Halt dich fest!

Lesedauer: 6min

Von Gottesbegegnungen in Wüstenzeiten

"Halt dich an mir fest, wenn dein Leben dich zerreißt, wenn du nicht mehr weiter weißt", sangen Revolverheld in ihrem Hit "Halt dich an mir fest". Und auch Gott spricht diese Worte immer und immer wieder zu uns, wenn uns Leid, Trauer und Ungerechtigkeiten zweifeln lassen.

Hey du,
schon oft in meinem Leben begegneten mir Zweifel an Gottes Liebe und Güte. Nämlich dann, wenn mein Leben gefühlt stillstand und ein Tag dem anderen glich und ich mich verzweifelt fragte: Okay, und was jetzt? Was ist der Sinn in meinem Leben? Wie groß in diesen Zeiten meine Zweifel doch manchmal waren und wie viele Fragen ich manchmal hatte. Gott schien mir manchmal so unendlich weit weg zu sein. Irgendwo war er bestimmt, aber eines war klar - bei mir ganz sicher nicht. Von meinem manchmal so groß geglaubtem Glauben schien in vielen Situationen kaum was vorhanden zu sein. Ich konnte Gottes Handeln beim besten Willen einfach nicht nachvollziehen. Ich brauchte dringend Antworten!

Ponyhof der Kindheit 
Dass das Leben kein Ponyhof ist, habe ich ähnlich früh gelernt, wie dass es einen liebenden Gott gibt. Und mochte es auch Hausaufgaben, Streit und Blumenkohl geben, im Großen und Ganzen war meine Welt als Kind schon in Ordnung. Familie, Freunde und Gott - der kleine Kosmos der heilen Welt. Doch irgendwann, so mit 12, 13 oder 14 Jahren, bekommt dieses sicher geglaubte Weltbild erste Risse. Manchmal durch den Tod eines nahen Verwandten, manchmal durch schlimme Mobbingerfahrungen und hin und wieder auch durch den ersten richtigen Liebeskummer. Eine neue Gefühlsdimension tritt ins Leben: das Leid! Schmerz und Trauer können auf einmal unsichtbare (Ab-)Gründe haben und leider lassen die sich nicht mehr so einfach wegpusten oder mit einem bunten Pflaster versiegeln. Erste Fragen kommen und mit ihnen die Zweifel. Wenn Gott wirklich gut ist, wie kann er dann all den Krieg und Terror zulassen? Und wenn er wirklich allmächtig ist, warum bekämpft er das Böse in der Welt nicht einfach? Kann er oder will er das nicht?  Und da ist sie wieder, diese Frage, die mir immer wieder auf  der Seele brennt: Warum ist diese Welt nur so scheiße ungerecht? Fragen über Fragen füllen meinen Kopf. Und Gott schweigt.

Auszug in die Wüste 
Und so gehen wir, an Gott, dem Glauben, der Sehnsucht nach dem Guten zweifelnd die Suche. Auf die Suche nach Antworten, nach Gott und nach uns selbst. In die Schule, die Gemeinde und zu Freunden. Weiß dort irgendjemand eine Antwort? Alles ist auf einmal so schwierig geworden. Die eigenen Fragen und Gedanken lassen sich nicht einfach wieder abstellen und manchmal noch nicht einmal in konkrete Sätze formulieren. Zwar ist der Wunsch zu glauben da, aber wie soll man das bitteschön in dieser ungerechten und unfairen Welt? Und warum lässt Gott sich nicht mal spüren? Warum spricht er nicht endlich oder schickt wenigstens ein deutliches Zeichen, dass es ihn gibt? Und auf einmal, eh man sich versieht, steht man allein in der Wüste. Ort der Einsamkeit. Natürlich ist die Wüste in diesem Fall bildlich gesprochen. Im deutschsprachigen Raum gibt es zwar Provinz und Pampa, aber keine wirklich wüstenähntiche Ansammlung von Sand und Hitze. Und doch ist uns die Wüste als Ort der lebensbedrohlichen Umstände vertraut, wir können uns in ihre Verlassenheit und Einsamkeit hineindenken. In der Bibel wird die Wüste oft als Ort großer Einsamkeit dargestellt, aber auch immer wieder als Ort großer Gotteserfahrungen. Ausdrücke wie "Wüstenzeiten" oder "Wüstenerfahrungen" verdecken das auf den ersten Blick, weil es immer nur nach Dürrestrecken klingt, die man überwinden muss. Aber die Bibel berichtet immer wieder von einzigartigen Gottesbegegnungen in der Wüste.

Die Wüste in der Bibel 
Auch die Menschen in der Bibel stellten Fragen und waren nicht immer voller Glauben. Und ich bin da kein Einzelfall. Die Bibel ist voller Berichte von Menschen, die gezweifelt haben. Aber in der Wüste war Gott ihnen nahe!
Da ist zuallererst Mose und seine Begegnung mit Gott am brennenden Dornbusch (2. Mose 3). Mose hatte zu dem Zeitpunkt einen Menschen umgebracht und lebte viele Jahre fast versteckt bei seinem Schwiegervater, bevor er auch von dort in die Wüste fliehen musste. Doch in dieser Wüste begegnet ihm Gott. Da ist das Volk Israel, das aus Ägypten floh und 40 Jahre lang in der Wüste lebte, um dann von Gott das verheißene Land geschenkt zu bekommen. Da ist Jesaja, der voraussagte, dass ein Prophet kommen wird, der in der Wüste dem Herrn einen Weg ebnen wird (Jesaja 40,3). Und da ist Johannes der Täufer, der eben in diese Wüste ging, um Jesus den Weg zu bereiten. Letztendlich war es Jesus selbst, der 40 Tage lang in der Wüste fastete und betete (Matthäus 4).
Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich die Wüste immer wieder als besonderer Ort: als Ort der Gottesbegegnung.
Trotzdem versuchen wir sie zu meiden, denn Stille, Leere und Verlassenheit. alle diese Beschreibungen der Wüste, konfrontieren uns letztendlich mit dem beängstigenden Gefühl der Einsamkeit. Und das scheint so gar nicht zu der Gottesbeziehung zu passen, die wir eigentlich haben wollen. Eine Beziehung voller Geborgenheit, Vertrauen und Nähe. Und doch stecken diese Zeiten so voller Chancen und lassen uns wachsen. Im Glauben und im Leben. Sie machen uns zu Kämpfern, die mutig vorangehen. Immer den Blick auf Jesus gerichtet.

3 unglaubliche Chancen, die Wüstenzeiten mit sich bringen
Ratlosigkeit und Unzufriedenheit sind die ersten Vorbedingungen des Fortschritts. (Thomas A. Edison)
Vielleicht geht es weniger darum, was mit uns passiert, als vielmehr darum, wie wir darauf reagieren. Schon mal darüber nachgedacht? Wir gehen alle durch Krisen. Die einen mehr, die anderen weniger. Manche scheinen wie ein Schwamm zu funktionieren. Das Leben kann sie noch so stark zusammendrücken – sie finden doch wieder in ihre Ausgangssituation zurück. Andere wiederum tun sich damit schwer.
Aber wie unterschiedlich wir auch sein mögen, einen Punkt haben wir alle gleich: Wir gehen in unserem Leben alle durch Krisen. Es steht nicht im Raum, ob Krisen kommen werden, sondern die Frage ist eigentlich: Wie gehen wir mit Krisen um? Ich glaube Krisen bieten einzigartige Chancen. Und ich will dich heute ermutigen, sie zu nutzen.
Diese Chancen teilen sich in drei Bereiche auf. Und alle beginnen mit V.

1. Verbindung
Gib Menschen die Aufgabe, eine Krise gemeinsam zu bewältigen, und sie berichten anschließend von einer tiefen Verbundenheit. Krisen besitzen die Chance, unfassbare menschliche Verbindungen zu bauen. Du kannst in die Geschichte schauen und genau dieses Phänomen beobachten. Ob es die Reaktionen auf die Rede von Martin Luther King (I have a dream) waren oder die Hilfsaktionen, welche nach dem 11. September 2001 starteten. All diese Beispiele beschreiben eine Chance für Verbindung.

2. Veränderung
Je stärker die Krise, desto größer die Bereitschaft für Veränderung. Ein Phänomen, das wohl jeder von uns in seinem Schul- oder Unialltag erleben darf. Wann fangen wir wirklich an zu lernen? Genau, wenn die Krise schon längst begonnen hat. Krisen beeinflussen unser Denken und unser Handeln. Sie bringen Veränderung in unserem Leben und in unserem Glauben. Selbst Manager nutzen die Kraft von Krisen in Unternehmen.
"Ein Unternehmen mit dysfunktionalen Gewohnheiten kann das Ruder nicht einfach deshalb herumreißen, weil eine Führungskraft dies anordnet. Vielmehr suchen kluge Führungskräfte ganz bewusst nach Krisenmomenten – oder sie erzeugen eine Krisenwahrnehmung – und fördern die Bereitschaft zur Veränderung, bis schließlich alle bereit sind, die Muster zu revidieren, die ihr tägliches Handeln bestimmen." (Charles Duhigg, Die Macht der Gewohnheit)

3. Vertiefung
Krisen bewältigt man nicht an der Oberfläche. Sie führen uns in die Tiefe und bauen unseren Charakter. Dein Tiefpunkt ist Gottes Wendepunkt. Wie oft durfte ich erleben, dass mein Gebetsleben in Krisen eine wortwörtliche Erweckung erlebte. Wie oft durfte ich erleben, dass meine Beziehungen durch Probleme gestärkt worden ist.
Denn Gott kann die Traurigkeit in unserem Leben benutzen, um uns zur Umkehr von der Sünde und zur Suche nach der Erlösung zu bewegen. (2. Korinther 7:10)
Verstehe mich bitte nicht falsch. Mein Anliegen war es nicht, deine Krise kleinzureden. Nein, vielmehr wollte ich dir Hoffnung schenken. Hoffnung für ein gutes Ende. Hoffnung für einzigartige Möglichkeiten.

Wüstenzeiten prägen meinen Glauben
Irgendwann gehen wir alle durch Krisen. Aber ich bin dankbar, dass Gott geduldig mit uns ist und uns treu in unseren persönlichen kleinen und großen Wüstenzeiten begleitet. Wenn wir unsere Herzensfragen und unsere Ängste und Zweifel ehrlich vor Gott bringen, werden wir erleben, dass er uns bewegt. Manchmal mit einer Antwort, manchmal mit einem plötzlichen Eingreifen und Ändern unserer Situation - manchmal aber auch einfach mit der tiefen Gewissheit, dass er selbst mit uns diese stürmischen Zeiten durchstehen wird. In meinen schwersten Zeiten war Gott gefühlt so nah, wie niemals sonst, weil ich ihn dann umso mehr gebraucht habe. Dass gibt mit tiefen Trost und nimmt mir ein wenig die Angst von weiteren herausfordernden Zeiten - auch wenn ich mir natürlich keine wünsche. Aber ich habe festgestellt, dass gerade diese Zeiten, in denen Fragen mich nicht mehr losgelassen und ich nach neuen Perspektiven gesucht habe, meinen Glauben und mein Gottvertrauen im Endeffekt gestärkt haben. Wüstenzeiten sind Zeiten der Gottesbegegnungen.
Gott begegnet uns in Zeiten, in denen Glauben kaum vorhanden ist und mehr Fragen als Antworten im Raum stehen. Gleichzeitig lässt er uns in diesen Situationen nicht stehen, sondern fordert uns klar auf, einen Schritt weiterzugehen. Wir sollen auch in Zeiten glauben, in denen Fragen größer werden als Gewissheit. Auch wenn es mal schwerfällt.
Wenn es darum geht, Hilfe von Gott zu erwarten, erinnere ich mich immer sehr gerne an die Aussage einer Predigt, die ich einmal gehört habe: "Wenn die Welle kommt, dann halte Blickkontakt mit dem Herrn." Genau das will ich auch weiterhin trainieren und lernen. Und dabei Gott mitten in meinen Zweifeln, Fragen und Herausforderungen begegnen und seine Hilfe erfahren.

Warten auf Gott 
Irgendwann stehen wir alle einmal in der Wüste. Kein Leben verläuft ohne Leid. Nicht meins, nicht deins. Wir stehen vor Scherben einer zerbrochenen Freundschaft, oder vor Gräben, die Streit oder Neid verursacht haben. Wir haben Fehler gemacht, wurden von Krankheit, Ungerechtigkeit oder Tod überrannt. Und wo ist Gott? Ist er auch da? Ja! Selbst, wenn dies alles so eintreffen sollte, wenn du nur noch weinen oder klagen kannst vor Gott, dann tu genau das! Gott wäre nicht Gott, wenn er deine Klagen und deine Tränen nicht kennen und verstehen würde. Er wäre nicht Gott, wenn wir ihn nicht mit hinein in unser Leid nehmen könnten. Und er wäre nicht Gott, wenn er uns nicht in diesen Wüstenzeiten begegnen wollen würde. FDür Gott ist die Wüste ein besonderer Ort zwischen uns und ihm. Was wäre, wenn wir aufhören würden, die Wüste abzulehnen?
Wenn man Gott seinen Schmerz bringt, wenn man sich ihm völlig anvertraut - und vielleicht sogar die Stille aushält, dann wartet man auf den Gott, der da ist. Der Gott, der sich uns zeigen will - und wird. Unser Tiefpunkt ist Gottes Wendepunkt!

Be blessed
Manuel 


#challengetime - Wie dein nächster Schritt aussehen könnte:
Erzähle einem Freund von deiner Krise.
Schreibe dir auf, was du verändern möchtest.
Erzähle Gott dein Problem und erwarte sein Eingreifen.


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Total tolerant?! (TDW 30/2018)

Berufungsfails

Deine Story mit Gott