Die Welt hinter´m Horizont

Lesedauer: 5min

Ich glaube was, das du nicht siehst

Mal angenommen, es gäbe eine Welt hinter dem Horizont. Es gäbe da etwas, das wir nicht sehen können, und das trotzdem da ist. Das wir nicht sehen können, aber erleben und daran glauben. Was würde das verändern?

Hey du,
ich glaube an das Unsichtbare. In meinem Leben sind ganz viele Dinge unsichtbar. Wenn ich im Kühlschrank nach der Butter suche, dann ist sie nicht da. Bis jemand anderes den Kühlschrank öffnet. Schwupps, da ist sie plötzlich wieder sichtbar! Genauso geht es mir mit ganz vielen Gegenständen in meinem Alltag. Meine Schlüssel können total unsichtbar zwei Minuten vor meiner Nase stehen und wenn meine Freundin dann den Raum betritt, braucht es bloß einen Griff und - schwupps, haben sie sich wieder materialisiert...

Die Welt hinterem Zaun
Paulus hat aber noch eine ganz andere Dimension mit "unsichtbar" gemeint, als er sagte: "Was kein Auge jemals sah, was kein Ohr jemals hörte und was sich kein Mensch vorstellen konnte, das hält Gott für die bereit, die ihn lieben" (1. Korinther 2,9). Es gibt sie, diese andere Welt, die genauso real ist, wie die unsere. Nur ist es für uns Menschen so schwer sich das vorzustellen. Erklär mal dem Regenwurm im Garten vor dem Haus, dass er erst einen winzigen Bruchteil von diesem Universum durchwühlt hat? Seine Welt endet irgendwo bei Nachbars Zaun. Und wenn er Ohren hätte, mich verstehen könnte und ich ihm erzählen würde, dass da noch eine riesige Welt ist, von der er nichts weiß - er würde mich mit seinen großen Kulleraugen (falls er die hätte) nur verständnislos und mitleidig anschauen. Der Regenwurm kann diese größere Dimension in seiner - mit dem Mensehen verglichenen - geistigen Bescheidenheit gar nicht erfassen. Und genauso geht es mir, wenn ich versuche, all das zu erfassen, was neben dem, was für meine Augen sichtbar ist, noch so verborgen existiert.

Mehr als vorstellbar
In der Bibel im Buch Jesaja steht in Kapitel 55, 89: "Meine Gedanken - sagt der Herr - sind nicht zu messen an euren Gedanken, und meine Möglichkeiten nicht an euren Möglichkeiten. So hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken hinaus über alles, was ihr euch ausdenkt, und so weit übertreffen meine Möglichkeiten alles, was ihr für möglich haltet." Ich liebe diesen Vers! Und ich weiß, dass es sie gibt, diese Welt hinter dem Horizont. Weil so vieles im Leben unerklärlich bleibt. Weil einige Ereignisse ohne diese unsichtbare Welt gar nicht erklärbar sind. Weil es Menschen gibt, die diese Welt wirklich gesehen haben. Weil ich sie erfahren kann. Vor allem aber, weil die Bibel davon erzählt.
Leider hat die Zeit der Aufklärung nicht nur die Vernunft und das Rationale gestärkt, sondern gleichzeitig auch den Glauben an das Unsichtbare geschwächt. Plötzlich ist alles Unerklärliche, alles Übernatürliche unvernünftig: Es darf keine Geister, keinen Gott und auch keine Wunder mehr geben. Die Aufklärung hat ganz klar in gewissen Bereichen unseren Horizont erweitert. Im Bezug auf Gott und alles Übernatürliche, hat sie den Horizont jedoch dramatisch verengt. Mit der Vernunft lässt sich die ganze Welt des Glaubens einfach nicht erschließen. Da scheitern wir bereits bei der Auferstehung von Jesus. Wir haben einen Horizont über den wir einfach nicht hinübersehen können. Aber das ist auch völlig normal so. Ich meine, passt denn ein Ozean in eine Tasse?

Grenzbegegnungen
Die Bibel als historisches Buch erzählt von zwei Welten: der unsichtbaren Welt und der für uns Menschen sichtbaren Welt. Die Bibel ist voll von Begegnungen mit der unsichtbaren Welt. Engel hatten schon immer Kontakt mit Menschen - nicht nur bei Maria oder den Hirten zur Geburt von Jesus.
Eine andere Geschichte zur unsichtbaren Welt, die ich mega feier, steht in Jesaja 6,1. Jesaja konnte einen Blick in den Himmel werfen! Er war so fasziniert und erschlagen von dem, was er sah, dass er es gerade mal hinkriegte, den Saum von Gottes Gewand zu beschreiben. Nicht gerade das Erste, was mir vielleicht ins Auge stechen würde, aber wahrscheinlich ist der menschliche Verstand zu begrenzt, um das zu fassen, was wir alles im Unsichtbaren vorfinden werden.

Der Blick hinüber
Aber der Überhammer ist meiner Meinung nach die Story, als der König von Aram mit einem ganzen Heer eine Stadt belagern ließ, um Elisa einen Propheten von Gott, zu fangen. Verständlicherweise machte sich sein Diener am Morgen, als er dieses Heer sah, beinahe in die Hosen. Elisa aber sah nicht bloß, was vor Augen war, sondern sah mitten in die unsichtbare Welt hinein und betete zu Gott, dass sein Diener dies auch sehen würde: "Er sprach: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind! Und Elisa betete und sprach: Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe! Da öffnete der Herr dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her" (2. Könige 6, 16-17). Einfach stark.
Uns geht es doch genauso: Wir sind so unglaublich stark fixiert auf all das Greif- und Sichtbare, dass uns Gott wie diesem Diener die Augen öffnen muss, damit wir überhaupt die Realität des Unsichtbaren wahrnehmen können. Und glauben können. Würden wir aber der Bibel, Gottes Wort, glauben, dann gäbe es keine Zweifel.

Nicht zu beschreiben
Das Erforschen dieser gewaltigen Welt des Unsichtbaren ist nicht einfach. Erstens macht es uns Mühe, Dinge zu beschreiben, für die wir keine Worte finden. Schon Johannes hatte mit diesem Problem zu kämpfen, als er in der Offenbarung versuchte, das was er gesehen hatte, mit seiner menschlichen Sichtweise und seinem menschlich beschränkten Wortschätz aufs Papier zu bringen. Das Resultat sind manchmal skurrile Bilder von irgendwelchen feuerspuckenden und gehörnten Wesen. Vielleicht würde sich ein Zeitreisender, der aus dem Jahre 2000 vor Christus kommt, ähnlich unverständlich fürseine Mitmenschen ausdrücken, wenn er denen dann versucht zu beschreiben, was die Menschen im Zeitalter von Computer, Strom und iPhone so alles machen?
Und zweitens ist eine Kontaktaufnahme mit der unsichtbaren Welt nichts, was wir von uns aus versuchen sollten. Denn Gott, der als Schöpfer des Universums in der unsichtbaren Realität lebt, möchte nicht, dass wir einfach diese Grenzen überschreiten, damit wir nicht an die dunkle Seite dieser Welt geraten. "Dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der handelt gegen den Herrn." (5.Mose 18, 10-12)

Aber Gott unter uns 
Damit wir aber trotzdem mit Gott in Verbindung sein können, ist er von sich aus zu uns über die Grenze geschritten. Gott hat diese Grenze zwischen dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren immer und immer wieder überschritten. Alleine im Alten Testament heißt es 2600 Mal: "So spricht der Herr." Aber auch heute noch redet er durch die Bibel oder auch durch Wunder in unser Leben hinein. Sicher aber auch immer wieder durch unsere eigenen Gefühle und Gedanken - was naheliegend ist, da er mit seinem Geist ja in uns drin wohnt (1.Korinther 3,16). Ja, du hast richtig gehört. Gott, der Schöpfer des Universums, wohnt durch seinen Geist in uns drin. Und er überschreitet sogar da drin immer wieder die Grenze zum Sicht- oder Hörbaren. Am krassesten ist aber die Tatsache, dass Gott selbst Mensch wurde. Bämm! Das war mehr als bloß ein Schritt aus dem unsichtbaren Reich heraus. Gottes Sichtbarwerden erreicht in Jesus den Höhepunkt: "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe" (Johannes 3,16).

Flatrate ins Himmelreich 
Wer also mit Jesus lebt, der hat dadurch automatisch Zugang zu seinem Vater, Gott selbst und damit auch zur unsichtbaren Welt. Gottes Geist in uns wird uns mehr und mehr die herrliche Dimension der Welt von Gott aufzeigen. Denn das, was noch nie ein Auge gesehen, ein Ohr gehört oder ein Herz gefühlt hat, das ist uns nicht mehr verborgen: "Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist, der alle Dinge erforscht, auch die Geheimsten Absichten Gottes" (l. Korinther 2,10). Wenn das mir nicht an dieser Stelle ein deutlich hörbares WOW entlockt, dann hab ich wahrscheinlich die volle Bedeutung dieses Satzes nicht verstanden. Am besten also einfach noch ein paarmal lesen. Und dann anfangen, mit dem Unsichtbaren zu rechnen. Denn Gott tut auch heute noch Wunder. Stunde um Stunde. Tag für Tag.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://www.sundaysocial.tv/graphics/live-faith-not-sight-2/

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