Schlauer streiten

Lesedauer: 6min

Fight for truth. Your truth, not someone elses.

Als Christ und friedliebender Mensch darf man sich nicht streiten und sollte jeden Konflikt vermeiden. Falsch. Konflikte und Streit gehören zum Leben dazu. Wie man aber konstruktiv streitet will ich dir heute zeigen.

Hey du,
Menschen haben verschiedene Meinungen und Interessen. Manche lieben Fleisch, anderen wird schon bei dem Gedanken an ein Schnitzel schlecht. Manche stehen total auf Trash-TV, andere gucken - wenn überhaupt - nur die Nachrichten. Wenn unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen, kann es schon mal krachen. Das ist erst mal nicht schlimm.
Verschiedenheit und die Auseinandersetzung damit gehören zum menschlichen Leben dazu.
Entscheidend ist, wie man mit diesen Unterschiedlichkeiten, die schnell auch zu einem Konflikt führen können, umgeht.

Schlauer Salomo 
Ein Beispiel für den guten Umgang mit einem Konflikt können wir uns an dem biblischen König Salomo nehmen. Er ist bekannt dafür, dass er Konflikte jeglicher Art lösen konnte. Der bekannteste Fall, den er geschickt gelöst hat, ist Folgender aus l. Könige 3,16-28: Zwei Frauen, die zusammen in einer Wohngemeinschaft leben, werden zur gleichen Zeit Mama. Eines Morgens wacht eine der Frauen mit einem toten Kind im Bett auf. Nun behauptet sie, dass ihre Mitbewohnerin die Kinder nachts vertauscht hat und ihres noch lebt. Die Mitbewohnerin streitet das ab. Was nun? Salomo lässt ein Schwert holen und befiehlt, das Kind zu teilen, sodass jede Frau eine Hälfte bekommt. Klingt grausam, aber dahinter verbirgt sich eine Strategie. Salomo spekutiert darauf, dass die wahre Mutter es nicht zulassen wird, dass ihr Kind zerteilt wird. Und so ist es auch, die Mutter schreit auf und verzichtet lieber auf das Kind, um dessen Leben zu retten. Nun weiß Salomo, wem er das Kind zusprechen kann. Hut ab, Salomo, für diese weise Entscheidung! Es bleibt aber noch zu erwähnen, dass Salomo kein "Konfliktlöser-Naturtalent" war, sondern er diese Eigenschaft von Gott geschenkt bekam.Und Gott will auch dich zu einem Konfliktlöser machen. Der streitet weil er für seine Meinung kämpft. Aber der nicht verletzend ist, sondern liebend. Diese Grundsätze können dir dabei helfen, schlauer zu streiten. denn: Gut gezankt ist halb vertragen!

Du bist okay! 
Wenn man von anderen dumm angemacht wird, geht man oft entweder zum Gegenangriff über oder zieht sich beleidigt zurück - beides stört die Beziehung. Besser ist es, sich daran zu erinnern, dass der andere sich vielleicht doof verhält, aber nicht grundsätzlich eine absolute Doofnase ist. Du kannst üben, das Verhalten getrennt von der Person zu betrachten. Denn wenn du Gott glaubst, dann sind wir zwar alle nicht perfekt, aber wertvoll. Das ist wie mit einem 50-Euro-Schein: Selbst wenn er zerknittert, kaputt oder ekelhaft schmuddetig ist, ist er immer noch 50 Euro wert...
Wenn du dir diese Wahrheit immer wieder in Herz und Hirn bewusst machst, hast du einen Riesenvorteil: Es fällt dir leichter, dem anderen zu verzeihen. Weil er eben einfach nicht perfekt ist. Das ist so. Dann brauchst du dich auch gar nicht so aufregen, sondern kannst dich entscheiden, das Ganze nicht so schwer zu nehmen. Und vielleicht löst das sogar den Wunsch in dir aus, zu vergeben. Die Entscheidung liegt bei dir: "Ich gebe meine Rachegedanken auf, die altes nur noch schlimmer machen würden. Ich halte dem anderen das nicht mehr vor. Ich gebe ihm eine neue Chance." Eine solche innere Haltung macht das Leben deutlich leichter!

Nachgefragt 
Gleichzeitig ist es schlau, herauszufinden, was der andere sich dabei gedacht hat. Dann lernt man ihn besser kennen und kann die Reaktion beim nächsten Mal besser einschätzen. Denn meistens gibt es gute Gründe dafür, warum sich der andere so und nicht anders verhält. Oft lösen sich Missverständnisse dann schon auf - oder man kann weiter herausfinden, wie der andere tickt, was ihn beschäftigt und was er sich eigentlich (von mir) wünscht. Denn wenn du findest, dass der andere an sich okay ist und Fehler machen darf, ist das Ziel, die Sache zu klären statt den anderen runterzumachen. Du kannst ehrlich nachfragen: Warum hast du das gesagt/getan? Was ist der Grund? Du bist mir wichtig, lass uns darüber reden.

Ich bin okay!
Natürlich machst auch du selbst Fehler. Wie gesagt, jeder baut mal Mist, greift im Verhalten richtig daneben oder verletzt andere. Doch das ändert nichts an dem unkaputtbaren Wert, den du hast! Darum musst du dir das, was falsch gelaufen ist, nicht tagelang vorhalten. Wir sind Menschen, wir sind nicht perfekt. Aber deshlab ist es auch so wichtig, diesen Anspruch an Perfektion abzulegen. Sondern in dem, was man tut sein bestes zu geben. Exzellenz statt Perfektion. Genau hierfür bist du gemacht. Mit dem, was du hast und wer du bist.
Die eigene Unvollkommenheit in Exzellenz zu leben, fängt im Herzen an. Mit einer klaren Entscheidung und der Vorfreude auf mehr.
Mit dieser Haltung zu dir selbst wirst du daraus lernen und sagen: "Es tut mir leid! Das war total doof von mir. Kannst du mir verzeihen?"

Grenzen ziehen
Deshalb steht es dir auch zu, klar zu sagen, was Sache ist. Wenn du verletzt oder wütend bist. Du musst auch nicht alles schlucken oder auf dir rumtrampeln lassen. Zieh klare Grenzen. Das hilft dem anderen nachzuvollziehen, was sein Verhalten bei dir auslöst. Deswegen kannst du dich auch trauen dem anderen zu sagen, was du dir in Zukunft anders wünschst. Und wenn klar ist, dass es nicht um ein Kräftemessen geht, sondern darum, eine Lösung des Konflikts auszuhandeln, dann wird der andere gerne darauf eingehen.
Und was, wenn er oder sie einfach nicht will? Das gibt's leider. Du hast altes versucht, aber manche wollen sich einfach lieber ärgern und ihre Wunden lecken, als alles loszulassen und unbeschwert neu zu starten. Für diesen traurigen Fall muss man das aushalten: Lass das Ganze ruhen und grüble nicht weiter rum. Denn zur Versöhnung gehören immer zwei. Es ist nicht deine Verantwortung, was der andere damit macht. Aber das Gute: Vergeben kannst du ihm dennoch! Damit geht's dir am Ende besser.

Wofür du bekannt sein solltest
Ich nenne mich Christ. Damit bin ich herausgefordert, Nächstenliebe zu zeigen. Ich möchte für andere gerne ein lebendiger Hinweis auf Jesus sein. Auch im Streit. Besonders im Streit. Dort wo sonst Hass ist.
Ich will Nächstenliebe leben. Dafür stehen Christen bekanntlich ja. "Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat." (1. Johannes 4, 19) In diesen wenigen Worten steckt so viel Wahrheit für das alltägliche Leben. In diesem Vers steckt nicht nur die Wahrheit darüber, was der Ursprung unserer Liebe ist, sondern auch darüber, wie wir sie bewahren können.
Oft habe ich in meinem Leben gedacht, dass ich Dinge aus meiner eigenen Kraft meistern kann. Besonders als Christ hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich einen ganzen Aufgabenkatalog vor mir habe: meinen Nächsten lieben wie mich selbst, nicht lügen, nicht lästern... und auch im Streit die Ruhe bewahren und den Hass mit Liebe bekämpfen etc. Und während das auch alles gut und richtig ist, musste ich doch irgendwann feststellen, dass ich das alleine und aus mir heraus niemals hinbekomme. Egal, wie sehr ich mich angestrengt habe, ein "guter Christ" zu sein, ich musste doch immer wieder feststellen, dass ich scheitere. Und das ist auch gut so. Vielleicht geht es nämlich gar nicht darum, wie gut ich irgendetwas hinbekomme oder wie gut ich meine Nächsten liebe, sondern es geht darum, wie gut Jesus ist und wie sehr er jeden Menschen liebt. Ohne täglich zu diesem Punkt zurückzukommen, bin ich als Person machtlos. Ich kann nichts geben, was ich nicht empfangen habe.

Wodurch Nächstenliebe funktioniert
In dem Buch "Liebe im Überfluss" von Max Lucado gibt es eine Stelle, die mich bis heute immer wieder bewegt. In dieser Stelle geht es um eine der berühmtesten Bibelstellen überhaupt: 1. Korinther 13.  In dieser Bibelstelle heißt es: "Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet...". All die Attribute, die der Liebe hier zugesprochen werden, sind doch solche, die ich mir für mich und mein Leben wünsche. Lucado fordert in seinem Buch auf, anstatt des Wortes "Liebe" den eigenen Namen einzusetzen. Tut man dies, muss ich leider schon nach dem ersten Satz feststellen, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Setzt man allerdings den Namen Jesu ein, ändert sich der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht. Jesus ist der Einzige, der diese Liebe geben kann und der diesen Aussagen gerecht wird.
Ich möchte dich heute ermutigen, täglich zu dieser Liebe zurückzukehren, die Jesus im Überfluss und gerne gibt. Aus meiner eigenen Kraft heraus werde ich es nie schaffen, meine Feinde zu lieben, nicht nur mein Bestes zu suchen oder meinen Freunden zu vergeben. Es ist die Liebe von Jesus, die Herzen verändert und das Unmögliche möglich macht. Wenn wir uns also täglich neu von dieser Liebe füllen lassen, werden wir anfangen, anders zu streiten. Weil wir aufhören weren zu hassen, zu beneiden, zu zerstören und anfangen unseren Gegenüber mit den Augen Gottes zu sehen und das wahrzunehmen, was er in ihm geschaffen hat: Einen Menschen, der zwar nicht perfekt ist, weil er Fehler macht, aber der trotzdem geliebt ist, der gut ist. Und das wir jeden Streit zu einem Streit machen, der nicht verletzt, sondern der am Ende beide weiter- und vielleicht auch ein Stück näher zu Gott bringt.

Streit-Regeln 
Gott will dich zum Überwinder machen. Zum Durchbrecher von Hass und Feindschaft. Er will Liebe spreaden, wo Krieg ist. Und er will dich zum Kämpfer machen. Der für seine Meinung kämpft, und dafür streitet, aber niemals von der Liebe abweicht, die er im herzen trägt. Ich weiß, das klingt jetzt wieder nach großen Worten, aber genau das hat Gott mit dir vor. Lasst uns gemeinsam kleine Schritte gehen und wachsen. Diese Streit-Regeln können dir dabei helfen.

l. Offenheit von Angesicht zu Angesicht// Sprich dein Problem offen an. Mit der Wahrheit liegst du immer richtig. Am besten ist es, wenn du von Face-to-Face mit deinem Gegenüber sprichst und nicht probierst, über WhatsApp, Facebook oder Telefon ein Gespräch zu führen. Nur so bekommst du am besten mit, wie es deinem Gegenüber in dem Gespräch geht, und ob er deine Sichtweise des Konfliktes verstanden hat.
2. Bei der Sache bleiben// Sprich in der Ich-Form, es geht nämlich um deine Sicht und deine Gefühle bei der Sache. Verallgemeinerungen machen dies nicht deutlich genug. (Beispiel: Es ist viel besser zu sagen: "Mich hat es verletzt, als du sagtest...", als "Voll verletzend von dir, zu sagen...") Bleib beim Thema, und vermeide Beschuldigungen, damit das Gespräch auch wirklich sachlich und nicht emotional geführt werden kann. Emotionen gab es vermutlich schon genug, nun geht es um die Klärung des Streits.
3. Jeder Streit hat mindestens zwei Seiten// Gib dem anderen die Möglichkeit, seine Bedürfnisse und Interessen auszudrücken, und gehe auf sie ein. Lass ihn ausreden, und sage ihm, was du verstanden hast. Denn wichtig zur Klärung eines Konfliktes ist, dass beide Seiten ihre Sichtweise des Konfliktes schildern können und dies auch vom Gegenüber verstanden und nicht nur gehört wird. Wenn du dir nicht sicher bist, frag nach.
4. Es geht nicht um Recht oder Unrecht// Suche mit deinem Konfliktpartner Lösungsmöglichkeiten, die für beide annehmbar sind. Es soll keinen Sieger und keinen Verlierer geben. Auch zwei verschiedene Meinungen nebeneinander sind okay.
5. Trefft eine klare Abmachung// Eine klare Abmachung ist wichtig, um einen Streit zu beenden. Denn nur so ist er auch wirklich vorbei und steht nicht mehr zwischen euch. Wenn ihr soweit seid: Plant oder startet eure nächste gemeinsame Unternehmung, und habt Spaß miteinander.

Wenn du diese fünf Streit-Regeln beherzigst und auch Gott bittest, bei der Konfliktklärung dabei zu sein, solltest du wie Salomo aus jedem Streit gut herauskommen.
Fight for truth. Your truth, not someone elses. But fight with the sword of love!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/youversion

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Hoffnungsträger

Der Moment, wenn nichts mehr geht (TDW 41/2018)

Zur Freiheit berufen (TDW 39/2018)