Enttäuscht von Gott

Lesedauer: 6min

Wenn das Wunder ausbleibt

Kennst du das? Du betest für ein Wunder, du hoffst, du schreist zu Gott und es passiert ... nichts. Manchmal, so scheint es, antwortet Gott nicht auf unsere Gebete und Sehnsüchte. Aber ich glaube, er hört sie trotzdem. Und er erhört sie auch. Nur oft anders, als wir denken. - Wie du lernen kannst damit umzugehen.

Hey du,
Jesus hat seien Jüngern gegenüber mal eine ziemlich steile These rausgehauen: "Wenn ihr glaubt, werdet ihr alles bekommen, worum ihr im Gebet bittet." (Matthäus 21,22)
Moment, alles? Tut mir leid Jesus, aber das erlebe ich anders. Ich bekomme eben nicht alles, worum ich bitte. Klar, manchmal schon, ich hatte schon faszinierende Gebetserhörungen: Menschen wurden gesund, sie überwunden auswegslose Situationen, es geschahen eigentlich unmögliche Dinge, die bezeugen, wie groß Gott ist. Aber oft bleibt das Wunder aus. Manchmal bleiben meine Wünsche offen. Warum ist das so? Der Zusatz von Jesus - "wenn ihr glaubt" - bringt mich da manchmal ans Limit: Liegt es an mir? Weil mein Glaube zu klein ist? Hm... Ein Gott, der von meinen Möglichkeiten abhängig ist, der ist für mich als Gott nicht wirklich attraktiv. Und wenn ich mir sein Wesen so anschaue und dafür all das heranziehe, was ich bisher in der Bibel über ihn erfahren habe, passt das auch nicht so richtig zusammen. Was ist also der Deal?

Gottes Liebe ist ein Wunder 
Hat Gott nicht die Macht immer und überall Wunder zu tun? Doch. Ich bin davon überzeugt, dass Gott sich nicht geändert hat, und dass er heute noch die Kraft hat, mit der er einst durch Jesus, Petrus und Paulus sogar Tote zum Leben erweckt hat (z.B. Johannes 11, Apostelgeschichte 9). Aber warum tut Gott dann keine Wunder, wenn er es doch kann?
Hat er nicht genügend Interesse an uns? Liebt er uns nicht genug? Doch. Das Neue Testament erzählt immer wieder davon, dass der größte Liebesbeweis Gottes schon gegeben ist. Am Kreuz, wie stark wir geliebt sind. Das ist für Paulus der Beweis schlechthin, dass Gott uns immer nur das Beste wünscht. Er sagt: "Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Gott hat nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle gegeben. Und wenn Gott uns Christus gab, wird er uns mit ihm dann nicht auch alles andere schenken?" (Römer 8, 31) Paulus ist überzeugt: Jesus war bereit, alles auf sich zu nehmen, für uns in den Tod zu gehen, um unser größtes Problem zu lösen - unsere Fehler auf sich zu nehmen und die Mauer zwischen uns und Gott einzureißen. Weil er uns unbeschreiblich liebt. Darum wird er uns auch liebend gerne alles andere geben, was wir brauchen.

Wunderlos - woran liegt's? 
Aber wenn Gott alles kann und er nicht will, dass wir leiden, warum hilft er dann nicht? Liegt es dann an mir? Tatsächlich konnte Jesus in seiner Heimatstadt keine Wunder tun, weil die Menschen ihm dort nicht glaubten (Markus 6,4). Oder die Jünger konnten einen bösen Geist nicht austreiben, weil sie keinen Glauben hatten (Matthaus 17,19). Ich glaube, dass Gott unser ganzes Herz, unser volles Vertrauen will.
Wir müssen zuerst einen kleinen Schritt machen, bevor er uns lehrt zu fliegen.
Vertrauen ist wichtig. Jesus sagt mehrmals zu Kranken, die er geheilt hat, dass ihnen ihr Glaube geholfen hat.
Aber in den allermeisten Fällen liegt es nicht an uns Menschen, ob Gott Wunder tut oder nicht. Jesus hat Lebensmittel vermehrt ohne, dass jemand glaubt (Markus 8,1-10). In der Bibel sehen wir immer beides nebeneinander: Krasse Heilungen und bleibende Krankheit. Einmal heißt es, dass Jesus alle heilte (Matthäus 4, 23). Ein anderes Mal ging Jesus einfach weg aus Kapernaum, obwohl alle ihn suchten und ein wunder brauchten (Markus 1,35). Sie hatten genug Glauben, Jesus hatte genug Glauben, aber trotzdem war etwas anderes für ihn dran. Paulus hat einen Jungen vom Tod auferweckt (Apostelgeschichte 20). Aber er selbst ist krank geblieben (Galater 4,13-15) und seine Freunde Epaphroditus, Timotheus und Trophimus konnte er offensichtlich auch nicht heilen.

Gott hat den ÜberblickVor ein paar Jahren habe ich für jemanden um Heilung gebetet. Aber nichts ist passiert. War vielleicht irgendwo noch Sünde bei mir, die dem Wunder im Weg stand? Oder hab ich zu wenig geglaubt? Lag es vielleicht gar nicht an mir, sondern an der kranken Person? Hatte sie zu wenig Glauben? Warum ist nichts passiert? Kennst du diese Gedanken?
Mir ist dazu eine ganz passende Geschichte aus meiner Kindheit eingefallen, die mir hilft, zu verstehen, warum Gott nicht alle Bitten erfüllt. Irgendwann mal kamen meine Eltern auf die Idee, ich solle ab jetzt jede Woche zwei Euro Taschengeld bekommen, damit ich langsam lerne, mit Geld umzugehen. Ich hatte die freie Wahl, was ich mir davon kaufe - eben alles, was für mich damals so Luxus war. Am nächsten Morgen habe ich also meine zwei Euro bekommen. Und was habe ich damit gemacht? Ich habe sie keine Minute später für Schokolade ausgegeben. Es dauerte keine fünf Minuten später und wir kamen an einer Eisdiele vorbei. Was glaubst du, was passiert ist? Natürlich nicht schwer zu erraten! Ich bettelte direkt los: "Papa! Lieber Papa! Biiittteeeee kauf mir ein Eis, es ist mein größter Wunsch! Bitte! Ich habe sooo einen Hunger! Mir ist heiß, ich brauche ein Eis! Bitte, bitte! Wenn du mir das kaufst, geht es mir wieder gut!"

Perfekt Timing
Mein Vater steckte also in einem Dilemma: Sollte er mir diesen Wunsch erfüllen, dafür aber in Zukunft in Hinblick auf seine Aussagen und Absichten nicht mehr ernstgenommen werden? Oder sollte er konsequent bleiben, mir kein Eis kaufen und mich damit etwas fürs Leben lernen lassen? Etwas, das später mehr Wert hat, als das schnell aufgeschleckte Eis? Natürlich verstand ich damals noch nicht, in was für einer Zwickmühle mein Vater da steckte. Den Preis den er aber zahlte, war, dass ich ihn mit großen traurigen Kinderaugen anschaute, als er zum Eis Nein sagte.
Ähnlich muss es Gott oft mit uns gehen. Er meint es gut, aber kann uns nicht jeden Wunsch erfüllen, weil er den Überblick hat. Er weiß genau, warum er manches tut, manches aber auch lässt. Nur wir können es oft nicht verstehen, denn wir kennen Gottes umfassende und detaillierte Pläne für unser Leben nicht so wie er. Ich weiß, es kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn Gott Gebete scheinbar nicht erhört. Vielleicht hat er aber gar nicht "Nein" gesagt, sondern "Warte ab"? Ich glaube Gott weiß viel besser, was ich brauche und wann, als ich. Und darauf will ich vertrauen.

Alles ist in Gottes Hand 
Ganz ähnlich beschreibt es heute Pete Greig. Er ist einer der Gründer der weltweiten 24/7 Bewegung, bei der rund um die Uhr gebetet wird. Er hat schon die abgefahrensten Wunder erlebt. Und gleichzeitig hatte seine Frau Samie wegen einem Gehirntumor jeden Tag übelste Schmerzen. Überall auf der Welt wurde für Samie gebetet. Gott hat sie nicht geheilt. Wie daneben ist das dann, wenn einer behauptet, es liege an zu wenig Glauben oder sonst einem Fehler der Menschen?! Nein, oft liegt es an Gott. Er allein entscheidet, wie und wann er Wunder tut. Wenn ich zurückblicke, bin ich darüber auch ganz froh. Denn wenn Gott jedes meiner Gebete erhört hätte, wäre einiges in meinem Leben ziemlich daneben gegangen. Gott hat die größere Perspektive. Er weiß besser, was gut und was hilfreich ist. Und trotzdem: Ich hab damit ein Problem. Ehrlich, ich komm da oft nicht mit klar. Warum wirkt Gott mal eben Wunder und ein anderes Mal nicht?

Suche nach Gottes Gegenwart 
Asaph, ein Liederschreiber aus dem Alten Testament, hatte mit Gott das gleiche Problem. In einem seiner Songs lässt er seinen ganzen Ärger raus (Psalm 73): "Warum geht es mir dreckig, obwohl ich mich an dich wende und versuche ein Leben zu führen, wie es dir gefällt? Und den blöden Egoisten, die sich überhaupt nicht um dich kümmern, geht es so gut. Das ist so ungerecht! Bist du überhaupt gut, Gott? Bist du überhaupt mächtig? Hast du ein Interesse an mir?"
Er ist ziemlich verärgert über Gott. Und manchmal geht es mir genauso. Aber das ist nicht das Ende. Plötzlich kommt der Plot-Twist und Asaph ist wieder richtig gut drauf, obwohl sich äußerlich nichts ändert. Wie kommt es dazu? Er entscheidet sich, die Gegenwart Gottes zu suchen (Psalm 37, 17). Plötzlich merkt er: Wow, Gott selbst ist hier! Und er hat echtes Interesse an mir! In seiner Nähe zu sein, ist das größte Glück! Ja, er sagt dann sogar: Wenn ich in der Nähe Gottes sein kann, ist mir alles andere völlig egal. Denn das größte Glück hab ich bereits gefunden: Gott ist bei mir (V. 28)! Er weiß, was das Beste für mich ist und er will das Beste für mich. Weil er mich unglaublich liebt. Ihm ist nichts unmöglich!
 
Gehorsam und Geduld 
Warum tut Gott kein Wunder? Ich habe doch so fest dafür gebetet. Liegt es vielleicht an mir? Glaube ich genug? Interessiert sich Gott überhaut für mich? Kann Gott überhaupt Wunder tun? ...
Mit der Zeit habe ich für mich ein paar der Fragen klären können. Aber in 99% der Fälle, wenn Gott kein Wunder tut, weiß ich nicht warum. - Und ganz ehrlich: Ich habe aufgehört mir die Frage nach dem Warum nach einem solchen Gebet zu stellen. Denn sie hält mich oft gefangen und außerdem davon ab, wieder zu beten. Inzwischen habe ich angefangen, mir Gehorsam und Geduld anzugewöhnen. Das ist ehrlich gesagt nicht ganz einfach, aber ich versuche das zu tun, was Jesus uns aufgetragen hat. Egal, was dadurch passiert oder eben nicht passiert. Ich will es ihn seine Hand legen und ihm überlassen, was er tut. Weil ich gelernt habe, dass er den größeren Plan hat als ich.
Und ich will aufhören zu denken, es müsste alles sofort passieren und zwar so, wie ich es mir wünsche. Ich lerne, Gott, Gott sein zu lassen und zu sagen: "Herr, es ist dein Ding. Du tust, was du tun willst und wann du es tun willst. Ich bin nur gehorsam." Und auf diese Weise habe ich schon krasse Wunder erlebt. Ich habe eine Heilung erlebt, die innerhalb von vier Stunden eingetroffen ist. Eine andere war ein Prozess, der über mehrere Monate ging. Ein anderer Prozess ging über Jahre, während meine Oma leider an ihrem Krebs starb.

Für uns nur das Beste 
Ich weiß nicht, warum Gott manchmal Wunder tut und manchmal nicht. Aber ich weiß, dass Gott Wunder tun kann. Ich weiß, dass er die Kraft hat, Übernatürliches geschehen zu lassen und Unmögliches wahr werden zu lassen. Weil ich es an mir selbst erlebt habe. Ich weiß, dass Gebet die Power hat, Gottes Kraft in unserem Leben freizusetzten. Weil Gott genau das liebt. Ich weiß, dass Glaube die Macht hat, alles zu verändern. Und dass es nichts wunderbareres gibt, als sich mit allem, was man hat, und mit der ganzen Ladung an Hoffnung, die man aufbringen kann, auf Jesus zu werfen. Dieser Glaube entfaltet in meinem Leben Gotteskraft.
Ich glaube, dass Gott manchmal Besseres im Sinn hat für mich, als ich für möglich halte. Er liebt uns genug, um uns nicht all unsere Wünsche zu erfüllen. Er will auch nicht als bloßer Wünscheerfüller dastehen. Es kann sein, dass Gott dir gerade einen Schmerz ganz bewusst erhält, weil er den Schmerz dazu benutzen will, uns auf das größere, bessere Geschenk aufmerksam zu machen. Er will uns auf sich selbst aufmerksam machen. Ich verstehe Gott immer noch nicht. Und ich will mich hüten vor schneiten, billigen Antworten, die die Wunde nur noch größer machen. Aber die wenigen Dinge, die ich weiß, die will ich mit aller Kraft festhalten, bis zum Ende:
"Gott kann alles. Und er liebt mich. Und deswegen will er nur das absolut Beste für mich."
Für den ganzen Rest gibt es keine Garantien und keine Methoden. Nur Abhängigkeit von ihm, Beziehung zu ihm, Vertrauen auf ihn. Das ist es, was er will.

Gebet hilft
Gott macht uns in der Bibel eine richtig fette Zusage, die ich zum Schluss noch mit dir teilen will. Egal was passiert, oder nicht passiert: Wir haben von Gott das Versprechen, dass "das Gebet des Glaubens helfen wird" (Jakobus 5,15). Da steht nicht wie es helfen wird, es steht aber, dass es helfen wird. Und deshalb bete ich. Deshalb rechne ich mit Wundern. Und ich will dich heute challengen auch mit deinem Wunder zu rechnen. Ich möchte dir heute zwei Dinge in den Tag mitgeben. Erstens: Lass uns auf Gott vertrauen. Lass uns vertrauen, dass er den größeren Plan hat und dass er das Beste für uns will. Und die zweite Sache ist: Lass uns groß denken, lass uns für Dinge beten, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können! Glaube kann Berge versetzen! Und ich möchte uns ermutigen, dass wir Großes von Gott erwarten, auch wenn wir es uns noch überhaupt nicht vorstellen können, wenn wir es überhaupt noch nicht sehen können.
Lasst uns den Schritt wagen, aufs offene Meer. Klar, wir können immer nasse Füße dabei bekommen, aber wir können nie untergehen. Denn Gottes Hand hält uns! Lasst uns Groß denken und Großes erleben!

Expect the unexpectable!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://worshipwallpapers.com/

Kommentare

  1. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich lernen durfte (nicht musste), wie Gott uns manchmal zu unserem Besten und um zu lernen in Tiefen führt. Zu der Zeit konnte ich das noch nicht erkennen. Ich fühlte mich wie in ein Tau eingewickelt, das immer mehr um mich geschlungen wurde. Doch irgendwann, erkannte ich bei einem Rückblick, dass ich mittlerweile, nachedem ich einige Dinge gerlernt hatte, wieder aus diesem Tau Stück für Stück ausgewickelt wurde. Danach konnte ich erst erkennen, warum diese Zeit des Lernens war. Gott hatte seinen Plan verwirklichen können, weil ich stille hielt und weiterhin auf IHN vertraute. ER hatte an meiner Größe gearbeitet. Ich durfte mich nach SEINEN Vorstellungen entwickeln - und so konnte ER mich in SEINEM Sinne gebrauchen. Ohne diesen Lernprozess hätte ich diese folgenden Dienste nicht in Gottes Sinn ausüben können.

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  2. Amen! Danke für dein Kommentar! So ermutigend zu sehen, wie Gott in unser Leben hinein wirkt und uns zu dem verwandelt, den er in uns sieht, wenn wir es zulassen. Auch, wenn es oft erstmal nicht so aussieht, tut noch heute Wunder. Stunde um Stunde, Tag für Tag.

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