The gift of forgiveness (TDW 42/2017)

Lesedauer: 6min

Wie dein Leben in Bewegung kommt

Buße klingt total verstaubt. Dabei brauchen wir sie jeden Tag! Denn man kann nur etwas heil machen, wenn man den Fehler sieht.
Lies bitte zuerst: Jakobus 5, 16-20

Hey du, 
ich mag Wörter, die unpopulär geworden sind, obwohl sie für etwas Wichtiges stehen. Buße ist so ein Wort, das heute kaum noch benutzt wird und mit dem nur wenige etwas Positives verbinden. "Das wirst du mir büßen", sagt in vielen Filmen der Schurke und drückt damit einen egoistischen Wunsch nach Rache aus. Ansonsten wird Buße von vielen als etwas Veraltertes abgetan, das einem befreiten Leben und Selbstverwirklichung eher entgegensteht. 
Aber ich glaube, dass echte Buße nicht nur etwas ist, was Gott ganz bewusst von uns fordert, sondern dass es etwas befreiendes ist und uns echte Erfüllung schenkt.
Auf einem Multiplikatorenkurs, für die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, auf dem ich mal war, gab es jemand, der hat am Vorstellungsabend gesagt: "Alter, ich bin richtig gut, im Vergebung annehmen von Jesus. Wenn ich Scheiße gebaut hab, dann ist das total schnell wieder weg!" Und irgendwie hat sich das schon heilig angehört, aber irgendwie war das für mich einfach unangenehm in dem Moment. Also so ganz einfach Vergebung annehmen..., das fiel mir schwer. Heute soll's ja um Buße gehen, und dafür hab ich einfach mal ne These aufgestellt: "Wenn uns klar ist, dass wir etwas vermasselt haben, dann hilft das uns, zu verstehen, wie groß und wie cool und wie hammer Gott ist." Erst, wenn wir verstehen, was wir verspielt haben, erst wenn wir verstehen, dass wir mit dem Bonbon, das wir unserer Mutter geklaut haben den Himmel verspielt haben, erst dann verstehen wir die Größe Gottes!

Das Wort Buße stammt von dem griechischen Wort "metanoia", das ungefähr so viel wie umkehren bedeutet. Eigentlich ganz interessant, denn dieses Umkehren bezieht sich auf unsere innere Einstellung, auf die Gedankenwelt. Bei Buße geht es also um ein Umdenken. Es geht um eine Meinungsveränderung, um eine Änderung unserer Ausrichtung. Das Denken des Menschen ändert seine Richtung. Es kommt zu einem Perspektivwechsel, zu einer veränderten Bewertung des eigenen Verhaltens und zu einer Umorientierung unserer Ziele.
Buße beginnt im Denken und nicht in irgendwelchen äußeren Aktivitäten. Aber sie bleibt nicht darauf beschränkt, sondern sie hat Einfluss auf unser ganzes Leben. Das neue Denken wird zu einem neuen Leben. Allerdings ist die Reihenfolge entscheidend.
In der Bibel beklagt sich Gott an einer Stelle, dass sich sein Volk zwar mit dem Mund zu ihm bekennt, dass aber ihr Herz immer noch fern von ihm ist (Jesaja 29, 13). Buße beginnt immer in uns, aber sie dringt auch nach außen. Buße bedeutet umdenken und sich von dem abwenden, was man als falsch erkannt hat. Johannes der Täufer fordert die Zuhörer seiner Predigten auf, dass sie durch ihre Taten unter Beweis stellen sollen, wie ernst sie es mit ihrer inneren Umkehr meinen (Lukas 3,10). Buße erschöpft sich nicht darin, dass ich summa summarum und ganz allgemein mein Versagen eingestehe und bekenne, dass ich Mist gebaut habe bin und Vergebung benötige. Buße ist mehr. Buße ist eine Bewegung. From the inside out.

Aber unsere Hinwendung zu Gott ist nur möglich, weil Gott die Voraussetzungen geschaffen hat. Er hat sich bereits für dich entschieden. Er ist für deine Schuld gestorben. Er hat alles für dich gegeben, weil du ihm alles bedeutest. 
Wenn Jesus seine Zuhörer in der Bibel zu etwas aufgefordert hat, hat das ehre völlig entgegengesetzt geklungen. Er forderte jemanden auf, ihm nachzufolgen und nahm keine Rücksicht. Noch nicht einmal auf sein eigenes Leben. Aber genau deshalb konnte er sagen: "Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe" (Matthäus 4, 17. 
Buße ist Gottes Gabe und unsere Aufgabe. Gott will mit uns leben. Er will, dass wir heimkommen, anstatt weiter vor ihm wegzurennen. Er steht da, mit offenen Armen. Aus purer Liebe. Und er ruft uns. Er ist schon so viele Schritte auf uns zugegangen, aber diesen einen letzten musst du selbst gehen. Der Schritt in seine Arme. Die Bitte um Vergebung. Ein Schritt, der oft nicht leicht fällt, ein Schritt der dein ganzes Leben beeinflusst, ein Schritt voller Risiko. Aber auch ein Schritt in das Abenteuer deines Lebens. Und in eine Freiheit, die dir die Welt nicht geben kann.

Turn around
"Unser Kopf ist rund, damit unser Denken die Richtung wechseln kann." Dieses Zitat von dem französischen Künstler Francis Picabia (1879-1953) beschreibt das erstaunliche, wenn auch nicht ganz so häufige Phänomen, dass der Mensch seine Meinung ändert. Glücklicherweise ist die Möglichkeit, dem Denken eine neue Richtung zu geben, nicht von der Form unserer Köpfe abhängig. Aber trotzdem gibt seine These genau die Bedeutung der Buße wieder: Die Ausrichtung unseres Denkens wird verändert. Gott hat uns mit einem freien Willen geschaffen. Wir können uns entscheiden. Für oder gegen. Ja oder nein. Aber wir können unsere Meinung auch ändern. Wir können das Steuer umdrehen. Denn Gott hat es in unsere Hand gegeben.
Und genau das ist Buße: Das Steuer unseres Leben rumreißen. Aufhören, weiter vor Gott wegzurennen, sondern stehenbleben, sich umdrehen, einen Schritt auf ihn zugehen und Vergebung zu erleben.
Buße verändert unser Leben. Gott verändert uns. 

Aber Buße ist kein Vorgang, der nur am Anfang des Glaubenslebens steht. Die Bibel beschreibt Buße sowohl als Wendepunkt, bei dem ein Mensch ganz grundsätzlich in Beziehung zu Gott tritt, aber auch als einen lebenslangen Prozess der Veränderung. der nie zum Stillstand kommt, solange man lebt. Bei Buße geht es nicht darum, nach außen zu zeigen, wie fromm man ist und sich selbst zu erniedrigen. Buße bedeutet: Ich erkenne, dass ich ohne Gott nichts bin. Und dass mein Leben ohne ihn am Ziel vorbeigeht. Buße meint also so etwas wie Umkehr. Ich erkenne, dass ich Mist gebaut habe und bereue es. Nicht, weil mir das andere so sagen, sondern, weil ich erkenne, dass ich etwas verpasst hab, dass mir Gott zu meinem Glück fehlt.
Auf diese Weise entwickelt sich unser Leben weiter und wir erleben eine fortgesetzte Veränderung. Vergebung ist niemals ein Schritt zurück, sondern immer ein Step nach vorne. Ein Schritt, der uns weiterbringt und uns wachsen lässt. Im Glauben und im Leben.
Buße macht Menschen größer. Buße verändert für immer. Und deshalb tut es so gut, immer wieder und immer öfter Buße zu tun. Gott die Dinge zu beichten, die nicht laufen und die uns abhalten, das Leben zu führen, das er für uns geplant hat. Buße ist ein lebenslanger Prozess. Ohne Buße - im Sinne von Umdenken - kommen wir nie in die richtige Bewegung - auf Gott zu. Und damit wir nicht nur Fahrt aufnehmen, sondern auch den richtigen Kurs hatten, benötigen wir die Buße als ständige Reformation des Lebens.
Buße ist nicht nur ein einmaliger Startpunkt, sondern ein Lifestye der Gnade. 
Davon möchte ich mich bewegen lassen. Ich glaube, diese Erkenntnis kann uns tatsächlich neu und heil machen. Jeden Tag aus Neue.
 
1. Benenne deine Fehler schonungslos beim Namen. Oft wird unsere Schuld so erst konkret fassbar. Außerdem verliert es beim Artikulieren den Bann der Heimlichkeit. Wir sollten der Versuchung widerstehen, nach Gründen zur Entschuldigung zu suchen oder auf die Mitschuld von anderen zu verweisen. Es geht zunächst darum, in unserem eigenen Leben aufzuräumen (1. Johannes 3,5)
2. Wahre Buße strebt eine Wiedergutmachung an. Nicht immer ist sie möglich. Worte lassen sich nicht wieder zurückholen. Aber wir können um Vergebung bitten. Und den anderen als unseren Nächsten lieben.
Unser Minus wird in Gottes Hand zu einem Plus.
Wahre Buße ist nur vollkommen, wenn sie und bewegt. Wenn du unser Handeln beeinflusst und uns verändert. Von Zachäus lesen wir etwa, dass er sich entschloss alles Geld, das er als Zöllner zu viel verlangt hatte um sich zu bereichern, zurückgegeben (Lukas 19,8).
3. Wenn Gott Schuld vergibt, wird sie vollkommen ausgelöscht (Jesaja 44, 22). Wenn wir ihm unsere Fehler hinlegen, macht er uns frei, er vergibt uns bedingungslos. Aber er bleibt trotzdem. Stell dir einen Vater vor, der seinem Sohn eine Strafe ankündigt, den Fehler seines Sohnes dann aber doch unter den Teppich kehrt und ihm stattdessen ein Eis kauft. Dieser Vater wäre doch nicht mehr glaubwürdig. Aber Gottes Worte gelten. Gott ist glaubwürdig. Und deshalb hat Jesus die Strafe stellvertretend für unsere Fehler getragen. Er ist gestorben, damit wir befreit leben können. Das ist Gnade!
Der palästinensische Ex-Terrorist Tass Saada schreibt in "Ich kämpfte für Arafat", wie er Vergebung und Annahme durch Jesus erfuhr: "Es war, wie wenn Berge von meinen Schultern genommen würden. Frieden und Freude kamen in mein Herz. Und es sind diese überwältigenden Erfahrung durch die Buße ihr negatives Image verliert."

Veränderung zulassen
Ich will dich heute herausfordern, einfach mal dein Handy auszumachen, und dir Zeit zu nehmen. Nicht nur 5 Minuten, sondern die Zeit, die ein König verdient hat. Und dann, bitte Gott, dir zu zeigen und dich erkennen zu lassen, was du alles verbockt hast. Bitte ihn, dir die Kraft zu geben, dich mit deinen Fehlern auseinanderzustetzen und sie zu erkennen. Weil, was kann daran schlecht sein. Es kann sein, dass da eine Wunde ist, die ganz tief sitzt. Und es ein schmerzhafter Moment ist, sie wieder hervorzuholen. Vielleicht ist es so, dass Gott sagt: "Hey, du hast mich vor 5 Jahren einfach ignoriert, und das hat mich als Vater so verletzt, weil du mich nicht mitgenommen hast in dein Leben. Vielleicht ist es auch, dass Gott einfach sagt: "Hey alles klar, lauf einfach weiter." Ich glaube nicht dass dir das passieren wird, weil ich glaube, dass wir unser Leben lang Dinge haben werden, an denen wir arbeiten müssen. Weil wir nicht perfekt sind, weil wir Fehler machen, Menschen verletzten, Beziehungen kaputtmachen... Ich glaube, dass jeder, der diesen Post hier liest, etwas hat, an dem Gott gerne arbeitet. Und ich habe selbst erlebt, dass Gott unendlich liebevoll ist. Dass er kein herrschsüchtiger König ist, der sagt: "Du bist falsch!", sondern er weiß genau, was du brauchst und ich welchem Moment. Und er will dir vergeben. Weil er selbst die Schuld getragen hat. Weil er dich frei machen will. Das ist die Gnade eines Vaters. Deines Vaters. Und er steht da mit offenen Armen.
Du bist am Steuer, er hat es in deine Hände gegeben. Wie entscheidest du dich?
 
Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://the-worship-project.tumblr.com/

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