Reformation in mir

Lesedauer: 5min

Von Veränderungsfrust zu Veränderungslust

Gott schenkt jedem von uns ein weißes Blatt. Ein einzigartiges Leben. Ein Abenteuer. Lass es uns erleben!

Hey du,
es gibt Momente in denen ich die ständige Forderung nach Veränderung richtig frustrierend empfinde. Dabei gebe ich mir doch schon so Mühe und trotzdem bleiben gefühlt haufenweise veränderungswürdige Eigenschaften und Bereiche in meinem Leben bestehen. Im Dickicht dieser zig Punkte sehe ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Okay, also was nochmal? Ängste muss ich bei Gott abgeben. Gott vertrauen, auch wenn ich mit meinem Leben gerade alles andere als glücklich bin. Nicht neidisch sein und nichts Schlechtes über andere Menschen sagen. Ein guter Verwalter meiner Zeit und meiner Finanzen sein. Und wenn ich Möglichkeiten erkenne, auf Menschen zugehen und ihnen die Liebe Gottes weitergeben. Mein Gebetsleben müsste auch mal wieder auf Vordermann gebracht werden, schließlich bin ich im Danken wirklich nicht so gut. Wenn Gott mein Gebet erhört hat, habe ich vergessen, dass ich darum gebeten habe. Und wirklich regelmäßige Fürbitte für Freunde, die Jesus noch nicht kennen oder gerade in Problemen stecken? Ach, mir würden auf Anhieb so viele Menschen und Dinge einfallen. Okay, da geht also auch noch was. Und vom Bibellesen ganz zu schweigen. Mannomann, in der Jugendstunde blätter ich dann hektisch die Seiten durch und hoffe, dass es keiner sieht, dass ich gerade echt keinen Plan habe, wo sich die kleinen Propheten versteckt haben. Und neben diesen tausenden Punkten, die in meiner Beziehung zu Gott verbesserungswürdig wären, reihen sich ja auch noch zig Pflichten ein, die ich selbst einfordere oder meine Eltern oder die Gesellschaft. Oh Hilfe, wie soll ich mit dieser Unzulänglichkeit umgehen. Ich schaffe es einfach nicht, in allen Bereichen zu punkten. Ich schaffe es nicht, dieser Christ zu sein, der ich gerne wäre.

Sola gratia - allein aus Gnade
Es ist schwer zu begreifen, zu verstehen - aber auf dieses Durcheinander von Gefühlen und Gedanken trifft sola gratia. Allein aus Gnade. "Denn aus Gnade seid ihr gerettet. Es ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk. Durch Glauben, und nicht durch Taten, damit niemand sich mit ihnen rühme." (Epheser 2, 8-9). Bääm! Was für eine steile Aussage! Unglaublich was für ein Schatz und welche Freiheit in diesen Worten stecken, was diese Gnade für mich bedeutet. Ich muss mich nicht zu einem tollen Christen veränden und optimieren. Ich muss es nicht und ich kann es auch nicht. Diese endlose ToDo-Liste darf ich zusammenrollen und sie Jesus in die Hände drücken. Nicht ich muss mich zu einem "top-Christen" stylen, sondern Gott ist es, der das hinkriegt. Gott ist es, der mich gut macht. Gott ist es, der das Gute in mir vollbringt. Gott ist es, der für mich immer wieder scheiternden und fallenden Sünder am Kreuz gesiegt hat.
Am Kreuz von Golgatha ist er für mich gestorben und damit hat er mich von mir selbst erlöst. Denn genau das habe ich so nötig. "Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Galater 2,20). Gott kippt Gnade in mein Leben und dadurch nimmt er den offenen ToDos den Wind aus den Segeln. Ich muss die alle nicht mehr tun, damit ich gerecht vor Gott werde. Allein aus Gnade bin ich schon gerecht. Die Gnade allein genügt.

Gott will Ecken und Kanten
Jesus Christus braucht keine Superchristen, die alles können und überall die Besten sind. Unser Gott sucht nicht nach supercoolen Leuten, die vor nichts und niemandem Angst haben, die straight Gott nachfolgen, niemals straucheln, niemals hinfallen. Er sucht nach mir und dir! Er will dich - keinen anderen. Er will keinen begabteren oder mutigeren Menschen. Er kennt unsere Fehler und doch hat er Großes mit uns vor. Und er wird sein Ziel mit uns erreichen, denn Gott ist in unseren Schwächen mächtig. Dort, wo wir am wenigsten etwas selbst leisten können, da kann Gott durch uns am meisten bewirken. Da, wo unser Horizont endet, beginnt Gottes Reich. Dort kommt der Heilige Geist ins Spiel. Er wirkt in uns durch Jesus Christus. Wo wir etwas nicht können, kommt Gott auf die Bühne. Meine Unvollkommenheit ist nämlich die größte Chance für Gott, zu zeigen, was er an mit tun kann. Selbst, wenn du gut im Hinfallen bist, will er dich tu einem Profi im Aufstehen machen.
Wir können keine Superchristen sein. Wir brauchen Gottes Gnade genauso, wie eine Blume den Regen. Und doch will Gott uns genau so in diese Welt senden. Nicht als christliche Überflieger, sondern als gottgesegnete Normalos mit Ecken und Kanten, Fehlern und Schwächen. Das braucht die Welt weit mehr als Superchristen.
 
Unverdiente Gnade
Wir leben in einer Welt, in der alle zu sind. Du bist zu dick. Zu langweilig. Zu aufgedreht. In der Schule bist du zu dumm. An der Uni bist du zu faul. In der Arbeit zu langsam. Aber ich will dir heute eine Sache mit auf den Weg geben: Bei Gott gibt es nur ein zu. Du bist viel zu wertvoll um dich mit dem ganzen Zu-Quatsch zu beschäftigen.
In Europa wächst gerade eine Generation heran, die von vorn herein auf Leistung getrimmt wird. Leistung bedeutet Fortschritt, Leistung bedeutet Innovation, Leistung bedeutet Anerkennung und Leistung bedeutet Identität. Über unser Tun bestimmen wir unser Sein. Aber was ist, wenn wir eines Tages  vor Gott stehen und einfach die Person sind, die wir sind, wenn wir nichts mehr leisten müssen um angenommen zu werden? Wenn wir einfach sein dürfen? Als Sohn, als Tochter des Königs? Dann definiert unser Tun nicht länger unser Sein. Weil wir geliebt sind von Gott. Und dieses Geliebtsein bestimmt dann unser Handeln. Das ist etwas völlig anderes. Unser Tun bestimmt nicht mehr unsere Identität, sondern dann bestimmt unsere Identität als Königskinder unser Handeln. Wir sind angenommen und geliebt, nicht weil wir etwas leisten, sondern einfach weil wir sind. Das ist Gnade! Unverdiente Gnade!

Aus Veränderungsfrust wird Veränderungslust
Aber Gott ist niemand, der plötzlich 1-2 Augen zudrückt und all das Schlechte kaschiert und wegretuschiert. Er sieht mich und damit auch den besoffenen Waschbären, der mich morgens immer im Spiegel ansieht. Aber das meine ich nicht. Gott kennt mich und damit auch die Stellen, die noch ziemlich unschön sind und er lädt mich ein, mich diesen Stellen zu nähern und ihm den Raum zu geben, diese Stellen zu verändern. Er zwingt mich nicht zur Veränderung - er lädt mich ein und lässt mich erleben, dass Veränderung manchmal wehtut und Kämpfe erfordert, aber mir langfristig gut tut und Gottes Licht noch stärker durch mich hindurchscheinen lässt. Gott überfordert mich dabei nicht, sondern geht geduldig mit mir mit. Mal einen kleinen Schritt und mal einen Großen. Und manchmal, wenn ich den Eindruck habe, dass ich gar nicht weiterkomme und sich irgendwie nichts verändert - schaut Gott genau hin und sieht in dem ganzen Chaos und den gescheiterten Gehversuchen die Sehnsucht und den Wunsch nach Reformation und Aufbruch. Gott wird niemals sagen: "Ach Mann, du bist echt ein hoffnungsloser Fall!" Sondern immer: "Hey, mach weiter! Du wirst es schaffen!"
Wenn ich zu schnell laufe und gerade in einem Veränderungswahn stecke, sagt er: "Hey, stress dich nicht. Du bist jetzt schon gut, weil ich dich gut mache." Wenn ich resigniere und den Eindruck habe, dass ich irgendwie nichts auf die Reihe kriege, dann streckt er mir seine Hände hin und sagt: "Hey, kommst du mit mir? Wir gehen einen kleinen Schritt weiter." (nach Epheser 2,8-9). Ich will nicht im Veränderungsfrust steckenbleiben. Gott selbst will mich an diesem Punkt abholen und mit mir einen Schritt weitergehen. Seit meiner Entscheidung für ein Leben aus Gott werde ich durch Jesus mehr und mehr zu dem Menschen verändert, den Gott in mir sieht. Und seine Treue hört niemals auf. Wenn ich schwach bin, trägt Gott mich. Und wenn ich stark bin, bin ich es durch seine Kraft.
Befreit von der Angst zu versagen und zu scheitern, darf ich mit Gott unterwegs sein und begreifen: Gott hat schon gesiegt (1. Korinther 15,17). Sein Sieg gibt mir die Freiheit, mich von Gott selbst verändern zu lassen.

Welcome the Change
Gott schenkt jedem von uns ein weißes Blatt. Ein einzigartiges Leben. Ein Abenteuer. Ich will dich heute dazu ermutigen, es zu leben! Mit Gott Schritte zu gehen und dich zu verändern. Stück für Stück zu dem hin, den Gott in dir sieht. Mit Würde Dinge gehen zu lassen und mit offener Hand das zu nehmen, was Gott uns schenkt. Wenn man es nämlich genau betrachtet machen wir alle seit Jahren nichts anderes. Wir leben in ständiger Veränderung. Jeden Tag neu. Erfolgreicher, anerkannter, besser. Da kommt man einfach nicht damit nach, sich selbst zu benennen. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Vielleicht muss mein Leben auch gar keinen öffentlichen Stempel haben, der mich erklärt. Vielleicht erklärt Gott alles.
Wenn wir unser Leben mit ihm teilen, wenn wir Schritte im Glauben gehen und in ihm unsere Identität finden, dann macht er uns frei, von all dem, was uns bindet. Wenn wir unsere wahre Identität erkennen, dann brauchen wir all das nicht mehr. Dann müssen wir nicht mehr nach Anerkennung und Liebe jagen, dann all das finden wir in ihm. Dann leben wir in der Identität die er uns geschenkt hat: Als geliebte Kinder des Königs der Könige! Wenn wir uns von Gott abhängig machen und uns durch seine grenzenlose Liebe zu uns definieren, dann können wir frei leben. Dann können wir der sein, der wir sind.

Be blessed
Manuel

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Bildquelle: https://instaliga.com/hereadstruth

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