Zurück auf Null

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Was wir glauben können

Was bleibt vom Glauben, wenn Erziehung, Tradition und Wahrnehmung ausgeklammert werden? Was macht Glauben aus? Lasst uns auf die Suche gehen.

Hey du,
ganz, oder gar nicht. Keine halben Sachen. Wer diesen Anspruch an sein Leben stellt, der hat's nicht leicht. Jede Überzeugung, jeder Wert, der die eigenen Handlungen beeinflusst, muss gut begründet sein. Und was der Kritik nicht standhalten kann, gilt nicht. Ganz oder gar nicht. Alles, oder nichts. Sonntags in die Kirche zu gehen, "weil man das so macht", aber nicht sein ganzes Leben am der Botschaft Gottes auszurichten - weil der Mut fehlt, Gott für Unsinn zu erklären, wäre nur ein halbherziger Mittelweg.
Jeder kommt in seinem Leben an solche Fragen.Vertraue ich wirklich auf das, was ich glaube? Ist mein Glaube tragfähig? Lebe ich ihn authentisch?
Am Ende muss eine klare Antwort stehen: Ganz glauben oder gar nicht glauben. 
Und wenn wir uns nicht selbst belügen wollen, müssen wir hier ergebnisoffen vorgehen.

Alles zurück auf Null
Also, los geht's. Was bleibt vom Glauben übrig, wenn Erziehung, Gemeinde, (christliche) Freunde und alle anderen äußeren Einflüsse "herausgerechnet" werden? Viele sagen, es wäre doch viel unkomplizierter, einfach zu leben und von nichts Übernatürlichem auszugeben. Keine Regeln, an die man sich halten muss, keine Zeitverschwendung mit religiösen Ritualen und Terminen und kein schlechtes Gewissen gegenüber irgendeinem Gott. Keinem Rechenschaft schuldig zu sein, wenn wir den Vorgaben nicht entsprechen können. Wäre doch schön entspannt, oder?
Falsch. Wenn wir den "Ganz-oder-gar-nicht"-Anspruch konsequent befolgen, heißt das, alles infrage zu stellen. Und zwar wirklich alles! Das ist überhaupt nicht entspannt - wir können unmöglich jede Sinnfrage über uns selbst oder die Welt klären. Und wer sagt uns, dass die gefundenen Antworten wahr sind? Das fängt bei den ganz existenziellen Fragen an. Wer sagt uns, wer wir wirklich sind? Unser Umfeld kann sich täuschen, wir können uns selbst täuschen. Können wir unseren eigenen Erfahrungen trauen? Alles Erfahrene innerhalb dieser Welt ist gefiltert von den Grenzen meiner Wahrnehmung - und möglicherweise gar nicht so gemeint gewesen, wie wir es uns interpretieren. Logisch: Das führt in intellektuelle Sackgassen. Irgendwann kommen wir nicht mehr weiter, weil die Fakten ausgehen. Die Schlussfolgerung aus dieser Misere muss lauten: Da gibt es irgendetwas, dass nicht innerhalb dieser Welt, sondern außerhalb davon liegt. Eine allgemeingültige, objektive Wahrheit, die wir nicht erst konstruieren müssen, sondern die einfach existiert. Danach müssen wir suchen - und zwar nicht. weil wir uns etwa nicht damit zufrieden geben könnten, dass eine solche Wahrheit nicht existiert, sondern einfach, weil die Leugnung dieser Wahrheit und automatisch in Sackgassen führen wird.
Luther hat mal drei Steps aufgestellt, die genau das beschreiben und die den Glauben ziemlich treffend auf den Punkt bringen: Die reine Kenntnis bestimmter Glaubensinhalte, die Zustimmung zu diesen Inhalten, und schließlich das Gottvertrauen, der persönlich gelebte Glaube. Aber lasst uns mal tiefer eintauschen. Los geht's mit Step 1.

Was wir wissen können
Was wir wissen, entspricht noch lange nicht dem, was wir glauben - wir checken erst mal die Fakten. Die wichtigste Quelle ist natürlich die Bibel. In ihr steht, dass Jesus gelebt hat, gestorben und wieder auferstanden ist und dadurch die Menschheit gerettet wird - allein durch Gnade. Außerdem noch Dinge von einem liebenden Gott, der sich zeigt und erfahrbar ist, und vieles andere mehr inklusive auf den ersten Blick Widersprüchlichem. Außer der Bibel gibt es weitere Schriftquellen, die sich mit dem christlichen Glauben befassen oder die Jesus historisch bezeugen und eine religiös geprägte Weltgeschichte, viele wichtige Persönlichkeiten, die als Glaubensvorbilder herhalten können, die Welt mit all ihrer Vielfalt an sich, und, ganz wichtig: Gott kann erlebt werden und das kann beobachtet werden.

Was wir glauben können
Jetzt kommt der Step, in dem aus dem Wissen Überzeugungen entstehen. Zu wissen, welchen Glaubensaussagen ich zustimme und welchen nicht, ist enorm wichtig für einen authentischen Glauben. Dabei spielt Logik eine tragende Rolle, aber auch Erfahrungen, Prägungen und Glaubensvorbilder.
Was ist zum Beispiel mit unserer Erziehung? Die können wir doch nicht einfach abstreifen - erst recht nicht, wenn die Eltern uns christlich erzogen haben und die Jungschar ihr Übriges tat. Wir Menschen sind total von unserem Umfeld beeinflussbar. Was würden wir heute über Gott denken, wenn wir anders erzogen worden wären? Selbst Christen aus atheistischen Familien sind trotzdem in einem christlich geprägten Kulturkreis aufgewachsen. Was wäre, wenn wir in einem anderen Land aufgewachsen wären? Natürlich gibt es auf diese Fragen keine Antworten. Es ist unmöglich, einmal testhalber so zu leben, als ob man von all dem noch nie etwas gehört hätte. Die Prägung bleibt immer im Hinterkopf - wir können sie nicht einfach ausblenden. Sie kann nur ausgeschaltet werden, indem sie unerheblich wird für den eigenen Glauben, weil es genug andere Anhaltspunkte gibt. Einer dieser Anhaltspunkte, auf die wir uns oft verlassen, ist die persönliche Begegnung mit Gott. Die äußert sich oft durch eine emotionale Berührung oder andere Dinge, die auf den ersten Blick nicht erklärbar sind - auf den zweiten Blick aber schon. Jede vermeintliche Gotteserfahrung kann soziologisch, psychologisch oder sonstwie erklärt werden. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Gilt die Existenz Gottes als Voraussetzung, so können wir Gotteserfahrungen auch göttlich interpretieren, aber damit eben nicht Gott erklären. Andersherum scheitert der Versuch, mit Gotteserfahrungen Gott zu erklären, weil nicht auszuschließen ist, dass diese Erfahrungen woanders herkommen. Das Gleiche gilt für die Schöpfung: Den Schöpfer vorausgesetzt, können wir hervorragend mit der Wissenschaft erklären, wie die Welt geschaffen wurde. Ganz egal, ob in sechs Tagen oder mehreren Millionen Jahren - die Indizien in dieser Welt auf einen Schöpfer sind unübersehbar. Andersherum können wir in offenen Fragen der Wissenschaft nicht auf Gott setzen, ohne uns dabei selbst in die Tasche zu lügen. Gott ist nicht die Chiffre für alles, was wir noch nicht wissen.

Was bleibt?
Was bleibt dann eigentlich - etwa die Bibel? Auf sie ist zumindest Verlass. Aber nur die Bibel zu kennen kann reicht nicht aus für einen lebendigen, gelebten Glauben.
Aber wird ein Glaube nicht vor allem dann lebbar, wenn er allen Tatsachen dieser Welt standhalten kann?
Wenn er sich ihnen nicht entgegensetzt, sondern mit ihrer Erkenntnis als Basis einfach über ihren Horizont hinausblickt?
Fakt ist, dass Jesus gelebt hat. Darüber ist sich so ziemlich jeder Forscher einig. Diese Person ist historisch mindestens so bezeugt wie Cäsar oder sonstwer. Mit Hilfe unserer heutigen, ganz weltlichen Forschungsmethoden muss Jesus also vorausgesetzt werden. Bei den Fragen nach seinen Taten, seiner Auferstehung und ob er wirklich der Sohn Gottes ist, wird es kniffliger. Bezeugt ist das alles durch die Evangelisten und neutestamentlichen Autoren wie Paulus. Können wir denen trauen? Immerhin waren die meisten von ihnen nach wissenschaftlichem Kenntnisstand - keine Weggefährten von Jesus, und Paulus schrieb seine ersten Briefe mehr als zwanzig Jahre nach Jesu Tod, die Evangelisten noch später. Aber die Zeit zwischen Geschehen und Niederschrift der Geschichten war zu kurz, als dass sich die überlieferten Traditionen stark geändert haben könnten. Sie entsprechen teilweise so gar nicht dem damaligen Gedankengut. Sie sind vollkommen entgegen allem bisherigen, allem bekannten. Viele archäologischen Funde bestätigen Aussagen der überlieferten Bibel und, und, und. Es ließe sich noch viel mehr entdecken, was uns zu der Überzeugung führen kann: Die Autoren des Neuen Testaments haben nach bestem Wissen und Gewissen aufgeschrieben, was sie in Erfahrung bringen konnten oder erlebt haben - und haben es sich nicht ausgedacht, denn eine solche perfekte Lüge mit all ihren aufeinander abgestimmten Details sollten wir der Menschheit mit all ihren Meinungsverschiedenheiten nicht zutrauen.

Der Schritt ins Ungewisse
Soweit, so gut. Es gibt vieles, das wir wissen. Vieles, wovon wir annehmen können, dass es wahr ist. Schöpfungsfragen, Erziehung und Prägung? Kein Problem, brauchen wir hier nicht mehr. Es deutet mit gutem Grund auf Gott hin - auch wenn nicht alles als Beweis taugt. Sollten wir also an ihn glauben? Ein Glaubenserlebnis kann an diesem Punkt nicht helfen, da wir es ja anzweifeln könnten. Aber jemand anders hilft: Jesus Christus. Wenn er wirklich auferstanden ist, ist Gott real und wir haben allen Grund, all das zu glauben, was wir heute glauben. Alles andere zu glauben wäre hinfällig.
Zurück zum Anfang: Es muss es eine objektive Wahrheit außerhalb dieser Weit geben, wie wir Menschen sie wahrnehmen können, einen Ausweg aus der Sackgasse. Außerhalb dieser Welt bedeutet also, dass die Gesetzmäßigkeiten und Werte unserer Welt keine Begrenzung mehr darstellen. Der Horizont würde unsere Sicht nicht mehr begrenzen, unser Verstand würde unsere Suche nach Antworten nicht mehr begrenzen, der Tod wäre nicht mehr das Ende - wenn die Begrenzungen dieser Welt nicht mehr gelten, ist auch die Auferstehung möglich.
An dieser Stelle liegt uns alles zu Füßen, ein riesiges Puzzle, das fast komplett ist, aber ohne das letzte Teil - die Auferstehung Jesu - völlig bedeutungslos bleibt. Tatsächlich haben wir eine Fülle an Indizien, doch sie nutzen uns gar nichts, wenn wir sie nicht beweisen können. Und von der Information zum Beweis kann es keine Entwicklung, keine Einzelschritte, keinen Übergang geben - sondern nur, wie der dänische Philosoph Søren Kierkegaard im 19. Jahrhundert es nannte, einen Sprung. Von jetzt auf gleich hineingeworfen sein in einen Moment der Entscheidung, ob man sich allein von Vernunft bestimmen lassen will oder mit Gott rechnen. Denn wenn Jesus auferstanden ist, dann ist das hier eine andere Weit mit anderen Möglichkeiten. 

Spring!
Charles Spurgeon, ein englischer Pastor uns einer der bekanntesten Prediger des 19. Jahrhunderts war einmal mit einem Besucher in seinem Garten spazieren. Der Gast klagte darüber, dass er einfach nicht glauben kann. Da rief Spurgeon einen der kleinen  Jugen, die im Garten spielten, zu sich, stellte ihn auf eine hohe Steinsäule und sagte: "Spring herunter in meine Arme!" Der Junge wagte es nicht, sondern rutschte langsam von der Säule und kam ziemlich verkratzt unten an. Dann rief Spurgeon den anderen Jungen herbei und machte es mit ihm genauso. Ohne zu zögern sprang der zweite Junge von der Säule in Spurgeons Arme, der ihn sicher auffing. "Haben sie den Unterschied gesehen?", fragte Spurgeon seinen Gast. "Der erste Junge war ein fremdes Kind, der zweite aber ist mein eigener Sohn. Er hatte Vertrauen zu mir."
Ist er, Jesus Christus, also auferstanden? Wir haben keinen historischen Beweis. In der Theologie hat sich der Begriff "Ostergraben" für das, was zwischen dem historischen Jesus und dem Sohn Gottes liegt, etabliert. Sollten wir nicht die Chance nutzen, über diesen Ostergraben zu springen? Wir könnten uns irren, aber diese Fehlertoleranz müssen wir in Kauf nehmen, um so unendlich viel zu gewinnen. Der Rest ist Vertrauen.
 
Mal angenommen
Was verlierst du, wenn du Gott nachfolgst, und er gar nicht existiert? Und was verlierst du, wenn du Gott nicht nachfolgst, und er existiert?
Mal angenommen, du hättest diesen Post nicht zufällig geöffnet. Mal angenommen, da gäbe es einen Gott, der sich für dich interessiert. Und der auf dich aufmerksam machen möchte. Dem du nicht egal bist. Der am Kreuz für dich gestorben ist, weil er dich bedingungslos liebt. Und der auferstanden ist, damit der Tod nicht mehr das Ende ist. Der die Antwort auf all unsere Fragen ist. Der unserem Leben einen Sinn und eine Richtung geben will. Das bedeutet, vor ihn, als sein Kind zu treten. Gerettet und frei zu sein. In Beziehung zu Gott zu leben. Ohne Hindernisse ihm nachzufolgen.
Was bleibt also vom Glauben, wenn Erziehung, Tradition und Wahrnehmung ausgeklammert werden? Was macht Glauben aus? Es ist das Vertrauen. Darauf, dass Jesus wirklich auferstanden ist, dass er der Sohn Gottes ist und dass damit all das stimmt, was die Bibel berichtet.
Ich glaube an diesen Gott. Ich glaube, dass die Erzählung der Bibel wahr ist und ich will nach ihr mein Leben richten.
Doch der Sprung in seine Arme ist nur der erste Schritt in ein Leben, das sich voll auf Gott ausrichtet. Es geht beim Leben als Christ darum, Gottes Willen zu folgen. In allem was man tut. Zu jeder Zeit, Überall. Um jeden Preis.
Gott hat die Macht, dein Leben zu verändern. Und er steht da, mit offenen Armen und wartet auf dich. Jeden Tag. Er hat schon so viele Schritte auf dich zu gemacht. Doch diesen einen, musst du selbst tun. Es gibt nie einen besseren Zeitpunkt für Veränderung als jetzt. Wagst du es? Traust du dich diesen Schritt auf Jesus zuzugehen? Ein Schritt in den Nebel, ins Ungewisse. Aber auch ein Schritt ins Abenteuer, in die Freiheit und ins Leben. Gott hat einen Plan für dich, er will Großes mit dir reißen. Ja, genau mit dir! Bist du bereit für dieses Abenteuer?

"Das Evangelium ist wie ein Löwe im Käfig. Man muss es nicht verteidigen, man muss es nur aus dem Käfig lassen." - Charles Spurgeon

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/youversion

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