Reformaction

Lesedauer: 7min

Be the change, you want to see in the world

"Was muss sich heute eigentlich dringend verändern?" Eine Frage mit Brisanz. Ich glaube, Gott sehnt sich nach Veränderung in unseren Leben und in unseren Gemeinden. Lass sie uns anpacken, lass uns etwas ins Rollen bringen, lass uns mutig vorangehen, immer den Blick auf Jesus gerichtet! #changingfaith

Hey du,
Reformation. Bestimmt hast du dieses Wort noch nie häufiger gehört, als in diesem Jahr. Denn wir befinden uns mitten im Reformationsjahr. Man interessiert sich auch von der Gesellschaft und den Medien mal füt Lutber. Touristen kommen aus der ganzen Welt an Reformationsorte. Luther als Playmobilfigur. Lutherzitate auf den Socken. Lutherunterricht in der Schule. 2017 ist das Lutherjahr. Gefeiert wird 500 Jahre Reformation. Vielleicht hast du schon eine Luther-Oberdosis und das Thema hängt dir zum Hals raus? Und jetzt kommt auch noch ON4U mit diesem Thema.
Vielleicht fragst du dich auch: Was haben uns die 500 Jahre alten Aussagen eines Ex-Mönchs zu sagen? Wahrscheinlich hat noch niemand von uns sein mühsam gespartes Taschengeld in einen Ablassbrief investiert und die Angst vor dem Fegefeuer lässt uns nachts nicht aus dem Bett hochschrecken. Was bringt uns dann die Beschäftigung mit Luther?

Reformation hat Brisanz
Martin Luther hatte den Wunsch, die Kirche vor Fehlentwicklungen zu warnen und hat deshalb mutig die Missstände der Kirche angesprochen und ganz schön etwas bewegt und ins rollen gebracht. Echt krasser Typ und spannende Sache. Aber ich will nicht in der Vergangenheit stehen bleiben, sondern ich glaube, dass die Sache mit der Reformation auch heutzutage noch unglaubliche Brisanz hat. Und deshalb habe ich mich mal umgefragt: Was sind die Missstände heute? Brauchen wir eine neue Reformation? Diese Frage habe ich einigen Leitern gefragt und ich glaube: Ja! Es gibt einiges zu verändern. Lass uns loslegen, lass uns die Veränderung in der Welt sein, lass uns Nachfolge neu definieren, lass uns Menschen verändern und lass uns mutig vorangehen. Jesus hinterher!

Zurück zur Bibel - Weder Trend noch Tradition

Im Augustinerkloster in Erfurt, in dem Martin Luther gelebt hat, ist ein interessanter Satz zu finden. Als ein Mönch sah, wie krass Luther die Bibel feierte und wie gern er stundenlang in ihr las, sagte er zu ihm: "Hey, Bruder Martin, was ist die Bibel? Die Bibel ist out! Man sollte die alten Lehrer lesen, die haben den Saft der Wahrheit aus der Bibel gesogen, die Bibel richtet nur Aufruhr an."
Viel zu oft tun wir auch so. als ob andere Dinge "den Saft der Wahrheit aus der Bibel gesogen" hätten und folgen Traditionen und Trends, statt Positionen aus der Bibel zu entwickeln. Manche von uns tun auch genau das Gegenteil und projizieren die Werte unserer Zeit auf die Bibel.

Reformation durchs Bibellesen
Wenn ich an Reformation in unseren Kirchen und Gemeinden denke, dann denke ich zuerst an eine Reformation durchs Bibellesen, denn Gottes Wort steckt so voller Wahrheit, Liebe, Gnade und erzählt uns die beste Geschichte, die diese Welt jemals gehört hat! Gottes Geschichte mit den Menschen. Fakt ist: Die Bibel hat Brisanz! "Eine Bibel, die auseinanderfällt, gehört jemandem, dessen Leben es nicht tut." (Adrian Rogers)
Lass uns wieder zurück zur Bibel kommen, lass uns dieses alte Buch aufschlagen und anfangen zu lesen, denn in ihm steckt eine Botschaft, die das Potential hat, diese Welt auf den Kopf zu stellen! Wenn wir anfangen, regelmäßig in der Bibel zu lesen und Gott durch diese Worte zu uns sprechen lassen, dann wird unser Glauben reformiert.

Zurück zum Evangelium - Weder Gesetzlichkeit noch Gesetzlosigkeit

"Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" Luther hat den Zugang zu Gott wiederentdeckt - es braucht keinen Ablassbrief, keine religiöse Leistung. Wir werden gerettet allein aus Glauben, allein aus Gnade, allein durch Christus. Diese Bekenntnis war vor 500 Jahren ketzerisch und revolutionär zugleich. Heute klingt sie in christlich geprägten Ohren banal - gerade, wenn man christlich aufgewachsen ist. Aber sie ist nicht banal. Wir müssen die revolutionäre Bedeutung des Evangeliums wiederentdecken, nicht nur für den Anfang unseres Glaubens, sondern für unseren Alltag im Glauben. Im Leben als Christ geht es nicht darum, dass ich mich täglich anstrenge, um besser zu werden. Wir müssen weg von dem Druck, was wir alles tun müssen und hin zu dem, was wir jetzt schon alles durch Christus sind und haben. Wir müssen nicht loslegen, um uns geliebter zu fühlen - weil wir geliebt sind, können wir loslegen. Und wir brauchen das Evangelium, um nicht der Gesetzlosigkeit zu verfallen. Um nicht zu denken: Wir sind einmal gerettet worden - jetzt ist es egal, wie ich mein Leben gestalte. Die Gnade Gottes erzieht uns, ein Leben zu führen, wie es Gott gefällt.
Lasst uns  zurück zum Evangelium kommen. Wir Christen haben die beste Botschaft die diese Welt jemals gehört hat in unseren Herzen. Lasst sie uns erzählen und lass uns anfangen, die Message, die in diesen Worten steckt zu leben!

Zurück zur Einheit - Weder Isolation noch Unentschlossenheit

"Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast." (Johannes 17, 20-21)
Jesus hatte ein großes Anliegen dafür, dass seine Nachfolger eins sind. Wie passt das zur Zersplitterung der Gememdelandschaft, die uns heute begegnet? Auf der einen Seite erleben wir einen Trend zur Isolation und Abschottung. Gemeinden definieren sich dadurch, was sie nicht sind und grenzen sich dadurch von anderen Christen ab. Wir brauchen die Erkenntnis, dass es auch in anderen Gemeinden echte Christen gibt, von denen wir lernen können. Jesus hat gesagt: "An der Liebe untereinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid." (Johannes 13,35). Aber wenn ich mich in unseren Gemeinden heutzutage umblicke steht da vielmehr: An der Uneinigkeit untereinander und daran, wie ihr euch Bibelverse um die Ohren haut und euch vorführt wird jeder erkennen, dass ihr zu meiner Kirche gehört. Verstehst du, was ich meine? Lasst uns unseren Hochmut und unsere Arroganz ablegen und Nächstenliebe neu definieren. Lass uns eins sein in Jesus. Wir sind eine Einheit, egal ob jung ob alt, ob arm ob reich, nichts kann uns trennen – denn wir sind vereint im Glauben an den selben Gott!

Von wegen Toleranz!
Auf der anderen Seite erlebe ich Gleichgültigkeit - gerade in unserer Generation. Noch nie zuvor hatten Toleranz und "den anderen so stehen lassen" in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert wie heute. Heutzutage ist eigentlich alles erlaubt, nur eines nicht: zu behaupten, man hätte die alleinige Wahrheit gefunden. Der eine sieht es eben so und der andere so, bloß niemandem wiedersprechen.
Wir bilden uns kein Urteil mehr, bewerten nicht. Wir sind unentschlossen. Und damit Kinder unserer Zeit. Wir schaffen es, widersprüchliche Meinungen nebeneinander stehen zu lassen. Wir scheuen uns davor, Positionen abzulehnen, auch wenn sie offensichdich unbiblisch sind. Wir merken das manchmal gar nicht, weil wir einfach nicht die Energie aufbringen, uns mit diesen Positionen auseinanderzusetzen, weil wir diesen leichten Weg gewohnt sind. Lass uns zurückkehren zur Einheit. Lasst uns zusammenkommen, um Ihm alle Ehre zu geben. Ich glaube an eine neue Reformation der Einheit. Egal welcher Denomination, ob jung ob alt, ob arm ob reich, nichts kann uns trennen – denn wir sind vereint im Glauben an den selben Gott! Und lass uns anfangen, Dinge zu hinterfragen, uns ganz bewusst nach Gottes Willen für unser Leben ausstrecken und Jesus bedingungslos nachfolgen. Auch, wenn wir damit der Welt um uns herum wiederstreben.

Zurück zu den Menschen -  Weder Weltflucht noch Weltsucht

85 Prozent der jungen Europäer sagen, dass sie ohne den Glauben an einen Gott glücklich sein können. 86 Prozent der jungen Europäer bringen der Kirche kein Vertrauen entgegen. Das sind Ergebnisse der Studie »Generation What?«. Es scheint, als erleben wir gerade einen gewaltigen Umbruch. Während man zur Zeit Luthers noch davon ausgehen konnte, dass alle Menschen an einen Gott glauben und Angst vor der Hölle haben, hat sich das in den letzten 500 Jahren fundamental verändert. Die Kirche ist von der bestimmenden Macht zur Organisation geworden, der man misstraut. Die Menschen in unserer Gesellschaft sind nach-christlich - sie sind geprägt vom Christentum, haben sich aber entschieden, dass es keine Bedeutung mehr für sie hat. Als Christen brauchen wir Antworten auf die Fragen der nach-christlichen Mensehen, die die Antworten der Kirche für irrelevant halten. Diese Antworten müssen wir in einer verständlichen Art und Weise transportieren. Unsere Sprache und unsere Formen müssen verständlich sein für die Menschen in unserer Gesellschaft. Nicht besucherorientiert, aber besucherfreundlich. Lasst uns Gemeinden sein, die am Puls der Zeit leben, aber nicht dem Zeitgeist verfallen.

Zurück zur ersten Liebe  - Weder Burn-Out noch Energiesparmodus

"Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken" (Matthäus 22, 37). In diesem Vers steckt so viel Wahrheit, so viel Freude, so viel Liebe... Und ich bin fest davon überzeugt, dass diese Wörter das Potential haben, die Welt auf den Kopf zu stellen. Menschen zu verändern und Gott die Ehre zu geben. Und ich will dieses Gebot leben. Ich will mein Leben auf Jesus ausrichten und seine Liebe reflektieren. Aber immer wieder merke ich, dass ich es nicht schaffe. Dass ich abgelenkt bin, dass Jesus nicht mehr an erster Stelle in meinem Leben steht. Dass ich Mist gebaut habe. Dass ich irgendwie von meinem guten Vorsatz abgekommen bin.
Liebe ist nicht normal. Wenn man es sich genau überlegt, ist sie sogar ziemlich bekloppt. Sie wiederstrebt dieser Welt. Denn warum sollte man jemandem etwas geben oder ihm Gutes tun, wenn man nichts dafür will? Keinen Vorteil darauf ziehen will? Liebe passt eigentlich nicht in unser Weltbild. Liebe ist göttlich. Aber Jesus bringt gerade diese Liebe in unsere Welt. Er schwimmt gegen den Strom und wir sollen ihm nachfolgen. Menschen lieben, ohne einen Vorteil darauf ziehen zu wollen. Dieser Welt wiederstreben und den Himmel auf die Erde bringen. Durch unser Leben Menschen zeigen, wie Gott ist.

Back to the beginning
Aber so oft schaff ich es einfach nicht, gegen den Strom anzuschwimmen und werde mitgerissen. Vielleicht kennst du das auch. Und in genau diese Situation spricht dieser Vers aus der Offenbarung: "Du liebst mich nicht mehr so wie am Anfang. Erinnerst du dich nicht, wie es damals war? Wie weit hast du dich davon entfernt! Kehre um und handle wieder so wie am Anfang!" (Offenbarung 2,4-5)
Verfallen in der gewohnten Routine, eingeschlafen im Rhythmus des Alltags, verfangen in all den Terminen und Verpflichtungen des Lebens. Kein Platz, kein Raum - einfach keine Luft, um wirklich mal durchzuatmen. „Du liebst mich nicht mehr so wie am Anfang. Erinnerst du dich nicht, wie es damals war?“ Tut das weh? Wenn ja, dann Herzlich Willkommen im gleichen Boot. Ich schreibe diesen Blog-Beitrag nicht, um dir mit dem Zeigefinger zu kommen. Ganz und gar nicht. Ich schreibe diesen Blog-Beitrag, um einfach darüber zu schreiben, was Gottes Geist mir aufs Herz gelegt hat.

First Love
Unsere Tage sind vollgeplant. So voll, dass wir häufig nur Zeit damit verbringen, etwas für Gott zu machen, anstatt wirklich Zeit mit ihm zu verbringen. Ja, im Rausch unserer Effektivität erscheint die persönliche Zeit mit Jesus wie eine Unterbrechung bei all den Dingen, die wir für ihn tun. Verrückt, oder? Lass uns zurück zum Anfang gehen. Zurück zur kindlichen Begeisterung.
Jesus liebt all das, was du für ihn tust, doch viel mehr noch liebt er es, Zeit mit dir zu verbringen. Es braucht ein Ort in deinem Leben, wo du zur Ruhe kommen kannst. Einen Ort, wo sein Geist die Möglichkeit bekommt, ganz individuell zu dir zu reden. Einen Ort, an dem deine Sehnsucht gestillt wird und deine Liebe zu ihm wachsen kann.
Wenn ich mein Smartphone tagsüber nutzen möchte, dann lade ich es für gewöhnlich nachtsüber auf. So ist es auch im geistlichen Leben. Wir sind nicht dazu berufen, konstant auf Energiesparmodus zu laufen. Gott hat uns vielmehr dazu berufen, direkt an die Quelle angeschlossen zu sein. Verstehst du, was ich zu sagen versuche?
Ich möchte dich motivieren, heute einen neuen Schritt zu gehen. Vielleicht ist es der Leseplan, den du schon vor längerer Zeit starten wolltest. Vielleicht ist es die Gebetszeit, die du neu beleben möchtest. Vielleicht ist es der Schlummermodus, den du besiegen möchtest, um mit Jesus in den Tag zu starten. Was es auch ist, beginne mit dem ersten Schritt zurück zur ersten Liebe.


Sei die Veränderng, die du in der Welt sehen willst
Das sind große Worte - nicht so groß, wie die von Martin Luther, aber trotzdem größer, als ich mich fühle. Ich kann hier viel von Reformation schreiben, aber weiß genau, dass die Reformation bei mir anfangen muss. Und sie hat mit meiner Sehnsucht zu tun, Positionen aus der Bibel zu entwickeln, in Gnade und Wahrheit mit Christen umzugehen, vom Evangelium geprägt zu leben, für die Menschen in meinem Umfeld zu leben, die Jesus noch nicht kennen und mich in neuer Liebe Gott hinzugeben. Die Reformation fängt bei mir an. Und bei dir.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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