Christsein heißt warten

Lesedauer: 7min

Ich will lernen zu warten. Nicht gegen Gott, sondern Mit Gott.

Sieben Tage Lieferzeit für ein neues iPhone? Ersthaft? Das kann ja wohl nicht sein. Wozu bin ich Amazon-Prime-Kunde, wenn ich trotzdem drei Tage auf das Buch warten muss? Geht´s noch?

Hey du,
ich hasse es zu warten. Ehrlich. Wenn mich etwas rasend machen kann, dann ist es sinnlose Warterei an der Kasse im Supermarkt, weil die Oma da vorne ihr Kleingeld loswerden muss oder auf dem Bahnsteig, wenn man wieder ein Zug ausfällt. Gibt es überhaupt ein nicht sinnloses Warten? Wer hat Warten überhaupt erfunden? Und warum macht mich etwas rasend, obwohl ich doch rumstehe? Warten ist nicht Teil meines Lebensplans, nicht Teil meiner Strategie.
Und ich weiß, ich bin nicht allein! Wir alle warten nicht gerne. Nicht auf das Essen, nicht auf die SMS, nicht im Feierabendverkehr und nicht auf den richtigen Partner. Wahrscheinlich gibt es kein Thema, was so gegen unsere Kultur ist, als Gottes Gedanken zum Thema "warten". Denn wenn ich Gott und die Bibel richtig verstehe, dass findet Gott warten meistens prima. Ehrlich Gott, Geht´s noch?

Die "Ja-Nein-Warte-Ampel"
Kennst du auch die Geschichte mit der Ampel aus dem Kindergottesdienst? Ich habe sie gefühlt an jedem dritten Sonntag gehört: Wenn wir Gott um etwas bitten dann sagt er "Ja", "Nein" oder "Warte"! Ich seh sie noch vor mir, die Ampel auf der Tafel, die mir diese Wahrheit Gottes Bildlich untermalen sollte. Ist schon prima so eine Ampel. Aber nicht prima, wenn ich auf eine Antwort warte. Bei einer echten Ampel ist das orange leuchtende "Warte" immer ziemlich kurz. Eher ein Startschuss. Bei Gott steht so manche Ampel schon lange auf Orange, und wir wissen ehrlich gesagt gar nicht, ob die Ampel nicht kaputt ist.
Das dumme ist ja, dass Gott tausend Gründe haben kann, uns warten zu lassen. Handelt es sich um ein "Warte ... ich gebe es dir später" oder um ein "Warte ... ich will es dir nicht geben"? Wer weiß das schon während er wartet? Wird Gott mir jemanden schenken, der mich wirklich leibt? Werde ich von dieser Krankheit geheilt werden? Werde ich das Geld bekommen, das ich brauche? Wird sich dieses Problem lösen? Werde ich den Kampf gegen die Sünde gewinnen? Immer heißt es nur "Warte!"

Lieber "Nein" als "Warte!"
Ein "Nein" Gottes ist vergleichsweise leicht. Nicht sonderlich beliebt, aber ich weiß, woran ich bin. Ich kann jammern, mich ärgern, heilen, aufstehen und weitergehen. Ich kann versuchen, zu verstehen, was das Nein bedeutet. Manchmal bemerke ich es rückblickend und danke Gott von Herzen, dass er mein Gebet nicht erhört hat. Ein "ja" Gottes ist immer super. Klar. Gott schenkt dir das, was dein Herz sich wünscht. Wahnsinn!
Aber was soll ich bitte mit einem "Warte" anfangen? Was ja meistens bedeutet, dass ich irgendwie gar keine Antwort von Gott bekomme. Dass ich nicht verstehe, was er will. Ich habe nichts konkretes, nichts Greifbares - nur Fragen und Unsicherheit. Und das kann mich ganz schön aus der Bahn werden.

Langsam machen, Kraft tanken
Die größte Versuchung für uns ist es, während des Wartens so zu tun, als wäre das "Warte" ein "Ja" oder ein "Nein". Es ist genauso blöd im Stau Vollgas zu geben, wie zu parken. Im Stau heißt es warten. Stop and Go. Langsam.
In Jesaja lesen wir, dass diejenigen von uns, die auf den Herrn warten, neue Kraft bekommen (Jesaja 40,31). Wir sollen warten. Warten auf Gott. Und während wir warten, bekommen wir das, was wir brauchen: Kraft, Durchhaltevermögen und eine neue Perspektive.
Man könnte ja meinen, dass die Zeit des Wartens vor 2000 Jahren zu Ende ging, als Jesus, der verheißene Messias, dann endlich geboren wurde. Aber auch heute will Gott, dass wir warten - damit er uns das geben kann, was wir brauchen. Wir warten auf die Offenbarung von Jesus für unser Leben (1. Korinther 1,7). Oder anders gesagt: Seine Stimme zu hören heißt oft dranbleiben, warten, durchhalten. Wir warten auf Jesus - und darauf, dass er wiederkommt.

Vertrau auf Gottes Timing
"Geduld aber vertieft und verfestigt unseren Glauben und das wiederum gibt uns Hoffnung. Und diese Liebe geht nicht ins Leere" (Römer 5,4-5).
Es liegt in der Natur eines Geduldfadens, dass er reißt ... in der Freundschaft, in der Beziehung, im Glauben, im Vertrauen in Gott. Es kommt der Moment, in dem du etwas erzwingen willst. Du machst den Fehler, dass du deine Angelegenheit in deine eigenen Hände nimmst, um etwas ins Rollen zu bringen. Aber ich will dir sagen: Dadurch verpasst du das Beste von Gott. In der Bibel gibt´s dazu eine echt krasse Geschichte: Die Story, von Abraham und Sarah. Gott gab ihnen das Versprechen, dass sie ein Kind bekommen würden. Aber ein Jahr nach dem anderen verging und nichts passierte. Deshalb beschlossen Abraham und Sarah, Gott unter die Arme zu greifen. Sarah entwickelte einen Plan. Sie sagte Abraham, er solle mit einer ihrer Mägde schlafen, damit sie ihr Baby bekämen. Und anstatt, dass Abraham geduldig auf Gottes Zeitpunkt gewartet hätte, stimmte er dem Plan zu und gönnte sich ein Schäferstündchen bei Sarahs Magd.

Ismael oder Isaak
Und schon bald gebar sie einen kleinen Sohn. Sie waren hellauf uns begeistert, gaben ihm den Namen "Ismael" und sagten: "Schaut, das ist das Kind, das Gott uns versprochen hat." Aber Gott sagte zu ihnen: "Abraham, Sarah, das ist nicht das Kind, welches ich euch versprochen habe. Das habt ihr selber gemacht." Und sie badeten ihre ach so tolle Idee nun aus. Es gab Spannungen zwischen Sarah und ihre Magd und Ismael war so pflegeleicht, wie ein Flusspferd im Wohnzimmer. Es ging so weit, das Ismael und seine Mutter Abraham verlassen mussten. Der Schuss ging nach überall los. Nur nicht nach vorne.
Vierzehn Jahre später - zum festgesetzten Zeitpunkt - gebar Sarah Isaak, das Kind, das Gott ihnen versprochen hatte. Wie bei Sarah und Abraham, wird es auch in deinem Leben Zeiten geben, in denen die Dinge nicht so schnell gehen , wie du es dir wünschst. Du kommst in Versuchung die Dinge zu erzwingen. Vielleicht in einer Beziehung: Eigentlich weißt du, dass die Person, mit der du so gerne zusammen wärst, nicht Gottes Plan für dich ist. Aber du hast Angst, dass du vielleicht niemand anderen mehr kennenlernen wirst. Und außerdem haben alle deine Freunde schon eine Freundin. Aber ich sage dir: Wenn du Ismael gehen lässt, wenn du voll auf Gottes Timing vertraust, wird Isaak in deinem Leben auftauchen. Alles, was wir tun müssen, ist Gott zu vertrauen!

Warten heißt vertrauen
Offensichtlich will Gott, dass wir warten. Immer wieder. Was hat er damit vor? Warten heißt vertrauen. Wenn ich auf jemanden warte, heißt das, dass er oder sie mir wichtig ist. Wenn ich warte, drücke ich aus, dass mir die Beziehung wichtiger ist als das Ergebnis. Ich wachse in diesen Phasen in meinem Vertrauen, dass Gott, weil er ein liebender Gott ist, mir seine Antwort zur richtigen Zeit geben wird. Ich vertraue darauf, dass sein Timing perfekt ist.
Wenn ein fünfjähriger seinen Vater bitten würde, ihm das Autofahren beizubringen, dann würde der Vater das wahrscheinlich prinzipiell gerne tun, aber erst in einigen Jahren, wenn der Sohn alt genug ist. Das heißt, der Vater müsste die Bitte vorerst leider verneinen. "Warte", das ist alles, was er seinem Sohn sagen könnte. Denn der Sohn darf momentan einfach noch nicht Auto fahren. Genauso hat Gott den Überblick über unser Leben. Er weiß, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, dass bestimmte Dinge passieren. Manchmal müssen wir eben noch warten. In der Zwischenzeit ist jedoch kein Däumchendrehen angesagt, sondern wir können die Wartezeit aktiv nutzen, um wichtige Erfahrungen zu sammeln, die wir später brauchen, wenn sich unser Wunsch erfüllt.
"Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns." (1 Johannes 5,1)
Die Charaktereigenschaft, die das Warten angenehm macht, ist die Geduld. Und Geduld ist der erste Ausdruck von Liebe. Zumindest in dem berühmtesten, je über die Liebe geschriebenen Gedicht aus 1. Korinther 13: "Die Liebe ist geduldig". Sie ist treu. Sie ist langmütig. Und ich brauche wirklich lange Mut, um auf Gottes Antwort warten zu können. Gott nutzt die Wartezeiten, um uns unser Herz zu zeigen. Und es zu verändern.
Geduld ist der beste Freund der Demut und das Gegenteil von Hochmut. Im Warten lerne ich: Gott ist Gott. Gott ist souverän. Ich bin es nicht.

Aus Liebe warten lassen
Wenn Gott "Warte" sagt, dann, weil er dir bestimmt ein paar gute Fragen stellen will. Weil er dir liebt. Weil er sich nach einer Beziehung mit dir sehnt. Wenn wir warten, will Gott uns unser Inneres zeigen. Welche Sorgen habe ich wirklich? Warum will ich so schnell eine Antwort? Welche Unsicherheit treibt mich an? Was für ein Bild habe ich von Gott? Warten hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Man lernt den Wert von etwas kennen. Und wenn man weiß, was wirklich gut ist und was man wirklich braucht, dann ist man auch bereit, sich das etwas kosten zu lassen.
Auch, wenn alles in meiner Natur dagegenschreit. Und wenn alles in unserer Kultur dagegen arbeitet: Ich will lernen, zu warten. Ohne eine Antwort und ohne die Lösung schon zu sehen. Ich will lernen, auf seine Fragen zu antworten, bis er mir auf meine antwortet. Und wann immer Gott mich mit einem Stau segnet, will ich diese Zeit als Geschenk aus Gottes Hand nehmen. Ich will lernen zu warten. Lange und mutig.

Sehnsucht als Lifestyle
Höre nicht auf, Gott mit deinem Leben zu ehren. Bleibe ruhig, vertraue auf Gottes Zeitplan und Gott wird dir Türen öffnen, die kein Mensch schließen kann. Wenn du Großes von Gott erwartest, wenn du darauf vertraust, dass er es tun wird, dann wirst du noch viel größeres erleben!
Ich will dich heute herausfordern, wenn du einen Wunsch hast, dann bitte Gott darum, dass er ihn erfüllt. Gott liebt dich so sehr, dass er dich sein Kind nennt. Er will immer das Beste für dich und er will dir deine Herzenswünsche erfüllen.
Ich weiß nicht, warum Gott manchmal binnen Sekunden zu uns spricht und ein anderes Mal stumm bleibt oder uns erst im Nachhinein sein Reden und Handeln entdecken lässt. Aber in all dem will ich darauf vertrauen, dass es Gott gut mit mir meint. Im Reden und im Schweigen. Und ich will lernen, auf sein Reden und sein Eingreifen treu zu warten, denn: "Doch die, die auf den Herrn warten, gewinnen neue Kraft. Sie schwingen sich nach oben wie die Adler. Sie laufen schnell, ohne zu ermüden. Sie werden gehen und werden nicht matt." (Jesaja 40,31) Warten oder ausharren ist also keine Zeitverschwendung, sondern im Warten auf Gott und sein Handeln liegt diese großartige Zusage - und die möchte ich erleben! Im Vertrauen, dass sein Timing perfekt ist.
Ich will dich heute dazu ermutigen Sehnsucht nicht zu "ertragen", sondern sie zu einer Lebenshaltung zu machen. Wir dürfen voller Vertrauen daran glauben, dass sich unsere Sehnsucht erfüllen wird. Und bis dahin können wir wissen, dass wir auf dem Weg dorthin sind. Auf einer Reise ins Ungewisse. Auf der wir nicht mehr vom Weg, als die nächsten zwei, drei Schritte sehen. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott mit uns geht. Er weiß, wohin die wohin die Reise geht. Auf der er uns so vieles zeigen will. Kommst du mit?

Be blessed
Manuel

Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Was ist das Evangelium? (TDW 17/2018)

Auf zu neuen Ufern

Bereit für den Moment?