Was ist das Evangelium? (TDW 17/2018)

Lesedauer: 7min

Ich dachte, dass ich die Antwort kenne! 

Denkst du auch, du wüsstest die Antwort? Ich dachte das! Bis ich anfing, mich noch einmal neu mit diesem Thema zu beschäftigen! "Was ist das Evangelium?" Was wir zu dieser schlichten Frage denken und sagen, hat Einfluss darauf, wie authentisch und hingegeben wir selber mit Gott leben. Es beeinflusst, wie wir unseren Glauben teilen, was wir von Gott erwarten und wofür wir unsere Talente einsetzen. Neugierig?
Lies bitte zuerst: Römer 1,16

Hey du,
ich will heute mal was ziemlich schräges wagen und das Evangelium, die Gute Botschaft, mit Autos vergleichen. Jap, Autos, du hast mich richtig verstanden. "Diese Dinger mit vier Rädern und einem Motor zur Beförderung von Personen oder Gepäck." So oder ähnlich würden die meisten wahrscheinlich ein Auto beschreiben. Wir denken bei dem Wort "Auto" automatisch an etwas, womit zum Beispiel eine Familie durch die Gegend fahren kann. Aber auch ein LKW fällt unter diese Beschreibung. Oder eben auch ein Go-Kart. Zumindest nach Wikipedia: "Ein Automobil, kurz Auto, ist ein mehrspuriges, von einem Motor angetriebenes Kraftfahrzeug, das zur Beförderung von Personen oder Frachtgütern dient."
Was das alles jetzt mit dem Evangelium und Gott zu tun haben soll? Lass mich es dir erklären: Denn ist es beim Evangelium eigentlich nicht genau gleich? Bei dem Wort "Evangelium" denken wir automatisch an die Sache mit Gott, der Liebe und der Rettung. So im "The Four Style". "Gott liebt dich - du bist aber nicht perfekt und hast Mist gebaut - Jesus kam auf die Erde und starb für dich um für deine Sünden zu zahlen - du wirst gerettet, wenn du ihn um Vergebung bittest und ihn in dein Leben aufnimmst... Eine Botschaft für die Verlorenen, eine, die sie rettet und in den Himmel bringt. Aber ist das "das Evangelium"?

Im Zentrum das Kreuz
In der Bibel taucht das Wort "Evagelium" über 120 Mal auf. Und ganz oft in einem völlig neuen Zusammenhang. Paulus zum Beispiel konnte seine Botschaft sehr prägnant auf den Punkt bringen. "Wir predigen Jesus als gekreuzigt." (1. Korinther 1, 23). Das Evangelium von Paulus ist die Story vom Kreuz. Von Jesus Tod. Gleichzeitig verzweifelter Tiefpunkt und souveräner Sieg. Gott gab alles für dich auf, er verließ sein himmlisches Königreich, verzichtete auf sein sein kingsized Bett und kam in den Dreck dieser Welt um uns zu suchen. Seine geliebten Menschen. Und um uns zu retten. Doch am Ende waren es dann genau wir, die ihn ans Kreuz nagelten. Der Zimmermann - mit seinen eigenen Nägeln geschlagen. Irgendwie ironisch. Und doch der größte Plot-Twist der Geschichte. Denn mit ihm hingen all unsere Fehler, all der Mist der Welt dort am Kreuz um für immer venichtet zu werden.
Jesus gab alles für dich auf, weil du ihm alles bedeutest. 
Und er hat ein für alle Mal die Mauer deiner Fehler eingerissen, die zwischen dir und Gott stand. Damit du in Beziehung mit ihm leben kannst. Damit du als der Mensch leben kannst, den Gott sich ausgedacht hat, als er dich schuf. "Als wir noch Sünder waren ist Jesus für uns gestorben." (Römer 5,8). Die schönste Liebesgeschichte der Geschichte. Das ist die Geschichte, die Paulus in der Bibel erzählt.Eine Geschichte voller Liebe und der größten Hoffnung der Menschheit.
Die Story vom Kreuz ist entscheidend, wenn es um Gottes Rettungsplan geht. Sie ist allein Gottes Werk und zeigt seine gewaltige Gnade. Aber besteht die Botschaft des Evangeliums ausschließlich aus dem, was Gott getan hat?

Unsere Antwort
Der Anfang der Evangelien in der Bibel beinhaltet einen unmissverständlichen Aufruf. Noch bevor Jesus überhaupt geboren war, rief Johannes der Täufer, ein etwas schräger aber von Gott erfüllter Typ, Menschen dazu auf, sich von den Fehlern ihres bisherigen Lebens abzuwenden und Gott um Vergebung zu bitten. Sich für ein Leben mit ihm zu entscheiden. Diesen Aufruf hörten die Menschen später auch von Jesus und von den Aposteln.
Ob vor oder nach dem Kreuz: Menschen sollten zu einer angemessenen Antwort auf das Problem ihrer Sünde herausgefordert werden. Das, was Gott für uns getan hat, fordert eine Antwort. Eine Entscheidung für oder gegen Jesus. Und das brisante daran: Du kannst dich nicht nicht entscheiden, denn keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Es gibt kein vielleicht für Gott. Das Thema können wir also auch heute nicht auslassen, wenn wir das Evangelium so leben und teilen wollen, wie es uns im Neuen Testament gezeigt wird.
Damit wäre dann soweit alles geklärt, könnte man meinen. Sünden vergeben, ewiges Leben, mit Gott versöhnt. Was will man mehr? Die bisher beschriebene Version ist wie ein Kart. Ein Kart kann einen Menschen ins Ziel bringen. So ein Mini-Auto erfüllt seinen Zweck - aber auf einem Kart denkt man hauptsächlich an sich selber und an das Ziel. So wie viele Christen - und da wird es zum Problem. Sie freuen sich über ihre Rettung und wissen, dass sie einmal bei Jesus sein werden. Und das war's dann. Nächstenliebe? Ein Herz für Verlorene? Gottes Reich schon auf der Erde bauen? Fehlanzeige. Ihr Leben zeigt, dass ihr Evangelium recht klein ist - jedenfalls kleiner, als das von Jesus, Paulus und den ersten Christen. Denn in deren Berichten spielten zwei weitere Themenbereiche eine große Rolle, die wir heute oft nur nebenbei erwähnen: die Auferstehung und das Reich Gottes.

Die Nachfolger von Jesus sind am Boden zerstört, als ihr Freund und Lehrer öffentlich hingerichtet wird. Aber am dritten Tag nach seinem Tod erreicht sie die Nachricht, Jesus sei auferstanden. Erst sind die sehr skeptisch. Aber sie müssen sich selbst davon überzeugen: Jesus kommt einige Male zu ihnen, unterhält sich und isst mit ihnen. Einmal sehen ihn über 500 Menschen gleichzeitig. Es gibt keinen Zweifel: Jesus ist auferstanden!
"Wenn Jesus nicht auferstanden ist, ist es sinnlos, dass wir das Evangelium verkünden und sinnlos, dass ihr daran glaubt." (1. Korinther 15,14). Wenn es irgendetwas gab, das die Apostel bei jeder sich bietenden Gelegenheit unterstrichen, dann war es die Tatsache, dass sie den Auferstandenen gesehen hatten. Jesus lebt! Ohne die Auferstehung ist der Glaube sinnlos! Wenn Jesus tot ist, ist alles Reden über Vertrauen und Hoffen heiße Luft. Aber das Evangelium bleibt nicht beim Kreuz stehen.
Es geht Gott nicht nur um die Bewältigung der Vergangenheit, sondern um den tatsachlichen Beginn eines neuen Lebens. Perspektive Ewigkeit.
Dadurch, dass Jesus auferstanden ist, sind wir erst gerettet. Gott bestätigt, dass unsere Schuld beglichen ist, indem er Jesus von den Toten auferweckt. Er hat gezeigt, dass das Leben nicht mit dem Tod vorbei ist, dass er stärker ist, als alles andere. Und er hat uns versprochen, dass wir, wenn wir an ihn glauben genauso auferstehen werden. Bääm! Spätestens hier ist das "Kart" des Evangeliums zum "Familienvan" geworden. Bei Auferstehung von Jesus geht es nicht mehr nur um mich und meine Rettung sondern sie hat auch Auswirkungen auf mein Umfeld und auf die gesamte Weltgeschichte.

Doch damit ist es immernoch nicht vorbei. Da war doch noch was. Reich Gottes? Kann das sein? Paulus sprach von Gott, dem unsichtbaren König, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Denn die ganze Geschichte der Bibel war nur der Anfang, ein Teil von etwas viel größerem. Etwas dynamischem, das wächst, und das lebt durch die, die daran bauen. Gottes Reich. Wenn Jesus, Paulus und die anderen Apostel vom Reich Gottes redeten, dann arbeiteten sie daran,Gottes Willen zu leben, dass Menschen Gott kennenlernten, und Gemeinden gegründet wurden - und das mit stetig wachsendem Radius.
Wenn jemand in diesem Sinn das Evangelium hört, versteht er sich plötzlich als Teil eines riesengroßen Unternehmens. Gott hat einen genialen Plan für diese Welt und wir sind seine königlichen Botschafter.
Verstehst du, warum ich an Anfang auf eine "LKW-Version" des Evangeliums anspielte? "Das Evangelium" scheint bei Gott doch eine ziemlich umfangreiche Sache zu sein und weitaus mehr zu betreffen als nur mich und meine Beziehung zu Gott. Und in der Bibel gibt es noch weitere Winkel, aus denen man auf Gottes gute Nachricht blicken kann. Was also ist das Evangelium?

Lebendige Message
"Ihn (Jesus) verkündigen wir", sagt Paulus in Kolosser 1,27 schlicht. Und auch Philippus predigte wenn er vom Evangelium erzählte von "dem Christus" (Apostelgeschichte 8,5). Das Evangelium war für sie eine Person: der Sohn Gottes. Die menschgewordene gute Nachricht!
Wie überschreibt Markus seinen Bericht über das Leben von Jesus? "Anfang des Evangeliums Jesu Christi" (Markus 1,1). Und auch die anderen Lebensberichte wurden schlicht "Evangelium nach ..." genannt.
Alles, was Jesus tat und sagte, wie er lebte, litt und wieder auferstand - alles war Teil des Evangeliums. 
Trost, Gericht, Gemeinschaft, Gebote, Freundlichkeit, Entschiedenheit, die Beziehung zu Gott und zu Menschen - alles ist die "gute Nachricht" für uns.
Und Paulus spricht noch von einem weiteren Aspekt. In Römer 16, 25 setzt Paulus sein Evangelium mit dem seit ewigen Zeiten verschwiegenen und jetzt geoffenbarten Geheimnis gleich. In Kolosser 1,25 nennt er das gleiche schlicht "das Wort Gottes". Für ihn ist das Evangelium auch die Wahrwerdung der Prophezeihungen aus dem Alten Testament. Die Bestätigung, dass Gott einen Plan für diese Welt hat.

Nachdem unsere Vorstellung von "dem Evangelium" nun gefühlt die Größe einer Road-Train erreicht hat, stellt sich die Frage, was wir damit machen. So tun, als wäre es kleiner? Einfach so weiterleben wie bisher, ist ja eigentlich ganz nett so?
Ich glaube wir sollten anfangen, das Evangelium als ganzes zu sehen. Nicht immer nur die Schokoladenseite. Und wir sollten es als Ganzes leben. Dann erst wird sich das volle Potential dieser Worte in unserem Leben zeigen. Dann erst wird diese Botschaft wirklich die Macht haben unser gesamtes Umfeld auf den Kopf zu stellen und Berge zu verschieben. Gottes Geschichte ist so viel größer als wir oft glauben. Sie geht über unseren Horizont heraus, sie sprengt Grenzen, sie reißt Mauern ein und sie verbindet.
Wir Christen haben die großartigste Story der Geschichte. Und es wird höchste Zeit, dass wir anfangen die Wahrheit und Schönheit dieser Geschichte zu erzählen.
Lasst uns endlich anfangen, über unseren Horizont hinauszuschauen und in der Geschichte zu leben, wozu Gott uns geschaffen hat. Und lass uns dort mit Gott Geschichte schreiben, wo er ist. Hier, bei dir und mir. Jetzt.


Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://tofo.me/youversion

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