Warum du nicht perfekt sein musst!

Lesedauer: 8min

Von der Sehnsucht, die uns alle bewegt

Heute solls mal um ein Thema gehen, dass mir selbst seit längerer Zeit ziemlich am Herzen liegt. In uns allen steckt die Sehnsucht nach Perfektion, Fehlerlosigkeit. Der Druck, keinen Fehler machen zu dürfen. Die Angst, zu versagen. Außen täuschen. Innen zerbrechen. Den Suchverlauf löschen. Eine Maske aufsetzen. Das sind wir. Jung und Frei? Eher nicht.

Hey du,
wir Christen sind manchmal ziemlich kurios drauf. Wir Christen lieben Perfektion. Bloß keinen Fehler machen. Nur nicht zugeben, dass man das gerade nicht verstanden hat. Nur nicht offenlegen, dass man gerade zweifelt. Immer schön die Fassade aufrechterhalten - perfekt sein. Oder wenigstens perfekt scheinen. Bloß nicht zugeben, dass man einen Fehler gemacht hat ... man könnte ja vom Weg abgekommen sein. Sonntag das Schauspiel. Am Montag das Bewusstwerden einer Illusion. Einer Illusion von Perfektion. Am Sonntag hören wir in der Predigt "Gott liebt dich!" und am Montag scrollen wir über Instagram und Facebook und bekommen Minderwertigkeitskomplexe. What?

Das Streben nach Perfektion
So viele Christen haben permanent Angst, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können, sind gefangen in Zweifeln, Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen. Und irgendwie sind wir alle im gleichen Boot. Wir sind alle unqualifiziert. Vielleicht ist aber gerade die Erkenntnis darüber, dass wir unqualifiziert sind, der Grund für das Streben nach Perfektion. Wir versuchen es selbst perfekt zu werden, scheitern und setzen uns die Maske scheinheiliger Perfektion auf. Dabei ist Perfektion gerade das Ziel, welches Jesus Christus für uns erreichen musste, weil wir es selbst niemals erreichen werden.
Wir nennen es oft Heiligung. Die Bibel nennt es Sünde. Zielverfehlung. Wir versuchen mit eigenen Leistungen das zu erreichen, was Jesus vor 2000 Jahren schon erreicht hat. Vor Gott gerecht und versöhnt dazustehen. Obwohl wir im Innern wissen, dass wir es aus eigener Kraft niemals sein werden. Wir rennen gegen die Wand.


Bin ich gut genug?
Auch ich kann es ganz schlecht aushalten, wenn ich bei anderen nicht gut ankomme. Ganz oft überlege ich, wie ein Spruch von mir gewirkt hat, ob ein Witz von mir vielleicht zu flach war, oder ob meine letzte Bemerkung vielleicht falsch rübergekommen ist. Hätte ich meinem Nachbarn meine Hilfe anbieten sollen? Hält er mich jetzt für unhöflich? Ist Gott enttäuscht von mir, wenn ich einen Monat nicht in der Bibel gelesen habe? Was denken die anderen, wenn ich diesen Sonntag schon wieder nicht in den Gottesdienst gehe? Nur zu gut kenne ich diese Sorge, nicht zu reichen, nicht perfekt zu sein. Du auch?
Es ist unglaublich krass, wie wir versuchen, etwas Perfektes darzustellen, aber es irgendwie doch nicht ganz schaffen. Warum das Ganze? Ich liebe Provokation und ich liebe es, zu überspitzen und zu übertreiben, weil das manche Sachen einfach besser klar macht. Und deshalb habe ich eben auch über trieben. Klar, es ist nicht immer alles so, wie ich es gerade dargestellt habe, aber ganz oft haben wir die Tendenz dazu, es so zu machen, Masken aufzusetzten, nach außen ein schönes Bild abgeben zu wollen, obwohl es in uns drinnen ganz anders aussieht.

Perfekter Gott vs. Unperfekter Mensch
Ich hab dir heute eine Story aus der Bibel mitgebracht von einer Gemeinde aus Galatien. Und die waren richtig krass drauf, die haben alles gegeben, die haben versucht, das Gesetz bestmöglich einzuhalten und Paulus, der damals als Apostel rumgereist ist, meinte zu ihnen: "Hey Jungs, ihr seid komplett auf dem Falschen Weg! Ihr versucht mit eigenen Leistungen das zu schaffen, was ihr nicht schaffen könnt!" Das was wir Perfektion nennen, das Streben nach Perfektion, das nennt die Bibel Sünde, wörtlich "am Ziel vorbeischießen". Wir verfehlen, das Ziel, dass Gott für unser Leben vorgesehen hat. Für Gott ist es das Schlimmste, wenn wir versuchen aus einem Antrieb das zu schaffen, was Jesus vor 2000 Jahren geschafft hat. Wir wollen selbst Allmächtiger spielen. Wir wollen uns selbst gerecht sprechen, indem wir ein perfektes Leben leben - aber wir müssen immer wieder festestellen, dass wir es nicht schaffen. Wir versuchen nach da oben zu kommen, wo ein perfekter Gott ist. Dabei ist es Jesus, der perfekt ist, in allem, was er tut, das Richtige tut, der zu uns in den Dreck gekommen ist. In Philipper 2, 7-8 steht: "Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz." Ein perfekter Gott, Gott selbst, der alles hat, der alles kann, der alles weiß, der perfekt ist kommt zu uns Menschen - überleg dir das mal! Er, der alles hat gibt alles auf, um auf eine Ebene mit uns zu kommen.
Perfektion ist das Ziel, das Jesus erreichen musste, weil wir es niemals erreichen werden.

Geht´s auch anders?
Wir streben ständig nach Perfektion. Setzen Masken auf, um nach außen das Perfekte Leben, die perfekte Gemeinde abzubilden, aber hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. Die Folge ist, dass nicht wenige der Kirche den Rücken zugewandt haben. Enttäuscht von sich selbst und enttäuscht von der Kirche. Gleichzeitig habe ich Menschen getroffen, die keine persönliche Beziehung zu Jesus haben, aber es auch auf gar keinen Fall ausprobieren möchten, da sie glauben, sich dann einem bestimmten Lebensstil verpflichten zu müssen - dem sie nicht entsprechen wollen, von dem sie aber auch ahnen, dass sie ihm nie entsprechen können. Viele drehen gleich wieder um, anstatt es wenigstens zu versuchen. Die "Ich genüge nicht"-Gedanken sind einfach zu blockierend.
Geht´s auch anders?
Zum Glück gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma. Denn Gott ist anders! Auch er findet es cool, wenn du nett zu deinen Großeltern bist und in der Schule gute Noten schreibst. Auch er freut sich, wenn du dich in deiner Haut wohl fühlst und deinen Freunden deine Schuhe gefallen. Er macht seine Liebe zu dir nicht von diesen Dingen abhängig. Er liebt dich. Punkt. Einfach nur, weil du da bist. Egal, was du leistest. Gott findet dich großartig. Er hat dich wunderbar gemacht und ist stolz auf dich. Er weiß, was du kannst, und was in dir steckt. Auch wenn du selbst vielleicht manchmal große Zweifel an dir hast. Klar findet er es nicht grundsätzlich falsch, wenn du ehrgeizig bist und dein Bestes gibst. Aber er wünscht sich, dass es dir dabei gut geht und du dich nicht selbst kaputtmachst.   

Wir sind in Bearbeitung
Du bist normal. Unperfekt und deswegen normal. Und für mich ist es eine der wunderbarsten Geheimnisse des Glaubens, dass ich Jesus als Unperfekter nachfolgen darf. Als ganz Normaler. Ich muss nicht perfekt, muss nicht vollendet sein, besser, schöner, frommer, weiser und was nicht noch alles. An mir Hängt ein Schild: "In Bearbeitung". Jesus ist an mir dran, aber mein Jetzt-Zustand genügt schon! Er hat nicht erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten Freude an mir - dann, wenn er mich ans Ziel gebracht hat. Nein, er wird nie mehr Freunde an mir haben als genau jetzt in diesem Augenblick. In Jesus finde ich meinen größten Fan. Er freut sich, wenn ich mein Leben verantwortungsvoll gestalten will, statt alles nur auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber ihm ist  auch wichtig, dass meine Prioritäten richtig geordnet sind. Er möchte in deinem Herzen an erster Stelle stehen. Und er will mir den Druck nehmen, alles allein schaffen zu müssen, alles perfekt auf die Reihe zu bekommen und Anerkennung an den falschen Stellen zu suchen. Ich darf ihm als Unperfekter nachfolgen. Und es ist manchmal ganz unspektakulär, nicht selten aber auch atemberaubend diesem Jesus als Normaler nachzufolgen. Diese Erkenntnis ist absolut heilsam und befreiend.

Mut zur Lücke!
Wenn man es recht bedenkt, ist es ganz schön anmaßend perfekt sein zu wollen. Und vor allem völlig unrealistisch. Denn perfekt ist nur Gott. Wir Menschen sind dafür geschaffen, unperfekt zu sein! Wir können unser Leben gar nicht selbst auf die Reihe kriegen. Und wir müssen es auch nicht. Gott hat sich uns so ausgedacht, dass wir in der Abhängigkeit zu ihm gut funktionieren. Er kann gerade dann beweisen, wie genial und mächtig er ist, wenn wir uns auf seine Hilfe verlassen (2. Korinther 12,9). Genau so hat es auch Jesus gemacht. Und an ihm können wir uns - ganz entspannt - ein Beispiel nehmen! Wenn wir verstehen, dass wir geliebt sind, wie wir sind - mit unseren Schokoladenseiten und mit unseren Schwachstellen - dann können wir relaxen und die Dinge gelassen angehen. Und auch mal mit nicht perfekten Ergebnissen zufrieden sein. Ich glaube fest, dass Gott es gut mit mir meint, dass Jesus real ist und sein Heiliger Geist mir zur Seite steht. Ich will lieber Gott vertrauen, statt allein auf meine Fähigkeiten zu bauen. Das nimmt mir den Druck, in allen Bereichen meines Lebens glänzen zu müssen. Lass dich nicht blenden! Niemand ist perfekt. Du darfst dich gut so finden, wie du bist. Denn Gott tut das auch.

Authentisch Leben
"Weil Gott so gnädig ist, hat er euch durch den Glauben gerettet. Und das ist nicht euere eigener Verdienst. Es ist ein Geschenk Gottes. Ihr werdet nicht aufgrund eurer Taten gerettet, damit sich niemand etwas einbilden kann." (Epheser 2,8-9).
Ich will dich heute ermutigen: Lass uns gemeinsam authentisch leben. Lass uns Perfektion ablegen, lass uns unsere Schwächen offenlegen und Gottes Stärken annehmen. Lass uns den Kampf aufgeben, uns selbst hinlegen, um dann mit Jesus aufzustehen. Warum? Weil es das ist, was die Bibel sagt. Und dann steh auf, mit Gottes krasser Gnade und lauf den Lauf. In die richtige Richtung, auf Gott zu. Du wirst immer wieder hinfallen, definitiv, aber letztendlich ist das, was du da erlebst -  hinzufallen - die Herausforderung, die dich stärkt, wieder aufzustehen und in die gleiche Richtung weiterzugehen. Lass und Gottes Gnade für unser Leben neu entdecken und Perfektion ablegen. Lass uns aufhören uns mit anderen zu vergleichen. Lass uns eine Generation sein, die Ehrlichkeit ist und nicht Urteil. Lass uns zueinander kommen und sagen: "Hey, ich hab damit ein Problem, kannst du mir helfen?" Und diese Person will ich ermutigen, dieser Person nicht zu sagen: "Das ist schon ziemlich schräg, was du da für einen Mist gebaut hast!", sondern zu sagen: "Hey, Jesus ist für uns alle gestorben und wenn Sünde tief geht, dann geht Gottes Gnade tiefer. Lass uns gemeinsam aufstehen und auf Gott zulaufen. Und wir werden ankommen, weil Jesus größer ist, als unser Versagen."

Nicht am Ziel. Aber auf dem Weg!
Deine Schwäche, deine Unperfektheit ändert nichts an Gottes Stärke. Er ist gnädig uns er ist fähig dein Leben komplett zu verändern. Und diese Botschaft ist die beste Botschaft, die diese Welt jemals gesehen hat. Ganz oft denke ich: "Diese Botschaft ist so gut, da muss irgendwo ein Haken sein." Und irgendwie verstehe ich diese Botschaft manchmal auch nicht ganz. Aber ich habe mich dazu entschieden, sie immer mehr verstehen zu wollen. Weil ich glaube, dass sie das Beste ist, was mir in meinem Leben passieren kann. Alles, was ich bin, bin ich durch Gottes Gnade. Und Gott selbst sagt zu Paulus: "In deiner Schwachheit bin ich mächtig! Alles, was du brauchst, ist meine Gnade!" (2. Korinther 12, 10). Alles, was du brauchst ist meine Gnade - und du wirst ankommen. Lass uns Gnade annehmen und Perfektion ablegen!
Lass uns gemeinsam als on4u-Community authentisch leben. Perfektion ablegen. Schwächen offenlegen und Gottes Stärke annehmen. Den Kampf aufgeben. Uns selbst hinlegen. Und dann mit Jesus aufstehen.
Denn genau dann wird die Richtung wichtiger sein als die Geschwindigkeit. Allein durch die Kraft Gottes Geistes werden wir transformiert. Immer mehr. Immer weiter. Wir sind nicht am Ziel, aber definitiv auf dem Weg.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://www.seedsoffaithdesigns.com/

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