Called to freedom

Lesedauer: 6min

Freiwillig abhängig?!

Freiheit. Mal ehrlich, wir alle lieben sie. Und unser Alltag ist voller Freiheit. Ich kann mich zwischen gefühlt 3000 Joghurtsorten vorm Kühlregal entscheiden, bin frei, mich zu verlieben in wen ich will, bin frei, zu reisen, meinen Glauben zu teilen und ich bin frei zu sagen, was ich denke und fühle. Aber was genau ist Freiheit und wo findet man wirkliche Freiheit?

Hey du,
eine der krassesten Filmszenen ist für mich schon seit vielen Jahren der Tod von "William Wallace" (Mel Gibson) in Braveheart. Noch im Sterben brüllt der Gefolterte mit aller Kraft ein letztes Mal "Freiheit!", bevor er die Augen schließt. Ich habe den Film oft gesehen, aber hier habe ich immer eine Träne im Augenwinkel. Freiheit...! Was ist diese Freiheit, dass Menschen bereit sind für sie zu kämpfen und sogar zu sterben? Habe ich - der ich doch eigentlich frei lebe - überhaupt ein Gespür für ihren Wert? Oder ist es wie mit der Atemluft - so lange selbstverständlich, bis sie plötzlich knapp wird?

Sehnsuchtnach Freiheit
Wir alle sehnen uns nach Freiheit. Egal, wo, egal wann. In uns allen steckt der Wunsch nach Freiheit. Und dafür kämpfen wir. Auf Sklavenplantagen, in Kriegen, Gerichtssälen, auf Demonstrationen. Es scheint, als seien wir Menschen dazu gemacht, in Freiheit zu leben. Und tatsächlich erzählt uns die Bibel genau davon: Von einem Gott, der den Menschen als Krönung der Schöpfung erschafft. Und der ihn als Verwalter und Pfleger über alles einsetzt, was er gemacht hat. Der Mensch darf frei entscheiden, was er damit machen will. Es ist seine Berufung, kreativ zu gestalten, zu benennen, zu bewahren und selbst Neues zu erschaffen. Absolute Freiheit! Bis auf eine klitzekleine Sicherheitsgrenze (welche das ist, kannst du in 1. Mose 2 nachlesen), die wir Menschen auch gleich mal überschritten haben. Und uns in unserer Freiheit dadurch selbst unserer Freiheit beraubt haben.
Die Bibel sagt, dass wir Menschen zur Freiheit berufen sind (Galater 5, 13). Das erklärt auch, weshalb wir uns so nach ihr sehnen. Freisein bedeutet Menschsein. Es ist Teil unseres Wesens. Aber was bedeutet es überhaupt, frei zu sein? Oder eben nicht?

Frei und doch abhängig?!
Woran denkst du, wenn du Freiheit hörst? Denkst du an Ferien? Denkst du an den Reiz, etwas Verbotenes zu tun? Vielleicht an ein Wochenende ohne Eltern? Ich denke bei Freiheit an die Berge...
Ich liebe es in den Bergen zu wandern und auf ihnen herumzuklettern. Tausende Höhenmeter zu Fuß überwinden und dann happy am Gipfel ankommen. Der Ausblick, die Dimensionen, die makellose Schönheit - so fühlt sich Freiheit für mich an!
Unser Alltag ist voller Freiheit. Ich kann mich zwischen gefühlt 3000 Joghurtsorten vorm Kühlregal entscheiden, bin frei, mich zu verlieben in wen ich will, bin frei, zu reisen, meinen Glauben zu teilen und ich bin frei zu sagen, was ich denke und fühle...
Wenn ich jetzt aber mal ehrlich mit dir und mir bin, dann muss ich gestehen:
Trotz all meiner Freiheiten fühle ich mich oft einfach unfassbar abhängig.
Mal bewusster, mal unbewusster. Obwohl ich es eigentlich besser weiß, bin ich viel zu oft viel zu abhängig von dem, was Leute sagen. Oder was ich denke, dass sie eventuell denken könnten. Wie sie mich finden. Wie beliebt ich bin. Findet man mich cool? Mag man mich? Sieht man, was ich kann? Oder sehen alle nur, was ich nicht kann? Meine Schwächen? Meine Fehler? Und schwupp, ob ich will oder nicht, werde ich zu einem Fähnchen im Wind. Verliere mein Fundament. Bemüh mich um Aufmerksamkeit und werde crazy. Mal laut. Mal leise. Hauptsache besonders sein irgendwie. Hauptsache gesehen werden irgendwie.

Gefangen in meiner Box
"Wer vom Applaus der Menschen lebt, stirbt an ihrer Kritik." Wie wahr. Und wie schwer sich davon loszusagen. Irgendwie häng ich da irgendwo zwischendrin. Denn ganz oft ist mir tatsächlich egal, was Leute sagen. Und dann bin ich wieder irgendwo anders unterwegs. In der Schule. Auf einer christlichen Freizeit. In der Kirche. Und schaue die anderen an. Begabte, krasse Leute. Mit unfassbar Potential. Und wo bin ich da so? Was kann ich so? Hä, wie geht das?! Wie kann denn der Grat zwischen Stolz und Selbstzweifel so nah beieinanderliegen?Und wenn das schon alles wäre. Ich bin abhängig von meinem Handy (...peinlich, oder?), von meinen To-Do Listen und dem Bedürfnis, ständig was erledigen zu müssen, dem Drang, meine Leistungen schön hoch zu halten, damit ich wenigstens das Gefühl habe, was auf die Reihe zu bekommen.
Ich behaupte:
In unserer Welt, in der jeder frei und glücklich sein will, ist es kaum jemand. 
Wir alle sind abhängig. Jeder von irgendetwas. Wir haben alle etwas, ohne das wir nicht sein können.

Wahre Freiheit
Oh man, so viel zur Freiheit. Denn so frei ich mich oft fühle, bin ich es anscheinend doch nicht so ganz. Und jetzt? Gewagtes Statement, aber ich durfte die letzten Monate und vor allem die letzten Tage immer wieder erleben:  
Wahre Freiheit ist die Abhängigkeit von Gott!
Irgendwie paradox, aber irgendwie die einzige und beste Erklärung! In dieser Welt erleben wir immer nur negative Abhängigkeit von irgendetwas. Die Wahrheit ist also, wir sind immer von irgendetwas abhängig, ob wir wollen, oder nicht! Und wenn ich meinen Abhängigkeiten hinterherrenne, dann erfüllt mich das gar kein bisschen. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich schlecht. Unsicher. Schwimme irgendwie, ohne Sicht auf was Beständiges.
Und Gott? Der bietet mir seine Abhängigkeit an. Eine Abhängigkeit, die anders ist, als all die Abhängigkeiten, die wir selbst so erleben oder in "der Welt" sehen. Denn Gott, kennt mich besser,
als ich mich selbst kenne. Er liebt mich mehr, als irgendwer sonst mich lieben könnte. Er hat den allerbesten Plan für mein Leben und will in einer ganz persönlichen Beziehung mit mir leben! Er will mit mir durchstarten, mein Leben richtig durch die Decke gehen lassen. Mich frei machen, von den Abhängigkeiten dieser Welt und mir eine neue, wahre Freiheit schenken. Eine Freiheit die Bestand hat. Auch über den Tod hinaus.
Abhängigkeit von Gott heißt, dass ich mich nicht mehr von der Meinung anderer, Aufmerksamkeit, oder selbst Geld, Traditionen, Gewohnheiten etc. abhängig machen muss, sondern durch die Abhängigkeit von ihm weiß, dass ich unfassbar geliebt bin. Von einem Gott, der den besten Plan für mich und mein Leben hat. Krass. Und alles, was ich tun muss ist, mich darum zu kümmern, dass ich in der Abhängigkeit und Beziehung zu ihm bleibe und nicht mehr auf das laute Reden der Abhängigkeiten in meinem Leben höre

Reality-Check
Auch wenn die Lösung einfach und logisch klingt, so einfach ist es in meinem Leben tatsächlich leider nicht immer. Ich muss regelmäßig einen Reality-Check machen. In mein Herz hören. Lügen und falsche Abhängigkeiten erst mal aufdecken und dann ganz bewusst dagegen kämpfen. Anstrengend. Aber so so wichtig! Schließlich sagt selbst der gute Paulus in der Bibel:
"Zur Freiheit seid ihr berufen!" (Galater 5, 13)
Berufen also! Berufen dazu, frei zu sein! Freiheit, die wir nur in der Abhängigkeit Gottes erleben können. Die Frage ist also: bleiben wir in den negativen Abhängigkeiten, die uns absolut unfrei machen oder begeben wir uns in die Abhängigkeit von Gott, der auf das Beste für dein und mein Leben aus ist, egal wie das manchmal aussieht? Und der dich wirklich frei machen will! Schließlich heißt es ja auch "Sei still und erkenne, dass ich Gott bin!" (Psalm 46,10) Er - also Gott selbst - ist Gott. Nicht ich. Er, der heiligste, allmächtigste, ehrenvollste und gleichzeitig liebendste Vater, den du und ich jemals haben könnten. Wie wär´s, wir lassen unsere negativen Abhängigkeiten mal sein und lassen uns stattdessen mal aufs richtige Abhängig-Sein ein?

Freiheit bedeutet von der Couch aufzustehen und sich ins Abenteuer zu stürzen
Wir haben oft Schwierigkeiten das Steuer abzugeben. Uns zu binden. Weil wir Angst haben, unsere Freiheit zu verlieren. Wir trauen uns nicht in feste Beziehungen, haben Angst ausgenutzt zu werden, wollen ungern teilen. Das Paradoxe: Wir lassen uns stattdessen unsere Freiheit rauben. Wir stecken im Hamsterrad des Lebens, getrieben von den Erwartungen der anderen. Verrückt. Zur Freiheit gehört es, eigene Entscheidungen zu treffen. Selbst Kapitän des Schiffes zu sein. Selbst "Ja" und "Nein" zu sagen. Gott will uns helfen und hat uns mit der Bibel einen erstklassigen Kompass zur Verfügung gestellt. Manchmal glauben wir, Gott würde alles für uns einfädeln. Wir sagen "Er hat einen Plan für mein Leben" und meinen "Ich muss nicht selber nachdenken." Aber ich sage dir: Das ist Quatsch! Wir sind zur Freiheit berufen! (Galater 5,13). Wir dürfen und sollen selbst Entscheidungen treffen. Wir dürfen unser Leben in die Hand nehmen. Und das heißt sich zu bewegen, von der bequemen Couch aufzustehen und sich ins Abenteuer zu stürzen.

Called to freedom
Aber wie schon gesagt: Manchmal tut es auch gut, sich abhängig zu machen. Und deshalb gibt es eine Abhängigkeit, die absolut gut ist: Nämlich die Abhängigkeit zu Gott, der dich bedingungslos liebt. Er will keine Gegenliebe, kein Geld, keine Leistung. Nichts. Er will nur das Beste für dich, nicht für sich. Nur von ihm und seinen Entscheidungen solltest du dich abhängig machen. Hör ihr zu! Lass dir etwas sagen! Sei gehorsam! Denn wenn er dich bedingungslos liebt, dann ist das, was er dir rät, das Beste für dich! Da wo er ist, herrscht Freiheit: "Der Herr aber ist der Geist, und wo immer der Geist des Herrn ist, ist Freiheit." (2. Korinther 3,17) Es lohnt sich also sich freiwillig von ihm abhängig zu machen und dadurch die echte unendliche Freiheit geschenkt zu bekommen.

Und jetzt? Dieser Text kann nur Augen öffnen. Er führt Dich nicht von A nach B. Er kann Dich aber aufwecken. Und dann geht deine Suche los. Dein eigener Weg mit Gott. Nicht vorgepflastert, sondern ein Abenteuer. Ein freier Mensch und ein freier Gott teilen eben diese Freiheit. Ich bin gespannt, was daraus entsteht!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://ligaviewer.com/scwlife

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