Wie neu

Lesedauer: 6min

Lasst uns Gnade neu definieren

Buße klingt total verstaubt. Dabei brauchen wir sie jeden Tag! Denn man kann nur etwas heil machen, wenn man den Fehler sieht.

Hey du,
vor 2 Wochen, hab ich meinen Geldbeutel verloren. Ich war im Kino, und nach dem Film hab ich gemerkt als ich in den Bus steigen wollte: "Mist, mein Geldbeutel ist weg!" Auf der Straße war er nicht, im Kino war er nicht. Mist. Und das erste, was ich meinen Eltern gesagt habe, als ich wieder zu Hause war war: "Ich kann doch nichts dafür!" Ähhm, bitte was? Klar konnte ich was dafür! Sogar ziemlich viel, aber aus Reflex wollte ich mir nicht eingestehen, dass ich Mist gebaut habe.
Auf einem Multiplikatorenkurs, für die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, auf dem ich mal war, gab es jemand, der hat am Vorstellungsabend gesagt: "Alter, ich bin richtig gut, im Vergebung annehmen von Jesus. Wenn ich Scheiße gebaut hab, dann ist das total schnell wieder weg!" Und irgendwie hat sich das schon heilig angehört, aber irgendwie war das für mich einfach unangenehm in dem Moment. Also so ganz einfach Vergebung annehmen..., das fiel mir schwer. Heute solls ja um Buße gehen, und dafür hab ich einfach mal ne These aufgestellt: "Wenn uns klar ist, dass wir etwas vermasselt haben, dann hilft das uns, zu verstehen, wie groß und wie cool und wie Hammer Gott ist." Erst, wenn wir verstehen, was wir verspielt haben, erst wenn wir verstehen, dass wir mit dem Bonbon, das wir unserer Mutter geklaut haben den Himmel verspielt haben erst dann verstehen wir die Größe Gottes!

Lost Spirit
Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen und vor sieben Jahren habe ich Jesus auf einer Jungscharfreizeit mein Leben hingelegt. Und seitdem bin ich jedes Jahr wieder mit auf diese Freizeit, letztes Jahr sogar zum ersten Mal als Mitarbeiter. So viele Kids, Christen und Nichtchristen kommen zusammen, feiern zusammen Gott, hören coole Predigten... Und jedes Jahr gibt es auf dieser Freizeit einen Zeugnisabend, an dem die Mitarbeiter, aber auch die Kids am Lagerfeuer unter dem überwältigendem Sternenhimmel erzählen können, was sie schon mit Jesus erlebt haben. Und einige Erlebnisse werden jedes Jahr wieder erzählt, weil sie einfach so krass sind. Von Situationen, in denen Jesus Leben gerettet hat, in denen er Todkranke geheilt hat, in denen er die krassesten Gebete erhört hat und in denen er das Leben von Menschen komplett auf den Kopf gestellt hat. In denen Leute auf einmal Jesus nachgefolgt sind, die vor kurzen noch nichts mit dem Glauben am Hut haben wollten... Und jedes Mal sitzen am Ende total viele Mädchen und Jungs da und sind am Boden zerstört und weinen, weil sie Begriffen haben, wie groß Gott ist. Und meine Geschichte mit Gott: "Das ist gut, das nehme ich!" Verstehst du was ich meine? Für mich war der Glauben, einfach was cooles, ich habe gemerkt, dass Gott uns unglaublich liebt, aber ich hab einfach kein krasses Bekehrungserlebnis, das andere Menschen zum Weinen bringt, weil sie so überwältigt sind. Ich bin eben einfach Christ geworden.

Leider nicht sehr trendy
Ich glaube, wir haben es verlernt, zu verstehen, wie viel wir in unserem Leben kaputt gemacht haben. Was wir alles vermasselt haben. Und ich glaube, wir wollen es auch gar nicht wissen. Aber genau das, ist soo unglaublich wichtig, um zu erkennen, wie groß Gott ist, und für so ein überwältigendes Bekehrungserlebnis, indem wir seine Gnade verstehen.
Und trotzdem sind Beichte, Buße und Rechenschaft drei alte Begriffe, die wir heute kaum noch verwenden. Allenfalls die Kirche, so scheint es, hält daran fest und wenn die Begriffe uns im Gottesdienst oder in der Bibel begegnen, dann verbinden wir damit ganz sicher nichts Schönes. "Rechenschaft ablegen", das bedeutet: Jemand stellt einen Anspruch an mich. Ich bin ihm etwas schuldig. "Beichte", damit verbinden wir immer etwas Geheimes, das ans Licht kommen muss, ohne, dass wir das wollen. "Buße" ist sogar noch ein Schritt mehr: Ich muss für eine Tat oder eine nichterbrachte Leistung die oft schmerzhaften Konsequenzen tragen.

Einseitiges Gottesbild
Gerade weil diese Dinge so negativ behaftet sind, haben wir sie oft aus unserem Vokabular, aber eben auch aus unserer Denkweise gestrichen. Gebeichtet, wird allenfalls das Stück Torte, dem man nicht wiederstehen konnte. Schließlich sind wir heutzutage doch frei! Und darauf sind wir stolz; wir beharren nur zu gern auf unser Recht und unsere Individualität. Dem scheinen Rechenschaft, Beichte und Buße irgendwie zu wiedersprechen, und uns einzuschränken in dieser Freiheit. Wer redet heute noch von dem sündigen Menschen, der Buße tun muss, weil Gott Rechenschaft fordert? Heute reden alle nur noch vom liebenden Gott, der barmherzig ist und Sünder liebt. Oder? Doch das eine funktioniert ohne das andere nicht!
Das war schon für Martin Luther klar. Als er sich mit dem Römerbrief auseinandersetzte hatte er eine wunderbare Erkenntnis: Er begriff: Bei Buße geht es nicht darum, nach außen zu zeigen, wie fromm man ist und sich selbst zu erniedrigen. Buße bedeutet: Ich erkenne, dass ich ohne Gott nichts bin. Und dass mein Leben ohne ihn am Ziel vorbeigeht.
Buße meint also so etwas wie Umkehr. Ich erkenne, dass ich Mist gebaut habe und bereue es. Nicht, weil mir das andere so sagen, sondern, weil ich erkenne, dass ich etwas verpasst hab, dass mir Gott zu meinem Glück fehlt.

Befreit von einer Last
Buße ist der Anfang von allem und durchzieht deshalb die Bibel wie ein roter Faden. Buße zu tun, ist nicht das Ende eines Lebensstils, sondern der Anfang eines Lebens in Freieheit! Denn da, wo ich Gott um Vergebung bitte, da werde ich frei von so vielem. Ich werde frei davon, selbst den Allmächtigen spielen zu müssen - in meinem Leben und im Leben anderer. Ich werde frei davon, perfekt sein zu müssen, mich von Leistung, oder Likes auf Instagram abhängig machen zu müssen. Denn Gott hat für all mein Versagen bezahlt.
Ich trage mein Päckchen an Fehlern, Schwächen und Macken mit mir rum. Die ganze Zeit. Aber auf die Dauer ist dieses Päckchen zu schwer für mich. Aber unser bester Freund lässt uns niemals allein. Wir dürfen mit  allem zu Jesus kommen, denn er hat alles gegeben, damit wir in Freiheit leben können. Er hat bezahlt, für all den Mist, den wir gebaut haben. Und auf einmal sind Buße und Beichte gar nichts Schlimmes mehr. Weil sie nicht die Absicht verfolgen, mich kleinzumachen, sondern weil sie mich erst zu einem Menschen machen, der in Freiheit seinen Weg gehen kann. Der immer wieder scheitern und Fehler machen wird. Aber der genauso oft zum Kreuz gehen kann, wo Jesus bewiesen hat, wie sehr er uns liebt. Auf einmal ist Buße das Gegenteil von Strafe. Sie ist Erneuerung!

Ein ganzes Leben lang
Buße macht Menschen größer. Buße verändert für immer. Und deshalb tut es so gut, immer wieder und immer öfter Buße zu tun. Gott die Dinge zu beichten, die nicht laufen und die uns abhalten, das Leben zu führen, das er für uns geplant hat. Martin Luther hat vor 500 Jahren eine Revolution ausgelöst, indem er klarstellte, wie zentral Buße und Rechenschaft für uns sind. Davon möchte ich mich bewegen lassen. Ich glaube, diese Erkenntnis kann uns tatsächlich neu und heil machen. Jeden Tag aus Neue.

Veränderung zulassen
Ich will dich heute herausfordern, einfach mal dein Handy auszumachen, und dir Zeit nehmen, nicht nur 5 Minuten, sondern die Zeit, die ein König verdient hat. Und dann, bitte Gott, dir zu zeigen und dich erkennen zu lassen, was du alles verbockt hast. Bitte ihn, dir die Kraft zu geben, dich mit deinen Fehlern auseinanderzustetzen und sie zu erkennen. Weil, was kann daran schlecht sein. Es kann sein, dass da eine Wunde ist, die ganz tief sitzt. Und es ein schmerzhafter Moment ist, sie wieder hervorzuholen. Vielleicht ist es so, dass Gott sagt: "Hey, du hast mich vor 5 Jahren einfach ignoriert, und das hat mich als Vater so verletzt, weil du mich nicht mitgenommen hast in dein Leben. Vielleicht ist es auch, dass Gott einfach sagt: "Hey alles klar, lauf einfach weiter." Ich glaube nicht dass dir das passieren wird, weil ich glaube, dass wir unser Leben lang Dinge haben werden, an denen wir arbeiten müssen. Weil wir nicht perfekt sind, weil wir Fehler machen, Menschen verletzten, Beziehungen kaputtmachen... Ich glaube, dass jeder, der diesen Post hier liest, etwas hat, an dem Gott gerne arbeitet. Und ich habe selbst erlebt, dass Gott unendlich liebevoll ist. Dass er kein herrschsüchtiger König ist, der sagt: "Du bist falsch!", sondern er weiß genau, was du brauchst und ich welchem Moment.

Lass uns Gnade neu definieren
Danke Gott, für jeden einzelnen, den du heute diesen Post lesen lassen hast. Gott, ich möchte dich bitten, dass du uns neu herausforderst, dass du diese Woche an unsere Herzen klopfst und sagst: "Komm, sprich mit mir." Dass du so laut klopfst, dass selbst der mit den lautesten Kopfhörern sagt: "Okay, ich leg die Kopfhörer weg und verbringe Zeit mit dir. Und das einfach nur für dich Gott!" Gott ich bitte dich, dass du diese Momente nutzt, dass du uns merken lässt, dass du da bist und dass du was vorhast mit uns. Schenk du Veränderung und lass uns deine Gnade neu erkennen. Lass uns erkennen wie gut du zu uns bist und lass uns feststellen, dass nur du es wert bist! Nur die gebührt die Ehre! Amen

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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