Fremde werden Freunde

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Wie Migration Mission verändert

Wir leben im "Age of Migration" dem Zeitalter der Migration. Heute sind nach Angaben der UNO mehr Flüchtlinge unterwegs als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Für die Politiker und die Gesellschaft stellt das große Herausforderungen dar - aber auch eine rießen Chance. Weiltmission geschieht ab sofort durch dich. Vor deiner Haustüre. Denn unsere Aufgabe als Christen besteht darin, unseren Nächsten so zu lieben, wie uns selbst.

Hey du,
wir leben im "Age of Migration" dem Zeitalter der Migration. Noch nie waren so viele Menschen als Flüchtlinge  unterwegs. Neu sind vor allem die Zahlen der unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen. Zigtausende Jugendliche aus Afghanistan und anderen Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens kommen alleine nach Deutschland.
Viele von ihnen haben schreckliches erlebt. Sie fliehen vor Krieg, Terror, kommen in Schlauchbooten übers Mittelmeer und kämpfen sich durch bis Deutschland. Weil sie Hoffnung haben. Hoffnung auf ein besseres Leben. Für den Staat scheint diese Herausforderung eine Überforderung zus ein. Deshalb helfen viele Menschen ehrenamtlich, unterstützen die Flüchtlinge und geben ihnen Sprachunterricht.
Ich will uns heute als Community herausfordern gemeinsam nachzudenken: Wie können wir als Christen diesen Menschen begegnen? Wie können wir Gottes Liebe zu den Flüchtlingen bringen? Und dann lasst uns gemeinsam kleine Steps gehen. Weg von der Angst, von dem Hass und hin zu den Menschen, hin zu Gott. Ich träume davon und bete dafür dass wir erleben, was es heißt, wenn Fremde zu Freunden werden.

Migration bewegt die Geschichte und die Gegenwart
Der Zuzug von Menschen aus aller Welt verändert unseren Blick auf die Weltmission. Allmählich wird der den Christen in Europa bewusst, dass sich ihr kulturelles Umfeld verändert - es bietet neue Möglichkeiten, das Evangelium weiterzugeben, aber auch neue Herausforderungen. 
Wir als Christen sollten in der Flüchtlingsproblematik eine Sonderrolle einnehmen. In der Bibel ist Flucht und Migration eines der großen Themen. Es scheint, dass Gott Migration ("in der Fremde unterwegs sein") geradezu gebraucht, um Menschen dahin zu bringen, dass sie ihn suchen und finden oder auch um Menschen dorthin zu führen wo er sie für seinen wunderbaren göttlichen Plan braucht. Abraham war ein Migrant auf Gottes Befehl. Jesus selbst war ein politischer Flüchtling und fand in Ägypten Schutz vor Herodes. Petrus schreibt einen Brief an die "von Gott erwählten, die als Fremde in dieser Welt [...] verstreut sind" (1. Petrus 1,1). Von daher dürfen wir als Christen in Deutschland gerade Flüchtlingen Zuwendung geben und ihnen zeigen, dass sie bei Gott willkommen und nicht vergessen sind. Traumatisierte Flüchtlinge Gastfreundschaft und brüderliche Liebe erfahren zu lassen ist die Aufgabe, die Gott uns als Gemeinde gibt.
"Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn auf diese Weise haben schon einige Engel bei sich aufgenommen." (Hebräer 13,2)
Gemeinde leben - Veränderung erfahren
Die Gemeinde ist der Ort, an dem Barrieren zwischen Menschen aufgehoben und Brücken gebaut werden. Durch Jesus.
"Da ist nicht mehr Jude noch Grieche, nicht mehr Sklave noch Freier, sondern alle und in allen Christus." (Galater 3,28) Die Bibel überwindet jede Form von Rassismus, indem sie betont, dass wir alle von einem, nämlich von Adam abstammen. Durch Christus werden alle verbunden, egal wo sie herkommen. Und in Gottes neuer Welt wird ihn seine Familie aus aller Welt preisen. Wie coole wäre es dann, wenn wir diese Einheit durch Jesus schon jetzt, hier auf der Erde leben würden?

Herausforderung und Chance
Durch Migration bekommen Menschen aus fernen Ländern, fremden Kulturen und anderen Hautfarben ein Gesicht. Heute sind die "unerreichten Völker" nicht mehr weit entfernt, sondern sie leben bei uns, in unserer Stadt. Doch das wirkt sich auch auf unseren Umgang mit dem Auftrag von Jesus aus, unseren Glauben zu teilen. (Matthäus 28,19)
Die Bereitschaft zur Evangelisation verändert sich in einer durch Migration geprägten Welt.
Wenn die Menschen, die wir mit Gottes Botschaft erreichen wollen, ein Gesicht und einen Namen haben, wird der Auftrag schwerer. Viele Nicht-Christen - besonders wenn sie eifrige Anhänger ihrer jeweiligen Religion sind - treten uns als ausgesprochen freundliche Menschen gegenüber. Es sind keine "fernen Völker, die im Dunkeln leben", sondern es sind unsere Mitmenschen, mit denen wir zusammenleben. Sie sind Menschen, genau wie wir, keine Missionsobjekte. Dank der Migration ändert sich unser Blick auf die Menschen. Das ist wertvoll, weil wir so die verzerrten Vorstellungen von Menschen anderer Nationen aufgeben können. Es macht Evangelisation aber auch schwieriger.

Share your faith
Migration ist es eine Herausforderung und eine offene Tür zugleich. Oft denken wir gar nicht mehr daran, dass diese Menschen, trotz aller Liebenswürdigkeit, Jesus brauchen.
Migration dient der Evangelisation dann, wenn wir die Zuwanderer als Menschen lieben - ohne Klischees im Kopf - und liebevoll zu ihnen sind, auch in Bezug auf ihre geistliche Situation. Wir können ihnen ebenso von Jesus erzählen, wie wir auch den Angehörigen unseres eigenen Volkes von unserem Glauben erzählen, ganz selbstverständlich und mitten in unserem Alltag.
Manche können ihren evangelistischen Eifer aber auch verlieren, wenn sie sehen, dass die Migranten in der Nachbarschaft eigentlich ein vorbildliches Leben führen und ganz zufrieden sind. So kann die Entschlossenheit, andere mit der Message von Jesus zu erreichen, durch die Migration gedämpft werden.
Jeder muss sich mit den Fragen auseinandersetzen: "Woher wissen wir, dass Jesus auch für die Menschen anderer Kulturen wichtig ist?" und "Braucht wirklich jeder Menschen Jesus?"

Weltmission geschieht durch dich
Als Christen sollten wir nicht über Überfremdung klagen, sondern uns freuen, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen nach Deutschland kommen. Wir müssen nicht mehr in fremde Länder reisen um missionarisch aktiv zu sein. Weltmission geschieht in deiner Stadt. Wie cool wäre es, wenn du für einen Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak derjenige bist, der ihm in der Fremde ein Stück Heimat gibt. Durch dich hat er die Chance Jesus und seine Gemeinde kennenzulernen und zu erfahren, dass "...Gott den Fremden liebt." (5. Mose 10, 18)

Wenn wir Flüchtlingen helfen zeigen wir gelebtes Christsein
Ich will dich heute ermutigen, loszulegen und Schritte zu gehen. Weg von der Angst, von dem Hass und hin zu den Menschen, hin zu Gott. Wenn wir gemeinsam mit Gott Schritte gehen, hinterlassen wir Spuren. Größere als du dir vorstellen kannst. Wir schreiben Geschichte mit Gott.
Denn nicht nur die Flüchtlinge bemerken, dass wir ihnen helfen. Auch andere nehmen wahr, wie wir mit Flüchtlingen umgehen. Wir zeigen ihnen gelebtes Christsein. Wir zeigen ihnen, was Nächstenleibe bedeutet. Und wir erleben, wie Menschen anfangen, nachzufragen, und sich für diesen Gott interessieren, wenn wir ihnen praktisches Christsein vorleben.
Ich wünsche mir, dass wir als junge Generation die Herausforderungen, die die Flüchtlinge mit sich bringen, als Chance verstehen. Als Chance Gottes Liebe weiterzugeben - auch an Menschen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben.

Neue Augen - Poetry Slam

Lass mich dir kurz eine Geschichte erzählen. Mein kleiner Bruder und ich waren gemeinsam auf dem Heimweg von der Schule nach dem Unterricht. Als sie dann kamen lugte ich aus dem Versteck. Kurz gezögert, ob ich hinrenn´, doch dann lief ich wieder weg. Und dass du mich Feigling nennst, liegt vermutlich nur daran, dass du nicht diese Typen kennst. Ich meine, weißt du nicht, was die für Sachen mit dir machen? Schulhofschläger-Schurken illustrieren eindrucksvoll ihre Version von natürlicher Selektion. Dem Recht des Stärkeren, wo Langeweile und Wehrlosigkeit, als gute Gründe gelten für gewaltbereit zum Zeitvertreib. Das ist ja auch nicht das Erste Mal. Am Anfang hat's noch wehgetan, doch irgendwann gewöhnt man sich selbst an Sachen, an die man sich nicht gewöhnen kann. Jeder Heimweg die Hölle und jede Pause blanke Panik, das heute wieder ein Tag ist, an dem niemand mehr da ist, der langsamer wegrennt als ich. Und glaub mir, ich bin Gott dankbar für meine längeren Beine, und ich lieb´ auch meinen Bruder sehr, aber wenn ich die Wahl hab´, dann lieber der Kleine. Ist es nicht sogar besser so? Am Ende erwischt es sonst noch uns beide. Und so sitze ich hier in der zitternden Sicherheit meines bibbernden Versecks. Herzklopfen - so laut, dass es mich beinahe selbst erschreckt. Komm ich zeig´ dir meinen Zaubertrick: Wenn ich meine Hände nur fest genug vor meine Augen presse ist alles, was ich nicht mehr sehe auch augenblicklich weg. Und ich glaube hier machen wir mal kurz eine Pause. Hast du die Szene noch vor Augen?

Ich sehe und sehe doch nicht
Naiv, passiv, ekelig ignorant und feige fies, ich meine was für ein Typ oder? Der vorgibt, dass er seinen Bruder liebt, aber dann die Augen schließt, damit er ihn nicht leiden sieht. Aber löst sich meine unbewusst vor Wut geballte Faust nicht augenblicklich auf. Bin ich nicht so oft er? Dieser große Bruder? Wenn der, den ich Herr nenne sagt, dass wir Teil seiner Familie sind, Geschwister, sogar Teile seines Körpers. Und so oft tu ich unbewusst dann so, als wären das nur Wörter. Es ist im Grunde biologisch nicht sehr logisch. Ich meine, wenn ich mir den Fuß breche, kann mein Körper nicht mehr laufen. Und ich kann mich nicht entscheiden, ihn deshalb nicht zu brauchen. Und der Schmerz wird auch nicht einfach verschwinden, weil ich ihn mit bunt bemalten Verbänden verbinde.
Als dieser Jesus meinte, wir sollen sein wie die Kinder - bin ich mir fast sicher - meinte er nicht, "ahmt dieses Spiel nach, wo ich mir durch Hände vor die Augen halten einbilden kann, ich wäre ein Blinder." Und dass ich sie nicht sehe, ist irgendwie doch auch keine so richtig gute Ausrede. Vor allem nicht, wenn ich mich als Nachfolger eines Wesens verstehe, das ich noch viel weniger sehe. Diese Person - außerhalb meiner wahrnehmbaren Dimension, von der ich gleichzeitig glaube, dass sie in mir wohnt.

Unerwartet wunderbar
Unerwartet wunderbar, kein Wort reicht, das ihn beschreibt und fast verblüffend verrückt sind die Geschichten, die er schreibt. Weil er sein Manuskript auf Seinen tippt vor ich noch nicht mal glaubte, dass es da wirklich Seiten gibt. Und er schreibt: "Aufgewacht, mitten in der Nacht. Schweißgebadet, weiß sie grad´ nicht, war das Traum oder real? Dieser Mann der vor ihr stand. Und mit Augen voller Liebe nicht nur ihren Namen kannte, sondern ihr schon durch seine Art irgendwie fast wortlos Wert und Würde wiedergab. Und er sieht ihre verzweifelten Fragezeichen. Und zeigt ihr noch immer im Traumbild einen Mann, der, wenn sie ihn träfe ihre Fragen beantworten kann." Und klingt das nicht absolut abgefahren? Denn bei ihrem routinemäßigen Rundgang am Markt trifft sie eben genau diesen Mann, der ihr laut ihrem Traum mehr erzählen kann. Und der sich seinerseits schwer damit tat zu erklären, woher plötzlich dieses Verlangen kam, ausgerechnet an diesem Tag zum Markt zu gehen. Und ich murmel irgendetwas über Wunder, als ich ihre Geschichte lese, aber Träume und Visionen sind nur ein Bruchstück des Erlebten. Denn was daraufhin oft folgt, ist garnichtmal so wundervoll.

Wie kostbar muss Glaube sein?
Familien, die sich ab und oft auch gegen dich wenden, wegen dem Gott, den den bekennst zu kennen. Ich meine wieviel ist Worship wohl wert, wenn nicht mal drohende Verhaftung, Folter und Schmerz Gottes Kindern den Lobpreis verwehrt? Wie kostbar Glaube wohl ist, wenn du dein Leben riskierst mit dem Satz: Ich bin Christ. Wie herrlich muss Hoffnung in Herzen hallen, an der sie sich fest inmitten von Schmerzen halten? Rührt es nicht zutiefst, dass jemand eher bereit ist zu sterben, als  sich nicht zu dem zu bekennen, der uns unfassbar liebt? Sind das nicht die Geschichten von Helden, die wir irgendwie fast vergessen zu erzählen? Und jedes bisschen der Geschichten, die berichten, was er im Verborgenen tut, vergrößern mein Vertrauen. Weil meine Vorstellung von dem was möglich ist, nur auf meiner begrenzten Erfahrung baut. Seine unsichtbare Liebe zu sichtbaren Menschen macht sicher nicht halt vor sichtbaren Grenzen und findet wundersame Wege zu hungernden Herzen.

Now I see
Das hier ist kein Zaubertrick. Wenn er mir seine Augen gibt, seh´ ich manchmal für einen Augenblick, dass es so vieles gibt, die ich oft nicht seh´. Und es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass er einem Blinden Sehkraft gab und plötzlich für ihn sichtbar macht, was unsichtbar gewesen war.
(Text: Marco Michalzik)

Unter Räubern
Zerschunden liegt er am Straßenrand: müde, hungrig, blutend. Man hat ihm alles genommen. Sein Geld, seine Kleidung, seine Hoffnung. Mit letzter Kraft hebt er den Kopf und wimmert um Hilfe als er Schritte hört. Doch der reiche, fremde Mann wechselt die Straßenseite. Ebenso ein zweiter. Der Überfallene stöhnt gequält auf. Er hat keine Hoffnung mehr, als plötzlich etwas Unglaubliches passiert...
Vielleicht weißt du, wie die Geschichte vom barmherzigen Samariter weitergeht (Lukas 10, 25-37). Ein Fremder erbarmt sich über den Mann der "unter die Räuber" gefallen ist, verbindet seine Wunden und bringt ihn an einen sicheren Ort. Ein Happy End.

Die Geschichte heute
Zurzeit strömen täglich tausende Flüchtlinge in unser Land. Auch sie sind auf der Suche nach Sicherheit, auch sie wurden beraubt: ihrer Heimat, ihres Geldes, ihrer Wüde uns ihrer Zukunft. Hilflos liegen sie an den Straßenrändern unseres Alltags. Und wir? Du und ich, wir sind die Privilegierten in diesem Leben. Jetzt bleibt diese Geschichte nicht mehr bloß tote Worte. Nun stehen wir in der Pflicht, als Menschen und als Christen. Lässt uns die Not der Menschen um uns herum kalt? Gehen wir unbeeindruckt an den Flüchtlingen vorbei, wie der Priester und der Levit, die zwar "sehen" aber nicht reagieren? Oder handeln wir wie der Samariter, wie Jesus, der "innerlich bewegt" ist, wenn er Menschen leiden sieht? (Matthäus 9, 36)
Echtes Mitleid ist kein theoretisches Gefühl - sondern eine praktische Tat.
Es gibt so viele Möglichkeiten, den Menschen zu helfen und ein Licht in ihrer Dunkelheit zu sein: mit deinen Fähigkeiten, mit deinem Gebet oder Ermutigungen. Werde aktiv! Was willst du tun? Wem wirst du heute ein "Nächster" sein?

Be blessed
Manuel

PS: Einige Tipps wie du aktiv werden kannst, um Flüchtlingen in deinem Umfeld zu helfen und mit Liebe zu begegnen habe ich hier für dich zusammengestellt: Auf der Flucht mit Hoffnung im Gepäck


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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