Wir sind Visitenkarten Gottes

Lesedauer: 6min

Ich schäme mich für das, was ich glaube

Über eine Nachttischlampe stellst du keinen Eimer. Nein das machst du nicht - denn sie soll ja den Raum erleuchten, damit du noch ein Buch lesen kannst. Wer würde auch schon auf so eine Idee kommen...

Hey du,
als Christen sind wir das Licht der Welt, weil das Licht Gottes in uns brennt. Aber von diesem Feuer ist leider manchmal herzlich wenig zu sehen. So oft kommt es mir so vor, als wären wir im Eimer. Und ich weiß selbst, dass es oft nicht leicht ist, über den Glauben zu reden. Lass mich dir eine kurze Geschichte erzählen.
Er kam genau auf mich zu. Am Ende der Fußgängerzone erkannte ich ihn: meinen alten Schulfreund Christian. Ich saß vor einem Café, um mit einer Gruppe von Jugendlichen aus einer Freizeit über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Wir haben diskutiert und Umfragen mir Passanten über den Glauben gemacht. Aber als mein alter Freund näherkam, zog sich mein Herz zusammen. "Hat er mich erkannt?" "Was tun?" Also habe ich mich ins Cafe zurückgezogen, mir eine Tasse Kaffee geholt, und mich... hinter einer Zeitung versteckt. Und ich habe mich geschämt. Ich schäme mich für das was ich glaube.
Ich habe mich geschämt, zu meinem Glauben zu stehen. Und ich habe mich geschämt, weil ich mich geschämt habe, zu meinem Glauben zu stehen. 
Die Geschichte ist jetzt schon fast zwei Jahre her. Aber um ehrlich zu sein, es fällt mir auch jetzt noch nicht leicht, immer zu meinem Glauben zu stehen. Na ja - ich schreibe einen vielgelesenen Blog erzähle Menschen von Gott. Auf meinem Instagramaccount steht als Motto: "Inspiring people by spreading the message of god". Die Leute in meinem Umfeld wissen, das ich glaube. Aber im persönlichen Gespräch fällt es mir immer noch schwer: Ich will nicht, dass meine Freunde denken, dass ich ein Idiot, ein Nachfolger der Kreuzritter, ein Wissenschaftsfeind, ein Unterdrücker der Frauenrechte bin. Manchmal schäme ich mich immer noch. Und ich schäme mich immer noch, dass ich mich schäme.

Fear not!
Und doch habe ich eine Leidenschaft dafür, dass Menschen zu Jesus finden. Und doch durfte ich Menschen schon auf dem Weg begleiten, Jesus kennenzulernen. Und doch habe ich mitbekommen, wie Menschen zum Glauben an Jesus gekommen sind und ich war Teil davon. Und doch glaube ich daran, dass es das Beste für jeden Menschen ist, Jesus kennenzulernen. Und doch sehne ich mich danach, meine Scham abzulegen und jedem Menschen vorzuschwärmen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, Jesus zu vertrauen. Ich wollte, dass du das weißt. Ich wollte nicht, dass du Beitrag liest und denkst, dass hier jemand berichtet, der alles verstanden und keine Angst hat. Ich bin kein Superchrist. Und deshalb brauchst du auch nicht frustriert sein, wenn es dir nicht leichtfällt, deinen Glauben zu teilen. Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Ich will aber auch nicht, dass du deine Angst oder meine Angst als Ausrede gebrauchst. Ich wünsche mir sehr, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen und lernen, unsere Angst hinter uns zu lassen. Nicht, weil wir keine Angst vor der Aufgabe haben, sondern weil wir den immer besser kennenlernen, der uns unsere Angst nimmt. Dann brauche ich mich nicht mehr so oft hinter einer Zeitung zu verstecken, die ich eigentlich verteilen will, und kann mit Paulus sagen: "Ich bekenne mich offen und ohne Scham zu dieser Botschaft!" (aus Römer 1,16). Ich träume davon, dass wir als Community authentisch unseren Glauben teilen, dass wir das leben, was wir glauben und dass wir gemeinsam mit Gott mutige Schritte gehen. Darum soll es heute gehen.

Teile deinen Glauben - aber wie?

Aber wie kannst du deinen Mitmenschen von Jesus erzählen? Eine schwierige Frage, die nach einer Antwort schreit. Ich möchte mich dieser Herausforderung stellen und dir mit diesem Beitrag ein paar Gedankenstöße geben, die dir helfen können, deinen eigenen Weg zu finden. Deinen Weg, wie du anderen Menschen von Jesus erzählst.

"In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst." (Augustinus)
Wenn du andere Menschen für Jesus erreichen willst, dann lass dich zuerst voll und ganz von ihm erreichen. Emerson, ein unglaublich inspirierender Theologe und Autor, schreibt: "Wenn du willst, dass dein Nächster an Gott glaubt, dann lass ihn sehen, was Gott aus dir gemacht hat." Und auch Jesus sagte: "Wovon das Herz erfüllt ist, das spricht der Mund aus!" (Matthäus 12, 34)
Es ist kein Geheimnis, dass du andere nur mit dem begeistern wirst, was dich selbst auch begeistert. Begeisterung steckt an. 
 "Lasst in eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in euch immer stärker werden", schreibt Paulus in Römer 12, 11. Brennt dieses Feuer für Jesus noch in deinem Herzen? Wenn nicht, dann beginne die Reise mit einem einfachen Gebet: Gott, entfache dein Feuer neu in mir!

"Das Gebet ersetzt keine Tat, aber es ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist." (Dietrich Bonhoeffer)
Evangelisation sollte niemals getrennt von Gebet sein. Wenn wir unseren Glauben teilen, aber nicht auch dafür beten, ist das wie eine Bombe ohne Zünder. Und auch Paulus betont in seinen Briefen ausdrücklich die Notwendigkeit des Gebets. Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinen Gefängnisbriefen während des 3. Reiches folgendes: "Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christentums muss neugeboren werden aus diesem Beten und aus diesem Tun."
Es ist eben nicht nur das Gebet, sondern auch das Tun, welches Evangelisation erfolgreich macht. Ganz nach dem Motto: Arbeite, als hängt alles von dir ab, und bete, als hängt alles von Gott ab.
Wer ist deine nächste Person, die du mit der genialen Message von Jesus erreichen möchtest? Bete und dann fange an, zu handeln.

"Die Welt liest nicht die Bibel - sie liest dich und mich." (Corrie ten Boom)
Du selbst bist die Botschaft. Emerson war es auch, der sagte: "Was du bist, spricht lauter als das, was du sagst." Und es ist wahr. Menschen werden dir nur das glauben, was du auch selbst lebst.
Johannes bringt es in seinem ersten Brief im dritten Kapitel in Vers 18 auf den Punkt: "Meine Kinder, unsere Liebe darf sich nicht in Worten und schönen Reden erschöpfen; sie muss sich durch unser Tun als echt und wahr erweisen."
Fange an, Menschen bedingungslos zu lieben. Es ist eine großartige Kunst, Gottes Worte nicht nur auswendig zu lernen, sondern sie tatsächlich zu leben. Denn: Das einzige Evangelium, das die meisten Leute je lesen, ist nicht das Evangelium nach Matthäus oder Lukas - sondern das Evangelium nach "dir"! Lasst uns beginnen, einen Unterschied durch Gottes Power zu machen. Menschen werden es wahrnehmen.

Versuche, erst zu verstehen und dann verstanden zu werden (insp. Stephen Covey)
Menschen sehnen sich danach, verstanden zu werden. Erst, wenn sie das Gefühl haben, verstanden zu werden, fühlen sie sich offen und bereit, den anderen verstehen zu wollen. So ist es wohl meist der Fall. Als Paulus nach Athen kam, versuchte er zuerst, die Bürger zu verstehen. Er nahm sich Zeit, führte Gespräche, hörte ihnen wirklich zu, und erst dann erzählte er ihnen von dem Evangelium. Absolut erstaunlich! (vgl. Apg 17, 16-33).
Theodore Roosevelt beschrieb es wie folgt: "People don´t care how much you know until they know how much you care" (Leute interessiert es nicht, wie viel du weißt, bis sie wissen, wie sehr du dich für sie interessierst).
Ich möchte dich herausfordern. Bombardiere Menschen nicht mit dem Evangelium. Höre ihnen zu, achte auf das, was der Heilige Geist dir sagt und versuche, aufrichtig zu verstehen. Erst dann versuche, verstanden zu werden.
Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Auf dem Weg zu einem Lifestyle, der nicht mehr länger von uns bestimmt wird, sondern durch den, an den wir glauben. Ein Lifestyle der bestimmt wird durch das Feuer, das Gott in uns entzündet. Wir sind nicht am Ziel, aber definitv auf dem Weg.

Du bist eine Visitenkarte Gottes
Dieser Lifestyle hat die gesamte Menschheitsgeschichte nachhaltig verändert. Im Jahr 360 nach Christus war Flavius Claudius Julianus römischer Kaiser und erlebte einer der schwersten Krisen. Das Reich musste Niederlage um Niederlage wegstecken, musste Terretorium um Terretorium an benachbarte Feine abtreten und eine kleine Gruppe von Christen erlangte mehr und mehr Einfluss und Bedeutung in der Gesellschaft. Durch einen radikal außergewöhnlichen Lifestyle schockierte und überraschte diese kleine Gruppe die gesamte römische Nation. Sie liebten ihre Feinde, sie halfen den Schwachen, sie sorgten sich um die Armen, sie vergaben ihren Verfolgern und sie chillten mit denen, die sonst jeder hasste. Julianus fürchtete um seinen Einfluss, fürchtete um seine Stellung als Kaiser und unternahm alles dagegen, um die Liebe der Christen aufzuhalten. Doch was er auch unternahm, ganz egal, welche Tücke er sich auch ausdachte, die Liebe der Christen war unaufhaltsam. Sie war begründet auf echter, wahrer Menschenliebe, die daraus resultierte, dass Jesus ihnen 300 Jahre davor aufgetragen hatte: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" (Matthäus 22, 37-39).

Spread the message
Dieser Auftrag, diese Herausforderung von Jesus veranlasste sie dazu, einen Unterschied zu machen und Einfluss in jeden Bereich der Gesellschaft zu nehmen. Dieser Auftrag gilt auch uns heute und gilt auch uns. Gott fordert uns heraus, dass wir Visitenkarten sind, Visitenkarten Gottes, die Menschen einen Geschmack von seinem Charakter und von seiner Liebe geben. Die Menschen mit dem Gott der zweiten Chance in Kontakt bringen. Du bist eine Visitenkarte für deine Mitschüler, für deine Arbeitskollegen und für deine Familie. In dem du ganz praktisch Liebe weitergibst und von dem erzählst, was du mit Gott erlebt hast. Lasst uns gemeinsam Deutschland, Europa und die ganze Welt mit einem Lifestyle überraschen, der von Liebe geprägt ist, und der Gottes Liebe auf diese Welt bringt. Wir sind Visitenkarten Gottes und bringen Menschen in Kontakt mit dem Gott der zweiten Chance. Lasst das zu unserem Lifestyle werden!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://genius.com/Victory-worship-rise-heart-lyrics

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