Vom Mut, kleiner zu sein

Lesedauer: 5min

Wie sich Gott Beziehung vorgestellt hat

Da steht Adam. Alleine zwischen vielen fröhlichen Tieren. Und der Schöpfer scheint mit seinem Kunstwerk noch nicht ganz zufrieden zu sein. Bevor er seinem Menschen einen zweiten Menschen an die Seite stellt, spricht er den tiefgründigen Satz: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." Ob dieser Satz wohl mehr ist, als eine einfache Feststellung?


Hey du,
hat Gott mit diesem Anspruch vielleicht jedem Menschen den Wunsch nach Beziehung ins Herz gelegt? Schon möglich. Wir spüren es doch immer wieder selbst, dass es uns gut tut, Zeit mit anderen zu verbringen. Gott hat uns zu Beziehung, zu Gemeinschaft mit ihm, aber auch mit anderen Menschen bestimmt. Kein Tier beherrscht eine so komplexe Sprache wie wir. Und kein Tier hat eine so ausgeprägte Mimik. Wenn man ein Lama anlächelt, wird es nicht zurückgrinsen, sondern dir höchstens dein Shirt vollsabbern ; ) Kein Wunder, dass Adam sich allein gefühlt hat.

Gottes Statement
Gottes Statement lautet daher: Absolute Einsamkeit ist "nicht gut". Auf der anderen Seite sind unsere Beziehungen nicht automatisch "gut". Sie laufen eben nicht von selbst. Ich frage mich also: Was kann ich tun, dass es zwischen mir und meinem Gegenüber "gut" läuft? Gott, der Erfinder der Beziehung gibt auf diese Frage einen liebevollen und ziemlich herausfordernden Ratschlag: "Achte den anderen höher als dich selbst!" (Philipper 2,3). Gott gibt uns keinen dicken Verhaltenskatalog. Dieser kleine Satz von ihm spricht Bände. Und ich bin überzeugt: Wenn wir den verinnerlichen, dass setzten wir einen Dominoeffekt frei, der unsere Beziehungen tiefgründig wachsen lässt. Und das gilt nicht nur für feste Beziehungen zwischen Jungs und Mädels oder die Ehe, sondern auch für ganz normale Freundschaften. Hier kann sich jeder angesprochen fühlen. Aber wie funktioniert das ganz praktisch - den anderen "höher achten"? Und wer ist überhaupt mein Nächster? ... Augen auf, vielleicht steht oder sitzt er gerade neben dir!

Eine bewusste Entscheidung für andere
Auf diese Fragen hat Jesus eine echt krasse Antwort. Als ein Gesetzeslehrer Jesus mal fragte, was denn das größte Gebot im Gesetz sei, antwortet Jesus ohne zu zögern:   "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, mit deinem ganzen Herzen, mit ganzer Seele, und ganzem Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39) Jesus benennt in zwei kurzen Sätzen, worum es ihm für uns Menschen geht: Es geht ihm um Liebe! Paulus macht im 1. Korintherbrief, Vers 2-3 klar: "Das Wichtigste ist, dass ihr schnallt, dass es um die Liebe geht, denn ohne Liebe seid ihr nichts." Und Liebe zu Gott geht immer einher mit der Liebe zu meinem Nächsten. Da komme ich nicht drum herum. Wenn ich Gott bedingungslos Nachfolgen will, heißt das auch, dass ich bedingungslose Liebe gegenüber meinen Nächsten lebe. Und dann ist es auch egal ob mir mein Nächster sympathisch ist oder nicht. Ob er uncool ist oder vielleicht nicht so gut riecht. Den Menschen, den Gott uns vor die Füße stellt, das ist mein Nächster. Meine Aufgabe ist es, diesem Einen in Liebe zu begegnen und, wenn diese Person Not hat, ihr mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen zu helfen.
Auch wenn du damit vielleicht ganz alleine dastehst und deine Freunde, Vorbilder, ... sich nicht hilfsbereit zeigen. Oder du jetzt gerade mal wirklich keine Zeit und Lust hast zu helfen. Oder du dich vielleicht auf einem geistlichen Höhenflug befindest und dich echt nicht runterbringen lassen willst, weil du dich so gut fühlst. Merke dir: Du kannst geistlich machen was du willst. Es bringt nichts, absolut gar nichts, wenn du deinen Nächsten links liegen lässt. In Sachen Nächstenliebe geht es um dein Handeln und dein Lieben, von Gott und von deinem Nächsten. Gott braucht dein ganzes Herz, deine ganze Hingabe! Und keine leeren Worte.
Indem du Nächstenliebe lebst, kannst du die Welt verändern. Du kannst die Liebe von Jesus ganz praktisch weitergeben - in Wort und Tat und von Herzen!

Der andere zählt
Ich finde es tut gut, sich immer wieder auch mal ganz bewusst um sich selbst zu kümmern und danach zu fragen: "Was will ich eigentlich?" Aber: Die Bibel haut schon steile Sätze raus! Ich zitiere mal Philipper 2,3: "Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehe willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst." Paulus macht hier klar: Es geht um den anderen! Ich soll den anderen höher achten als mich! Nicht seine Meinung über mich, aber ihn als Person! Ich soll nichts aus dem Grund heraus tun, dass es rein egoistisch mir selbst dient. Das, was ich mache, soll auch nicht dazu dienen, dass mein Ego geiler wird, oder ich berühmter oder toller vor anderen dastehe! Ich soll meinen Nächsten mehr wertschätzen als mich selbst. Aber es geht noch weiter: "Es ist schon schlimm genug, dass ihr miteinander rechtet. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?" (1. Korinther 6,7).

Auf Recht verzichten
Wohoo, das ist steil, oder? Wenn dir ein Freund, oder jemand anderes, Unrecht tut, sollst du es dir gefallen lassen, anstatt ihn vor Gericht anzuklagen oder es anderen zu petzten? Ersthaft, ich soll mein Recht aufgeben? Hast du das schon mal gemacht? Ich glaube, dass ist echt eine Nummer im Bereich Nachfolge, die ich noch üben muss. Aber wer das kann duckt sich nicht einfach schüchtern weg, sondern ist richtig frei und in der Lage, sich keine Sorgen um sein Recht zu machen, weil er ja weiß, dass Jesus am Ende sein Richter sein wird. Er muss also nicht für sich und sein Recht kämpfen.

Füreinander einstehen
Aber ich bin immer noch nicht fertig. In 1. Korinther 12,25-26 steht: "... damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit." Die Leute aus der Gemeinde sollen füreinander sorgen. Nicht jeder sorgt für sich, sondern jeder sorgst für den anderen, leidet mit ihm und freut sich mit ihm. Wenn jeder das machen würde wäre für jeden gesorgt und wir hätten jede Menge Spaß miteinander. Ich glaube, darum geht´s. Es kann nicht jeder für sich selbst sorgen. Manche sind gerade zu schwach, zu krankt, zu allein oder arm. Deshalb kann nie und nimmer dieser doofe Spruch gelten: "Wenn jeder für sich sorgt, ist für jeden gesorgt." Nein! Die Bibel macht klar: Wenn sich jeder um den anderen sorgt, dann ist wirklich für alle gesorgt.

Sorgen abgeben
Gerade ich, der zu Jesus gehört, bin dazu bestimmt, mich um andere zu kümmern. Warum? Weil ich dem Aufruf von Petrus folgen kann und durch Jesus versorgt bin, wie es in 1. Petrus 5,7 steht: "Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch." Jeder, der Jesus kennt, hat die Möglichkeit, seine Sorgen auf Jesus zu werfen  und von ihm versorgt, getröstet und verstanden zu werden. Und wenn ich das mache, muss ich mich nicht mehr um mich kümmern, denn Jesus tut das ja schon (wahrscheinlich oft auch durch andere in der Gemeinde, dich machen, was in der Bibel steht). Ich bin also frei von eigenen Sorgen und kann mich um die Sorgen anderer kümmern. Seine Sorgen abgeben und sich um andere kümmern - das ist richtige Freiheit!

Erst du, dann ich
Wenn ich den anderen höher achte, als mich selbst, dann lasse ich ihm den Vortritt. Klar habe ich Pläne für mein Leben. Ich könnte so vieles anstellen!" Aber wenn meine Vorstellungen und die meines Nächsten mit einem großen Chrash aufeinanderprallen - was dann? "Achte den anderen höher als dich selbst." Dieser Vers will uns deutlich machen:Sei bereit auch mal zurückzustecken. Manchmal empfinde ich es so, als würden mir Beziehungen ein beachtliches Stück meiner Freiheit wegnehmen. Und jetzt muss ich versuchen, meinen "Rest der Freiheit" zu verteidigen. Das kann ganz schön anstrengend sein. Gott möchte uns einladen, einfach mal umzudenken. Wir dürfen in unseren Partner investieren, uns hinter ihn stellen. Das Dienen lernen, so wie Jesus es vorgemacht hat.
Dabei sind wir keine Verlierer. Wir gewinnen eine Beziehung mit guter Basis, an der Gott eine Freude hat und die er segnen möchte. Und am Ende sind wir die Beschenkten. Nimmst du Challenge an?

Be blessed
Manuel

"Echte Liebe will nichts von dem anderen, sie will alles für den anderen." - Dietrich Bonnhoeffer


 
Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Hoffnungsträger

Der Moment, wenn nichts mehr geht (TDW 41/2018)

Zur Freiheit berufen (TDW 39/2018)