Jesus der Wegbegleiter

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Christliche Wurzeln in unserer Gesellschaft 

Manchmal erkennt man den Wald vor lauter Bäumen nicht. So zum Beispiel, wenn es darum geht, ob Europa noch christlich ist oder nicht. Wenn Deutschland zum christlichen Abendland gehört müsste davon ja was zu sehen sein, oder? Es müsste Hinweise geben, deutliche, für alle unübersehbare und unbestreitbare. Aber wo? Eine Spurensuche zu den Wurzeln des europäischen Lifestyles.

Hey du,
vor drei Monaten hing bei uns die Stadt voller Plakate, auf denen in fetten Buchstaben stand: "Denk nach." Der Slogan hat mich sofort angesprochen, denn wenn ich etwas gern tue, ist es nachdenken, philosophieren, Gedankenkonstrukte nachvollziehen und weiterspinnen. Also folgte ich dem Link auf die Website der Kampagne.
Zuerst war ich überrascht, dass lauter Sprüche über meinen Screen liefen, die aus einer Werbung für christliche Werte hätten stammen können: "Gewalt löst keine Probleme.", "Liebe ist stärker als Macht" oder "Du bist wichtig". Es geht weiter: "Gemeinsame Werte basieren auf Vernunft". "Werte sind veränderbar". Um das zu realisieren, muss man hingegen weder besonders viel nachdenken noch besonders schlau sein. Auf einmal wird mir klar, dass ich laut der Kampagne gar nicht dazu bestimmt bin, nachzudenken. Jetzt kommen nämlich die Anti-Religiösen-Sprüche: "Wissenschaft beweist, Religion behauptet", "Evolution ist Tatsache" und "Denken statt Glauben".

Denken und Glauben 
Ist es wirklich nötig, gläubigen Menschen zu unterstellen, dass sie ihren Glauben nicht hätten, wenn sie "Denken statt Glauben" würden? Ich wüsste nicht, wie ich meinen Glauben durch mehr Wissen oder Nachdenken verlieren könnte. Und ich bin nicht allein. Die Liste von Physikern, Astronomen, Ökologen, Chemikern, Mathematikern und weiteren Wissenschaftlern, die an Gott glauben, ist lang. Eine solche Kampagne vermittelt die Überzeugung, dass unsere Gesellschaft, so wie sie heute ist, all ihre Werte und Vorzüge zum Beispiel die Meinungsfreiheit - ausschließlich von der Aufklärung ableitet. Schon möglich. Aber auf welchem Boden ist die Aufklärung denn gewachsen? Was sind ihre und damit unsere Wurzeln? Ich bin überzeugt: Ohne die Bibel und die christlichen Werte in Europa wäre die Aufklärung nie passiert.

Jesus der Befreier 
Allerlei Leute sagen heute gerne: Europa ist nicht mehr christlich. Wenn man in die Kirchen schaut, auf die Moral und den Glauben der Masse, ist das auch nachvollziehbar. Trotzdem: So viele unserer Werte sind immer noch geprägt von der Bibel, - ohne dass es uns bewusst ist. Einer davon ist Freiheit. Jesus ist gekommen, um alle möglichen Ketten zu lösen. Er hat den Menschen Würde zurückgegeben, die keine mehr hatten und sie so von gesellschaftlichen Stigmata befreit. Er hat Menschen von Krankheiten befreit. Er hat sich selbst frei von gesellschaftlichen Erwartungen verhalten - was gar nicht so einfach war und ist. Und schlussendlich hat er jeden Menschen von Schuld befreit und uns dadurch wieder freien Zugang zu Gott verschafft. Jesus ist der absolute Befreier. Diese DNA der Freiheit steckt im Christentum, durch sie wurde alles Forschen, Entwickeln, Denken und Hinterfragen erst möglich.

Vom Glauben geprägt
Deutschland ist doch ganz offensichtlich ein vom Christentum geprägtes Land! Egal, wo man hinkommt, die Kirche war schon da: jedes Dorf, jede Stadt ist von Kirchengebäuden mit ihren hohen Türmen geprägt. Bis zur Erfindung der Wolkenkratzer waren sie die höchsten Gebäude überhaupt. Die Kirchen gehören einfach dazu, prägen das Bild, das wir von bestimmten Orten haben. Oder kannst du dir Köln ohne den Dom vorstellen? Die Kirchen wurden dort gebaut, wo sich das Leben abspielt, mitten im Zentrum der Stadt oder des Dorfes. Sie stehen nicht am Rand, wo niemand unterwegs ist oder nur wenige wohnen. Sie sind unübersehbarer Mittelpunkt. Soweit mal zu den Gebäuden.
Aber auch viele Menschen tragen etwas Christliches an sich ob sie zu einer Kirche gehören oder nicht. Viele der Vornamen, die in Deutschland popular waren und sind, haben mit dem Christentum zu tun. Michael, Elisabeth und Markus genauso wie Hanna, Maria, Benjamin oder Lukas sind in Deutschland weit verbreitete Namen, die ursprünglich aus dem hebräischen oder griechischen Sprachraum stammen. Über die Bibel und das Christentum sind sie und viele andere bis zu uns nach Zentraleuropa gelangt und sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Der gute alte Sonntag
Trotz der vielen Vornamen aus der Bibel und den nicht zu übersehenden Kirchengebäuden scheint das Christentum in Deutschland insgesamt aber keine wirkliche Rolle mehr zu spielen. Es ist für viele in Deutschland höchstens noch eine Randerscheinung, die man nicht wirklich wahrnimmt. Dabei stecken hinter vielen Dingen, die wir für selbstverständlich halten, christliche Ideale und biblische Werte. Zum Beispiel der Wochenrhythmus von sieben Tagen. In der Berufswelt wie auch in der Schule gibt es einen Rhythmus aus Arbeitstagen und arbeitsfreien Tagen. Das ist nicht selbstverständlich.
Der Sonntag ist nicht selbstverständlich und auch keine Erfindung der Gewerkschaften.
Der "Erfinder" dieses Wochenrhythmus mit sieben Tagen ist Gott selbst. Er hat darin den siebten Tag, den Shabbat, von den anderen sechs Tagen als Ruhetag abgehoben (2. Mose 20, 9-10). Für Christen wurde mit der Zeit der erste Tag der Woche, der Sonntag, zum Feier- und Ruhetag. Ein arbeitsfreier Ruhetag pro Siebentagewoche ist Gottes guter Gedanke für uns Menschen. Bevor diese Regelung im 4. Jahrhundert durch den ersten christlichen Kaiser Konstantin im Römischen Reich verbindlich eingeführt wurde, war für den Großteil der Bevölkerung kein Ruhetag vorgesehen! Nicht arbeiten zu müssen, und sei es nur für einen Tag, war bis dahin das Privileg der Reichen - und derer, die einen jüdischen Arbeitgeber hatten.

Eine gewaltige Wahrheit
Seit bald 70 Jahren bestimmt Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" den Grundton für unser Zusammenleben in Deutschland. Dieser legt fest, dass die Würde und der Wert eines Menschen eben nicht von einem bestimmten Alter, seinem Können, seinem Geschlecht, seiner Gesundheit oder Krankheit abhängen. Jeder Mensch ist unendlich wertvoll, einfach weil er Mensch ist. Punkt. Auch wenn wir dies alles wahrscheinlich kennen, ist es alles andere als selbstverständlich! Einzelne Personen oder ganze Gesellschaften lebten und leben da oft nach ganz anderen Maßstäben. Die Wurzel dieses Wertes liegt in der Bibel: der Mensch (jeder einzelne Mensch!) ist von Gott geschaffen und gewollt, deshalb hat er Würde und Wert (Psalm 139, 13-16). Wir Menschen werden von Gott sogar sein "Ebenbild" genannt (1. Mose 2, 26), das ist eine gewaltige Aussage! Der Mensch an sich und auch alle einzelnen Menschen, sind im Kern ein Abbild Gottes. Dadurch erhebt Gott den Menschen über alle anderen Geschöpfe und stellt ihn auf eine ganz besondere Ebene - nämlich in seine Nähe. Er nennt uns seine Kinder. Königskinder. Einen höheren Wert für etwas Geschaffenes kann man sich eigentlich nicht vorstellen.

Die Würde des Menschen
Das bedeutet auch, dass es bei Gott kein Ansehen der Person gibt. Alle Menschen sind vor ihm gleich - auch wenn er sie unterschiedlich geschaffen hat. Das ist die Grundlage, auf der er uns begegnet - und auf der wir Menschen uns untereinander begegnen sollen (Epheser 6, 9). Und so wurde es anfangs in weiten Teilen der christlichen Gemeinden auch gelebt. Ungeachtet ihrer gesellschaftlich niedrigen Stellung waren Sklaven neben Freien mit der Leitung der Gemeinde beauftragt, Frauen wurden mit großem Respekt behandelt, ausgesetzte Kinder wurden aufgenommen und Bedürftige oder Kranke unterstützt. Wie eine Gesellschaft aussieht, die den Wert von Menschen anders bemisst, hatten die Verfasser des Grundgesetzes durch die gerade vergangenen Jahre des Nazi-Regimes deutlich vor Augen. Die Ideologie der Nationalsozialisten (auf dem Darwinismus gegründet) ging davon aus, dass es neben wertvollem Leben auch minderwertiges und sogar lebensunwertes Leben gibt! Davon setzt sich das Grundgesetz deutlich ab.
Das Grundgesetz vertritt den biblischen Standpunkt, was die Würde des Mensehen betrifft. 
Dass dies nicht immer so gelebt wurde, ändert nichts an der Richtung, die Gott uns eigentlich vorgegeben hat und die sich im Grundgesetz Deutschlands widerspiegelt.

Wir kümmern uns darum
Zur Würde des Menschen gehört auch, dass Gott uns die Freiheit und die Verantwortung gibt zu handeln und die Welt, in der wir leben, zu gestalten und zu bewegen (1. Mose 2, 15; Jakobus 4, 17).
Wir sind von Gott geschaffen um die Welt zu verändern!
Und wir sollen uns um "unseren Nächsten" zu kümmern (Markus 12, 31). Wir sollen nicht einfach nur Zuschauer sein, alles an uns abprallen lassen oder resignieren, nach dem Motto "ich kann ja eh nichts tun" oder "das geht mich alles nichts an", oder uns nur um unsere eigenen Belange kümmern. Das zeigt sich im freiwilligen Einsatz für andere. Ohne Helfer, die die von Gott gegebene Freiheit und die Verantwortung für die Menschen um sich herum, wahrnehmen, kann unsere Gesellschaft nicht so gut funktionieren. In Deutschland hat dieses freiwillige Bürgerengagement im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine lange Tradition und ist sehr gut ausgebaut, auch wenn es sich in manchen Teilen heute im Rückgang befindet. Welchen Wert es für eine Gesellschaft hat, bemerkt man oft erst, wenn man Einblick in ein Land bekommt, das keine solche Tradition hat.

Christliche Prägekraft 
Und noch etwas lässt uns das Christentum in all dem Alltagstrubel und Stress unserer Leistungsgesellschaft entdecken: Vergebung. Denn auch, wenn wir es häufig nicht mehr so nennen, ist der Wert "Vergebung" in Europa tief verankert.
Vergebung ist Teil unserer Kultur. 
Wir versuchen uns zu entschuldigen, wenn uns bewusst ist, dass wir etwas falsch gemacht haben. Auch wenn es nicht immer erfolgreich ausgeht. Bei uns gibt es sogar in den Medien ein "Recht auf Vergessen". Das bedeutet, dass es das ungeschriebene Gesetz gibt, alte Geschichten irgendwann ruhen zu lassen. Es wird als unfair erachtet auch nach zehn Jahren noch Dinge aufzuwärmen, die lange zurückliegen. Man soll irgendwann die Chance bekommen, Dinge besser zu machen, neu anfangen zu können, sich zu ändern. Was ist das anderes als Vergebung?
Obwohl natürlich auch in Deutschland manches verbessert werden könnte, sollten wir doch sehr dankbar sein, in einem Land zu leben, das geprägt ist von dem Glauben an den lebendigen Gott. Ein Land in dem die Würde des Menschen einen insgesamt so hohen Stellenwert einräumt - wie Gott es sich gedacht hat! Ein Land in dem wir frei sind in dem, was wir glauben - wie Gott es sich gedacht hat, der uns mit einem freien Willen geschaffen hat. Und ein Land in dem das Zusammenleben tief in den Herzen der Menschen von Nächstenliebe geprägt ist - wie Gott es sich gedacht hat.
Die Wurzeln unserer Gesellschaft sind zu einem großen Teil noch immer christlich oder wurden durch das Christentum geprägt. Und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Be blessed
Manuel 


Bildquelle: http://ligaviewer.com/youversion

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