Mein Commitment

Lesedauer: 7min

Das gefährlichste, was du in deinem Leben machen kannst

Vor kurzem habe ich ein Commitment, eine Verpflichtung Gott gegenüber gemacht. Ich habe ein Gebet aufgeschrieben und meine Unterschrift daruntergesetzt. Ich habe ganz gewusst mein ganzes Leben Gott anvertraut. All meine vermeintlichen Rechte, mein Leben und all meinen Besitz an Gott überschrieben. Totale Hingabe und nichts weniger.

Hey du,
falls das Wort "Vertrag" bei dir unnötiges Unbehagen auslöst, nenn es einfach Bund oder Entschluss - ganz egal. Wichtig ist, dass es um eine Abmachung zwischen mir und Gott geht. Ich habe mit ein Gebet aufgeschrieben, das ich mit meinem Namen unterzeichnet habe: "Jesus Christus, ich will, dass du das Zentrum meines Lebens bist. Durch die Kraft des Heiligen Geistes will ich auf dich hören und tun, was du mir sagst. Zu jeder Zeit. An jedem Ort. Um jeden Preis. Was immer es sei. Amen. - Manuel Ehnis"

No risk, no faith
Das ist ein Gebet, dass man nicht einfach rasch beten kann, sondern es ist eines dieser unbequemen, gefährlichen Gebete. Meistens sind es genau die Gebete, die Gott dann erstaunlich schnell erhört. Darüber hinaus ist es eine Entscheidung, die ich täglich neu treffen muss: mich Gott hinzugeben, damit nicht mehr ich, sondern er durch mich und mit mir leben kann. Das ist wahre Nachfolge, echte Hingabe. Und dabei geht es nicht einfach um einen Aufruf, zu mehr Aufopferung und Selbstlosigkeit, sondern zur Bereitschaft, auf Gottes Stimme zu hören und seinem Willen zu folgen. Was immer es sei.  "Hingabe" - aus Angst vor all den Burn-outs darf man das Thema heutzutage kaum mehr anschneiden, da das Wort zu viel Forderndes an sich hat. Was aber mindestens so aktuell ist wie Menschen mit Burn-out, sind all die Christen, die in ihrem Glaubensleben an Bore-out (von "bored": gelangweilt) leiden und "sterben". Statt einer Work-Life-Balance sollte man sich besser die Heilige-Geist-Performance zulegen. So wie Jesus es vorlebte, der sagte: "Meine Nahrung ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat und das Werk vollende, das er mir aufgetragen hat." Und: "Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun; er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn." (Johannes 4,34; 5,19). Die Art wie Jesus sein Leben führte, ist besser als jeder Versuch ein erfülltes Leben zu erreichen. Würden wir uns vollkommen nach dem ausrichten, was Gott mit unserem Leben vorhat, ließen sich all die Dinge vermeiden, die uns enorm viel Energie kosten. Wenn wir uns also Gott völlig hingeben, wird unser Leben wird durch die Decke gehen und wir werden als Christen richtig durchstarten.

Das Steuer loslassen
Es hat mich überrascht, wie lange ich mit der Unterschrift zu meinem Commitment gezögert habe. Es hat mich innerlich viel gekostet, sie darunterzusetzten. Denn Gott nimmt unsere Entscheidungen ernst. Von daher ist es so ziemlich das gefährlichste, aber auch das mutigste, was du in deinem Leben tun kannst: das Steuer abgeben. Völliger Kontrollverlust. Gefährlich in dem Sinne, dass dein Leben nicht mehr nach deinem egoistischen Takt läuft, sondern dass nun Gottes Herzschlag pulsiert. Dabei geht es nicht darum, das Gehirn auszuschalten. Indem ich Gott nach seinem Willen frage, gebe ich die Verantwortung für meine Entscheidungen nicht ab, sondern übernehme vielmehr die Verantwortung, die er mir übertragen hat, aus meinem Leben, das Beste herauszuholen. Es ist deshalb nicht einfach nur das "Gefährlichste", sondern vielmehr auch das Beste.
Am Ende ist das Commitment aber keine einmalige Sache. Es ist die tägliche Frage, ob ich wirklich so leben will, dass er durch und mit mir leben kann. Wie bei einer Gitarre, die sich immer wieder verstimmt, braucht es auch bei mir immer wieder eine Nachjustierung.
Beim Commitment geht es um Folgendes:

Jesus Christus, ich will, dass du das Zentrum meines Lebens bist
Klingt irgendwie banal. Aber tatsächlich quetschen sich so schnell irgendwelche anderen Dinge in das Zentrum meines Lebens. Immer wieder geht es mir um Anerkennung, Cool-sein, Liebe... Immer wieder rücken andere Gedanken ins Zentrum. Aber jedes Mal verbrenne ich mir schließlich die Finger an diesen Gedanken. Manchmal mache ich meine Projekte zum Zentrum, oder mein Handy, oder Freundschaften. Aber jedes Mal nachdem etwas schiefgelaufen ist, wird mir wieder von neuem klar: Jesus ist der Einzige der dieses Zentrum ausfüllen kann. Und soll.

Durch die Kraft des Heiligen Geistes will ich auf dich hören und tun, was du mir sagst.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich verstanden habe, dass Gottes Geist tatsächlich der Schlüssel für alles ist.  Jesus hat 30 Jahre so ziemlich nichts gemacht, was die Bibel für erwähnenswert hielt, doch als er getauft wurde und Gottes Geist in Form einer Taube auf ihn kam, ging die Post ab. Wie um alles in der Welt können wir auch nur in die Nähe des Gedankens kommen, dass wir ohne Gottes Geist etwas bewegen könnten? Er ist die göttliche Power in uns, die uns antreibt, und Kraft gibt uns uns jedes Mal wieder aufhilft, wenn wir fallen. Es ist nicht nur Tröster, sondern auch wichtigster Ratgeber - ein himmlisches, unfehlbares Navi sozusagen.
Eine 67-jährige Belgierin wollte mit dem Auto zum Brüssler Bahnhof fahren, um einen Freund abzuholen - eine Fahrt von etwa 95 Kilometern. Dummerweise hatte sie im Navi einen Buchstaben falsch eingetippt, was zur Folge hatte, dass sie satte 1400 Kilometer in die falsche Richtung fuhr. Anstatt am Brüssler Bahnhof landete sie in Zagreb, Kroatien. Auf ihrem kleinen Umweg durchquerte sie in rund 60 Stunden sechs Länder. Selbst Ortsschilder in fremden Sprachen und das mehrfache Tanken ließen sie nicht stutzig werden. Sie vertraute stets der freundlichen Stimme ihres Navis.

Welcher Stimme glaubst du?
Das zeigt: Es ist absolut zentral, welcher Stimme wir in unserem Leben zuhören, vertrauen und folgen. Bei der Stimme des Gottes Geistes liegen wir mit Sicherheit immer richtig und landen nicht plötzlich an einem falschen Ort. Und diese Stimme kann jeder von uns hören. Die Bibel sagt, dass die Schafe die Stimme des Hirten hören und ihm folgen (Johannes 10,27). Es hat zwar am Anfang eine Weile gedauert, aber mittlerweile habe ich recht gut gelernt, wie die Stimme meines himmlischen Vaters klingt. Wie er zu mir redet. Das ist bei jedem anders - du hörst ihn ganz bestimmt anders als ich. Ich habe früher immer auf die große bestimmte Stimme von oben gewartet. Aber Gottes Geist wohnt in mir - von daher muss er ja nicht zuerst aus mir raus, um wieder zu mir sprechen zu können, sondern benutzt oft die natürliche Form von Gefühlen und Gedanken. Natürlich ist es nicht immer ganz einfach zu unterscheiden, was von mir ist, und was von ihm. Bei mir sind es oft die Gedanken, die einen Moment länger im Kopf hängen bleiben als andere und da ein wenig baumeln, in denen Gott zu mir spricht. Oft redet er aber auch durch die Bibel oder durch Begegnungen mit anderen Menschen. Und wenn man dann merkt: Das ist Gottes Wille, dass heißt es einfach: Mutig drauf los! Nur dadurch, dass man etwas ausprobiert und dann bestätigt wird, kann man lernen, wie Gottes Stimme klingt. Wenn du es nicht ausprobierst und dem Gedanken nachgehst, wirst du nie herausfinden, ob es Gottes Gedanke war.
Kennst du das? Du denkst: "Das ist Gottes Wille, das muss ich jetzt tun! Und dann fängst du an, und merkst, dass es irgendwie überhaupt nicht so läuft wie gedacht. Ich hatte einmal den Eindruck, ich solle mit einen guten Freund von Jesus erzählen. In meinen Vorstellungen ist er vor mir in Tränen ausgebrochen, hat mir die ganze Liste seiner Sünden gebeichtet. Natürlich mit der Aufnahme von Jesus in sein Leben im Anschluss an die total bewegende Szene. Tatsächlich hat er mir zwar zugehört aber das wars auch schon. Irgendwie hatte ich gehofft das könnte so eine krasse Person-bricht-in-Tränen-aus-Stroy werden und insgeheim hoffe ich, dass er in vielen Jahren völlig unverhofft bei mir klingelt und sich aus tiefstem Herzen bei mir bedankt, dass ich ihm Jesus vorgestellt habe. Vielleicht war die Stimme die ich da gehört habe, aber gar nicht die von Gott, sondern einfach die "Lass und ne tolle Story kreieren"-Stimme von mir. Und die ist dann eigentlich nie wirklich erfolgreich.

Gehorsams-Mut
Trotzdem will ich Gott mein Leben und mich zur Verfügung stellen. Ich will nie verlernen, kindlich naiv zu glauben, auch wenn Naivität manchmal so einen negativen Beigeschmack hat. Das Evangelium hat nunmal auch eine naive Komponente. Wieso soll zum Beispiel ein Zimmermann, den man mit seinen "eigenen" Nägeln ans Holz schlägt, auch nur im Entferntesten was mit der Ewigkeit zu tun habe? Paulus selbst sagt, dass die Botschaft vom Kreuz für Leute die nicht glauben etwas völlig Unsinniges ist. Wenn man aber daran glaubt wird es zur Gotteskraft (1. Korinther 1,18). Genau das haben auch die Jünger erlebt, als sie nach einer ganzen Nacht ohne einen einzigen Fisch im Netz, von Jesus dazu aufgefordert wurden, das Netz noch einmal auf der rechten Seite des Boots auszuwerfen. Wie naiv ist das denn? Aber als sie es taten, konnten sie das Netz nicht mehr einholen, weil es so voller Fische war (Johannes 21,1-14).
Für mich ist das "Gehorsams-Mut", wenn ich mich gesund naiv mit einem kindlichen Glauben auf die Verheißungen Gottes stürze. Ich weiß nicht, warum Gott manchmal heilt und manchmal nicht. Aber ich weiß, dass Gott heilen kann. Weil ich es an mir selbst erlebt habe. Ich weiß, dass Gebet die Power hat, Gottes Kraft in unserem leben freizusetzten. Weil Gott genau das liebt. Ich weiß, dass Glaube und Gebet die Macht haben, alles zu verändern. Und dass es nichts wunderbareres gibt, als sich mit allem, was man hat, und mit der ganzen Ladung an Hoffnung, die man aufbringen kann, auf Jesus zu werfen. Dieser naive Glaube entfaltet in meinem Leben Gotteskraft. Ich will nie verlernen, mutig auf Gottes Stimme zu hören und das zu tun, was er mir sagt. Ich will mit Gott unterwegs sein und ihm  immer die Möglichkeit geben, in meinem Leben zu sprechen. Und das nicht einfach nur ab und zu, wenn ich gerade wieder eine tolle Story für meinen Blog brauche, sondern immer. Zu jeder Zeit. An jedem Ort. Um jeden Preis. Was immer es sei.

Be blessed
Manuel

PS: Sein Leben Gott hinzulegen bedeutet immer ein fettes Risiko einzugehen, das Steuer loszulassen. Und ja, Nachfolge kann dein Leben ruinieren. Zumindest dein egoistisch geplantes Leben. Aber geht es nicht genau darum? Jesus sagt: "Wem sein eigenes Leben über alles geht, der verliert es. Wer aber in dieser Welt sein Leben loslässt, der wird es für das ewige Leben gewinnen." (Johannes 12, 25).


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Was ist das Evangelium? (TDW 17/2018)

Auf zu neuen Ufern

Bereit für den Moment?