Warum Christen oft ziemliche Lappen sind

Lesedauer: 5min

... und warum wir wieder neues Feuer in unseren Herzen brauchen

Viele Christen, gerade in meiner Genreration, haben sich in den letzten Jahren berechtigterweise von der Umklammerung gelöst, die noch die Generation vor uns geprägt hat. Die hatte beispielsweise ein schlechtes Gewissen, wenn sie am Sonntag ausnahmsweise mal nicht in den Gottesdienst ging, und war sich sicher, dass der Tag ein bisschen schlechter werden würde, wenn man morgens nicht in der Bibel gelesen hatte. Wir sind frei. Befreit von Gnade. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich inmitten von all dem meinen Biss verloren habe. Mein Feuer für Jesus. Meinen Kämpfergeist.
Ein Plädoyer für neue Power!

Hey du,
Christen. Ob man es glaubt oder nicht, davon gibt’s eine ganze Menge: Namenschristen, Tauf-Scheinchristen, Hippe Rock-Christen, Fahnen-schwenkende Christen, U-Boot-Christen, Eventchristen, meine-Bibel-hat-einen-Reißverschluss-Christen, Undercut-Longshirt-Christen, Lamettachristen, Birkenstock-Forever-Christen, W.W.J.D.-Bändchen-Träger-Christen, Sonntagschristen, ... diese Liste ist wie die Einkaufsschlange im Supermarkt: Endlos!
Egal, zu welcher Sorte Christen du dich zählst oder ob du mehr der Ich-passe-in-keine-Schublade-Christ bist, muss ich immer öfter feststellen, dass uns eine große Sache vereint: wir werden immer mehr zu Waschlappen. Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich pauschal und provokant, aber ich bin in letzter Zeit immer wieder geschockt und erschüttert, wie unernst man und vor allem ich das Leben als Christ so nehmen kann.

Die Billig-Gnade
Wir habens uns nämlich so ziemlich gemütlich gemacht, wir kleinen Christen. Genießen, dass sich Hillsong jetzt öfter mal in Deutschland blicken lässt, tanken in unseren Hauskreisen und Smallgroups vom stressigen Alltag auf und freuen uns schon am Montag auf den After-Church-Latte (...oder traditionsfesten Filterkaffee). Was daran jetzt falsch ist? Garnichts! Aber irgendwie merke ich, dass ich inmitten von all dem meinen Biss verloren habe. Meinen Kämpfergeist und - apropos Kämpfen meine Waffenrüstung? Die habe ich in meinen Ikea-Schrank gepackt, damit sie wohlbehütet bleibt, glänzend schön und unzerkratzt.
Ich zähle mich zu einer Generation, die Gnade in einer neuen Dimension wiederentdeckt hat und mit ihr einen himmlischen Vater, der liebevoller ist, als oft angenommen. Die Schattenseite dabei ist, dass Hingabe nichts mehr damit zu tun hat, dass man sich Gott hingibt, sondern damit, dass man einen Gott hat, der sich hingebungsvoll um einen selbst kümmert. Man fragt sich gar nicht mehr, was man für Gott tun soll, sondern primär, wie er die eigenen Bedürfnisse stillen kann.
Durch die wiederentdeckte Gnade muss man gar nichts mehr: weder in die Kirche gehen, noch in der Bibel lesen noch liebevoll reagieren, noch Menschen von Jesus erzählen und sie einladen, diesen wunderbaren himmlischen Vater kennenzulernen ... Man muss nichts mehr, außer das bereits angebrochenen himmlische Reich zu genießen. In gewisser Weise muss ich sagen: Das stimmt. Gott zwingt uns zu nichts. Aber schauen wir mal weiter.

Wir haben uns verrannt
Für unsere Generation hat Hingabe an Gott hat keine wirklichen Folgen mehr - Gott meint es ja so gut, dass er uns niemals aus unserem Job mit sicherem Gehalt herausrufen oder uns aus unser netten Nachbarschaft herauslösen würde. Er würde nie etwas verlangen, das uns wiederstrebt. Gott meint mit Nachfolge doch sicher nicht, dass wir uns bewegen müssen.
Bereits Bonnhoeffer hat zu solchem Denken bemerkt: "Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus."
Wir haben uns verrannt, haben uns mit einer Billig-Gnaden-Decke wohlig zugedeckt. Aber auch im 21. Jahrhundert sind wir Teil von Gottes großem Traum und er weitet sein Reich aus, indem er uns dafür einspannt. Nur sind wir sehr gekonnt darin, die unbequemen Rufe zu ignorieren und haben uns eingeredet, dass alles okay ist, unser Gewissen in den Schlaf gelullt.


On fire für Jesus
Aber gerade lese ich mein Lieblingsbuch - in der Bibel - die Apostelgeschichte. Und alter, die ersten Christen waren alles andere als Lappen: "Man rief die Apostel wieder herein, ließ sie auspeitschen und verbot ihnen nochmals, unter Berufung auf den Namen Jesu 'in der Öffentlichkeit' zu reden. Dann ließ man sie gehen. Die Apostel ihrerseits verließen den Hohen Rat voll Freude darüber, dass Gott sie für würdig geachtet hatte, um des Namens Jesu willen Schmach und Schande zu erleiden. Unbeirrt lehrten sie auch weiterhin Tag für Tag im Tempel und in Privathäusern und verkündeten die Gute Nachricht von Jesus." (Apostelgeschichte 5, 41-42)
Die Bibel steckt voller Geschichten von Glaubenshelden. Menschen, die so on fire für Jesus waren, dass sie sich sogar darüber freuten, für würdig erachtet zu werden, für den Namen Jesus zu leiden. Während sich viele Christen heute oft zu würdig erachten, um neben den alltäglichen Pflichten noch echten Einsatz für Jesus zu bringen, der die Mitarbeit im Begrüßungsdienst oder das Putzteam alle vier Wochen übersteigt.
Allen voran bin da übrigens ich. Denn, ja klar Jesus, dir gehört ja schon mein ganzes Leben und ich will wirklich alles für dich geben, aaaber, in meine Schulfreunde oder den Obdachlosen auf dem Weg nach Hause investieren? Hmmm... ich treffe mich lieber zum Gebetstreffen mit meiner Gemeinde oder in einem hippen Restaurant. Früher aufstehen, um in der Bibel zu lesen und Zeit mit dir zu verbringen? Ach Jesus, du weißt doch wie schwer es mir fällt, meinen Nächsten zu lieben, wenn ich müde und deshalb genervt bin. Unterm Strich kann man also sagen, ich bin oft ein ziemlicher Lappen. Und deshalb hier nun für mich und für dich: 2 Dinge, die du gegen das Lappen-Christsein tun kannst. Überraschend basic. Überraschend wirkungsvoll.

Beten
Ernsthaft? Ja! So oft höre ich Christen die sich wünschen zu Zeiten von Jesus gelebt zu haben, denn dann hätten sie einfach so mit ihm reden können. Ganz ehrlich, ich kann das verstehen und echt jetzt, das wäre soo cool! Aber ehrlich, wenn all diese Menschen gleichzeitig mit Jesus reden wöllten htte er für jeden nur ein paar Sekunden Zeit. Aber im gebet ist das anders. Eigentlich war das Gespräch mit dem Erfinder der Erde und deiner DNA nie so einfach, wie gerade jetzt. Aber warum sollte man einem allwissenden Gott eigentlich alles erzählen? Na, weil so funktioniert Beziehung! Gott redet, ich höre - ich rede und Gott hört mich. So gebe ich Gott die Möglichkeit, mit mir zu sprechen, mich an seine Wahrheiten zu erinnern. Damit drücke ich aus, wie wichtig es mir ist, Gott mitreinzunehmen - in meine Anliegen, in meine Ängste aber auch in meine Freude und all das wofür ich dankbar bin. Denn auch wenn es oft heißt: "Da kann man nur beten...", kann dieses 'nur beten' eben mal dein Leben und das Leben deines gesamten Umfelds verändern, Menschen zu Jesus führen, heilen, Wunder ermöglichen und deinen gesamten Glauben auf ein neues Level katapultieren.
Mein Tipp: Versuche dir Zeit für konkretes und bewusstes Beten zu nehmen, aber lass es immer mehr zur Gewohnheit werden, den ganzen Tag, inmitten vom Stress bis hin zum absoluten Entspannen, Jesus in alles mit einzubeziehen.

5 Steps of prayer
Ich habe für mich 5 Steps gefunden, die mir helfen jeden Tag zu beten. Nun, was meine ich damit? Lass es mich dir kurz erklären:
Einfach// Einfach meint nicht unbedingt leicht. Es wird dich etwas kosten, dein Gebetsleben auf Vordermann zu bringen. Doch ich glaube, dass es jeder schaffen kann. Einfach meint hier dass es eigentlich nicht schwer ist Gebetszeiten in seinen Alltag einzubauen. Im Bus auf dem Weg zur Schule oder in die Uni, in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt, morgens bevor man aus dem Haus geht, abends bevor man schlafen geht...
Weg// Gebet ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen. Es braucht Zeit und Geduld. Sehr wahrscheinlich wird die Veränderung für die du betest nicht von heute auf morgen kommen. Deshalb nimm dir die Zeit für die Veränderung in deinem Gebetsleben.
Du// Jeder ist anders. Der eine geht beim Sonnenaufgang raus in die Natur, der andere liebt es, in seiner Sofaecke im Kerzenschein zu beten. Der eine öffnet seine App, der andere sein Gebetstagebuch. Wichtig ist, dass du deinen individuellen Weg findest, denn ein Schema gibt es nicht.
Täglich// Erfolg ist sehr häufig nur das Ergebnis einer Sache, die du kontinuierlich tust. Deine Zähne sind sauber, weil du sie täglich putzt. Dein Gebet geht steil, weil du es täglich lebst. Du verstehst, was ich meine, oder? Mega!
Der Schlüssel zum Durchbruch liegt weniger in dem Außergewöhnlichen als vielmehr in der Stetigkeit des Gewöhnlichen. 
Bete täglich und du wirst an Orte kommen, von denen du bisher nur geträumt hast.
Beten// Das Gebet eines Christen ist ähnlich wie die Atemfunktion eines Menschen. Lebensnotwendig. Was bringt all das Tun und Machen ohne Gebet?

Kämpfen
Ich bin vom Grundtyp eher Kategorie: notorischer Harmoniemensch. Und so versuche ich oft auch mein Christ-sein zu leben. Bloß alle lieben, Frieden wie Konfetti streuen, Konflikte meiden, nichts tun, dass Konflikte auslösen könnte, bloß nicht anecken... kämpfen ist sowieso ein eher harter Begriff. Aber mal ehrlich? Die Bibel ist voll von Menschen, die für ihren Glauben kämpfen, die für Jesus einstehen, aufstehen, vorangehen und keine Angst davor haben, was passiert, wenn sie ihre Aussage nicht politisch korrekt ausdrücken, sondern volle Dröhnung Jesus raushauen, auch wenn sämtliche Pharisäer und Gegner regelmäßig vor Empörung ihre Kleider zerrissen.
Und wofür konkret kämpfen? Für Momente mit Jesus in deinem vollgestopften Alltag. Für Zeiten, in denen du aktiv in Beziehungen investierst. Für dein Herz und deine Aufmerksamkeit, die beide so hart umkämpft sind. Für deine Familie. Für dein gesamtes Umfeld. Für deine Generation. Für Jesus!

Fight for what you believe
Und ich glaube sehr wohl, dass der Kampf fürs Evangelium und Liebe da auf keinen Fall im Gegensatz stehen. Denn wie könnten wir die Menschen in unserem Leben mehr lieben, als ihnen davon zu erzählen, dass es einen gibt, der die absolute Freiheit schenkt? Von allen Sünden? Von Leistungsdruck, Ängsten, Menschenfurcht und Selbstverletzung? Und so vielem mehr? Und nicht nur das: er bietet eine lebendige, aktive, lebens- und ewigkeitsverändernde Beziehung an! Einfach so. Geschenkt. Freiwillig. Ungezwungen. Freiheit erkämpft für uns. Aus Liebe. Damit wir aufstehen und endlich auch anfangen für die Liebe zu kämpfen. Die Liebe, die ein perfektes Leben für uns lies. Was brauchen wir denn noch, um zu verstehen, wie ernst es Jesus mit uns ist? Welchen Preis es gekostet hat?
Mein Tipp: Überlege dir, in welchen Bereichen deines Lebens du wieder aufstehen und kämpfen musst. Wie sehr kämpfst du darum, dich täglich mit Gottes Wort zu beschäftigen? Wirklich konzentriert Bibel zu lesen? Wie sehr kämpfst du im Gebet für deine Familie, Freunde und dich? Wo hast du aufgehört, gegen die Lügen in deinem Leben zu kämpfen? Wie wichtig ist es dir, für das Evangelium zu kämpfen?

Hundert Prozent
Also, Schluss jetzt mit Mimimi-Waschlappen-Christ sein! Lasst uns als Generation endlich mal aufwachen, mit offenen Augen durch unser Umfeld spazieren, Lächeln nicht nur metaphorisch verschenken, andere segnen, mal wirklich auf den Heiligen Geist hören und das, was er uns sagt, dann auch mal wirklich mutig durchziehen. In andere 100% investieren, uns in unsere Kirchen und Gemeinden wieder voll reingeben, denn schließlich kannst du dort einen Ort schaffen, der zum Herzenszuhause für dich, deine Familie und alle deine Freunde wird. Lasst uns Jesus wieder mit vollem Herzen, unabhängig von Lust, Gefühlen, Motivation, nachfolgen. Denn das ist das Mindeste, was wir für den tun können, der sein Leben für uns gab und sogar ein gesamtes Universum für uns geschaffen hat. Oder?

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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