Perspektivwechsel (TDW 18/2017)

Lesedauer: 5min

Der "Das verändert alles"-Moment

"Als Elisas Diener früh am Morgen aufstand und vor das Haus trat, da traute er seinen Augen kaum: Die Stadt war von einem Heer mit Pferden und Streitwagen eingeschlossen! 'Ach, mein Herr, was sollen wir jetzt bloß tun?', rief er. Doch Elisa beruhigte ihn: 'Du brauchst keine Angst zu haben! Denn auf unserer Seite steht ein noch größeres Heer.' Dann betete er: 'Bitte, Herr, öffne ihm die Augen!« Da öffnete der Herr Elisas Diener die Augen, und er konnte sehen, dass der ganze Berg, auf dem die Stadt stand, von Pferden und Streitwagen aus Feuer beschützt wurde.'
2. Könige 6, 15-17
Hey du, 
vor kurzem hab ich die Geschichte eines Flakhelfers der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg gelesen. Nur ein paar Tage vor Kriegsende 1945 stand er in Berlin an der Einfahrt zum Flughafen Gatow, um den deutschen Truppen die Richtung zu weisen, als er von den Russen überrascht wurde. Zwar konnte er sich hinter ein schützendes Schild retten, doch die Splitter einer knapp vor ihm detonierenden Handgranate brachten ihm starke Verletzungen an den Unterschenkeln bei. Rund drei Monate lag er im nächstgelegenen Lazarett, während sein Vater jeden Tag mehrere Kilometer zum Bahnhof zurücklegte, um auf seinen Sohn zu warten und sich dann wieder enttäuscht und erfolglos auf den Rückweg zu machen. Die amputationsfreudigen Ärzte nahmen ihm ziemlich schnell das eine Bein ab. Mit viel Willenkraft konnte er sich trotz Betäubungsmitteln wehren, bis das zweite Bein dranbleiben durfte und ihm so erhalten blieb.

Plot Twist
Wenige Tage nach der Verletzung war der Krieg vorbei, aber  sein Vater musste noch viele Wochen warten, bis er mit zwei Krücken und nur einem Berlin nach Hause entlassen wurde. Von dort schrieb er dann ach an seine Kameraden aus der Einheit, doch enttäuscht stellte er fest, dass keiner je einen Brief von ihm beantwortete. Er gründete eine Familie und lebte trotz der Behinderung couragiert mit nur einem Bein. Siebzig Jahre später, mit Mitte 80, bekam er ein Buch über die Ereignisse des Krieges in die Hände und las darin zum ersten Mal, was an jenem Tag wirklich geschehen war: Während er ein leben lang gedacht hatte, seine Kameraden hätten seine nach dem Krieg abgeschickten Briefe nicht beantwortet, weil sie kein Interesse an ihm und seiner Freundschaft gehabt hatten, erfuhr er nun, dass die russischen Soldaten seine Kompanie damals komplett ausgelöscht hatten. Er war der einzige Überlebende seiner Truppe. Deshalb hat nie jemand von seinen Kameraden geschrieben. Plötzlich veränderte sich seine Perspektive um 180 Grad: Er hatte an jenem Tag nicht sein Bein verloren - sondern vielmehr sein Leben gewonnen.

Meine Begrenzung vs. Gottes Horizont
Gott sei Dank hat er auch ohne dieses Wissen ein dankbares, zufriedenes und glückliches Leben mit Gott gelebt. Dennoch zeigt diese Geschichte: Es lohnt sich nicht, aus unserem begrenzten Horizont heraus zu leben. Wir wissen nicht, wie unser Leben verlaufen wäre, wenn sich Dinge in der Vergangenheit anders ergeben hätten. Und wir wissen auch nicht, vor was Gott uns schon alles bewahrt hat, oder warum ein geliebter Mensch sterben musste. Umso wichtiger ist es, nie die Perspektive zu verlieren, dass Gottes Horizont größer, weiter, klarer und sehr viel farbenfroher ist als unserer.

Öffne mir die Augen, dass ich sehe!
Auch der Diener von Elisa hatte einen Moment, wo ihm die Augen für den Gotteshorizont geöffnet wurden: Als sie in der Stadt Dotan übernachteten, wurden sie vom großen syrischen Kriegsheer umstellt und belagert. Am nächsten Morgen bekam der Diener beim Anblick des übermächtigen Heeres mit Ross und Wagen weiche Knie. Wahrscheinlich hörte er seinen Pulsschlag im Ohr, während er angsterfüllt zu Elisa sprintete. Er fragte ihn: "Ach, mein Herr, was sollen wir jetzt bloß tun?" Doch Elisa beruhigte ihn: "Du brauchst keine Angst zu haben! Denn auf unserer Seite steht ein noch größeres Heer." (2. Könige 6, 15-17). Wie so oft regelte Gott die Sache dann auf seine Art und löste das Problem. In 2. Könige 6, 8-23 kannst du die Geschichte nachlesen.
Ich liebe diese Story. Wir sind als Menschen auf unseren eigenen Horizont begrenzt. Und auch ich hätte als erste Reaktion pure Panik empfunden. Wohl auch als zweite und dritte. Aber Gott kann uns - genauso wie Elisas Diener - die Augen öffnen, und mit einem Mal sieht alles anders aus. Unsere Perspektive kann sich schlagartig verändern. Lass dir nie den Glauben an die Größe Gottes rauben! Und falls er dir durch verschiedene Ereignisse irgendwo unterwegs in deinem Leben abhandengekommen ist, dann bete, dass du ihn wieder findest: "Gott, öffne mir die Augen, dass ich sehe!"

Wir haben verlernt Großes zu erwarten
Ich liebe diese Momente, in denen unser begrenzter Horizont gesprengt wird und sich vor uns für kurze Zeit der Gotteshorizont auftut! Alles sieht anders aus, alles ist farbiger, größer. Das sind diese Heiligen Momente, wenn Gott Wunder tut.
Aber ich glaube, wir erleben solche Momente in unserem Alltag viel zu selten, weil sie uns nicht auffallen. Weil wir nicht damit rechnen. Weil wir nicht mehr für Wunder beten. Weil wir nicht erwarten, dass Gott sich für uns interessiert oder ein Wunder für uns tut. So oft lassen wir uns ablenken, von all den Dingen die uns beschäftigen, anstatt uns voll auf Gott auszurichten. Wir lassen uns bestimmen, von unseren Ängsten, von unserem Stress, unserem Smartphone...
Auch ich laufe trotz meiner Begegnungen mit Gott und den Wundern die ich schon erlebt habe, nicht automatisch "rund" in meiner Nachfolge. Ich bin weder Angst noch zweifelsfrei unterwegs. Immer wieder muss ich mich wie Elia neu entscheiden, ob ich mein Leben bestimmen will, oder ob Gott es bestimmen darf. Jeden Tag muss ich aufs neue die Entscheidung treffen, ihm nachzufolgen und ihm mein Vertrauen zu schenken. Aber ich weiß definitiv, dass Gott die Macht hat, alles zu verändern. Denn er ist größer. Größer als mein begrenzter Horizont. Deshalb liebe ich es auch, wenn man sich in Situationen befindet, die so überfordernd sind, dass man keinen Ausweg sieht und die schlecht enden, wenn Gott nicht mit einem ist. Dass sind die Momente, in denen man sich voll und ganz auf Gott verlassen muss - und genau da beginnt der Glaube in einem ungeahnten Maß zu wachsen.

Wir brauchen keinen großen Glauben, nur einen Glauben an einen großen Gott
"Wir brauchen keinen großen Glauben, nur einen Glauben an einen großen Gott", hat Hudson Tailor mal gesagt. Es ist nicht entscheidend, wie wir glauben und beten - es ist entscheidend, an wen wir glauben und zu wem wir beten! Ich will, dass wir wieder anfangen, großes von Gott zu erwarten. Weil er es kann. Wenn wir mutig glauben und Gott um Wunder bitten, dann werden wir - sobald die Zeit reif dafür ist - Dinge erleben, die wir uns nie erträumt hätten.
Das richtet den Blick wohltuend weg von mir, meiner Unperfektheit und meinen Begrenzungen. Hin auf Gott. Er handelt nicht wegen mir, sondern trotz mir und durch mich. Mit seiner Perspektive ist es mir möglich, über meine eigenen Grenzen hinwegzusehen, Vorurteile hinter mir zu lassen und jede Angst zu umgehen. Lass deinen Horizont von ihm erweitern. Lass ihn dich herausfordern. und gib niemals auf. Denn Gott ist größer!
Und das ist es, was ich dir heute mitgeben will: Gott ist größer - vergiss das nie! Er hat die Macht Großes zu reißen, er kann Herzen bewegen und er will mit dir die Welt verändern. Du musst ihm nur vertrauen. Bereit für dein Abenteuer?

Be blessed
Manuel

PS: on4u macht Pause! Bis zum 18. Mai kommen vermutlich keine Posts, da ich in nächster Zeit sehr beschäftigt sein werde und vermutlich nicht zum schreiben komme. Ich wünsche euch eine wunderschöne Zeit, haut rein, und ich freue mich, euch wieder zu schreiben. Bis dann 😇

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