Eine neue Schöpfung

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Was sind eigentlich die Gemeinden?

Gemeinde ist größer als ein Gebäude, mehr als eine Institution, anders als ein Verein und wohlklingender als die Sonntagsglocken. Gemeinde ist mehr als nur ein paar Leute, die das Gleiche glauben. Aber was ist Gemeinde eigentlich? Was macht sie aus? Und was verbindet all diese Menschen?

Hey du,
Gemeinde. Dieses Wort ruft unterschiedliche Gefühle hervor. Es spuckt Bilder von guten Freunden und ermutigenden Erlebnissen, aber auch Gedanken an veraltete Strukturen, und um sich greifende Langeweile aus. Und doch ist Gemeinde mehr.
Egal ob traditionelle Großkirchengemeinden, kämpferische Freikirchen, oder freshe Jugendgemeinden. In ihr steckt Hoffnung.
Gemeinde ist eine Konsequenz dessen, was Gott ist, fühlt und mit dieser Welt vorhat. Sie ist Teil seines Plans, der sich in der Geschichte entfaltet. Gemeinde ist die Gemeinschaft der Leute, die von Gott zum wahren Leben erweckt werden! Eine Gemeinschaft der Freien, der Lauten und der Leisen, der jungen und der alten, der armen und der Reichen. Die Gemeinschaft Gottes Kinder.
Gemeinde ist eine der genialsten Ideen in Gottes Plan. Aber was hat er sich dabei gedacht? Was ist sein Plan, seine Idee von Gemeinde? In der Bibel wir klar, was Gemeinde eigentlich ist. Die Bibel liefert uns ein buntes Prisma an Bildern: eine neue Schöpfung, der Körper Jesus, der Tempel, die Geliebte Gottes...

Eine neue Schöpfung
Mit Jesus sollte die Story Gottes mit den Menschen nicht enden. Er ist der Plot-Twist. Mit ihm wird das Projekt neu gestartet. Und Gottes Reboot heißt Gemeinde. "Ihr aber seid das erwählte Volk, das Haus des Königs, die Priesterschaft, das heilige Volk, das Gott selbst gehört. Er hat euch aus der Dunkelheit in sein wunderbares Licht gerufen, damit ihr seine machtvollen Taten verkündet" (1. Petrus 2,9). Die Menschen finden wieder zu ihrer wahren Bestimmung, tragen Gottes Message in die Welt und zu allen Menschen. In drückt Paulus das sinngemäß so aus: "Wenn jemand Jesus nachfolgt, ist er eine neue Schöpfung!" (2. Korinther 5, 17). Es entsteht etwas ganz Neues. Nicht nur dieser Mensch ist neu, sondern auch um ihn herum und in seinen Beziehungen lässt Gott neues Leben aufblühen. Und die Gemeinde soll ein Zeichen davon sein. Gott macht aus verfeindeten Gruppen, Juden und Christen, Armen und Reichen, Kriegern und Hippies eine neue Einheit. Er reißt die Mauern, die wir so oft zwischen "uns" und "den anderen" aufbauen, nieder! Gott erschafft eine Einheit in der Menschen gemeinsam aufstehen um ihn zu loben.

Der Körper
Diese neue Gemeinschaft wird durch den Geist Gottes möglich, der in uns lebt, wenn wir unser Leben Jesus hinlegen. Wenn wir ihm nachfolgen, sind wir eng mit ihm verbunden. Diese Erfahrung hat auch Saulus gemacht, als er auf dem Weg nach Damaskus war. Jesus begegnet ihm und fragt: "Warum verfolgst du mich?" Dabei hatte Saulus doch die Nachfolger Jesu verfolgt. So eng war die Verbindung, Gottes zu seinen Kindern. Gemeinde ist nicht nur die Einheit, der Nachfolger, sondern auch eine Einheit mit Jesus. Die Einheit der Kinder Gottes. Darum passt das etwas unbequem und alt anmutende Wort "Leib" eigentlich auch viel besser, um diese Beziehung zu beschreiben, denn es bezeichnet immer nur etwas Lebendiges. "Körper" bezeichnet oft auch statische und kalte Objekte, z.B. in der Mathematik. Ganz offensichtlich geht es auch nicht um Einzelne, die lose zu einer Gruppe gehören, sondern um eine Gruppe, die aufeinander bezogen ist, in der der Einzelne seinen Nächsten braucht. Wenn jemand zu Jesus gehört, dann kann er oder sie das nie alleine. Denn wenn jemand zu Jesus gehört, dann ist er sofort eingebunden in diesen Leib. Und ein Körper funktioniert nur, weil die einzelnen Körperteile sich gegenseitig brauchen.
In einer Gemeinde geht es nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen. Denn das Leben in der Gemeinde soll keine Challenge sein, bei der man sein Können beweisen muss - vor Gott sind wir alle gleich! Jeder Mensch kann etwas gut und hat von einen ganz bestimmten Platz bekommen bekommen, den kein anderer jemals so gut ausfüllen könnte, wie er es tut.

Die Baustelle
Dabei besteht diese Gemeinschaft immer noch aus ganz normalen Menschen, die auch zerbrochen, verletzlich und verletzend sind. In sich selbst und zu ihren Mitmenschen. Die Gemeinde ist eine große Baustelle.
Als Jesus auf die Welt kam, hat er eine Baustelle nach der anderen aufgemacht. Er hat den Menschen ein neues Fundament in sich selber geschenkt. Er hat ihnen vorgelebt und gezeigt, wie man eine Beziehung zu Gott haben kann. Er hat die Fassade komplett umgestaltet und gezeigt, was es bedeutet, wenn von ihr aus Strahlen der Liebe ausgehen. Er hat die Menschen mit all der Sünde, die sie mit sich schleppten, den falschen Wegen und der Hartherzigkeit hinter den "eigenen vier Wänden" konfrontiert und sie zum "Saubermachen" eingeladen. Dabei eckte er durchaus an. Es war nicht jedem recht, was er bewirkte und veränderte. Aber Jesus hatte immer seinen Auftrag vor Augen und von diesem Ziel ist er nie abgewichen.
Und er möchte auch aus unseren Gemeinden Baustellen machen. Durch ihn wird sie zu dem Haus erbaut, in dem Gott selbst wohnen will. In aller Unvollkommenheit wohnt der Geist Gottes schon jetzt in diesen porösen Mauern: "Als Gemeinde steht ihr auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Doch der Grundstein, der dieses Gebäude trägt und zusammenhält, ist Jesus selbst. Durch ihn sind die Bauteile untereinander fest verbunden und wachsen zu einem Tempel Gottes heran. Weil ihr zu Christus gehört, seid auch ihr ein Teil dieses Gebäudes, in dem Gott durch seinen Geist wohnt." (Epheser 2,20-22). Die Gemeinde wird zur Wohnung Gottes, zu einem heiligen Ort. 

Die Braut
Jesus liebt die Gemeinde. Trotz ihrer Fehler. Sie ist die Braut, auf dem Weg zurück zu ihrem Bräutigam.
Als Paulus in Epheser 5 über die Ehe redet und wie Frau und Mann miteinander umgehen sollen, scheint es ihn plötzlich zu packen. Es wendet sich kurz ab von seinem roten Faden, weil er so begeistert ist, von der Liebe, mit der Jesus die Gemeinde liebt: "Jesus hat sein Leben für die Gemeinde gegeben. Denn er wollte sie als seine Braut in makelloser Schönheit vor sich stellen, ohne Flecken und Falten oder einen anderen Fehler, heilig und vollkommen. Ihr kennt das Wort: 'Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.' In diesem Wort liegt ein tiefes Geheimnis. Und ich beziehe die Aussage auf Christus und die Gemeinde." (Epheser 5,25-32). Jesus verlässt seine Herrlichkeit, um die verlorene Menschheit zu suchen. So sehr liebt er sie. So sehr liebt er diesen trägen Haufen, die konservativen Spießer, die anstrengenden Erneuerer, die Gemeindehopper und alle anderen.
Vielleicht können wir langsam lernen, uns selbst zu lieben, auch als Gemeinschaft. 
Die Sendung
Der Kern der Identität von Gemeinde ist aber - wie schon am Anfang der Welt -, die Erde mit Gottes Herrlichkeit und Schönheit zu füllen. Sie soll Jeus Auftrag weiterführen. Deshalb kann nur da Gemeinde sein, wo auch Mission ist, wo Menschen in Gemeinschaft diesen Auftrag wahrnehmen und sich zu den Menschen senden lassen! Jesus benutzt die Bilder von Salz und Licht, um die Identität seiner Nachfolger zu beschreiben. Salz erfüllt nur seinen Zweck, wenn es sich zerstreut und etwas anderes als sich selbst salzt. Mit dem Licht verhält es sich ebenso. Gemeinde ist nie Selbstzweck, sonst verliert sie ihre Identität als Gemeinde. Eigentlich müsste der Großteil der Energie unserer Gemeinden nicht in Selbsterhaltung, sondern nach außen fließen!
Konkret bedeutet das: Für die Schwachen der Gesellschaft einstehen (Jakobus 1,27), seine Feinde lieben (Lukas 6,35), gastfreundlich sein (Römer 12,13), Frieden und Vergebung in die Welt tragen (Johannes 20,21-23), Menschen mit Gottes Story in Kontakt bringen (2. Korinther 5,20). Auch die Treffen einer Gemeinde sind zuallererst nicht zur Anbetung und zum frommen Wohlfühlen gedacht, sondern zum "Bauen". Wir bauen das Haus Gottes. Wir kitten Bruchstellen und ermutigen uns gegenseitig, damit alle in ihrem Alltag Gott dienen und ihn anbeten können (Römer 12). Als Gemeinde sind wir gesendet. Wir sind gesegnet, um selbst ein Segen zu sein. Für unsere Stadt, für unser Land und für die Welt.

Let´s be community
Was sind eigentlich die Gemeinden? Ich meine, sie sind eine Möglichkeit - und sie sind eine Wirklichkeit. Aber ihre Möglichkeit geht weit über ihre Wirklichkeit hinaus. Was würde geschehen, wenn die Möglichkeit die Wirklichkeit sprengen würde, wenn die eine die andere, wie damals an Ostern, in einem gewaltigen Beben aufheben würde? Wenn wir anfangen würden, die Idee von Gemeinde zu leben, die Gott damals hatte?
Denn dass die Möglichkeit Gottes die Wirklichkeit so kritisch und so verheißungsvoll zugleich überragt, muss ich glaube ich nicht erklären. Ich meine, Jesus ist von den Toten auferstanden! Gott hat das Unmögliche möglich gemacht! Er sprengt alle Regeln und Gesetze. Seine Realität ist so viel größer als meine.
Und ich frage nocheinmal: Was sind eigentlich die Gemeinden? Was heißt es, dass Millionen Menschen überall auf der Welt zusammenkommen, um anzubeten, zu hören und zu bekennen? Was heißt es, dass das ebenso in Moskau wie in Paris, in Berlin, in Rom wie in New York geschieht? Aber noch viel wunderbarer ist es vielleicht, zu hören, daß es auch in den Dörfern geschieht, in den Zonen des Schweigens, in den Lagern der Verschleppten, in den Zellen der Gefangenen.

Ein Schritt über die Wirklichkeit hianus
Gemeinde ist ein Schritt über die Wirklichkeit der Welt hinaus, ein Griff nach den Möglichkeiten Gottes. Aber es ist Zeit, dass wir wieder anfangen, genau das zu leben. Dass wir wieder Gemeinde leben, wie Gott sie sich ausgedacht hat. Und dass wir der Welt zeigen, dass Gemeinde mehr ist.
Gemeinde ist mehr als nur eine Sammelstelle für komplizierte Persönlichkeiten und Ort der Mittelmäßigkeit.
Gemeinde ist ein Ort der Liebe, der Gemeinschaft und der Nähe zu Jesus. "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18,20)
Gemeinde ist mehr als Gebäude, nette sonntägliche Treffen - es ist die Gemeinschaft von Menschen, die mit Jesus leben und sein Wirken auf dieser Welt durch den Heiligen Geist weiterleben. Es ist ein Stück Familie, ein Ort, an dem man Halt findet und wo man gemeinsam mit Jesus etwas bewegt.
Als Gemeinschaft der Nachfolger von Jesus sind wir berufen, ein Leben voller Schönheit, Weisheit und Liebe zu führen. Die Wirklichkeit der Welt zu sprengen und nach den Möglichkeiten Gottes zu greifen. Wir sind auferweckt zum wahren Leben, mitten hinein in die Aufs und Abs dieser Welt, um die Welt zusammen mit Gott zu revolutionieren. Und mit ihm Geschichte zu schreiben. Das ist mal mehr als nur ein paar Leute, die das Gleiche glauben.

Let´s be community!

Be blessed
Manuel 


Bildquelle: https://worshipwallpapers.com/

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