Wie ein Mosaik

Lesedauer: 6min

Die Bibel - Tausend Texte, eine hammer Geschichte

Du denkst, die Bibel ist ein langweiliger Brecher? Zugegeben: Die Bibel ist nicht gerade der Schmöker, aus dem man vor dem Schlafen noch ein Schlummer-Kapitel liest. Aber sie ist spannender als erwartet. Kein anderes Buch vereint mehr Textsorten in sich und das, obwohl im Grunde nur eine Geschichte erzählt wird - die Geschichte Gottes mit den Menschen - und die hat es in sich!

Hey du,
warum lieben alle die Simpsons? Kinder lieben die Simpsons wegen ihrer Menschlichkeit. Jugendliche und Teens erleben die gleichen Kämpfe mit ihren Eltern. Erwachsene schließlich lachen über den politischen Witz und all die Kulturbezüge, die ihnen bewusst machen , dass die Simpsons keine Kinderserie ist.
"Die Simpsons" ist die erfolgreichste Comicserie der Geschichte. Und Erfolg verdankt sie Eigenschaften, die auch die Bibel in sich vereint - es ist für jeden etwas dabei.
Auch wenn sich zwischen der beliebten Serie und dem Wort Gottes wohl kaum Parallelen finden lassen, gibt es doch zwei überraschende Ähnlichkeiten. Die Bibel bietet uns eine ähnliche "Intertextualität" (immer diese Fachbegriffe...) wie die Simpsons. Es gibt keinen Vers, der nicht eine tiefere Bedeutung hätte.
Außerdem ist die Bibel - wie die Simpsons auch - ein Buch, in dem für jeden etwas drin steht. Ein Buch mit dem alle etwas anfangen können.
Kinder lieben die Geschichten der Bibel, in denen sich die Guten erfolgreich gegen die Bösen schlagen. Jugendliche erkennen sich in Jesus wieder, wenn der sich mit den Pharisäernin die Haae bekommt und sein Ding durchzieht. Und Erwachsene versuchen irgendwann hinter die Texte zu steigen. Ihre größeren Zusammenhänge zu verstehen.
Doch auch wer nur einen einfachen, oberflächlichen Zugang zur Bibel hat, wird in ihr fündig und kann in ihr Gott begegnen. Und genau das liebe ich an der Bibel. Dass Gott sie so vielschichtig gemacht hat. Es wird nie langweilig sie zu lesen, weil man immer wieder neue Schichten entdecken kann.

Die Vorgeschichte 
Beginnen wir der Reihe nach: Schon in den fünf Büchern Mose zeigt sich eine Fülle an Textsorten. Es gibt eine Rahmenerzählung mit wechselnden Protagonisten. Die Schöpfung, die Aktion mit dem Apfel und die Sintflut sind sozusagen das Intro und werden episodenhaft erzählt. Auf Noah folgt der erste Stammbaum, der für den weiteren Verlauf wichtig ist. Dem entspringt nämlich Abraham, die erste Hauptperson, dessen Leben in einer Kurzbiographie erzählt wird. Und in seinem Leben war einiges los!
Bei seinen Nachkommen war es nicht weniger spannend. Was die alles angestellt haben, ist eigentlich auch wieder eine Vorgeschichte und zwar die von Mose. Der hatte nicht nur ein turbulentes Leben, sondern auch jede Menge zu sagen. Schließlich hatte er bei einem störrischen Volk für Ordnung zu sorgen und tat dies mit vielen Gesetzen und Verordnungen. Von Zivilrecht bis Strafrecht ist alles vertreten. Jedes Gesetz wird durch ein Beispiel anschaulich gemacht und zugleich mit der drohenden Strafe bei Verstößen versehen. Das Buch Josua beinhaltet sogar noch Kriegsrecht und liefert einige Infos über Diplomatie und militärische Strategien.

Intrigen, Krieg und Liebe 
Bei den Richtern handelt es sich um eine Episodenstory über ein junges Volk. Zwischen Politik, Intrigen, Krieg und Mord gibt es sogar noch eine Liebesgeschichte (Samson und Delila), auch wenn es dabei wieder nicht ganz unblutig zugeht. Um Liebe dreht es sich aber auch bei Ruth, diesmal sogar mit Happy End!
Eine Mischung aus Familien- und Gesellschaftsdrama gibt es in den Büchern Samuel und den Königen zu lesen: Zentrale Charaktere wie Saul, David und Salomo werden darin biographisch verewigt. Ihre Schicksale lesen sich wie ein historischer Roman. Es ist eine Geschichte über den Streit um die Herrschaftsnachfolge, um die Liebe und die Ehre.

Katastrophenberichte und Stammbäume
Etwas systematischer geht es in der Chronik zu. Hier ist der Name Programm: Die bereits erwähnten Hauptfiguren werden dem jeweiligen Stammbaum nach aufgelistet, ebenso die Nachkommenschaft der Herrscher. Genannt werden auch die großen Kriegshelden sowie die Fortschritte im Städte- und Tempelbau - zumindest vor der großen Zerstörung. Denn an Katastrophen fehlt es im Alten Testament nicht. Die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar zum Beispiel. Die Zeit danach war von starken gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt, was wir in Esra und Nehemia als Erlebnisbericht nachlesen können. Darin finden sich auch Briefe und Gebete, die ein Stimmungsbild malen, das unter die Haut geht.

Happy End?
Eine höfische Kurzgeschichte finden wir im Buch Esther, wo es um Intrigen, Romantik und Völkermord geht. Doch die Titelheldin sorgt zur Abwechslung für ein gutes Ende. Während wir es bei Esther eher mit Unterhattungsliteratur zu tun haben, ist Hiob richtig schwere Kost: Dieser Text ist voller Dialoge. Hier geht es um eines der entscheidendsten Themen des Christentums überhaupt: Die Frage nach dem Leid. Das liest sich nicht mal eben so.
Im Gegensatz zu den Psalmen: Sie sind ein bunter Mix. Worship und Lieder zu verschiedensten Themen und Gefühlslagen. Eine wahre Schatztruhe für Zitate! Genau wie die Sprüche - ein Buch voller Lebensweisheiten. Und um nichts anderes als den Sinn des Lebens geht es im Buch Prediger. Auch hier begegnen dir viele bekannte Redewendungen! Von der philosophischen Lebensbetrachtung geht's direkt zur Lovestory im Hohelied.
Über die tragische Liebesgeschichte von Hosea und Jonas prophetisches Seefahrtsabenteuer geht's zu Sacharja, der das Alte Testament mit Traumdeutungen abschließt. Ziemlich heftig für eine "Vorgeschichte" ...
Jetzt, im Neuen Testament, wird endlich die Hauptfigur vorgestellt: Jesus. Er wurde über die ganze Story angekündigt. Aber dass er sich den Menschen so zeigen würde, hätten sie bestimmt nicht erwartet. Matthäus, Lukas und Markus sind Zeitgenossen Jesu und haben einen ähnlichen Stil, aber stark abweichende Perspektiven. Johannes der späteste Evangelist fällt etwas aus dem Rahmen. Er gibt sich sehr philosophisch und legt seinen Schwerpunkt auf die Leidenszeit Jesu. Die anderen Evangelien haben mehr das Leben Jesu im Blick und bieten zudem eine größere Auswahl an Textsorten: Ereignisbericht, Reportage, Ratgeber, Predigten, Prophezeiungen, Justizdramen, Anekdoten und Gleichnisse.
Die Apostelgeschichte ist im Prinzip der Nachspann der Evangelien und berichtet chronologisch von dem, was aus den Jüngern und der "guten Nachricht" geworden ist. Hier taucht neben Petrus auch Paulus auf, der eine Reihe von Briefen geschrieben hat. Seine Briefe sind zum Teil Reiseberichte - schließlich war Paulus missionarisch viel unterwegs - sie sind aber auch Anweisungen für die Gemeinden und Glaubensermutigungen zur Zeit der Christenverfolgungen. Mega spannend und ermutigend, denn er spricht in ihnen all die Dinge an, die davon handeln, wie unser Glauben immer wieder mit unserem Menschsein und unserer Unperfektion zusammenprallt.

Den krönenden Abschluss bildet die Offenbarung. Das Weltuntergangsszenario das hier in Visionen geschildert wird, stellt die der Propheten aus dem Alten Testament weit in den Schatten. Es geht immerhin um das große Weltgericht nach der Herrschaft Satans auf Erden. Sie liest sich wie ein düsterer ScienceFiction- oder Fantasy-Roman. Aber die Geschichte ist mit dem Weltuntergang noch lange nicht zu Ende. In den letzten Visionen wird das zweite Wiederkommen von Jesus angekündigt, der Endgültig alles Leid und den Tod besiegen wird, und es wird ein Paradies für die Menschen geben. Ein wahnsinns Abgang und eine bomben Aussicht! Wer jetzt noch glaubt, es lohne sich nicht, die Bibel zu lesen, der weiß nicht, was er verpasst!

Holy is his word
Wow, schon cool. Die Bibel ist ein Buch voller Geschichten. Und doch erzählen sie alle von einer Story. Der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Der Geschichte eines perfekten Gottes und so unperfekten Menschen. Eines Gottes, der uns geschaffen hat, und uns unglaublich liebt, der mit uns lacht und um uns weint, weil wir uns von ihm abgewendet haben. Der uns sucht und in enger Gemeinschaft mit uns leben möchte. Der alles aufgegeben hat, zu uns auf diese Welt gekommen ist und am Kreuz gestorben ist, weil er uns unendlich liebt. Der alles gegeben hat, weil wir ihm alles bedeuten. Der den Tod besiert hat, damit wir zurück nach Hause kommen können. Zu unserem Vater. Damit wir als Königskinder leben können. Es ist größte Liebesgeschichte des Universums, der unglaublichste Plot-Twist und die hoffnungsvollste Zusage der Welt. All das steckt in dieser einen Geschichte. Der besten Geschichte, die diese Welt jemals gehört hat. Und trotzdem fällt es uns oft so schwer darin zu lesen.

Bible by heart
"Lies die Bibel jeden Tag - wenn du wachsen willst." Diesen Klassiker kennt wohl jeder. Klar auch ich las in der Bibel. Aber genausogut hätte ich den Vokabelteil meines Englischbuches lesen können. Ich merkte mir beim Bibellesen genauso wenig, wie  beim Versuch, die Vokabeln mittels Durchlesen auswendig zu lernen. Im Englischen gebraucht man den Ausdruck "to learn by heart", wenn man etwas auswendig lernt. Das Gelernte mit dem Herzen aufnehmen. Das fehlte mir total. Ich war gelangweilt. Ich las zwar in der Bibel, schöpfte aber nicht aus der Quelle Gottes Wortes. In Gedanken war ich meist schon bei meinem nächsten Tagespunkt. Irgendwann entschied ich mich, beim Bibellesen mit meinen Gedanken auch beim Bibellesen zu bleiben.

Ihn kennenlernen ...
Stück für Stück änderte sich so mein Blick. Ich wollte Ihn kennenlernen. Klar - ich kann Gott in Liedern und im Gebet begegnen. Auch mein Pastor kann mir am Sonnatg aus der Bibel vorlesen und den Bibeltext auslegen. Doch mal ehrlich: Nichts ist so gut, als Information aus erster Hand. Diese bekomme ich nur in seinem Wort. Ich fing also an, mich durchs Alte Testament zu arbeiten und machte dabei auch keinen Bogen um die langen Geburtsregister ; ) Ich las die Geschichten, die ich schon oft gehört und gelesen hatte. Aber: Ich las sie wie ein spannendes Buch.
Ich fieberte zum Beispiel vor kurzem mit Nehemia mit: Israel war besiegt und die Juden als Gefangene in andere Länder verschleppt worden. Da fasste sich Nehemia ein Herz, betete zu Gott und legte sich sogar mit dem König an. Einem König, dem er in der Verbannung dienen musste. Hätte ich den Mut gehabt? Was passierte jetzt mit dem mutigen Nehemia, der doch eigentlich nur ein Diener in der Fremde war? Nahm der König ihn jetzt gefangen oder würde etwas noch schlimmeres passieren?

... und sich erfüllen lassen
Hammer! Gott erhörte Nehemias Gebet und der König ließ ihn ziehen. Ja, er gab ihm sogar noch die Vollamcht mit, damit er Material für den Wiederaufbau von Jerusalem erhalten konnte. Unglaublich, was Nehemia mit Gott erlebt hat!
Ja, so lese ich heute die Bibel. Ich erlebe die Story noch einmal bewusst mit. Die Bibel ist mehr für mich, als eine Schriftsammlung. Sie ist die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Wenn ich von so krassen Gebetserhörungen, wie von Nehemia lese, dann macht mir das Mut, auch selber voller Vertrauen zu beten und von Gott alles zu erwarten. Mich begeistert sein Wort. Ich will dieses Wort immer mehr in meinem Herzen erfassen und davon motiviert, Gottes Liebe an andere Menschen weitergeben.

Ich will dich heute herausfordern, dir Zeit zu nehmen, mit voller Aufmerksamkeit einen Bibeltext zu lesen. Sei aufmerksam für die großen Wunder, die Gott bereits im Leben von Menschen und ganzen Völkern getan hat. Und bitte Gott und bereite dich gleichzeitig darauf vor, dass er heute auch mit dir Großes vorhat.

Be inspired!



Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://instaliga.com/youversion

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