Sola Fide | Sola Scriptura

Lesedauer: 7min

Luthers Glaubensbasics 

Nachdem ich vorgestern ja schon über  Solus Christus geschrieben habe, mach ich heute weiter mit Luthers Glaubensgrundlagen.

Sola Fide - Allein durch Glauben

Wenn Luthers "sola fide" auftaucht, wird es persönlich. Denn der Glaube ist es, der dich zu einem Teil der Story macht. Jesus bleibt nicht länger eine Möglichkeit, sondern wird real. Er kommt durch Glauben in deine Welt und verändert alles!
Martin Luther war sein leben lang auf der Suche. Er suchte nach Antworten auf die Frage, wie der Mensch vor Gott bestehen kann. Er suchte danach in der Kirche, als Mönch im Kloster, in Gesprächen mit Priestern, in Büchern und schließlich auch in der Bibel. Dort machte er eine Entdeckung, die sein Leben auf den Kopf stellte: Im Römerbrief (Römer 1, 16-17) schreibt Paulus, dass Gott den Menschen gerecht gemacht hat. Und zwar nur durch den Glauben, durch nichts anderes. Es kommt nicht darauf an, bestimmte Regeln einzuhalten oder ein makelloses Leben zu führen. Luther hatte den Kerngedanken des christlichen Glaubens entdeckt.

Falsches Bild vom Glauben
Damit man versteht, was Glaube ist, muss man erst mal klar bekommen, was Glaube nicht ist. Ein gläubiger Mensch ist zum Beispiel keiner, der an möglichst viele übernatürliche Dinge glaubt. (So nach dem Motto: Je unwahrscheinlicher das ist, woran man glaubt, desto gläubiger ist man.) Trotzdem kreisen in viele Köpfen seltsame Vorstellungen, was wir meinen, wenn wir von "Glaube" sprechen. Einige Menschen denken dann an kleine Kinder, die an den Osterhasen oder den Weihnachtsmann "glauben". Oder an komische Tanten in weiten Blümchenkleidern mit Kristallen um den Hals die auf irgendwelche "Energien" schwören. Und selbst unter uns Christen gibt es allerhand verkorkste Vorstellungen über den Glauben. In einer Zeit, in der ich viele Zweifel hatte, habe ich von anderen oft gehört, ich "müsse halt mehr glauben". Als ob ich das beeinflussen könnte!

1. Glaube ist geschenkt
Ein Freund kommt zu mir und erzählt mir von seiner Liebe zu Jesus. Er schwärmt und ist überglücklich. Doch am Ende fragt er mich, was er nun tun muss, damit er auch wirklich Glauben hat. Ein Bekehrungsgebet? Fasten und taufen? Zwanzigmal das Vaterunser aufsagen? Das Glaubensbekenntnis auswendig lernen? Nein! Glaube ist kein Verdienst! Es ist auch keine Entscheidung für Gott. Sondern eine Art Begreifen. Die Feststellung, dass sich Gott für mich entschieden hat. Ein Mensch der diese Liebe Gottes zu sich zulässt, der glaubt. Niemand kann den Glauben selbst erschaffen. Wir können das Geschenk des Glaubens lediglich annehmen - zulassen, dass wir beschenkt werden.

2. Glaube ist Beziehung
Warst du schon einmal so richtig verliebt? Glaube kommt diesem Gefühl ziemlich nahe. Im Hebräerbrief 11,1 heißt es über den Glauben: "Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass sich das, was wir hoffen erfüllen wird und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht existiert." Der Glaube ist nicht nur eine vage Hoffnung, dass es irgendetwas gibt. Es ist auch keine bloße Spekulation über einen Gott, den man gar nicht sehen kann. Glaube ist eine echte, gelebte Beziehung. Und nicht zu irgendwem, sondern zu dem Schöpfer dieser Welt, der an jedem noch so verlassenen Ort in deinem Leben und deinem Herzen bei dir ist. Jeder, der schon einmal verliebt war, weiß, Liebe ist nicht immer logisch., aber auch auf keinen Fall unlogisch, denn sie ist eine Realität, die unser Leben verändert. Wer noch nie verliebt war, wird sich schwertun, das zu verstehen. Und so wird sich auch ein Mensch schwertun, den Glauben an Gott zu verstehen, wenn er ihn noch nie erlebt hat.

3. Glaube hat Auswirkungen
Im Neuen Testament gibt es den Brief von Jakobus. Darin schreibt er an die anderen Christen: "Liebe Brüder, was nützt es, wenn jemand von seinem Glauben spricht, aber nicht entsprechend handelt? Es reicht nicht, nur Glauben zu haben. Ein Glaube, der nicht zu guten Taten führt, ist kein Glaube - er ist tot und wertlos." (Jakobus 2, 14 und 17).
Es ist leicht irgendetwas zu behaupten, wenn man das nicht in die Tat umsetzen muss. Viel von Liebe reden verändert die Welt aber nicht, sondern erst die Liebe selbst kann etwas bewirken. Ich wünsche mir so sehr, dass meinem Glauben Taten folgen, aber ich merke auch immer wieder, dass ich daran scheitere. Dann können diese Worte wie eine Ohrfeige wirken. Und manchmal merke ich auch, dass ich diese Ohrfeige brauche - weil ich zu bequem bin um zu handeln, zu bequem, meinen Glauben nicht nur zu glauben, sondern ihn zu leben. Wie oft gibt es im Alltag Situationen, in denen ich Gottes Liebe ausstahlen könnte, es aber nicht tue (Der alten Frau die Einkäufe nach Hause tragen, dem Bettler an der Straßenecke eine Tüte Brezeln kaufen...). Dann ärgere ich mich mal wieder über mich selbst, über meinen Egoismus. Aber in solchen Momenten darf ich getrost in den Spiegel schauen und erkennen, wen ich da seh: Ein Kind Gottes, das trotz allen Scheiterns unendlich geliebt ist.

4. Glaube ist trauen und zutrauen
Jeden Tag müssen wir hunderte von Entscheidungen treffen. Mit dieser Vielzahl sind wir oft ziemlich überfordert. Damit wir uns für das entscheiden, was sie "verkaufen" investieren Firmen sehr viel Geld. Sie wollen uns klar machen, dass ihr Produkt, ihre Versicherung, ihr Jobangebot die beste Wahl ist. Ok, manche Produkte sind echt gut. Wenn es aber über unwichtige Dinge hinausgeht (wie die Wahl zwischen Adidas oder Nike, Apple oder Samsung, Sparkasse oder Commerzbank), was hilft uns dann tatsächlich, richtige und sinnvolle Entscheidungen zu treffen?
In den Berichten über Jesus wird immer wieder beschrieben, wie Menschen zu ihm kommen und ihn in den verwirrtesten Umständen um seine Hilfe bitten. Andere Menschen, die das gesehen oder mitbekommen haben , verstanden das oft nicht oder ärgerten sich sogar darüber. Jesus hingegen lobte ihren Glauben. Wie wäre es, wenn wir Jesus zutrauen, dass er zu uns spricht? Wenn wir ihn in die Entscheidungen unseres Lebens mit einbeziehen? Glaube ist etwas, das sich tief in deinem Herzen befindet. Nicht Gesetzte und Vorgaben von außen zeigen dir, was du tun sollst. Es ist ein leben aus Glauben, was von Gott alles erwartet und ihm alles zutraut.

Fall in love!
Ob es alltägliche Entscheidungen betrifft oder wegweisende Veränderungen in deinem Leben. Durch Glauben ist Jesus in dein Leben gekommen. Der Glaube eröffnet dir Möglichkeiten, von denen du viel mehr Gebrauch machen könntest. Überleg dir, wie es Verliebte machen: Sie tun es, weil sie wissen, dass es richtig ist - ob es andere für sinnvoll halten oder nicht. Sollte dir dazu im Moment der Glaube fehlen, dann will ich dich heute ermutigen: Lass dich von Gott beschenken. Wenn du nicht weißt wie: Frag ihn. Er lebt doch in dir!

Sola Scriptura - Allein die Schrift

Jeder kann die Bibel verstehen
Martin Luther wollte nicht nur gegen den Ablasshandel protestieren, sondern auch gegen die Gedanken dahinter. Ihm war klar: Alles, was für den Glauben wichtig ist, steht in der Bibel. Aber genau da lag der Haken: Für die katholische Kirche war die Tradition nämlich mindestens genauso wichtig wie dieHeilige Schrift. Sie galt genauso als göttliche Offenbarung und war wie eine Brille, durch die die Bibel gelesen wurde.

Ohne Anleitung
Klar, die Bibel hatte was zu sagen, aber was, das konnten und durften nur die Priester und Bischöfe sagen, die sie mit Hilfe der Tradition auslegten. Luther fand das falsch. Dass Jesus mich liebt, für mich lebte, starb und auferstand, weiß ich durch die Bibel. Das kann nicht nur ein Priester verstehen!" So kam er zu seinem Grundsatz "sola scriptura" - allein die Schrift. Sie reicht aus, um Gottes Plan mit uns, seinen Kindern, zu verstehen. Dazu braucht man keine Rituale oder Grundsätze, die sich irgendwer mal ausgedacht hat.
Für uns ist es heute selbstverständlich: Jeder kann selbst Gottes Wort lesen, wann und wo er will. Ohne Pfarrer oder sonst irgendeinen "Geistlichen". Aber was, wenn wir das, was da drinsteht nicht verstehen? Schließlich gibt es genügend Bibelstellen, die nur schwer nachvollziehbar sind. Deshalb hab ich hier ein paar Tipps für dich, wie du in deinem Bibellesen neu durchstarten kannst.

Abenteuer Bibel
"Lies die Bibel jeden Tag - wenn du wachsen willst." Diesen Klassiker kennt wohl jeder. Klar las auch ich in der Bibel. Doch genauso gut hätte ich den Vokabelteil meines Englischbuches lesen können. Ich merkte mir beim Bibellesen genauso wenig, wie  beim Versuch, die Vokabeln  mittels Durchlesen auswendig zu lernen.
Im Englischen gebraucht man den Ausdruck "to learn by heart", wenn man etwas auswendig lernt. Das Gelernte mit dem Herzen aufnehmen. Das fehlte mir total. Ich war gelangweilt. Ich las zwar in der Bibel, schöpfte aber nicht aus der Quelle Gottes Wortes. In Gedanken war ich meist schon bei meinem nächsten Tagespunkt. Irgendwann entschied ich mich, beim Bibellesen mit meinen Gedanken auch beim Bibellesen zu bleiben.

Ihn kennenlernen ...
Stück für Stück änderte sich so mein Blick. Ich wollte Ihn kennenlernen. Klar - ich kann Gott in Liedern und im Gebet begegnen. Auch mein Pastor kann mir am Sonntag aus der Bibel vorlesen und den Bibeltext auslegen. Doch mal ehrlich: Nichts ist so gut, als Information aus erster Hand. Diese bekomme ich nur in seinem Wort. Ich fing also an, mich durchs Alte Testament zu arbeiten und machte dabei auch keinen Bogen um die langen Geburtsregister ; ) Ich las die Geschichten, die ich schon oft gehört und gelesen hatte. Aber: Ich las sie wie ein spannendes Buch.
Ich fieberte zum Beispiel vor kurzem mit Nehemia mit: Israel war besiegt und die Juden als Gefangene in andere Länder verschleppt worden. Da fasste sich Nehemia ein Herz, betete zu Gott und legte sich sogar mit dem König an. Einem König, dem er in der Verbannung dienen musste. Hätte ich den Mut gehabt? Was passierte jetzt mit dem mutigen Nehemia, der doch eigentlich nur ein Diener in der Fremde war? Nahm der König ihn jetzt gefangen oder würde etwas noch schlimmeres passieren?

... und sich erfüllen lassen
Hammer! Gott erhörte Nehemias Gebet und der König ließ ihn ziehen. Ja, er gab ihm sogar noch die Vollmacht mit, damit er Material für den Wiederaufbau von Jerusalem erhalten konnte. Unglaublich, was Nehemia mit Gott erlebt hat!
Ja, so lese ich heute
die Bibel. Ich erlebe die Story noch einmal bewusst mit. Die Bibel ist mehr für mich, als eine Schriftsammlung. Sie ist die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Wenn ich von so krassen Gebetserhörungen, wie von Nehemia lese, dann macht mir das Mut, auch selber voller Vertrauen zu beten und von Gott alles zu erwarten. Mich begeistert sein Wort. Ich will dieses Wort immer mehr in meinem Herzen erfassen und davon motiviert, Gottes Liebe an andere Menschen weitergeben.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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