schuld und machen uns von den Ansichten anderer abhängig, definieren uns nur noch über Likes auf Instagram.  Wir rennen gegen die Wand. Und unsere Abhängigkeit treibt uns dazu, Dinge zu tun, zu lassen oder zu sagen, die mehr zerstören, als dass sie heilen. Unfreiheit ist in vielen Bereichen negativ und muss überwunden werden.
Du bist dazu berufen, frei zu sein. Und das geht nur, indem du deine Abhängigkeit erkennst. Wodurch wurdest du verletzt? Wer oder was hat schlechte Verhaltensmuster in deine Persönlichkeit hineingeprägt? Wo bist du von Menschen oder Dingen so abhängig, so süchtig, dass du nicht von ihnen loskommst? Aber vor allem, wozu treibt dich dein Ego - und warum? Und wo brauchst du Vergebung, wo Heilung und wo Befreiung?
Es ist gut, wenn du dir Zeit dafür nimmst, deine Unzufriedenheiten und Bindungen zu reflektieren und in Angriff zu nehmen. Das ist der erste Schritt in Richtung Freiheit. Frei zu sein fürs Leben, wie Gott es sich für uns vorgestellt hat.
  
Für Beziehungen geschaffen
Auf der anderen Seite sehnen wir uns auch danach, Verantwortung auch mal abgeben zu können. Nicht für alles selbst geradestehen zu müssen, uns bei jemandem zu bergen, in Beziehung zu sein und nicht unabhängig und frei. Und deshalb haben wir die Freiheit unsere Freiheit investieren. Genau wie unsere Zeit, Kraft, Liebe und Talente. Normalerweise investiere ich Freiheit in zwei Dinge. Entscheidungen und Beziehungen. Mit meiner Entscheidung diesen Post zu schreiben verliere ich zum Beispiel meine Freedom-Freiheit, in dieser Zeit etwas völlig anderen zu machen. Mit meiner Entscheidung den Zehnten zu geben, verliere ich die Freedom-Freiheit mehr Geld für meine Bedürfnisse oder Interessen auszugeben. Doch dieses Geld erweitert dafür die Freiheit anderer.
Die andere Sache, in die ich meine Freiheit investiere sind Beziehungen. Jeder Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Beziehungen zu anderen Menschen. Wir wollen gerne freiwillig abhängig sein. Und auch das ist absolut von Gott gewollt! Denn er hat nicht einen Menschen geschaffen und ihn über alles gesetzt, sondern zwei!
Und das ist gut so. Denn absolute Unabhängigkeit, absolute Freiheit hieße auch brutale Einsamkeit, ungeteilte Verantwortung und allen zu tragende Schuld. Doch so ist es nicht. Gott hat uns als Beziehungswesen geschaffen, und je mehr eine Beziehung, eine Bindung von Liebe geprägt ist, desto besser ist sie. Denn Liebe ist treu und verantwortungsvoll. Liebe macht den anderen nicht abhängig, sondern setzt ihn frei! Und in dieser Freiheit kann sich der andere dann freiwillig binden.
Aber auch in Beziehungen gebe ich etwas auf. Jede Freundschaft baut darauf auf, Zeit in den anderen zu investieren und auch Kompromisse einzugehen. Das bedeutet eine Einschränkung meiner Freiheit. Dafür erlebe ich andere Dinge. Liebe, Geborgenheit, Heimat… Ich teile und ich bekomme.

Freiheit bedeutet von der Couch aufzustehen und sich ins Abenteuer zu stürzen
Wir haben oft Schwierigkeiten unsere Freiheit zu geben. Wir trauen uns nicht in feste Beziehungen, haben Angst ausgenutzt zu werden, wollen ungern teilen. Das Paradoxe: Wir lassen uns stattdessen unsere Freiheit rauben: Wir stecken im Hamsterrad des Lebens, getrieben von den Erwartungen der anderen. Verrückt. Zur Freiheit gehört es, eigene Entscheidungen zu treffen. Selbst Kapitän des Schiffes zu sein. Selbst "Ja" und "Nein" zu sagen. Gott will uns helfen und hat uns mit der Bibel einen erstklassigen Kompass zur Verfügung gestellt. Manchmal glauben wir, Gott würde alles für uns einfädeln. Wir sagen „Er hat einen Plan für mein Leben“ und meinen „Ich muss nicht selber nachdenken.“ Aber ich sage dir: Das ist Quatsch! Wir sind zur Freiheit berufen! (Galater 5,13). Wir dürfen und sollen selbst Entscheidungen treffen. Wir dürfen unser Leben in die Hand nehmen. Und das heißt sich zu bewegen, von der bequemen Couch aufzustehen und sich ins Abenteuer zu stürzen.
Aber wie schon gesagt: Manchmal tut es auch gut, sich abhängig zu machen. Und deshalb gibt es eine Abhängigkeit, die absolut gut ist: Nämlich die Abhängigkeit zu Gott, der dich bedingungslos liebt. Er will keine Gegenliebe, kein Geld, keine Leistung. Nichts. Er will nur das Beste für dich, nicht für sich. Nur von ihm und seinen Entscheidungen solltest du dich abhängig machen. Hör ihr zu! Lass dir etwas sagen! Sei gehorsam! Denn wenn er dich bedingungslos liebt, dann ist das, was er dir rät, das Beste für dich! Da wo er ist, herrscht Freiheit: "Der Herr aber ist der Geist, und wo immer der Geist des Herrn ist, ist Freiheit." (2. Korinther 3,17) Es lohnt sich also sich freiwillig von ihm abhängig zu machen und dadurch die echte unendliche Freiheit geschenkt zu bekommen.

Und jetzt? Dieser Text kann nur Augen öffnen. Er führt Dich nicht von A nach B. Er kann Dich aber aufwecken. Und dann geht deine Suche los. Dein eigener Weg mit Gott. Nicht vorgepflastert, sondern ein Abenteuer. Ein freier Mensch und ein freier Gott teilen eben diese Freiheit. Ich bin gespannt, was daraus entsteht!

Be blessed
Manuel 


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