R O O T S

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Was Christsein ausmacht

Wohin wir wollen - das wissen wir häufig. Zumindest haben wir Sehnsüchte, Träume und Wunschvorstellungen. Wo aber kommen wir her? Worauf bauen wir? Und welche Auswirkungen hat das auf unsere Art zu leben?

Hey du,
"Bist du jetzt ein Christ oder nicht?" Mein alter Schulfreund wird nicht richtig schlau aus mir. Ich treffe ihn auf einer Feier und wir sind schnell beim Thema Glauben und Christsein. Er schaut mich lächelnd an, weiß aber nicht so genau, was er denken soll. Einerseits geh ich in die Kirche und arbeite in der Jungendarbeit mit. Also bin ich Christ. Anderseits sitze ich hier und trinke mein zweites Bier. "Tut das ein Christ?", fragt er skeptisch. Aber ich bin ja auch christlich getauft. Also bin ich eindeutig ein Christ. Der Fall müsste also klar sein. Völlig verwirrt er aber dann, als ich ihm erzähle, dass es getaufte Menschen gibt, die kein Bier trinken und Mitglied der evangelischen Kirche sind und doch von sich sagen, dass sie keine Christen sind. Mein Freund versteht die Welt - oder zumindest die Christen - nicht mehr.

Nett? Gläubig? Religiös?
Manche meinen, einen Christ erkennt man daran, dass er versucht, die zehn Gebote zu halten und seinen Nächsten zu lieben. Ein Christ ist also einer, der sich anständig verhält und Gutes tut? Ich versuche tatsächlich, alle Menschen zu lieben. Ich wünsche mir, dass sich Menschen in meiner Umgebung wertgeschätzt fühlen! Aber wenn ich ehrlich bin, kriege ich das oft nicht so gut hin und finde, andere machen das besser als ich - obwohl sie keine Christen sind. Also allein das Verhalten hilft nicht zu erklären, was ein Christ ist.
Andere meinen, ein Christ glaubt eben an Gott und Jesus und hat biblische Glaubensüberzeugungen. Auch da ist was dran. Ein Christ glaubt an Gott, natürlich. Aber Jakobus schreibt in seinem Brief, dass das nichts besonderes ist, denn auch der Teufel tut das (Jakobus 2, 19). Das macht ihn nicht zu einem Christen.
Welche Überzeugungen muss man haben, um Christ zu sein?  
Muss ein Christ glauben, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde? Manche würden sagen: Nein, das glaub ich nicht. Oder: Das ist mir nicht wichtig. Und was genau bedeutet die Taufe? Da haben Christen auch ganz unterschiedliche Vorstellungen. Also - auch die Glaubensüberzeugungen allein helfen nicht weiter...
Wieder andere meinen, ein Christ ist jemand, der regelmäßig in die Kirche geht, getauft ist, Bibel liest und betet. Auch da ist was dran. Zum Christsein gehört eine lebendige Frömmigkeit. Aber auch das kann ja eine leere Tradition sein. Manche gehen regelmäßig in die Kirche und beten oft gedankenlos das Vaterunser runter und denken dann, jetzt müsste ihr Leben besser gelingen. Aber das ist ein Aberglaube und hat nichts mit dem christlichen Glauben zu tun. Auch ein religiöser Lebensstil allein erklärt nicht, was ein Christ ist. Und nun?

Gesucht und gefunden
Ich finde, die alte Geschichte in der Bibel von Zachäus macht ziemlich gut deutlich, worum es als Christ wirklich geht (nachzulesen in Lukas 19,1-10): Keiner hat Bock auf Zachäus - den fiesen, geldgierigen Manager, der jeden betrügt. Nur Jesus, der gerade von einer riesen Menschenmenge umgeben ist, sucht ihn. Er entdeckt den einsamen Betrüger versteckt auf einem Baum. Und Jesus hat nur einen Gedanken: Ich hab ihn gefunden und würde jetzt gerne zu ihm nach Hause. Zachäus lässt sich darauf ein. Er freut sich über den überraschenden Besuch.
Und dann muss irgendetwas geheimnisvolles auf dieser Party im kleinen Kreis geschehen sein. Vielleicht war es einfach die Art, wie Jesus ihn angeschaut hat. Vielleicht erlebt Zachäus auch zum ersten Mal in seinem Leben, dass da einer ist, der alles von ihm weiß und ihm dennoch mit Liebe begegnet. Jedenfalls ist er völlig verändert. Früher hielt Zachäus seinen Geldbeutel krampfhaft fest. Immer mehr - das war sein Lebensmotto. Aber nach einem guten Essen mit Jesus ist er auf einmal bereit, das herzugeben, was er hat. und sein Leben aufzuräumen. Er hat erlebt, dass Jesus ihn gesucht und gefunden hat. Er hat Jesus in sein Haus gelassen. Und die Begegnung mit ihm verändert Zachäus Schritt für Schritt. Er wird ein neuer Mensch. So jemand ist ein Christ.

Auf Jesus stehen
Wenn wir Christen mit einem Baum vergleichen - so komisch das auch klingt - kann das noch deutlicher werden.
"Segen soll über den kommen, der seine ganze Hoffnung auf den Herrn setzt und ihm vollkommen vertraut. Dieser Mann ist wie ein Baum, der am Ufer gepflanzt ist. Seine Wurzeln sind tief im Bachbett verankert: Selbst in glühender Hitze und monatelanger Trockenheit bleiben seine Blätter grün. Jahr für Jahr trägt er reichlich Frucht." (Jeremia 17, 7-8) 
In dem Jeremia-Vers gilt derjenige als "am Ufer gepflanzt", der Gott zutraut, dass er ihn versorgen wird - "selbst in glühender Hitze". Es geht um die Wurzeln des Glaubens. Es geht darum, ob wir uns in unserem Denken, Fühlen und Handeln ganz auf Gott und seine Ratschläge verlassen, darauf setzen, dass er an Bord ist, was auch kommen mag.

Fest verwurzelt
Im Herbst dieses Jahr zog ein großer Sturm über Süddeutschland. Überall im Wald sah ich riesengroße, mächtige Bäume, 10 Meter hohe Säulen, einfach herausgerissen aus der Erde. Jedes Mal fragte ich mich, wie so ein großer Baum umgeworfen werden kann. Ich wusste es, als ich auf das Bäumende sah. Da hingen dünne Fäden als Wurzeln, meistens nicht mal so dick wie mein kleiner Finger. Im Wald sah ich aber auch noch ein ganz anderes Bild: Dort stand ein großer Baum; seine Wurzeln hingen zur Hälfte aus der Erde heraus, denn der Regen hatte viel Erdboden weggespült. Nur noch ein kleiner Teil der Wurzeln war fest im Boden verankert. Der Baum sah aus wie ein Stuhl, der auf einem Bein steht. Der Anblick ließ vermuten, dass er jeden Moment zur Seite kippen musste. Aber er tat es nicht. Er stand felsenfest da, unbeeindruckt von Wind und Regem. Die Moral von der Geschichte ist simpel: Ein Baum, der keine starken Wurzeln hat, mag er auch noch so gigantisch wirken, fällt zu Boden, wenn ein Sturm kommt. Aber ein Baum, der tiefe, starke Wurzeln hat, steht fest, egal, wie seine Umstände sind.

Das will Ich auch!
Jeder Mensch will wie ein großer starker Baum sein, der bei den "Stürmen des Lebens" nicht wie ein Strohhalm wegknickt, sondern standhaft bleibt. Deswegen bewundern wir Menschen, die ausdauernd trainieren, die hart arbeiten, die ihre Selbstdisziplin stärken, um große Herausforderungen zu meistern: den Mount Everest besteigen oder Krisen und Krankheiten überwinden. Und jeder Mensch will gute Auswirkungen auf sein Umfeld haben; "einen Unterschied machen" - ein Baum sein, dessen tiefe Wurzeln gute Früchte tragen. Die Frage ist:
Wie wird man zu jemandem, dessen "Wurzeln" stark sind, der mit beiden Beinen im Leben steht und sein Umfeld positiv verändert?
Der Apostel Paulus verwendet das Bild mit den Wurzeln in einem Brief an die Gemeinde in Ephesus: "Christus soll durch den Glauben in euren Herzen wohnen. Und ihr sollt in der Liebe verwurzelt bleiben und unerschütterlich an ihr festhalten." (Epheser 3, 17)
Wenn wir nah an Jesus bleiben, mit ihm eine Beziehung pflegen, uns von ihm lieben lassen, dann haben wir alles, was wir brauchen, um gute Früchte zu tragen und einen Unterschied um uns herum zu machen. Das Wachstum guter Früchte beginnt mit Wurzeln, die in gutem Nährboden stecken.

Vom Unsichtbaren zum Gegenüber 
"Sich von Gott lieben lassen" klingt in der Theorie einfacher als die Praxis ist. Ich selbst hab mich oft gefragt, wo Gott in meinem Alltag ist. Die Veränderung brachte ein Mann, den ich bei einer Jugendfreizeit traf. Dieser ältere Herr kritisierte Inhalte der Bibel. Er kannte die Bibel besser als ich, obwohl er nicht an Gott glaubte. Das spornte mich an, die Bibel durchzutesen, weil ich selbst noch nie einen Blick in viele der Bücher geworfen hatte. Monatelang las ich die Bibel. Meist war es Routine. Aber immer häufiger wurden die Worte, die ich las, zu Ermutigungen, Hilfen, Korrekturen oder Aha-Erlebnissen für die Dinge, die mich umtrieben. Ich erlebte, dass Gottes Wort tatsächlich zu mir sprach. Das half mir, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das Bibellesen schärfte meinen Blick für seine Gegenwart, wenn ich vor Prüfungen nervös war oder ängstlich bei einem Streit. Gott wurde für mich zu einem Weggefährten, mit dem ich in Beziehung leben kann.

Tiefe Wurzeln, gute Frucht 
Um "gute Früchte" in deinem Leben wachsen zu lassen und dein Umfeld zu bewegen, ist es wichtig, dich auf deinen Nährboden zu konzentrieren. So viele Menschen suchen ihr Leben lang nach dem besten Boden. Aber sie schlagen nie Wurzeln, weil sie immer auf der Suche sind. Und auch ich war lange Zeit auf der Suche. Aber ich habe einen Untergrund gefunden, der ander ist als all die anderen. Der mich bedingungslos trägt, auch in schlechten Zeiten und der ewig ist. Dieser Nährboden ist Gottes Liebe.
Nur wer fest verwurzelt ist, kann gute Früchte bringen
Und ich glaube, das ist es auch, was Christsein ausmacht. Dass seine Wurzeln in dem sind, der sagt: "Ich bin das Licht der Welt und die Quelle, des Lebens." Christsein definiert sich nicht durch das Einhalten irgendwelcher frommen Formeln oder das Erfüllen von Klishees, sondern darin dass sein gesamtes Leben auf Jesus baut. Und dass man diesem Jesus nachfolgt.
Sich lieben lassen von Gott und die Beziehung zu ihm pflegen und leben, gibt dir die Kraft, standhaft zu bleiben, selbst wenn dein Leben an dir reißt. Wenn du gefestigt bist in der Herzensgewissheit, dass Gott dich abgrundtief liebt, kannst du auf ihn bauen, wenn Stürme des Lebens, wie Tod oder Krankheit, Verlust oder Herzschmerz an dir zerren und dich zerreißen wollen.


Like a tree
Bäume bestehen aus vielen Teilen. Ohne Wurzeln geht bei Bäumen gar nichts. Sie spenden Leben und geben Halt. Bei einem Christen stehen die Wurzeln für Jesus, er ist die Basis. Zachäus wird von Jesus gesucht und gefunden - und bekommt von ihm ein neues Leben.
Direkt an der Wurzel sitzt dann der Baumstamm. Der steht für das Vertrauensverhältnis. Wenn Jesus meine Basis ist, dann steht mein Leben in Beziehung zu ihm. Wir "glauben" ihm. Zachäus hat Jesus geglaubt, dass er ihn wirklich mag, und es entstand eine Freundschaft. Glaube heißt: Ich bin fasziniert von der Liebe, die Jesus für mich hat, und möchte mein ganzes Leben mit ihm leben. Von ihm geprägt werden.
Aus dem Stamm wiederum wachsen Äste. Die Äste sind die Auswirkungen dieser Freundschaft. Zachäus gibt sein Geld her, macht seine krummen Geschäfte wieder gut und unterstützt die Armen. Er verhält sich liebevoller, weil er selber Liebe erfahren hat. Was er tut, wird von seiner Beziehung zu Jesus geprägt.
Ein Baum besteht aus vielen Teilen, aber sie alle sind abhängig von den Wurzeln. Sie resultieren aus den Wurzeln. Sie bauen auf die Wurzeln. Die Frage die ich dir heute stellen möchte ist:
Worauf baust du dein Leben? Was sind deine Roots?
Ich will dich heute challengen darüber nachzudenken. Lasst uns gemeinsam auf die Suche nach unseren Wurzeln machen. Nach dem, von dem alles kommt und auf den alles zuläuft. Der dich geschaffen hat und der dich unabdinglich liebt. Lasst uns als Community auf eine Reise gehen. Hin zu Gott.

Du bist, was du glaubst
Denn unsere Wurzeln bestimmen unser Leben. Wie du dich als Person siehst, wird darüber entscheiden, wie du dich verhältst. Siehst du dich als großer Verlierer, folgt dadurch vermutlich tatsachlich irgendwann, dass manches in deinem Leben schiefgehen wird. Siehst du dich als der große Alleskönner, dem keiner das Wasser reichen kann, kann es tatsächlich sein, dass du erfolgreicher bist als andere, gleichzeitig aber auch rücksichtsloser, arroganter und einsamer.
Oder du glaubst dem, was Gott selbst über dein Leben sagt. "Ich hab dich ganz neu gemacht" (2.Korinther 5, 17). "Du bist das Licht der Welt" (Matthäus 5, 14). "Du bist ein Königskind" (l.Petrus 2, 9). Glaubst du das? Um als Kind Gottes in dieser Welt zu leben, muss ich dem Vater glauben und mich selbst als Kind des Höchsten betrachten. Du bist ein Königskind! Und deine Wurzlen liegen bei Gott, der dich geschaffen hat und der dich liebt wie ein Vater seine Kinder liebt. Lebe, was du bist!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/youversion

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