Audienz beim Höchsten

Lesedauer: 6min

Wenn wir Gottes Reden Gehör schenken

Gott will mit den Menschen reden. Und er freut sich, wenn wir zu ihm kommen und mit ihm sprechen. Doch ein Gespräch mit jemandem, den man nicht sieht und oft genug nicht versteht kann ganz schön schwierig und ernüchternd sein. Und so oft kämpfen wir mit unserem Gebetsleben. Wenn die Luft raus ist, wenn uns mal wieder die Motivation fehlt. Eine riesengroße Möglichkeit wird zum Problem. Und ich glaube, wir verpassen dadurch so viel in unserem Leben. Denn Gebet kann Berge versetzten. Dieser Post ist ein Statement. Ein Weckruf. Eine Provokation. Warum? Weil ich die Sehnsucht habe, mit dir im Gebet einen neuen Aufbruch zu feiern.

Hey du,
"Wenn du einen Christen demütigen willst, dann frage ihn nach seinem Gebetsleben." (John Oswald Sanders)
Nun, wie läuft dein Gebetsleben? Ebenso schlecht wie das der meisten Leser hier vermutlich? Mich nicht ausgeschlossen. Die Luft ist einfach raus. Dir fehlt die Zeit, die Motivation... Es ist wirklich erstaunlich, wie eine derart große Möglichkeit zu einem derart großen Problem werden kann. Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass wir fast alle mit unserem Gebetsleben zu kämpfen haben. Aber ich glaube, wir verpassen dadurch so viel in unserem Leben. Denn Gebet kann Berge versetzten. Ein Statement. Ein Weckruf. Eine Provokation.
Dietrich Bonhoeffer sagte einmal: "Das Gebet ist das Herz christlichen Lebens." Also lass uns die Reise beginnen. Eine Reise zu Gott. Die Reise deines Lebens. Du kannst es. Denn du wurdest dafür geschaffen.
Viele werden sich in den Gedanken wiederfinden. Daran besteht kein Zweifel. Denn ich möchte ich etwas ansprechen, was einige längst in ihrem Kopf denken.

Kommunikativer Gott, kommunikative Menschen
Neulich sagte jemand nach einer Gebetszeit zu mir, er hätte den Eindruck, dass Gott mir ein paar Dinge sagen möchte. Nachdem er einiges sehr Ermutigendes gesagt hatte, erzählte er noch von Bildern, die er vor seinem inneren Auge gesehen hatte und zitierte ein paar sehr passende Bibelverse. Wow! Von diesem Reden Gottes kann und will ich nicht genug kriegen.  Müssen wir auch nicht. Menschen sind kommunikative Wesen, weil wir als eine Kopie Gottes geschaffen wurden. Wir sind sein Ebenbild. Folglich ist auch Gott einer, der gerne und viel kommuniziert. Gott ist jemand, der mit uns reden möchte und jemand, der uns zuhört, wenn wir mit ihm reden. Dass sagt er in der Bibel an sehr vielen Stellen. Wenn du dich selbst davon überzeugen möchtest, dann lies doch mal Psalm 4,4; Psalm 91,15; Jeremia 33,3; Jesaja 65,24 und Psalm 145,19.
Doch wie funktioniert Kommunikation mit einem Gott. den man nicht sehen und (meistens) auch nicht hören kann? Was hat es zu bedeuten, wenn Gott manchmal schweigt und worauf muss ich achten, wenn ich mit ihm rede? Gibt es Regeln, die ich beim Gebet beachten muss, damit die Kommunikation gelingt?

Gottes Stimme kennen
Weißt du, was das geniale an Geschwistern ist? Keiner kennt sie so genau, wie sie sich gegenseitig. Oft muss der eine nicht mal ein Wort sagen und der andere weiß, was er denkt oder fühlt. Sie wissen, wie der/die andere kommuniziert, welches Augenzwinkern, welcher Unterton und welche Geste was bedeutet. Und in einem Stimmgewirr aus hunderten Stimmen können sie die Stimme des/der anderen hören. Aber weißt du warum das so ist? Weil wir in unserer Kindheit mit kaum einem Menschen so viel Zeit verbracht haben, wie mit unseren Geschwistern.
Ähnlich ist es bei meiner Beziehung mit Gott. Je länger ich ihn kenne, umso besser kenne ich seine Stimme (Johannes 10,27) und kann unterscheiden, was meine eigenen Gedanken sind und was der Geist Gottes sagt, der in mir lebt. Dabei schickt Gott selten einen Zettel vom Himmel, sondern spricht oft in der Stille (1. Könige 19,12), im Gebet oder durch andere Menschen zu uns (2. Samuel 12,1-12). Gott extra ein Buch für uns schreiben lassen, in dem wir immer wieder schwarz auf weiß seine Worte nachlesen können. Durch die Bibel spricht Gott immer wieder neu zu uns.

Gott übersetzen
Bleibt noch das Problem, dass man das, was man von Gott sieht, liest oder hört oft nicht versteht. Spricht Gott eigentlich immer nur in Rätseln? Schon in der Bibel hat Jesus eine Menge Geschichten und Gleichnisse erzählt, wenn er einen Punkt deutlich machen wollte. Er hätte auch einfach sagen können, worauf er hinaus wollte. Stattdessen hat er Bilder benutzt. Er wollte nichts vorkauen und einfache Antworten liefern, sondern wollte, dass wir selbst die Botschaft in seinem Gleichnis entdecken. Und irgendwie ist es doch auch viel spannender so. Manche Menschen können uns dabei helfen. Weitere Bibelstellen können uns helfen. Und Gott selbst kann uns helfen, schließlich hat Jesus oft genug den Jüngern hinterher deutlich erklärt, was er mit seiner Predigt gemeint hat.

Gottes Schweigen
Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass es auch Zeiten gibt, in denen Gott schweigt. Vom letzten Buch im Alten Testament, Maleachi, bis zu Gottes Reden gegenüber Zacharias im Neuen Testament liegen 400 Jahre, in denen Gott offenbar geschwiegen hat. Nicht zu reden ist dabei auch eine Art Kommunikation: Wenn ich zum Beispiel bei einem Camp die Regeln für ein Geländespiel schon fünf mal erklärt habe und es fragt dann jemand dieselbe Frage, die eben schon gestellt wurde, dann ist mein Schweigen auch eine Antwort. Eine, die ausdrückt: "Hab ich doch alles schon erklärt?" Manchmal schweigt Gott also, weil wir eigentlich schon alles wissen und wir das zuerst einmal in die Praxis umsetzen müssen, was Gott uns bereits gesagt hat. Gottes Schweigen kann aber auch bedeuten, dass Gott nicht damit einverstanden ist, wie wir leben. In der Bibel heißt es: "Wie eine Mauer steht eure Schuld zwischen euch und eurem Gott. Wegen eurer Vergehen hat er sich von euch abgewandt und hört euch nicht!" (Jesaja 59, 1-2) Manchmal schweigt Gott aber auch. Weil ich nicht mit ihm rede. Oder er will uns einfach nur sagen: "Warte!" Oft bitten wir Gott um etwas und erwarten dann ein Ja oder ein Nein. Und oft will Gott uns unseren Wunsch auch erfüllen. Aber vielleicht eben erst später.
Auch wenn Gott manchmal schweigt, heißt das nicht, dass er uns nicht gehört hat oder uns ignoriert. Und es sollte uns nicht die Motivation rauben, weiter für etwas zu beten, aber auch im Schweigen nach Gottes Antwort zu suchen. Gebet ist ein riesiges Vorrecht, von dem wir viel zu selten Gebrauch machen. Wir haben taglich eine Audienz beim Weltherrscher.
Wir dürfen mit dem Schöpfer aller Dinge immer über alles reden. Und er hört uns zu, es interessiert ihn, was wie es uns geht, was wir zu erzählen haben. Weil er uns liebt. Wir haben eine Gebets-Flatrate beim König der Könige, beim Schöpfer des Universums. Das sollten wir nutzen!

In Beziehung mit Gott
Vielleicht fragst du dich, ob du beim Beten etwas falsch machen kannst oder wie du deine Gebete noch wirkungsvoller gestalten kannst, damit Gott auch so antwortet wie gewünscht. Gott ist kein Wunsch-Automat, dem man seine Wünsche vor die Füße knallt und darauf hofft, dass er sie schon erfüllen wird. Natürlich dürfen wir Gott aber alles erzählen und ihn auch um alles bitten (Johannes 16, 24).
Beim Gebet geht es Gott nicht darum, irgendwelche wohlformulierte Sätze mit christlich geprägtem Vokabular zu hören, sondern wir dürfen zu ihm kommen und ihm erzählen wie es uns gerade geht, was wir denken, was uns beschäftigt. 
Wir müssen nicht mal laut mit Gott reden, sondern wir können auch in Gedanken mit ihm reden. Wobei es oft hilfreich sein kann, die Dinge laut zu formulieren. Die innere Haltung, mit der wir beten, ist ihm wichtig. Wenn es uns beim Gebet nur darum geht, dass wir vor anderen gut dastehen, dann ist das falsch (Matthäus 6,5-15). Was ist stattdessen also wichtig? Beim Gebet geht es immer um die Beziehung zu Gott. Das ist das Entscheidende! Jesus will wie ein Freund mit uns in Beziehung treten und mit uns reden. Und wie bei einer Freundschaft kann es manchmal auch zu Missverständnissen kommen. Deshalb lohnt es sich, immer dranzubleiben. Immer wieder mit Gott in Kontakt zu kommen. Mit ihm zu reden, seine Stimme besser verstehen zu lernen und ihm mehr und mehr zu vertrauen.

Kein schlechtes Gewissen mehr wegen deines Gebetslebens
Wie oft bleiben wir im Glauben stehen? Verfangen in unserem Gewissen. Die Scham, nicht auszureichen - eben mehr beten zu müssen. Immer wieder aufs Neue der Versuch, doch am Ende das Versagen. Junge Christen wenden sich vom Glauben ab, weil sie das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein. Ständig dieser Druck nach diesem "christlichen Mehr". Schon erstaunlich, wo wir doch eigentlich an ein Evangelium glauben, in dem es gar nicht um unsere Leistung geht.
Was ich mich frage, ist Folgendes: Was steckt hinter diesem christlichen Mehr? Haben wir irgendwann das Mehr erreicht? Wann werden wir mit unserem Gebetsleben wirklich zufrieden sein? Geht nicht immer mehr? Wie arbeitet Gott für gewöhnlich? Durch einen Prozess oder eine sofortige Perfektion?
Vielleicht mögen einige wirklich diesen Durchbruch erlebt haben und immer wieder erleben, doch bleiben die meisten mit einem Schamgefühl zurück. Das Ergebnis ist nicht Fortschritt, sondern Stillstand. Es entsteht ein Glauben, in dem wir uns selbst deckeln. Wir machen unseren Glauben und unser Gebetsleben zur Privatsache. Und dadurch verpassen wir so viel. Es gibt dieses Mehr. Gott hat so viel wunderbarere Dinge für dich geplant, als du dir jemals vorstellen könntest. Er liebt dich und er will eine Beziehung zu dir. Er will mit dir gehen, an deiner Seite, als dein Freund, vor dir, als deine schützende Kraft und über dir als die Hand, die dir aufhilft, wenn du fällst. Er will mit dir auf eine Reise gehen. Die Reise deines Lebens. Und all das beginnt im Gebet.

Mehr Flow für dein Gebetsleben
Wenn ich dir heute einen Satz mitgeben möchte, dann den folgenden: Lebe im Optimum, nicht im Maximum. Suche das Beste für dich, nicht das Möglichste. Das Maximum treibt dich unweigerlich in ein schlechtes Gewissen. Aber das Optimum lässt deine Beziehung zu Gott wachsen, weg von dem Druck etwas Leisten zu müssen, hin zu seiner Gnade.
Jemand, der studiert, Beziehungen und Freundschaften pflegt, in der Gemeinde ehrenamtlich mitarbeitet und persönlichen Hobbies nachgeht, wird nicht so viel beten können wie jemand, der gerade ein Gebetshaus gründet. Doch was oft passiert, ist, dass sich der Student ein schlechtes Gewissen einredet und im Hamsterrad endet. "Ich bete zu wenig!" Scham kommt auf.
Wenn er jedoch erkennt, dass es darum geht, das Möglichste sondern das Beste herauszuholen, wird er versuchen, ein Zeitfenster fürs Gebet in seinem vollen Alltag zu finden. Andere werden vielleicht mehr beten, doch er weiß, dass es sein persönliches Optimum ist. Er gewinnt an Freiheit. Seine Motivation verändert sich uns seine Beziehung zu Gott wir einen neuen Schub erleben. Von der Pflicht zur Freude.

Dein nächster Schritt
Höre auf, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Entspanne dich und fange an, in deinem Optimum zu beten. Hör auf, nach Perfektion zu streben.
Akzeptiere den Fakt, dass dein Gebetsleben immer besser laufen könnte. So ist es. Und wir nennen es Leben.
Du kannst auch guten Gewissens, ein großes Verlangen nach Gott haben und deine Umstände durchbrechen. Davon bin ich überzeugt.
Ich will dich heute ermutigen, in deinem Gebetsleben neu durchzustarten und in der Beziehung zu Gott zu wachsen. Für einen Durchbruch oder neue Leidenschaft zu beten und Großes zu erwarten. Aufzubrechen auf diese Reise, auf der er noch so viel für uns geplant hat.

Bist du bereit?


Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/theprayerapp/

Kommentare

  1. Das war wieder ein sehr ermutigender Text, ich lese echt gern bei dir! Übrigens bete ich auch gern schreibend... Liebe Grüße, Martha

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