Coming home (TDW 41/2017)

Lesedauer: 7min

Mal angenommen es wäre möglich, Gott persönlich zu kennen

Lies bitte zuerst: Lukas 15, 11-32

Hey du,
ich liebe es nach Hause zu kommen. Da zu sein, wo ich entspannen kann, wo ich mich sicher fühle, wo ich weiß, dass ich angenommen bin, wo die Personen sind, die ich liebe. Und ich glaube wir alle haben so eine Vorstellung von "Zuhause". Egal, ob zu Hause für dich Personen sind, ob es vielleicht wirklich deine Familie ist, oder ob es ein bestimmter Ort ist, dein Sofa in deinem Zimmer, wo du richtig chillen kannst, oder ob Zuhause für dich vielleicht ein Ort in der Ferne ist, wo du schon öfters Urlaub gemacht hast und wo du, immer wenn du wieder dorthin kommst, so ein Gefühl von Heimat erlebst. Oder du verbindest Zuhause einfach mit den Orten, an denen sich dein Handy automatisch mit dem Wlan verbindet...
Vielleicht ist es für dich aber auch eher anstrengend über zu Hause nachzudenken, weil du keine guten Gefühle hast, wenn du an Zuhause denkst. Weil Zuhause für dich irgendwie etwas kaputt ist, oder weil Zuhause für dich irgendetwas fehlt. Oder du dieses Gefühlt von Zuhause hattest, aber es irgendwie verloren hast, weil sich in deiner Familie etwas verändert hat, vielleicht auch, weil du dich verändert hast, weil dir andere Dinge wichtig geworden sind. Und du hast so ein Heimweh. Tief in dir. So ein Heimweh, dass dich immer begleitet, auch wenn du scheinbar zu Hause bist, oder an dem Ort, den du zu Hause nennst.

More than just a place
Ich weiß nicht wie es dir geht, was du fühlst, wenn du an zu Hause denkst, aber ich glaube, wir alle wissen, dass zu Hause nicht unbedingt ein Ort ist. Sondern dass zu Hause vielmehr ein Gefühlt ist. Ein Gefühl von Sicherheit, ein Gefühl von Wertschätzung. Ein Gefühl von angenommen sein, wo man keine Masken aufsetzen muss, oder irgendetwas leisten muss um geliebt zu sein, sondern ein Ort, an dem man so sein kann, wie man wirklich ist. Und ich glaube jeder hat diese Sehnsucht nach Zuhause in sich.
Wir sind eine Generation, die unterwegs ist, wir sind Globesetter, wir sind ständig in Bewegung, aber in all dem sehnen wir uns auch nach einem zu Hause. 
Nach einem Ort, zu dem wir immer wieder zurückkommen können und an dem wir angenommen sind, egal was ist.
Wo bin ich zu Hause? Wo kann ich hingehen, wenn ich nicht mehr weiter weiß? Wo bin ich wirklich angenommen?

Home is...
Im zweiten Teil der Bibel gibt es eine mega fette Story über genau diese Fragen. Eine Geschichte über Heimweh, über die Sehnsucht nach Zuhause. Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn. Wahrscheinlich kennst du diese Geschichte schon, aber ich will dich trotzdem herausfordern, sie nochmal zu lesen. Denn das ist das Geniale an der Bibel: Man kann sie immer wieder lesen und sie wird niemals langweilig werden. Weil man immer wieder neue Facetten hinter dem Text erkennt. Die Situation, in der du den Text liest, wird jedes Mal eine andere sein, und dadurch kann der Text auch jedes Mal etwas neues in dir bewirken.
Die Story, die Jesus erzählt ist eine erfundene Geschichte, die er sich ausgedacht hat, um den Menschen zu zeigen wie Gott ist. Und das absolut coole an dem Setting, in dem Jesus diese Geschichte erzählt hat ist, dass er umgeben war von Menschen, die richtig fromm waren, und von Menschen, die alles andere als fromm waren. Und das ist so genial an dieser Geschichte. Egal, zu welcher Gruppe von Menschen du dich zählst, du bist gemeint. Jesus meint dich, er spricht dich an.

...where you feel home
In dieser Geschichte geht es um einen Sohn, der in einem guten Familienverhältnis aufgewachsen ist, dem es eigentlich super ging, der aber irgendwanneinmal die Entscheidung getroffen hat: "Hey, das reicht alles nicht aus, ich muss hier raus, ich muss das Leben mal richtig erleben. Und so geht er zu seinem Vater und lässt sich sein Erbe auszahlen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du das liest, aber ich fiinde das irgendwie crazy. "Ey Alter, ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll, aber mir kommt es so vor, du hast zwar schon Falten, aber das mit dem Sterben das klappt einfach nicht. Können wir nicht einfach so tun, als wärst du schon tot, ich krieg deine Kohle und dann kannst du auch ruhig noch weiterleben..." Egal was du für eine Beziehung zu deinem Vater hast, aber das ist doch irgendwie komisch, oder? Aber ich glaube, Jesus will damit ausdrücken, dass wir oft genau so sind. Dass wir Gott oft so behandeln, als wäre er tot. Dass wir ihn manchmal einfach so rechts liegen lassen. Und das Leben feiern, dass er uns geschenk hat. Aber irgendwie merken wir, dass das nicht alles ist, dass da noch mehr ist.
Und Jesus erzählt weiter: Der Sohn zieht raus in die weite Welt und bringt dieses Geld mit Prostituierten, fetten Partys und allem möglichen Zeug durch und landet letztendlich ganz unten, bei den Schweinen im Stall und fragt sich, völlig am Boden zerstört: "Was war das denn?"
Er hatte einen Traum: Weit weg von seiner Heimat neu anzufangen. Zuhause zu erleben. Endlich wo anzukommen. Und er ist gescheitert. Seine ganze Hoffnung ist weg. Er ist völlig am Ende. Am tiefsten Tiefpunkt angekommen.

Into your arms
Und ich weiß nicht wie es dir gerade geht. Vielleicht fühlt sich dein Leben an der ein oder anderen Stelle auch so an, als würdest du im Dreck bei den Schweinen sitzen. Vielleicht hast du Mist gebaut den du dir selber nicht mehr vergeben kannst. Oder du stehst vor Herausforderungen, von denen du nicht weißt, wie du sie meistern sollst und weißt nicht, wie es weitergehen soll. Vielleicht hast du Angst, Angst vor Morgen und noch mehr Angst vor übermorgen. Und du weißt nicht, wie du diese Angst besiegen kannst.
Der verlorene Sohn, der da bei den Schweinen liegt und alles verloren hat, hatte alle diese Dinge. Er wusste nicht mehr weiter, nicht mehr raus aus seiner Schweinegrube.
Und er trifft die Entscheidung, wieder nach Hause zu gehen. Obwohl er vor Jahren die Entscheidung getroffen hat, seinen Vater zu verlassen, kann er sich irgendwie aufraffen und er geht zurück nach Hause. Und was sieht er? Ihr müsst euch das mal vorstellen, er geht zurück nach Hause, und auf einmal sieht er seinen Vater schon von weitem dastehen, mit offenen Armen, und er kommt auf ihn zugerannt, empfängt ihn voller Freude und sagt ihm: "Hey, wir feiern jetzt ein Fest, denn du warst verloren, aber jetzt bist du wieder hier und wir können gemeinsam feiern."
 
Home forever
Diese Geschichte hat Jesus vor 2000 Jahren erzählt. Warum?
Weil deine Entscheidung gegen Jesus nichts an deiner Entscheidung für dich ändert. Der Vater aus der Geschichte ist wahrscheinlich jeden Abend rausgegangen und hat gewartet, dass sein Sohn wiederkommt. Jeden Abend stand er da, mit offenen Armen und hat gewartet. Aber er kam nie. Die  Entscheidung die er getroffen hat, stand fest, und obwohl der Sohn sich dagegen entschieden hat, ist er jeden Abend wieder rausgegangen und hat gewartet. Die Nachbarn belächeln ihn schon, weil er jeden Abend darauf wartet, dass sein Sohn kommt. Und dann sieht er diesen Punkt am Horizont. Er sieht diese Person und er hält es gar nicht für möglich, dass es sein Sohn ist.  Eigentlich war es für erwachsene Männer damals würdelos zu rennen, aber der Vater rennt auf seinen Sohn zu, mit offenen Armen, weil er der Erste sein möchte, der ihn begrüßt.
Und genauso ist es mit Gott. Gott ist dein liebender Vater, der mit offenen Armen da steht und auf dich wartet! Er nimmt in den Arm und sagt: "Willkommen zu Hause!"
Genau das, ist die Botschaft, die Gott für dich hat: Bei Gott sein, heißt zu Hause sein. Gott wartet auf dich mit offenen Armen. Er will, dass du ihn kennenlernst, und er will, dass du bei ihm zu Hause ankommen kannst.
Gott liebt dich, trotz dem Schweinedreck, den du mit dir rumträgst.
Er will dich willkommen heißen. Und er will, dass du bei ihm dein Zuhause findest. Dass du bei ihm diese Sicherheit, diese Wertschätzung findest nach der du dich sehnst. Dass du bei ihm dieses Gefühl von Zuhause für immer findest. Dass du in seiner Liebe zu Hause sein kannst und dass du durch seine Liebe verändert wirst.

Bedingungslos angenommen
Und so oft haben wir Ausreden, wir denken, wir können nicht mehr zurück. Wie der Sohn der sagt: "Ich bin es nicht mehr wet, dein Sohn zu sein." Wir Menschen stellen immer eine Rechnung auf: Du + Leistung = Angenommen sein. Und odt ist es in unserem Leben ja auch so, dass wir angenommen werden, für das, was wir leisten, was wir können. Aber Gott ist anders. Er hat sich bereits für dich entschieden, als du noch nicht mal geboren warst. Er liebt dich und er nimmt dich an. Du kannst es dir nicht verdienen, sein Kind zu sein, sondern er hat dich schon lange sein Kind genannt. Gott ist selbst in Jesus in den Dreck dieser Welt, zu den Schweinen im Stall gekommen, um Leistung aus unserer Gleichung zu nehmen. Jesus ist gekommen um all das auf sich zunehmen, was dich von Gott trennt, was dich von zu Hause trennt. Dafür ist er am Kreuz gestorben.
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich." (Johannes 14,6) Jesus ist der Heimweg, der nach Hause führt zu Gott. Der Heimweg, der unser Heimweh wegnimmt. Gott reißt die Mauer ein, die wir zwischen uns und ihm gebaut haben und er steht da, mit offenen Armen uns sagt: "Komm heim!"

Coming home
Ich will am dir am Ende noch eine Geschichte erzählen: Ein Mann saß auf dem Boden neben der Bushaltestelte und starrte gedankenversunken auf den Asphalt. Hier in dieser Stadt, hatte er seine Kindheit verbracht. Vor mehr als 20 Jahren war er in einem kleinen roten Ziegelhaus am Ende der nächsten Straße aufgewachsen. Er erinnerte sich an die Schaukel, die ihm sein Vater gebaut hatte, und an den Gartenweg, auf dem er das Fahrradfahren gelernt hatte. Monatelang hatten die Eltern gespart, um ihm das Fahrrad kaufen zu können. Zehn Jahre später war aus dem Fahrrad ein Motorrad geworden. Er selbst ließ sich zu Hause immer seltener blicken. Vater und Mutter erschienen schrecklich altmodisch und langweilig. Da war es in den Kneipen und Discos doch lustiger! Heute erinnerte er sich nicht mehr gern an diese Zeit. vor allem nicht daran, wie ihm die Schulden über den Kopf gewachsen waren und er an einem Sonntagnachmittag bei seinen Eltern aufgetaucht war, um sie um Geld zu bitten. Sie hatten sich so über seinen unerwarteten Besuch gefreut, dass er es nicht übers Herz gebracht hatte, sie um Geld zu bitten. Als die Eltern für einen Augenblick in den Garten gingen, hatte er sich einfach am Portmonee seines Vaters "bedient". Seither hatte er sie nicht mehr gesehen. Er traute sich nach dem, was er getan hatte, nicht mehr nach Hause; und die Eltern hatten jede Spur von ihm verloren. Er war ins Ausland gegangen und sie erfuhren nichts von seinem rastlosen Umherziehen und auch nichts von seinem Gefängnisaufenthalt. Doch dort, in seiner Zelle, hatte er viel an sie gedacht. Manchmal, wenn er sich schlaflos auf seiner Pritsche herumwälzte, wünschte er sich: "Wenn ich erst wieder aus diesem Loch heraus bin, möchte ich sie noch einmal sehen - wenn sie überhaupt noch leben ... und wenn sie mich sehen wollen.

Es ist nie zu spät
Als er seine Strafe abgesessen hatte, fand er in der Großstadt eine Arbeitsstelte, aber Ruhe fand er nicht. Irgendetwas zog ihn heim, eine Sehnsucht, die sich nicht zum Schweigen bringen ließ. Er wollte nicht völlig mittellos daheim ankommen, und so legte er einen großen Teil der Reise zu Fuß oder per Anhalter zurück. Er hätte schon längst da sein können, aber 30 Kilometer vor dem Ziel waren ihm plötzlich Zweifel gekommen. Würden seine Eltern in dem heruntergekommenen Kerl, der er geworden war, überhaupt den Jungen erkennen, den sie geliebt hatten und der sie schrecklich enttäuscht hatte? Er aß etwas und setzte sich unter einen Baum, wo er für den Rest des Tages sitzen blieb. Der Brief, den er am Abend in einen Briefkasten einwarf, war sehr kurz, aber er hatte sich stundenlang damit abgemüht. Er endete mit den Worten: "Ich weiß, es ist verrückt anzunehmen, dass ihr mich überhaupt noch einmal sehen wollt. Aber entscheidet selbst. Ich werde früh am Donnerstagmorgen ans Ende unserer Straße kommen. Wenn ihr mich zu Hause haben wollt, hängt ein weißes Taschentuch ins Fenster. Wenn ich es dort sehe, werde ich zu euch kommen; wenn nicht, werde ich dem alten Haus noch einmal zuwinken und mich wieder davonmachen. Und nun war der Donnerstagmorgen da. Der Anfang der Straße war noch gleich um die Ecke. Diese Straße gab es jedenfalls noch! Auf einmal hatte der Mann es nicht mehr eilig. Mit unsicheren Schritten wankte er zu der alten Platane hinüber, von der aus, das wusste er, das Backsteinhaus deutlich zu sehen sein würde. Bis dahin hielt er den Blick zu Boden gesenkt. Mit fest zusammengekniffenen Augen stand er ein paar Augenblicke unter den Asten des Baumes. Dann holte er tief Luft und wagte den Blick zum anderen Ende der Straße hinüber. Und dann stand er da und starrte und starrte und starrte ... Das kleine Backsteinhaus wurde bereits von der Sonne beschienen - aber es war kein kleines rotes Backsteinhaus mehr. Es schien ganz in weiße Tücher eingehüllt zu sein. Aus alten Fenstern hingen Betttücher und Kissenbezüge, Handtücher und Tischdecken, Taschentücher und Servietten: und aus dem Dachfenster flatterte eine große weiße Gardine quer über das Dach. Die Eltern hatten wohl kein Missverständnis riskieren wollen! Der Mann warf den Kopf zurück und stieß einen Freudenschrei aus. Dann rannte er über die Straße und durch die weit geöffnete Haustür direkt in sein Elternhaus hinein.


Bei Gott sein, heißt wirklich zu Hause sein
Bei Gott sein heißt wirklich zu Hause sein. Und ich wünsche mir das für mich und für dich, dass wir das wirklich erleben. Dass wir erleben, wo unser wirkliches Zuhause ist. Dass dieser Vater im Himmel uns bedingungslos liebt und uns annimmt, egal, was in unserem leben los war. Er kennt dich - und er liebt dich trotzdem.
Stell dir mal vor, was möglich wäre, wenn du das wirklich erlebst. Wenn du diesen Schritt gehst. Nach Hause. Es wird deshalb nicht alles schön sein, und es wird nicht immer alles einfach werden, aber du bist zu Hause. Und du weißt, dass du bei Gott angenommen bist. Stell dir mal vor, was dass für einen Unterschied in unserem Leben machen könnte. Und ich will dich ermutigen und dich heruasfordern, diesen Schritt zu gehen. In die Arme des Vaters. Vielleicht zu ersten Mal, vielleicht auch wieder neu. Gott steht da mit offenen Armen. Und er ruft dich: "Komm nach Hause."
Mal angenommen, Gott hat dich wirklich angenommen. Mal angenommen, Gott liebt dich und er wartet auch dich, mit offenen Armen. Wartet darauf, dass du auf ihn zuläufst. Mal angenommen, du könntest wirklich zu Hause ankommen. 

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://the-worship-project.tumblr.com/

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