Beten... warum so kompliziert?

Lesedauer: 7min

Wie Gott mein Gebetsleben verändert hat

Warum erhört Gott manche Gebete und manche nicht? Warum betet jeder anders? Wie betet man nach dem Willen Gottes? Und... warum muss das so kompliziert sein?

Hey du,
weißt du was? Das Thema Beten hat mich in letzter Zeit manchmal wirklich genervt. Und das heißt nicht, dass ich davon genervt war zu beten. Nein. Ich war genervt davon, dass ich in so vielen Kirchen, Gottesdiensten, Blogs oder Zeitschriften ständig davon gehört und gelesen habe, wie man wohl "richtig" betet. Überall begegneten mir diese Tipps und ich habe mich plötzlich gefragt:  
Bete ich vielleicht schlecht oder falsch? Woran misst man das? Wie betet man eigentlich nach dem Willen Gottes? Und... muss das so kompliziert sein?
 Gebetet habe ich eigentlich schon so lange ich mich erinnern kann. Als Kind haben meine Eltern mir beigebracht, dass wir Abends gemeinsam beten und Gott Danke sagen. Und im Gottesdienst natürlich auch. Dadurch ist Gebet für mich lange ein Bestandteil meines Lebens, wobei es auch immer wieder Zeiten gab und gibt, in denen mir ein Gebet nicht wie selbstverständlich über die Lippen kommt. Ich will heute mit dir auf eine Reise gehen. Eine Reise hin zu den Wurzeln unseres Gebets. Und eine Reise zu Gott. Denn Gebet ist unsere direkte Verbindung zu unserem Schöpfer. Gebet ist eine Herausforderung, eine tägliche Challenge, aber5 auch ein Geschenk, Privileg und eine riesen Chance.
 
In the name of Jesus
Ich glaube es ist wichtig, sich zuerst einmal klar zu machen, warum wir überhaupt beten? In Johannes 14 sagt Jesus ein starkes Statement: "Und alles will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird". Alles, was Jesus tat, hat auf Gott hingewiesen. Aber tun das meine Bitten und Wünsche auch? Bringen sie Gott Ehre? Oder sacke am Ende ich die Lorbeeren ein? Leben wir für uns selbst, oder dafür, dass Menschen Gott kennen und lieben lernen? Beten wir für unser Ego oder dafür, dass Gottes Wille in unserem Leben regiert?
Jesus sagt in Johannes 14, 13-14: "Und alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird in dem Sohn. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun." Das klingt doch erstmal wie ein Freifahrtschein für meine Wünsche. Ich brauche nur Gott darum zu bitten und es wird mir gegeben werden. Oder nicht?

Gottes Herzenswunsch
Nicht ganz. Denn Jesus sagt hier: "Um was ihr in meinem Namen bitten werdet...". Wenn ich etwas im Namen eines anderen tue, dann bedeutet das, dass die Person damit übereinstimmt, was ich tue. Sie würde das Gleiche tun. Es würde mit dem, was die Person will übereinstimmen.
Ist das das, wofür ich bete, auch wirklich Gottes Wille? Würde er sagen: "Ja, das wünsche ich mir auch"?
Wenn ich in die Bibel schaue, dann lese ich von Abraham, der alles, was er kannte, zurückgelassen hat, um Gottes Reiseleitung zu vertrauen. Er hatte keinen Schimmer, wohin er gehen sollte. Er ging einfach, weil Gott ihm gesagt hat: "Geh!" Ich lese von Noah, der sich entscheiden musste, ob er von allen als Idiot behandelt werden will, weil er Gott gehorcht und ein riesiges Schiff in der Wüste baut, oder ob er lieber mit den anderen untergeht. Und von Stephanus, der als erster Märtyrer für seinen Glauben an Jesus Christus gesteinigt wurde. Oder Paulus, der abgemagert und gefoltert im Gefängnis festsaß. Jesus selbst sagt uns sogar, dass wir viele Unannehmlichkeiten einkassieren werden, wenn wir zu ihm gehören - und dass wir sogar mit dem Tod rechnen müssen! Das vergessen wir gerne, denn es gibt ja auch die vielen schönen Bibelstellen, in denen Gott uns Gutes verspricht.
Beim Beten geht es um Nachfolge! Es geht um meine Beziehung zu Gott und nicht um mein Ego.

Audienz bei Gott
Wie ich bete hängt oft auch damit zusammen, was ich bete oder wann. Ich bete laut und leise. Ich danke und bitte. Ich bete voller Freude und ich bete, während ich weine. Ich bete alleine und ich bete mit anderen zusammen. Ich bete mit vielen Worten und ich bete schweigend.  Ich bete für 10 Sekunden und ich bete für 1 Stunde. Gebet ist - davon bin ich überzeugt - eine ganz persönliche Sache. Genauso wie du auf deine ganz eigene Art mit Gott redest, redet er mit dir persönlich und so, wie du es verstehen kannst.
Während ich mich gefragt habe, ob in meinem Gebetsleben eigentlich alles in Ordnung ist, oder ob ich mir einige dieser Tipps zu Herzen nehmen sollte, wurde mir was klar: Beten ist für mich vor allem einfach Zeit mit Gott. Das ist die Zeit, die ich mir entweder kurz nebenbei oder mal ganz ausgiebig nehme, die ich bewusst mit Gott verbringen möchte. Mit meinem liebenden himmlischen Vater. Mit meinem Freund. Ja, das ist er für mich. Und weil er das ist, beeinflusst das auch die Art, wie ich bete. Ich verbringe gerne Zeit mit ihm. Aber ja, manchmal muss ich mir auch in den Hintern treten, um mir die Zeit zu nehmen. Manchmal vergesse ich, wie gut diese Zeit mit ihm ist und dann bleiben vielleicht am Ende des Tages noch die letzten 5 Minuten dafür übrig, bevor mir die Augen zufallen. Manchmal nehme ich mir die Zeit nur, wenn ich ihn gerade ganz dringend brauche. Aber ist das nicht in jeder guten Beziehung so? Hat nicht jede Freundschaft auch Zeiten, in der man diese "Zeit zu zweit" vernachlässigt?
Gebet ist für mich ein Gespräch mit meinem Papa, meinem Freund meinem Gott. 
Die direkte Verbindung zu dem, der mich geschaffen hat. Und die Audienz beim König der Könige!

Mein Freund Jesus
Gebet ist für mich aber auch so ähnlich wie eine Freundschaft:
1. Persönlich & individuell. Meine Freundinnen und Freunde sind alle unterschiedlich. Manche sind sich ähnlich, aber keiner würde einen anderen ersetzen können. Und genau wie sie und ich als Menschen unterschiedlich sind, sind auch unsere Beziehungen unterschiedlich. Weil wir Menschen so verschieden sind, ist es ganz natürlich, dass auch jede unserer Beziehungen zu Gott einzigartig ist. Sei einfach du selbst, wenn du betest! Er freut sich über deine Einzigartigkeit und er liebt es zu hören, wie du die Welt siehst, welche Fragen du an ihn hast und was dir auf dem Herzen liegt. Gott verbringt gerne Zeit mit dir persönlich - genauso wie wir es genießen, mit unseren Freunden einmal alleine zu sein.
2. Nicht an Zeit und Ort gebunden. Im Café, in der Uni, auf Freizeiten, beim Sport, im Gottesdienst, auf der Arbeit, ... meine Freunde treffe ich an den unterschiedlichsten Orten und zu jeder Tageszeit. Das ist mit Gott genauso und noch viel besser! Er ist jederzeit erreichbar und egal, wo du bist, er ist auch schon da. Du musst dich nicht mal vorher mit ihm verabreden. Das find ich genial!
3. Nicht so kompliziert. Zeit mit meinen Freunden muss selten "effektiv" sein. Ich verbringe Zeit mit ihnen, um Zeit mit ihnen zu verbringen.
In der Beziehung zu Gott kann das genauso sein. Er kann jede Situation verändern, uns immer helfen, jedes Problem aus dem Weg räumen -und das macht er gerne. Gott lädt uns ein mit dieser Erwartung zu ihm zu kommen und zu vertrauen, dass er unsere Gebete hört.

Gebet kann dein Leben verändern!
"Er tritt für uns ein, daher dürfen wir voller Zuversicht und ohne Angst vor Gottes Thron kommen. Gott wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir seine Hilfe brauchen." (Hebräer 4,16)
Ich merke aber auch, dass es gut ist, nicht nur im Notfall meine Probleme mit ihm zu teilen und dann seine Hilfe zu erwarten. Wirkliche, tiefe und starke Freundschaft kann dann wachsen, wenn wir regelmäßig Zeit mit ihm verbringen. Freundschaft muss gepflegt werden, im Alltag und in besonderen Situationen.
Gott als meinen Freund kennenzulernen und Gebet als eine Zeit unter Freunden zu sehen, hat mein Gebetsleben verändert. Er hilft mir, Gebet so zu leben, wie es meiner Persönlichkeit entspricht. Ich genieße diese Zeit und erlebe oft, dass Gott nicht direkt ein Problem aus dem Weg räumen muss, sondern einfach auch meine Sicht auf die Situation verändert.
Falls du das noch nicht getan hast, probier’s doch mal aus, mit Gott als deinem Freund zu reden. Jesus sagt in Johannes 15, 15, dass wir seine Freunde sind, weil er alles mit uns geteilt hat, was er von seinem Vater hörte. Du bist seine Freundin. Sein Freund. Sei du selbst und trau dich, ehrlich und offen vor ihm zu sein. Du wirst entdecken, dass Gebet auf deine ganz persönliche Art echt aufregend ist und dein Leben verändert. Also, freu dich drauf!

Große Träume 
"Wenn euer Vertrauen auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu dem Maulbeerbäum dort sagen: 'Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!', und er würde euch gehorchen", sagt Jesus zu seinen Jüngern in Lukas 17. Jesus ermutigt uns, groß zu denken. Nicht nur in der Box dieser Welt sondern out of the Box. Er fordert uns auf, für Unmögliches zu beten. Er fordert uns heraus, unseren Glauben zu testen, wachsen zu lassen und Großes zu erwarten. Gott hat viel mit dieser Welt vor. Das coole daran ist, dass er mit uns diese Vision Wirklichkeit werden lassen will. Er will, dass Menschen erkennen, dass er der einzige Gott ist und eine Beziehung zu ihm besser ist als alles, was es auf dieser Welt zu holen gibt.
Wir verpassen etwas, wenn wir es nicht wagen, Gott im Gebet herauszufordern. 
Wenn wir wollen, dass sein Wille geschieht, und Gott trotzdem mit Nein antwortet, dann können wir ihm vertrauen, dass er weiß, was er tut. Nur wer von einem Gott der Wunder Großes erwartet und nicht mit einer eingeschränkten Perspektive betet, wird auch erleben, wie Berge versetzt werden und Maulbeerbäume sich ins Meer verpflanzen.
Trotzdem bleiben immer noch manche Fragen offen. Ich kann nicht immer verstehen, warum Gott trotz vieler ausdauernder Gebete Katastrophen nicht verhindert, obwohl er es könnte. Aber ich bin nicht Gott. Es ist nicht mein Job. über solche Dinge zu entscheiden. Alles, was ich weiß ist, dass Gott sich durch die Bibel offenbart hat. Er ist die Liebe und gerecht. Er hat gesagt, dass alle Dinge für die etwas Gutes bereithalten, die ihn lieben. Er hat versprochen, treu zu sein. Und er hat versprochen, dass er unsere Gebete hört und uns antwortet. An diese Zusagen muss ich mich halten, wenn ich keine Antworten mehr auf offene Fragen finde. Denn dort, wo mein Verstand endet, beginnt Glaube. Und ich glaube, dass Gott hält, was er verspricht.

3 Tipps für dein Gebetsleben
Wie kannst du dein Gebetsleben neu beleben? Welche praktischen Möglichkeiten gibt es, um deine Zeit mit Gott wieder attraktiv zu machen? 3 Tipps die dir helfen, mit Motivation und Innovation im Gebet neu durchzustarten.

1. Reserviere eine feste Zeit für dein Gebet
Lass mich dir kurz ein Beispiel geben. Deine Zähne sind sauber, weil du die Gewohnheit etabliert hast, sie täglich zu putzen. Diese Gewohnheit ließ sich wiederum etablieren, weil du eine feste Zeit für das Putzen reserviert hast. Vor dem Schlafen gehen und kurz nach dem Aufstehen. Ähnlich ist es auch mit dem Gebet. Wenn wir es wortwörtlich verschlafen, uns eine feste Zeit für das Gebet zu reservieren, werden wir uns schwer daran tun, das Gebet zu einer täglichen Gewohnheit werden zu lassen. Wenn wir es jedoch schaffen, wird es uns leicht fallen, beständig dranzubleiben.

2. Dokumentiere dein Gebet
Wir leben in einer ergebnisorientierten Gesellschaft und lieben das Häkchen auf unserer To-Do Liste. Diese Mentalität prägt unser Gebetsleben mehr als wir uns vorstellen können. Mir hat es deshalb geholfen, mein Gebet zu dokumentieren. Dafür erstelle ich mir eine Evernote-Notiz und benenne sie jeweils nach der aktuellen Kalenderwoche. Die Notiz unterteilt sich in verschiedene Bereiche. Zum einen schreibe ich mir Dankesanliegen auf, zum anderen habe ich meine Hotlist, wo Anliegen reinkommen, die mir innerhalb der Woche spontan begegnen. Meine langfristigen Anliegen nenne ich durch ein Buch inspiriert „Kreiszieher“. Gleichzeitig schreibe ich mir in dieser Notiz auch Eindrücke auf, um immer offen für Gottes Reden zu sein. Schließlich geht es um seinen Willen – ja, um seine Anliegen hier auf der Erde.
Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, sein Gebet zu dokumentieren. Ich möchte dich ermutigen, deinen individuell angepassten Weg zu finden.

3. Wenn Musik hilft, schalt sie ein
So oft herrscht die Vorstellung, Gebet muss in der Stille passieren. Viele tun sich schwer damit, Lobpreismusik im Hintergrund laufen zu lassen. Sie haben die Befürchtung, dass die Musik ihre Emotionen verfälscht. Ist die gute Stimmung nur ein Ergebnis meiner genialen Playlist oder der Gegenwart Gottes? Gute Frage. Sehr wahrscheinlich beides.
Ich bin mir dessen bewusst, dass die Musik meine Emotionen beeinflusst. Doch ist die Stimmung für mich nicht das entscheidende. Entscheidend ist, dass ich bete. Die Musik hilft mir dabei, meine Gedanken zu fokussieren, in einen Flow reinzukommen und den Fokus auf Anbetung zu halten. Da frage ich mich ganz ehrlich: Wieso nicht?
Natürlich brauchen wir das Gleichgewicht zur Stille und die Weisheit, um zu erkennen, wann wir uns von unseren Gefühlen abhängig machen. Doch ich möchte dich inspirieren, alle Blockaden aus dem Weg zu räumen. Und wenn es dir am Morgen leichter fällt, mit Musik ins Gebet zu starten, dann schalte sie ein. Wichtig ist, dass du deinen Weg findest und dann anfängst, zu beten.
 
Ich will dich heute ermutigen, neu durchzustarten in deinem Gebetsleben. Bitte Gott darum, dass er dein Gebetsleben neu belebt. Sein Geist wird den Unterschied machen. Er ist bereit, einen neuen Schritt zu gehen. Du auch?

Be blessed
Manuel 


Bildquelle: http://ligaviewer.com/theprayerapp

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